Forum: Netzwelt
Web Summit in Lissabon: Wie Tim Berners-Lee das Internet retten will
JOSE SENA GOULAO/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Er hat das World Wide Web erfunden. Heute sagt Tim Berners-Lee: Das offene und freie Web ist in Gefahr, höchste Zeit für eine Rettungsmission. Aber für die braucht er Hilfe.

Seite 1 von 3
hbblum 06.11.2018, 15:37
1. Naiv ist das ja schon.....

Da wird eine Millionen teure Veranstaltung auf dem Messegelände in Lissabon veranstaltet, weltweit operierende Konzerne sponsern das Ganze und unsere Nerds jammern über die Kommerzielle Nutzung des Internets? Was passiert wenn sich Regierungen um so etwas kümmern, kann man sich ansehen wie das früher bei der Deutschen Post war (die älteren erinnern sich noch), ich sage nur BTX.

Firmen investieren nun mal Geld, um diese zu vermehren. Das ist das vorrangige Interesse von Firmen und warum soll das ausgerechnet im Internet anders sein?

Und der Konsument? Der konsumiert halt.....

Beitrag melden
Newspeak 06.11.2018, 15:58
2. ...

Na ja, die grossen Internetplayer sind auch deshalb gross geworden, weil sie eine Leistung anbieten, die eine bestimmte Qualitaet hat. Wer soll denn einen Browser zur Verfuegung stellen, wenn nicht a) eine Firma mit tausenden von Mitarbeitern, oder b) ein open source Projekt mit tausenden von Mitarbeitern, das sich mit der Zeit in a) entwickelt (siehe Wikipedia und die entsprechende Foundation dahinter), oder c) der Staat mit tausenden von Mitarbeitern. Aber irgendeine Abhaengigkeit besteht technisch immer. Die einzige Moeglichkeit, dem zu entrinnen, waere, mal futuristisch gedacht, eine genetisch kodierte Schnittstelle zur Kommunikation, die, sobald sie einmal erfunden wurde, autonom vererbt wird, und jedem Menschen schon ab der Geburt zur technischen Kommunikation zur Verfuegung steht. Die kann man dann nur noch durch Eingriff in die koerperliche Unversehrtheit zensieren, also das, was klassisch in Diktaturen geschieht, wenn Leute "verschwinden".

Beitrag melden
StefanieTolop 06.11.2018, 16:09
3. Zu Tim Berners Lee

Es gibt ja auch viele Journalisten, die glauben, Internet und Google sind das Gleiche. Gut für diese Menschen ist das vermutlich so. Deswegen zur Korrektheit: Tim Berners Lee hat mitnichten das Internet bzw. WWW oder die Grundkonzeption dazu entworfen. Was er geleistet hat ist die Entwicklung einer beschreibenden "Programmiersprache" (HTML) und die Darstellung der Inhalte mittels eines Browsers. Dadurch wurde die auf reiner Textform basierende Informationsflut strukturierter darstellbar und somit umgänglicher. Das ist etwas vollkommen anderes als die "Erfindung" des Internets. In jedem Fall haben seine Ideen das Internet/WWW angenehmer gemacht.

Beitrag melden
gewappnetTS 06.11.2018, 16:48
4.

Zitat von StefanieTolop
Es gibt ja auch viele Journalisten, die glauben, Internet und Google sind das Gleiche. Gut für diese Menschen ist das vermutlich so. Deswegen zur Korrektheit: Tim Berners Lee hat mitnichten das Internet bzw. WWW oder die Grundkonzeption dazu entworfen.
Der Artikel ist da schon ganz korrekt. Er betont ja gerade, dass Lee eben nicht das Internet erfunden hat, sondern das World Wide Web (WWW). Das WWW ist ja nichts anderes als ein Hypertextsystem, was als Dienstschicht im Internet läuft. Und genau das ist es, was Lee da entwickelt hat. Die Einzelkomponenten und -konzepte gab es alle vorher schon (Internet, Hypertext, Markup-Languages), aber er hat daraus das gemacht, was zu dem geführt hat, was wir heute alle nutzen.

Beitrag melden
m.b. 06.11.2018, 16:55
5. Naivität

Naivität ist bei Kindern eine wunderbare Sache. Bei Erwachsenen, vor allem wenn sie Verantwortung zu tragen haben, ist Naivität fehl am Platz. Mir scheint, Herrn Tim Berners-Lee hat das Problem nicht wirklich erkannt. Was als Projekt zwischen universitären Instituten zum Verschicken von emails zwecks Ideenaustausch prima funktioniert hat, bekommt in der globalen Umsetzung eine ganz andere Dynamik und Dimension. Mit dem Satz "Regierungen versuchen zunehmend das Internet zu kontrollieren." bringt Herr Tim Berners-Lee doch auf den Punkt, wieviel Verständnis er von Demokratie und Freiheit hat. Nämlich gar keins! Er glaubt anscheinend allen Ernstes, dass Freiheit und Demokratie darin besteht, in dem es gar keine Regulierungen und keine Gesetze gibt. So wie ich es aber in der Schule gelernt habe und meine Erfahrung als aktiver Bürger in einer Demokratie habe machen dürfen, dann sind es Institutionen, die in mühsamer (Klein-)Arbeit über die Jahrhunderte errichtet worden sind, die jedem Bürger einer westlichen Nation zumindest ein Mindestmass an Demokratie, Selbstbestimmung und Freiheit garantieren. Ich sehe vorläufig keinen substantiellen nachhaltigen Beitrag durch das Internet. Oder will jemand ernsthaft behaupten SocialMedia, allen voran FaceBook und Twitter würden die Demokratie positiv beeinflussen? FaceBook hat sich von Anfang an geweigert, soziale Verantwortung zu übernehmen und versucht sich immer noch jeder Kontrolle durch westliche Regierungen, die notabene demokratisch gewählt sind, zu entziehen ... Herr Tim Berners-Lee Lösungsvorschläge dazu sind die gleichen wie vielen unkritischen sich nicht selbst reflektierenden Technokraten: Noch mehr Technik! noch mehr Internet! Das etwa so intelligent, wie wenn ein Onkologe behaupten würde: Man muss nur die Dosis erhöhen, damit mach ich jeden Krebs platt!

Beitrag melden
neowave 06.11.2018, 17:15
6. Ich wiederspreche

Ich wiederspreche Ihnen in jedem einzelnen Punkt - insbsondere ärgert es mich, wenn jemand wie Sie Tim Berners-Lee Dummheit unterstellt. Ansonsten - ich habe mich damit abgefunden, das sich die "aufgeklärten" Bürger aus ihrer selbstverschuldeten (IT-) Ignoranz und Dummheit nicht befreien können und/oder wollen. Egal Karl.

Beitrag melden
finya-satchmo 06.11.2018, 17:20
7. Die Richtung stimmt

Als Internet-Nutzer und Macher der ersten Stunden (naja- sagen wir Monate) erlaube ich mir einen Kommentar zu den Punkten von Berners-Lee.
Es stimmt, dass unsere anfängliche Zielvorgabe "offen und kostenlos für alle" nicht bedacht hatte, dass eine so grosse Sache in einem kapitalistischen Weltsystem nicht bestehen kann (es konnte sich damals auch niemand vorstellen, was aus dem wurde, was wir da machten).
So hat sich das heutige System der "verdeckten" Bezahlung (durch kosten- und bedingungslose Überlassung von Daten) entwickelt - und statt einer neuen Freiheit eine neue Bedrohung gezeugt.

Ob die Antwort (Bezahlen der Nutzung von Internet-Content, im Gegenzug dafür Rückgabe der Herrschaft über die eigenen Daten) heute noch durchsetzbar ist - da habe ich meine Zweifel.
So wie ich auch daran zweifele, ob "die Staaten" noch die regulative Rolle spielen können, die er andeutet.
Ich befürchte, dafür ist es zu spät.
Selbst die - im Kern richtige - Forderung der europäischen Linken, die EU Kartellgesetze auch in der Welt des Internet durchzusetzen, ist zu klein gedacht. Lösungen kann es nur noch global geben.
Ich sehe da schwarz für meine Enkel.

Beitrag melden
neowave 06.11.2018, 17:38
8. #5 @m.b. Ich wiederspreche

Ich wiederspreche Ihnen in jedem einzelnen Punkt - insbsondere ärgert es mich, wenn jemand wie Sie Tim Berners-Lee Dummheit unterstellt. Ansonsten - ich habe mich damit abgefunden, das sich die "aufgeklärten" Bürger aus ihrer selbstverschuldeten (IT-) Ignoranz und Dummheit nicht befreien können und/oder wollen. Egal Karl.

Beitrag melden
multi_io 06.11.2018, 17:40
9.

Zitat von StefanieTolop
Es gibt ja auch viele Journalisten, die glauben, Internet und Google sind das Gleiche. Gut für diese Menschen ist das vermutlich so. Deswegen zur Korrektheit: Tim Berners Lee hat mitnichten das Internet bzw. WWW oder die Grundkonzeption dazu entworfen.
Das Internet nicht, das WWW sehr wohl. Was anderes sagt auch der Artikel nicht. Berners-Lee hat nicht bloß HTML erfunden, sondern auch das Transportprotokoll (HTTP) zum Austausch der verlinkten Ressourcen. Das ist "das WWW".

Beitrag melden
Seite 1 von 3
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!