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Weltmacht Google - wie gefährlich ist der Internet-Gigant?

Google strebt auf vielen Gebieten nach vorn. Das marktführende Suchportal hat sich längst als innovatives, aber auch datenhungriges Unternehmen profiliert. Das führte zu heftiger Kritik und Warnungen. Ihre Meinung: Wie gefährlich ist der Internet-Gigant?

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altais 14.08.2010, 16:09
1350. ..

Zitat von SunSailor
Erschwerend kommt hinzu, dass es hier in erster Linie darum geht, das anscheinend die Autokennzeichenverpixelung in der Schweiz versagt. Und das kann auch ich gut verstehen, denn die Autokennzeichen in der Schweiz sind öffentlich einsichtig. Da würden in der Tat Persönlichkeitsrechte verletzt, das muss funktionieren. Vorher kann SV in der Schweiz nicht an den Start und das ist auch gut und richtig. Aber auch ist in dem Artikel zu lesen, dass die Bevölkerung, von Ausnahmen abgesehen, keine Probleme mit SV hat.
Ja, Verkehrsschilder-Verpixelung muss funktionieren, stelle mir das aber auch als ordentliche Herausforderung für eine Software vor.

Google macht auch Fehler. Erinnere mich noch gut an die besoffenen Passanten und heimlichen Puffbesucher die via Street-view in den USA zu Anfangszeiten enttarnt wurden. (Ups, neue Munition?) Hatte aber auch was komisches. Wer tagsüber aus dem Puff kommt :) .... nene. Das ist unfair.

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Usambaras 14.08.2010, 16:09
1351. ....

Zitat von garry deville
Ich empfehle vor allem die phantastischen Landschaften in den Hinterhöfen von Castrop-Rauxel oder die Häuserschluchten von Hamburg-Mümmelmannsberg. Besuchen Sie auch mit SV die heimelige Versmolder Straße im Landkreis Osnabrück. Das steigert ungemein die Lebensqualität.....
Sie werden lachen, aber das würde es tatsächlich tun, weil es mir vergegenwärtigt, welch Glück mir im Leben beschieden wurde, dort nicht leben zu müssen. ;-)
Mal abgesehen davon, dass Street View eben nicht in Hinterhöfe gucken kann....

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titurel 14.08.2010, 16:13
1352. Das mit den Hinterhöfen....

Zitat von Usambaras
Sie werden lachen, aber das würde es tatsächlich tun, weil es mir vergegenwärtigt, welch Glück mir im Leben beschieden wurde, dort nicht leben zu müssen. ;-) Mal abgesehen davon, dass Street View eben nicht in Hinterhöfe gucken kann....
wird auch noch kommen! Da bin ich mir sicher.

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Mathi83 14.08.2010, 16:15
1353.

Erstmal danke, dass das Urteil zur Panoramafreiheit sich auf öffentliche Gebäude bezieht! Wie sieht es nun mit den privaten Bereich aus. Dazu habe ich folgendes BGH-Urteil gefunden.

Zitat von SunSailor
Nein, er, und auch ich, wollen wissen: Um den Aufruf zu WELCHER Straftat soll es sich denn handeln? Und ich betone auch noch einmal die STRAFtat!
Quelle: http://lexetius.com/2003,3302
Bundesgerichtshof

GG Art. 1, Art. 2, Art. 5; BGB § 823 Abs. 1, § 1004

a) Grundsätzlich stellt es einen Eingriff in die Privatsphäre dar, wenn jemand unter Überwindung bestehender Hindernisse oder mit geeigneten Hilfsmitteln (z. B. Teleobjektiv, Leiter, Flugzeug) den räumlichen Lebensbereich eines anderen ausspäht.

b) Zu den Voraussetzungen unter denen Luftbildaufnahmen [...]
---

Ich zähle da Autos, LKWs etc. dazu. Was habe ich daran übersehen, dass das hier nicht greift?

---

Ich frage nochmal vom anderen Blickwinkel aus: Google ist ein profitorientiertes Unternehmen. Warum sollen die etwas machen, was für die keinen Profit bringt und angeblich nur den Nutzer was bringt?

Bitte mal beantworten!

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garry deville 14.08.2010, 16:22
1354. Tz, tz...

Zitat von Usambaras
Sie werden lachen, aber das würde es tatsächlich tun, weil es mir vergegenwärtigt, welch Glück mir im Leben beschieden wurde, dort nicht leben zu müssen. ;-) Mal abgesehen davon, dass Street View eben nicht in Hinterhöfe gucken kann....

Mensch Usambaras, Sie machen Ihr lebensglück von so was Überflüssigem wie SV aB....

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altais 14.08.2010, 16:27
1355.

Zitat von Modalverb
Dass eben die Möglichkeit, egalitär und hürdenfrei auf diese Geo-Bilddaten zuzugreifen den Souverän des Volkes stärkt, das passt wohl manchen preußischen Geistern nicht so ganz...
Das ist auch der Punkt, der mir Kopfzerbrechen macht. Wieso kapieren die Leute nicht, dass ihre Möglichkeiten gestärkt und erweitert werden. So ein Zugriff auf Informationen hätte in alten Industrialisierungszeiten den Verbraucher hunderte Euro im Jahr gekostet. Und alle hätten danach gelechzt. Dazu kommt, dass sie das Geschäftsmodell nicht verstehen. Wieso macht Google das? Und schon sprießen die Ängste. Am schlimmsten: die Politiker verstehens auch nicht, heizen die Stimmung noch zusätzlich an.

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Modalverb 14.08.2010, 16:30
1356. Nexus zur Netzpolitik

Zitat von buster98
Die Diskussion rund um Google Streetview ist weitestgehend sinnbefreit. Gerade Politiker, die in den letzten Jahren so phantastische Kunststücke wie die Voratsdatenspeicherung, ELENA, die elektronische Gesundheitskarte oder den elektronischen Personalausweis vollbracht haben, spielen sich jetzt als die Heilsbringer des Datenschutzes auf, um ihr angeschlagenes Image in diesem Bereich aufzupolieren. Traurig ist eigentlich nur, dass sich von mir sehr geschätze Menschen wie Peter Schaar mit vor diesen Karren spannen lassen.
Hier schließt sich der Kreis. Kaum einer wagt sich damit zu konfrontieren, was eigentlich abgeht. Das Internet, ein loser Verbund zum Wissensaustausch, die ultimative Befreiung der Information, wird diabolisiert.
Logische Folge, dass die (frei nach Nietzsche) „Gewollten“ sich wie folgt äußern:
Zitat von Mathi83
[…] - die Notwendigkeit für Regularien fürs Internet als altertümlich angesehen werden […]
Es geht hier nicht um eine epochale Festlegung, der Anachronismus einer Regulierung ist strukturell und machtpolitisch bedingt. Doch scheinen die Abwehrnetzwerke langsam, aber endgültig die digitale Aufklärung zu zerstören.

Wer in den letzten Jahren erfolgreiche Politik mit dem Internet macht ist fast ausnahmelos die Content-Industrie. Konzernen wie Viacom oder andere Holdings des Privatfernsehens (oder sollte man Verblödungsfernsehens sagen?) geht es einzig darum, das Netz zu regulieren, die Netzneutralität abzuschaffen und ein asymmetrisches Konsumenten-Medium zu schaffen.

Das ist keine Konspiration, sondern öffentlich in Statements aller Beteiligten nachzulesen, wer zweifelt verfolge z.B. mal die News hierzu auf golem.de oder einer anderen NOOP-freundlichen IT-News-Seite. Doch was hat dies mit Westerwelle und Co zu tun?

Die unspezifische Angst, die anhand jedwelchen Anlasses geschürt wird, treibt die Masse der Internetverweigerer in die Arme der Regulierer, Beschützer und Verwalter. Dass Deep-Packet-Inspection, „Filterung“ und Manipulation aller Layers zum Alltag wurde stört hier nicht. Gewinnen werden langfristig nur die etablierten Player, deren Imperium nun zurückschlägt. Und welchem Lager die FDP nahesteht mag sich jeder selbst denken...

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SunSailor 14.08.2010, 16:37
1357.

Zitat von Mathi83
a) Grundsätzlich stellt es einen Eingriff in die Privatsphäre dar, wenn jemand unter Überwindung bestehender Hindernisse oder mit geeigneten Hilfsmitteln (z. B. Teleobjektiv, Leiter, Flugzeug) den räumlichen Lebensbereich eines anderen ausspäht. Ich zähle da Autos, LKWs etc. dazu. Was habe ich daran übersehen, dass das hier nicht greift?
Der konkrete Personenbezug, der ist in der Juristerei immer sehr wichtig. Da Google StreetView allgemein die Strassen abfährt und sich auch einen feuchten Kericht um die Namen an den Klingelschildern interessiert, besteht hier kein Personenbezug, besagte Grundrechtsbruch findet also erst gar nicht statt. Bei einem Prominentenfoto findet man das Bild ja am nächsten Tag auf der Titelseite mit dem Zusatz "So wohnt Dieter B. aus Tötensen wirklich!" oder so. Es findet, allgemeiner gesprochen, keine Verknüpfung zwischen der Privatperson und dem Foto statt. Das ist ähnlich, wie mit Beleidigungen. Ich kann auch auf die Polizeidienststelle gehen und sagen "Beamte sind faule Schweine!". Da ich aber niemanden konkret anspreche, findet auch keine Beleidigung statt. Wenn ich aber auf die gleiche Dienststelle stürme und rufe "Hauptkommissar Müller-Schulze-Lansky ist ein faules Schwein!" kann ich mir sicher sein, dass man sich darum kümmern wird. Siehe auch das berühmte Soldaten-Urteil aus den 90ern.

Zitat von Mathi83
Ich frage nochmal vom anderen Blickwinkel aus: Google ist ein profitorientiertes Unternehmen. Warum sollen die etwas machen, was für die keinen Profit bringt und angeblich nur den Nutzer was bringt?
Für Google dürfte StreetView eine Ergänzung von GoogleMaps sein. Und dieses ist für Google eine große Litfassäule, denn man kann dort sein Unternehmen eintragen und das wird man sich wahrscheinlich mal vergolden lassen. Grundsätzlich muss man hinter Google aber eine sehr exotische Kapriole der Marktwirtschaft ansehen, denn es gibt wahrscheinlich kein Unternehmen, bei dem Einkommensschiene und Projektentwicklung so stark voneinander getrennt sind. StreetView ist ein Experiment, das über Werbeeinnahmen aus der Suchmaschine finanziert wird. Es gibt eine Menge anderer Engagements, wo man sich sogar sicher sein kann, dass Google damit nie einen müden Cent verdienen wird, andere, bei denen man mit etwas Phantasie zukünftige Erlösmodelle erahnen kann, z.B. eine virtuelle Büropräsent unter Zusammenschaltung von GoogleDocs, GoogleMail und einigen anderen. Man wird zwar wahrscheinlich nicht mal für die Dienste selbst bezahlen, aber für die kompfortable Integration ineinander, die liegt nämlich noch sehr im Argen. Das breit angelegte Sponsoring von OpenSource Projekten dagegen z.B. wird nie etwas abwerfen. Google ist ein spannendes Unternehmensexperiment, wer sich mal näher mit dem Unternehmen an sich beschäftigt, würde überrascht sein. Aber natürlich ist es einfach, Google einfach als Black-Box-Konzern zu sehen und erst einmal pauschal zu verdammen.

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harrosurfjoker 14.08.2010, 16:38
1358.

Zitat von Gabosch
Hallo, ... Naja , aber wenn man auf der Welle mitreiten kann und sogar noch den Leuten vorgaukeln kann man würde sich für ihre Rechte einsetzen ist das doch super!
Moin,
seh ich ganz genauso. Wie schon Heinz-Rudolf Kunze sagte,

"Der liebe Gott sieht alles, die Nachbarschaft noch mehr".

Meckern über Google, aber Payback-Karte, Facebook-Profil und Youtube fleissig mit Informationen füttern, das passt alles nicht.

Gruss
Harro

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SunSailor 14.08.2010, 16:41
1359.

Zitat von Mathi83
Quelle: Bundesgerichtshof
Ich möchte hierzu noch detailiert die Aufmerksamkeit auf Abschnitt 22bb der Urteilsbegründung lenken:

"bb) Die Einordnung des Grundstücks als räumlicher Schutzbereich der Privatsphäre besagt aber noch nichts darüber, ob bzw. inwieweit dieser Bereich selbst - neben dem Grundrechtsträger - am Grundrechtsschutz teilhat. Es stellt sich vielmehr die Frage, ob die Veröffentlichung und Verbreitung der Fotografien des Anwesens unter namentlicher Zuweisung an die Klägerin in deren Privatsphäre eingreift."

Es ist also auch hier die konkrete Zuordnung zwischen Aufnahme und Name der Klagenden. Frage beantwortet?

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