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Wenig Kabel, viel Druck: Kabellose In-Ohr-Kopfhörer im Test
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Ohrhörer mit Bluetooth sind klein genug, um immer dabei zu sein. Und es gibt keine Kabel, die sich in der Tasche verheddern. Wie sie klingen und was sie noch können, klärt unser Test.

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jean-baptiste-perrier 07.12.2017, 05:58
70. Zum Schallplatten-Mythos:

Rein mess-technisch betrachtet reproduzieren Schallplatten die aufgenommene Musik zwangsläufig schlechter als eine CD. Es wird zusätzlich stets etwas hinzugefügt was im Original nicht vorhanden ist: Rauschen, Verzerrungen, et cetera. Diese analogen Artefakte werden jedoch von den meisten Menschen als angenehm empfunden (analoge Wärme).
Darüberhinaus ist die Wiedergabe natürlich dezent instabil (Pegel, zeitliche Abfolge, etc.). Diese Ungenauigkeit ist angenehmer als die technisch perfekte digitale Präzision. Musiker die sich mit Digital Audio Workstations beschäftigen, kennen das generelle Problem der digitalen Präzision und dem damit auftretendem Gefühl der Sterilität.
Vor diesem Hintergrund ist der audiophile High End Plattenspieler-Wunschtraum im mehrstelligen tausend Euro Bereich (der all diese Fehler und Instabilitäten gegen null minimieren soll) ein grober Unfug. Der Plattenspieler für 150 Euro produziert letztlich mehr analoge Wärme als der perfekt benadelte und motorisierte, atombomben-sichere High End Platten-Altar.

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jean-baptiste-perrier 07.12.2017, 06:20
71. Zu lossy vs. lossless:

Musikhören ist ein sinnlich emotionaler Vorgang und keine mess-technische Analyse im Audio Labor. Neben der Musik werden andere Reize vom Gehirn parallel wahrgenommen (optische, taktile, olfaktorische, etc.). Das relativiert alle Labor-Anordnungen von Doppel-Blind-Tests und anderen analytischen Ansätzen um bewußt Unterschiede/Artefakte aufzuspüren. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sind schön und gut, haben jedoch nichts mit dem tatsächlichen Musikhören im echten Leben zu tun. Und selbst wenn man bewußt nach Unterschieden/Artefakten sucht, dann lassen sich da keine pauschal richtigen Aussagen treffen bei welchem Kompressions-Format ab welcher Bitrate diese noch wahrnehmbar sind. Das Musik-Genre ist ein entscheidener Faktor. Bei sehr dynamischer Orchester- oder Jazz-Musik (großer Dynamic Range) sollte man bei MP3 eher 320 kbit empfehlen (oder eben FLAC). Für normalen Pop/Rock/Blues/RnB/etc. sollte 256 kbit MP3 ausreichen. Bei extrem komprimierter Audio Dynamik (bitte nicht mit Daten-Kompression verwechseln) wie bei Techno und ähnlichem Kirmes-Gedudel kann man auch mit 192 kbit MP3 gut leben. Das man den früheren quasi Standard von 128 kbit CBR MP3 als generell offenkundig minderwertig einschätzt, liegt an der flächendeckenden Nutzung von LAME. LAME ist für VBR im Bereich zwischen 192 bis 320 kbit optimiert. Die alte LAME Version 3.93.1 liefert hingegen bei CBR/VBR 128 kbit viel bessere Ergebnisse als alle neueren. Die beste MP3 Qualität bei CBR 128 kbit liefert jedoch immer noch der Fraunhofer Codec. Für Musik kommt das natürlich nicht mehr infrage. Wer jedoch bei Hörspielen, Hörbüchern oder Radio-Features unbedingt MP3 verwenden will/muss, dem sei der Fraunhofer Codec mit CBR 128 kbit empfohlen - für Sprache plus etwas Ambience-Geräuschen ist das ausreichend. LAME (ausgenommen die Version 3.93.1) produziert im Vergleich bei CBR 128 kbit jedoch durchgängig Artefakte selbst bei reiner Sprache.
Es gibt sogar einige Fälle wo eine lossy Kopie besser (angenehmer) klingen kann als der Original Titel von der CD. Das betrifft natürlich nur Fälle von Versagen beim Mastering.
Also Titel die mit hochfrequentem Gezirpe und Geraschel auf CD gepresst wurden. Wenn man so etwas z.B. in AAC+ kodiert, wird das hochfrequente Chaos quasi glatt gebügelt. Was bei einer guten Quelle zu deutlichen Verlusten führt, bewirkt in diesem Fall eine angenehme Säuberung. Bei mir persönlich kommt es immer auf den jeweiligen Einsatzbereich an, ob FLAC, LAME, AAC oder AAC+ (SBR+PS) zum Einsatz kommt. Wer jenseits von Musik sehr viele Hörbücher, Hörspiele und Radio-Features nutzt, der sollte durchaus AAC+ (SBR+PS) mit 64 kbit VBR mal ausprobieren. Dann kann man die dort gesparten Bits stattdessen für FLAC bei anspruchsvoller Musik verwenden.

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chk23 07.12.2017, 09:57
72.

Zitat von ghp2
mp3 mit 128 KBit/s klingen schön analog, nicht wahr? Klang(von der "Quelle" an) kann man erst beurteilen wenn man sich wochen-, wenn nicht monatelang in eine Wiedergabekette eingehört hat. Erst dann(!) sind A/B Test sinnvoll, ansonsten kann man da auch tricksen. Wie wollen Sie den wiedergegeben Klang beurteilen wenn Sie nicht mal die Aufnahme kennen?
Darum geht es doch in A/B Tests, Sie bekommen *beide* Quellen, das "Original" *und* das komprimierte zu hören.
Was das wochenlange "Einhören in die Wiedergabekette" betriffT: Ich bitte Sie, wir reden hier immer noch über Smartphone-Kopfhörer und nicht über Röhren-Endstufen im Preisbereich von 5000€...

Zitat von
Wenn eine beschissene Aufnahme gut/besser klingt stimmt was nicht. Je besser eine Wiedergabekette ist desto schlechter klingt eine schlechte Aufnahme und desto besser eine gute. Sie haben also eine schlechte Aufnahme und die klingt dann besser? Was sagt das aus?
Nein, das sagt aus, dass "besser klingen" ein rein subjektives Urteil ist, das nichts mit Qualität, Authentizität oder möglichst originalgetreuer Abbildung des Ausgangsmaterials zu tun hat. Das sieht man ja auch immer wieder schön bei der Vinyl-Diskussion - rein objektiv, wenn man nach Dynamik, Frequenzumfang, Verzerrung usw. geht, dann ist die Vinyl gegenüber einer CD immer eine "beschissene Aufnahme", trotzdem wird die "warme, analog klingende" Schallplatte im Allgemeinen als "besser klingend" empfunden als die "kalte, digitale CD".

Zitat von
Ich meine, es gab mal iPods mit 20% Klirrfaktor bei bestimmten EQ Einstellungen, aber wer hat's gehört? Ok, ich dachte, der Toningenieur wäre besoffen gewesen, aber Apple kannte zumindest damals nicht mal die minimalsten Grundsätze der digitalen Signalbearbeitung.
Wer nutzt denn bitte einen EQ bei hochwertigen Quellen auf einem portablen digitalen Gerät? Der Klirrfaktor der alten iPods war mit 0,008% hervorragend, und auch die Neuauflage, der "Classic" lag mit 0,045% noch im oberen Mittelfeld bei den portablen MP3-Playern.

Zitat von
Messergebnisse? Die gab's, aber die komplette Ignoranz halt auch. Seit dem kriegt Apple keine Cent mehr von mir!
Wegen eines digitalen EQs, den vielleicht der ein oder andere unbedarfte Teenie benutzt, um mehr "fette Bässe" rauszuholen, aber den sowieso *niemand*, dem an einer halbwegs ordentlichen Klangqualität gelegen ist, benutzten würde? Naja, jedem das seine...

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ElkeOspert 07.12.2017, 12:28
73.

"mp3 mit 128 KBit/s klingen schön analog, nicht wahr?"
Würde ich nicht sagen....

"Klang(von der "Quelle" an) kann man erst beurteilen wenn man sich wochen-, wenn nicht monatelang in eine Wiedergabekette eingehört hat. Erst dann(!) sind A/B Test sinnvoll, ansonsten kann man da auch tricksen."

Die ct hat folgendes gemacht - diverse Songs wurden von CD gerippt und mit mp3 kodiert. Die komprimierte mp3 wurde dann wieder (digital) in PCM /WAV zurückgewandelt und damit wurden dann Test-CDs gebrannt die Songs sowohl im "Original" als auch mit mp3-komprimierte und dekomprimierte enthielten.
Die Wiedergabekette war also exakt dieselbe..
Wo genau wollen Sie da tricksen können?
"Wenn eine beschissene Aufnahme gut/besser klingt stimmt was nicht."

Es gibt Software die bestimmte Störung (zum Beispiel von digitalisierten Schallplattenaufnahmen) bis zu einem gewissen Grad "wegbügeln" kann so dass sich das Ergebnis zumindest für manche hinterher besser anhört.
"Je besser eine Wiedergabekette ist desto schlechter klingt eine schlechte Aufnahme und desto besser eine gute."
"Klang" und "klingen" sind subjektive Größen.

Entspannt auf dem Sofa mit einem Glas Wein in der Hand mag sich die exakt gleiche akustische Signalinformation wesentlich besser anhören als wenn man mit Zahnschmerzen auf den Termin beim Arzt wartet.

Die aktuelle Uhrzeit von der gerade neu erworbenen Rolex am eigenen Handgelenk abzulesen vermittelt einem wohl auch ein besseres Gefühl als die (genauere) Uhrzeit von einer 20-Euro-Quarzuhr made in China abzulesen

In Tests hat man den Hörern auch schon erzählt dass sie die gleiche CD erst über einen 80-Euro-CD Player hören und anschließend mit einem CD-Player für 2000 Euro.
Da empfinden typischerweise mehr als 90% der Testhörer die Wiedergabe über den 2000 Euro Player deutlich besser - auch dann wenn gar nicht umgeschaltet wurde und der gleiche Song zweimal über den Billig-Player abgespielt wurde.

Mit (sehr) weitem Abstand geht innerhalb der Signalkette am meisten bei der Wiedergabe im Lautsprecher verloren.
Verglichen mit den Verlusten die dort (auch bei sehr teuren Lautsprechern) entstehen ist alles andere praktisch vernachlässigbar.
Die 2000 Euro für den "Edel-CD-Player" sind also weitaus besser in Lautsprecher investiert.
Aber auch da gibt es Grenzen wo es keinen Sinn mehr macht - weil das menschliche Ohr verglichen mit moderner Technik ein eher bescheidenes Instrument ist
Ein bisschen ist das wie mit mechanischen (sozusagen Analogtechnik) und elektronischen Uhren (sozusagen Digitaltechnik)

Aufwendige mechanische Uhren haben durchaus ihre Reize - aber auch wenn man 20000 Euro in eine mechanische Uhr investiert dann wird sie zwar evt. genauer gehen als eine mechanische Uhr für 200 Euro - aber mit der Ganggenauigkeit einer 50 Euro Quarzuhr wird sie trotzdem nicht mithalten können.

Der Unterschied ist, dass 99% der Fans mechanischer Uhren das eingesehen haben - während manch "Audiophiler" immer noch davon träumt dass sein Edelplattenspieler für mehrere tausend Euro doch zumindest einen 80-Euro CD-Player in der Wiedergabequalität übertreffen muss.

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chk23 07.12.2017, 13:26
74.

Zitat von ElkeOspert
Die aktuelle Uhrzeit von der gerade neu erworbenen Rolex am eigenen Handgelenk abzulesen vermittelt einem wohl auch ein besseres Gefühl als die (genauere) Uhrzeit von einer 20-Euro-Quarzuhr made in China abzulesen In Tests hat man den Hörern auch schon erzählt dass sie die gleiche CD erst über einen 80-Euro-CD Player hören und anschließend mit einem CD-Player für 2000 Euro. Da empfinden typischerweise mehr als 90% der Testhörer die Wiedergabe über den 2000 Euro Player deutlich besser - auch dann wenn gar nicht umgeschaltet wurde und der gleiche Song zweimal über den Billig-Player abgespielt wurde.
Richtig. Im Englischen gibt es das schöne Wort "Expectation bias" dafür. Wenn ich ein teures "HighEnd"-Gerät erwerbe, *erwarte* ich natürlich davon, dass es qualitativ hochwertiger ist, als die Stangenware aus dem Elektromarkt. Andererseits müsste ich mir ja eingestehen, dass man mich übers Ohr gehauen hat. Und genau von diesem Effekt lebt der "Audiophilen"-Markt: Wenn ich ein "Audiophilen Power-Kabel" (also einen ordinären Netzstecker mit Voodo-kräften) für 600 EUR kaufe, dann *muss* das einfach besser klingen, ansonsten bin ich kein Kenner, der weiß was wirklich gut ist, sondern ein Idiot, der sich mit blumigen Versprechen und Pseudo-wissenschaftlichem esoterischen Bullshit eine optisch aufgepeppte 50ct-Strippe für 600 EUR hat andrehen lassen...

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echoanswer 11.12.2017, 14:19
75. Ich benutze ...

jeden Abend zum Einschlafen klassische Ohrhörer von Philips. Die halten auch im Liegen im Ohr und drücken nicht. Alle hier vorgestellten Teile sind schlicht unbrauchbar. Dazu kommt, dass man sie jeden Morgen aufladen muss, die kleinen Teile irgendwo im Bett verschwunden sind und sie einfach nur im Sitze oder Stehen im Ohr halten. Speziell die von Apple, da ging es schon mit den drahtgebundenen nicht. Der einzige Grund für diese Teile ist der Profit der Hersteller. Der Rest ist technischer und ökologischer Unfug. Allein der Preis für einen Ersatzakku für den Airpod EINEN !!! liegt bei 60 EUR. Wer sein Geld sonst nicht besser verwenden kann, der soll rumlaufen damit und aussehen als ob er sich ein Kippe ins Ohr geschoben hat. Gutes Design geht auch anders.

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