Forum: Netzwelt
Wikipedia - Zeit für Zaumzeug?

Die Wikipedia als ehrenamtliches Projekt ist aus der Netz-Kultur erwachsen - mittlerweile aber scheint es, sie ist ihr auch entwachsen. Immer mehr Öffentlichkeit und schärfere Beobachtung setzen sie unter Druck. Zeit, sich über die Hausregeln hinaus in einen Rahmen zu stellen, der kleine Freiheiten nimmt, aber Arbeitssicherheit bietet?

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kohlesurfer 19.01.2006, 13:55
1. Es lebe die Vielfalt!

Die Wikipedia-Hasser wollen einfach nicht akzeptieren, dass "offizielle" Nachschlagwerke irgendwann einmal überflüssig werden könnten.

Und noch etwas sehr entscheidendes: Wikipedia (wie auch das Internet an sich) kennt, im Gegensatz zu klassischen Nachschlagewerken, in der Regel mehrere Wahrheiten, ist demnach folglich wesentlich objektiver. Eben dies ist all jenen ein Dorn im Auge, die es über Jahrzehnte gewohnt waren, mit einseitig festzementierten Sichtweisen Diskussionen zu führen.

Es lebe die Vielfalt!

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thomas noller 19.01.2006, 14:23
2.

Ich dachte immer die Aufgabe eines Nachschlagewerks sei es eine möglichst enge und präzise Beschreibung eines Begriffes zu liefern?

Wie dem auch sei. Ich bin weiß Gott kein Wikipedia-Hasser und finde das wiki noch eines der nützlicheren Anwendungen des Internets ist, aber die Art und Weise wie z.B. meine Studenten in einer schriftlichen Arbeit (die wissenschaftlichen Charakter haben soll) mittlerweile zu 90% Wikipedia Definitionen zitieren (denn es geht halt schnell), ist mir, und auch meinen Kollegen an der FH, langsam nicht mehr geheuer. Wir haben grundsätzlich nichts gegen die Verwendung von Wikipedia-Material, allerdings sollte hier eine ausreichende Balance zwischen wiki-Zitaten und Quellen aus der Fachliteratur vorliegen.

Persönlich finde ich manche Artikel gerade auf der deutschen Seite sehr POV-lastig und oft auch politisch schlichtweg tendenziös. Das Problem ist eben, das die Leute zu den Dingen über die sie schreiben meist einen persönlichen (oder auch leidenschaftlichen) Bezug haben, der einer wirklich objektiven Betrachtung (die es ja eigentlich nicht zu 100% gibt) u. U. im Wege stehen kann.

Was nicht bedeutet, dass ich Wiki nicht verwende. Man sollte es aber hier und da noch einmal mit anderen Quellen abgleichen.

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Duesentrieb 19.01.2006, 14:36
3. Wikipedia und das Establishment

Der Streit um Wikipedia hat einen einfachen Grund. Dadurch das die Eikipedia immer mehr User und damit Gewicht hat, werden die kontrahären Positionen immer ausschließlicher, d.h. die Anforderungen die an die Wikipedia gestellt werden lassen sich nicht mehr unter einen Hut bringen. Deshalb sollte sich die Wikipedia in zwei Versionen aufspalten. Dadurch lässt sich vermeiden der Wikipedia das "Zaumzeug" anzulegten, gleichzeitig werden die User die sich eine zweite/andere Britannica wünschen auch bedient.

Version 1:
So wie sie jetzt ist. Frei, kostenlos, ungeprüft, unsicher und höllisch dynamisch.
Version 2:
Ein geprüfter Auszug aus Version 1 der das Gegenteil ist. Abhängig von Einnahmen, kostenpflichtig, geprüft, sicher und (was die einzelnen Artikel betrifft) statisch.
Die Auslese und Prüfung von Artikeln mus durch zwei Institutionen erfolgen.
1) Eine Institution die bestimmen welche Artikel geprüft werden und die sich auch bezahlen lässt, damit bestimmte Artikel schneller geprüft werden.

2) Eine vollkommen unabhängige Institution welche die von 1) angegebenen Artikel prüft und abhängig von der Prüfung dieselben Artikel von Ver1 in Ver2 überführt.

P.S. Dies ist eine Vortführung meines letzten Postings in die bessere Gruppe.

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Kurt G 19.01.2006, 14:41
4. Wikipedia.de geschlossen

Nach Spon hat das Amtsgericht Hamburg wikipedia.de per einstweiliger Verfügung vom Netz genommen.

Ein weiterer Aberwitz nach der bereits unglaublichen Entscheidung gegen Heise. Hier wird weltweite Kommunikation in deutschen Amtsstuben zerrieben.

Kurt G

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ein_bayer 19.01.2006, 14:51
5.

Zitat von kohlesurfer
Die Wikipedia-Hasser wollen einfach nicht akzeptieren, dass "offizielle" Nachschlagwerke irgendwann einmal überflüssig werden könnten. Und noch etwas sehr entscheidendes: Wikipedia (wie auch das Internet an sich) kennt, im Gegensatz zu klassischen Nachschlagewerken, in der Regel mehrere Wahrheiten, ist demnach folglich wesentlich objektiver. ...
Es kann mehrere Meinungen geben, aber nur eine Wahrheit. Nur so zur Begriffsklärung ...
Und wer verschiedene Meinungen sucht, bekommt diese auch ohne Wiki zu genüge. Lebensnotwendig ist Wiki nicht, vielleicht für manche Menschen einfach bequem, aber mehr schon nicht.

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Druschba 19.01.2006, 15:07
6.

Wikipedia ist das, was das Netz immer sein wollte lehrreich, unkonventionell und nicht kontrollierbar.
Natürlich gibt es auch ein bißchen Wildwuchs, doch der hat sich in der Regel selbst reguliert. Schade, dass jetzt hauptamtliche Bedenkenträger dieses Projekt zerstören wollen.

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Aibo 19.01.2006, 15:11
7.

Zitat von ein_bayer
Es kann mehrere Meinungen geben, aber nur eine Wahrheit. Nur so zur Begriffsklärung ...
Bloß gut, daß dies die Physiker im Welle-vs-Teilchen-Streit noch nicht gewußt haben, sonst hätten wir heute noch nicht die Quantentheorie.

Zitat von
Lebensnotwendig ist Wiki nicht, vielleicht für manche Menschen einfach bequem, aber mehr schon nicht.
Lebensnotwendig ist relativ wenig, und das gesamte Internet schon gar nicht.
Aber als Instrument des freien Wissensaustausches ist Wikipedia - sagen wir mal - außerordentlich geeignet.

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Priest 19.01.2006, 15:21
8.

Zitat von thomas noller
Ich dachte immer die Aufgabe eines Nachschlagewerks sei es eine möglichst enge und präzise Beschreibung eines Begriffes zu liefern? Wie dem auch sei. Ich bin weiß Gott kein Wikipedia-Hasser und finde das wiki noch eines der nützlicheren Anwendungen des Internets ist, aber die Art und Weise wie z.B. meine Studenten....
Absolut richtig! In meinem Studium habe ich keine Informationen aus dem Internet benutzt, die keiner staatlichen Quelle bzw. aus der einer Firma oder seriöser NGO entstammten. Oftmals werden Informationen genutzt (auch hier im Forum) nach dem Motto: Weil es im Internet steht ist es wahr. Wikipedia ist ganz nett, aber 100% Seriös (im wissenschaftlichen und beruflichen Sinne) ist es nicht.

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ein_bayer 19.01.2006, 15:30
9.

Zitat von Aibo
Bloß gut, daß dies die Physiker im Welle-vs-Teilchen-Streit noch nicht gewußt haben, sonst hätten wir heute noch nicht die Quantentheorie. ...
Oh, welch Aufschrei ...

Nur weil Menschen die Natur nicht komplett erfasst / verstanden haben, heißt das noch lange nicht, daß es mehrere "Wahrheiten" gibt. Wohl gibts aber mehere Erkenntnisse, die von Menschen als Wahrheit verkauft werden, obwohl sie das nicht sind.

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