Forum: Netzwelt
Wikipedia - Zeit für Zaumzeug?

Die Wikipedia als ehrenamtliches Projekt ist aus der Netz-Kultur erwachsen - mittlerweile aber scheint es, sie ist ihr auch entwachsen. Immer mehr Öffentlichkeit und schärfere Beobachtung setzen sie unter Druck. Zeit, sich über die Hausregeln hinaus in einen Rahmen zu stellen, der kleine Freiheiten nimmt, aber Arbeitssicherheit bietet?

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Dennis K. 06.07.2006, 15:04
110. Ein paar Anmerkungen

Der Spiegel Artikel bezieht sich ja in diesem Fall erstmal nur auf die englische Wikipedia. Das sollte dort deutlicher gemacht werden. In der deutschen Version hat es dieses "hin und her" nicht gegeben.
Dann Zitat SPON:
"Das Problem ist nur, dass die Wikipedia zu jedem Zeitpunkt so klingt, als sei alles endgültig."

In dem Eintrag zu Kenneth Lee Lay in der dt. Wikipedia steht eindeutig drüber:
"Der Artikel oder Abschnitt hat ein aktuelles Ereignis zum Thema. Der Inhalt kann sich rasch ändern.
Bitte bedenke beim Bearbeiten, dass tagesaktuelle Details ihren Platz bei Wikinews haben."

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Matthias Herkommer 06.07.2006, 15:05
111.

Zitat von thomas noller
Wir haben grundsätzlich nichts gegen die Verwendung von Wikipedia-Material, allerdings sollte hier eine ausreichende Balance zwischen wiki-Zitaten und Quellen aus der Fachliteratur vorliegen.
Als Wissenschaftler sollten Sie aber in der Tat grundsätzliches gegen die Verwendung von Wikipedia-Material in wissenschaftlichen Arbeiten haben. Als ich an der Uni war und meine Arbeiten geschrieben habe, waren Quellen solcher Art grundsätzlich verpönt.

Aber damals war der Pisa-Turm auch noch gerade ;-)

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arte de la comedia 06.07.2006, 15:07
112.

Zitat von kleiner Zyniker
Darf, Verehrtester, ausnahms- und vertretungsweise ich Ihnen antworten?
Aber gerne doch.
Um bei Ihren Masszahlen zu bleiben: bei jetzt 3000 Beiträgen der -erste- inhaltliche Rebuttal, der mich grinsen macht.
Aber mal im Ernst:

Ich denke schon, dass Ihre Zahlen größenordnungsmäßig korrekt sind (wiewohl ich glaube, dass es auch unheimlich lustige EditWars gerade bei den Hobbies gibt).
Das ist aber weder ein spezifisches Wiki-Problem (als wenn es Informationsüberflutung nicht auch schon vorher gegeben hätte) noch eins der etablierten "Enzyklopädien" (die ja zu akademeischen KarteikastenVerwaltern verkommen sind)
NEIN..der Punkt ist ja der, dass es erst bei Wiki -auffällt-, "welch fragiles Gut" Information denn sein kann.

Und: das Wissen/Lernen darüber -kan und will_ ich nicht als was Schlimmes betrachten.
Ist halt wie im Mittelalter, als die Erde nicht mehr Mittelpunkt der Welt war. Manchen wurde es schlecht, manchen nur schwindlig..manche freuten sich über die neue Bewegungsmöglichkeit.

Alles schon mal dagewesen....

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Dennis K. 06.07.2006, 15:17
113.

Zitat von Matthias Herkommer
Aber damals war der Pisa-Turm auch noch gerade ;-)
.. da hatten die Unis vielleicht auch noch halbwegs aktuelles Material in der Bibliothek rumstehen... bei mir gab es von dem ein- oder anderen Buch nur 1-2 Exemplare, und die, die man brauchte, waren ständig weg...

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erikstrub 06.07.2006, 15:57
114. Wissenschaft...

Zitat von Matthias Herkommer
Als Wissenschaftler sollten Sie aber in der Tat grundsätzliches gegen die Verwendung von Wikipedia-Material in wissenschaftlichen Arbeiten haben. Als ich an der Uni war und meine Arbeiten geschrieben habe, waren Quellen solcher Art grundsätzlich verpönt.
Was heißt denn "Quellen solcher Art". M.E. besteht die Wissenschaftliche Arbeit gerade in der Bewertung von Quellen und nicht in der kritiklosen Zitierung. Jede Quelle kann Fehler haben/ungenau sein/lügen/ uswusf. Siehe z.B. den Artikel in dem in "Nature" Wikipedia-Beiträge mit Encyclopedia-Britannica-Beiträgen verglichen werden.

Und wenn man (wie ich) Wissenschaftler ist und sieht, was für hanebüchene Dinge bisweilen in der Fachliteratur veröffentlicht werden, dann staunt man. Auch hochdekorierte Experten sind in ihrem Urteil eben nicht sicher bzw. teilweise subjektiv, fachblind...

Die Stärke des wissenschaftlichen Systems besteht gerade darin, diese Schwächen zu überwinden, indem versucht wird, alles zu einem konsistenten Gesamtbild zusammenzufügen.

Und gerade in dieser Hinsicht bietet die Wikipedia einen ausgezeichneten Ausgangspunkt: Dank der Möglichkeit, alte Versionen eines Artikels zu sehen und dank der Diskussion en ist es nämlcih möglich, sich selber ein Urteil darüber zu bilden, wie verlässlich die Information wohl sein kann:
Ein Artikel, vor Monaten eingestellt, nur von einer Person bearbeitet - das ist wohl nicht unbedingt eine Quelle erster Wahl.
Ein Artikel, über Monate hinweg kontinuierlich ergänzt, mit ausführlichen, wenig kontroversen Diskussionen - wahrscheinlich eine ganz gute Information.
Ein Artikel mit einer Länge von nur 30 Zeilen, aber mit einer hochkontroversen Diskussion und vielen "Edit-Wars"
- wahrscheinlich hat der Artikel ein Subjekt, was umstritten oder emotional besetzt ist. Hier sollte man vielleicht auch nochmla woanders nachlesen. Aber auch bei diesen anderen Quellen gewahr sein, dass vielleicht auch hier sehr subjektive Dinge auf dem Markt sind.

Bei der Wikipedia nicht nur den Artikel selber zu lesen, sondern auch seine Entstehungsgeschichte verfolgen zu können, dass ist ein Informationsplus, das andere Medien nicht bieten.

Und: bloß, weil etwas gedruckt ist, ist es nicht wahrer als die Wikipedia.

Fazit: die Verwendung von Wikipedia als alleinige Quelle in einer wissenschaftlichen Arbeit ist genauso blödsinnig wie die Verwendung jeder anderen Quelle als alleinige Quelle. Schon wegen der jederzeit möglichen Änderungen in jedem Artikel ist es zwar wohl in der Regel nicht besonders sinnig, die Wikipedia im Wortlaut zu zitieren. Aber als Ausgangspunkt für eine Recherche und bei kontroversen Sujets auch als Einblick in unterschiedliche mögliche Auffassungen ist die Wikipedia sehr wertvoll.

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fstephan 06.07.2006, 16:01
115. Skandale uebertrieben

Zitat von sysop
Die Wikipedia als ehrenamtliches Projekt ist aus der Netz-Kultur erwachsen - mittlerweile aber scheint es, sie ist ihr auch entwachsen. Immer mehr Öffentlichkeit und schärfere Beobachtung setzen sie unter Druck. Zeit, sich über die Hausregeln hinaus in einen Rahmen zu stellen, der kleine Freiheiten nimmt, aber Arbeitssicherheit bietet?
Ich finde die ganzen Skandale ueber Wikipedia uebertrieben. Wikipedia ist ein recht unbuerokratisches Online-Nachschlagewerk, wo jeder Surfer Artikel editieren und aendern kann. Wenn man dort etwas falsches findet, kann man die Seite anklicken und dies ganz unbuerokratisch richtigstellen. Schliesslich hat nicht jeder Zeit, stundenlange Anmelde und Pruef-Vorgaenge zu durchlaufen. Daraus, dass andere Leute etwas anderes reinschreiben als richtig ist, sollte man wirklich nicht einen Skandal machen. Man sollte sich immer bewusst sein, dass alles, was dort steht, von Personen geschrieben wird, die dies ohne jede Bezahlung tun und das jeder alles aenderen kann. Wenn mal in 10 Minuten zu einem aktuellen Thema fuenf verschiedene Varianten auftauchen, dann liegt das an nichts anderem als das fuenf Internet-Nutzer nacheinander diese Seite an den Stand ihres Wissens angepasst haben und alle verschiedener Meinung waren. Das ist alles.

Frank Stephan

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Adlonnimov 06.07.2006, 16:02
116. Anspruch auf Korrektheit

Was mir auf den Nerv geht, ist, dass verbreitet so getan wird, als hätte die Welt gegen Wikipedia einen Anspruch auf Korrektheit und Verlässlichkeit. In der Regel nimmt eine Enzyklopädie dies zwar selbst für sich Anspruch - soweit sie sich aber, wie Wikipedia, darüber definiert, dass jedermann Artikel bearbeiten kann, hat sie diesen Anspruch von vornherein aufgegeben.
Wer damit ein Problem hat oder wem Wikipedia aus sonst irgendeinem Grunde nicht gefällt, wird von niemandem gezwungen, Wikipedia zu nutzen! Verpflichtet, an der gegenwärtigen Situation irgendetwas zu ändern, ist Wikipedia jedoch mitnichten.

Adlonnimov

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RatCrespel 06.07.2006, 16:37
117.

Man sollte sich davon freimachen, Wikipedia die enzyklopädische Überbedeutung, die das Projekt derzeit erfährt, beizumessen. Der Versuch, im Rahmen eines Open-Source-Projekts eine Enzyklopädie zu machen, ist eine tolle Idee, mit den Grundprinipien der Wikipedia kann er aber nur scheitern. Vandalismus ist dabei ein nachrangiges Problem.

Zweifelsohne mag es Artikel geben, die gut bis hervorragend sind. Im Bereich der politischen und gesellschaftspolitischen Themen sieht es indessen oft anders aus. Es gibt „Eiferer“, Sektierer“, „Überzeugungstäter“, die für ihre gute Sache – oder das, was sie dafür halten – unterwegs sind und sich in „ihren“ Artikeln, (die sie nebenbei gesagt mit Argusaugen bemuttern) verewigen. Die Anonymität bzw. die „Pseudonymität“ (letztere suggeriert, es werde mit offenen Karten gespielt) ist hierbei eine hervorragende Unterstützung, sieht es doch so aus, als sei derjenige, der sich dahinter verbirgt, an einer neutralen Darstellung interessiert. Und gewinnen wird der, der es entweder geschickt anstellt oder den längeren Atem hat.

Die zweite problematische Gruppe sind die „da hab ich doch auch schon mal was gehört“-Mitarbeiter. Und reingedrückt wird es in den Artikel, auch hier gilt: Wer die längste Puste hat, ist Sieger.

Das dritte Problem ist weniger gruppenspezifisch denn vielmehr offenbar eine Frage des Alters/der Erfahrung im Umgang mit Prioritäten. Da werden Nebensächlichkeiten aufgebauscht bis zur Unkenntlichkeit, dass man sich fragen muss, was der unvoreingenommene Leser eigentlich hieraus mitnehmen wird. Und da es wohl nicht ohne Beispiele hier geht, mag wer will sich mal den Artikel zu Dirk Niebel zu Gemüte führen, man beachte das Verhältnis der Darstellung seiner politischen Tätigkeit zu den Schilderungen unter den Überschriften „Vorwürfe“ und „Sonstiges“. Und was den unbedingten Willen zur Aktualität anbetrifft, sind „die vielen Tode von Kenneth Lay“ geradezu harmlos. Unvergessen und unübertroffen: Der Live-Newsticker zum langen Sterben des Papstes Johannes Paul II.

Aus meiner Sicht ist Wikipedia nichts weiter als ein Experiment (mit welchem Hintergrund auch immer). Stabile Versionen von verlässlichen, neutral geschriebenen Artikeln wird es – von Ausnahmen in unstrittigen Bereichen abgesehen – nicht geben, das widerspricht dem Wikipedia-Prinzip. Angedacht worden sind sie immer wieder und im Geheul der Gemeinschaft genauso auch wieder verworfen worden. Angedacht ist auch ein zweites Wiki, das exzellente Artikel auslagert und einfriert, sozusagen ein „Parallel-Universum“ mit handverlesenen Mitarbeitern, die diese stabilen Versionen hüten. Ich sehe jetzt schon die Diskussionen darüber, warum nun die eine so grandiose Änderung von einem Nutzer gerade nicht dorthin übernommen worden ist und wodurch sich eigentlich und überhaupt derjenige oder der andere als exponierter Hüter des Parallel-Wikis qualifiziert.

Mein Fazit: Als Einstieg ist Wikipedia brauchbar. Aber bloß nicht alles glauben, was da steht. Und bitte auch nicht auf den Mirrors weiterlesen, lieber selber verlässliche Quellen suchen. Und vielleicht doch mal ein Buch in die Hand nehmen…

So long, RatCrespel

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erikstrub 06.07.2006, 17:23
118.

Zitat von RatCrespel
Mein Fazit: Als Einstieg ist Wikipedia brauchbar. Aber bloß nicht alles glauben, was da steht. Und bitte auch nicht auf den Mirrors weiterlesen, lieber selber verlässliche Quellen suchen. Und vielleicht doch mal ein Buch in die Hand nehmen .
Einfach alles zu glauben, was irgendwo steht, ist immer schlecht. Das führt nur zu Dogmatismus und Fanatismus. Siehe z.B. die Kreationismusdebatte in den USA. Nur eine kritische Auseinandersetzung mit (jeglicher!) Quelle kann aufklärerische Wirkung haben. Insofern ist die Wikipedia vieleicht nicht immer erste Qualität, aber auch nicht per se schlechter als z.B. Spiegel Online ;-)

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nicknock 06.07.2006, 17:28
119. die mehrheit der us-amerikaner....

... glaubten noch lange nach dem sturz von saddam hussein das dieser hinter 9/11 steckte. es ist wirklich höchste zeit dass man wikipedia kontrolliert, damit dort verbreitete falschinformation nie wieder zu einer solchen katastrophe wie dem irak-krieg führen kann!

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