Forum: Netzwelt
Wikipedia - Zeit für Zaumzeug?

Die Wikipedia als ehrenamtliches Projekt ist aus der Netz-Kultur erwachsen - mittlerweile aber scheint es, sie ist ihr auch entwachsen. Immer mehr Öffentlichkeit und schärfere Beobachtung setzen sie unter Druck. Zeit, sich über die Hausregeln hinaus in einen Rahmen zu stellen, der kleine Freiheiten nimmt, aber Arbeitssicherheit bietet?

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RatCrespel 06.07.2006, 18:04
120.

Zitat von kleiner Zyniker
Darf, Verehrtester, ausnahms- und vertretungsweise ich Ihnen antworten? a) Peer review - von mir aus auch wissenschaftlicher Redaktionsbeirat - ist eine nicht mehr so völlig neue Efindung bei wissenscahftlichen Zeitschriften. Kann nicht JEDEN Betrug und/oder Schwachsinn verhindern, senkt aber die expected frequency of bullshit occurence auf 10^-3 bis 10^-4. b) Betrauung von ausgewiesenen, anerkannten Fachleuten mit der Redaktion von Artikeln zu ihrem jeweiligen Spezialgebiet. Wird von reputierlichen Enzyklopädien seit Diderot's Zeiten so gehandhabt. Kostet was und ist etwas anfälliger für 'Steckenpferdreiterei' als a). Geschätzte frequency of bullshit occurence etwa bei 10^-3. Wikidingsbums würde ich freihand irgendwo bei 10^-1 (heißt: Schwachsinn in jedem 10. Beitrag im großen Durchschnitt) vermuten. Bei politisch, weltanschaulich oder sonstwie Leidenschaft erregend umstrittenen Themen bei 5*10^-1, also in etwa jeder 2. Beitrag. MfG
Ergänze "Schwachsinn" durch "voreingenommene, nicht neutrale und gezielte Meinungsmache". An dieser Einschätzung ist leider etwas dran. So long, RatCrespel

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Kundalimon 06.07.2006, 18:51
121.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzk...425351,00.html

Sorry, das ist Unsinn. Insbesondere wenn SPON auf seinen "Eilmeldung"-Zusatz verweist. Es gibt in der Wikipedia einen Neuigkeitenbaustein, der genau fuer solche Faelle gedacht ist. Das dieser existiert, ob er hier benutzt wurde und wenn nein warum nicht, ist der SPON-Meldung nicht zu entnehmen ... das ist natuerlich dann guter und investigativer Journalismus ;-)

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naughty dwarf 06.07.2006, 19:20
122.

Zitat von thomas noller
aber die Art und Weise wie z.B. meine Studenten in einer schriftlichen Arbeit (die wissenschaftlichen Charakter haben soll) mittlerweile zu 90% Wikipedia Definitionen zitieren (denn es geht halt schnell), ist mir, und auch meinen Kollegen an der FH, langsam nicht mehr geheuer.
90%?? Und das lassen Sie und Ihre Kollegen in einer wissenschaftlichen Arbeit zu?
Zitat von
Man sollte es aber hier und da noch einmal mit anderen Quellen abgleichen.
Nicht nur hier und da, sondern grundsätzlich!
Gruß
Naughty Dwarf

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tux 07.07.2006, 08:11
123.

Zitat von nicknock
... glaubten noch lange nach dem sturz von saddam hussein das dieser hinter 9/11 steckte. es ist wirklich höchste zeit dass man wikipedia kontrolliert, damit dort verbreitete falschinformation nie wieder zu einer solchen katastrophe wie dem irak-krieg führen kann!
Bitte? Wikipedia löst Kriege aus? Interessant, dass sich die amerikanische Führung und die CIA an Wikipedia orientieren.

Zitat von erikstrub
Einfach alles zu glauben, was irgendwo steht, ist immer schlecht. Das führt nur zu Dogmatismus und Fanatismus. Siehe z.B. die Kreationismusdebatte in den USA. Nur eine kritische Auseinandersetzung mit (jeglicher!) Quelle kann aufklärerische Wirkung haben. Insofern ist die Wikipedia vieleicht nicht immer erste Qualität, aber auch nicht per se schlechter als z.B. Spiegel Online ;-)
Meine Meinung. Und wer Wikipedia nicht im richtig Kontext betrachten kann, der kann es bei etlichen anderen Quellen im Internet auch nicht und läuft IMMER Gefahr auf falsche Informationen zu stoßen.

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erikstrub 07.07.2006, 09:52
124. Soviel zum Thema Bullshit

Zitat von kleiner Zyniker
Darf, Verehrtester, ausnahms- und vertretungsweise ich Ihnen antworten? a) Peer review - von mir aus auch wissenschaftlicher Redaktionsbeirat - ist eine nicht mehr so völlig neue Efindung bei wissenscahftlichen Zeitschriften. Kann nicht JEDEN Betrug und/oder Schwachsinn verhindern, senkt aber die expected frequency of bullshit occurence auf 10^-3 bis 10^-4. b) Betrauung von ausgewiesenen, anerkannten Fachleuten mit der Redaktion von Artikeln zu ihrem jeweiligen Spezialgebiet. Wird von reputierlichen Enzyklopädien seit Diderot's Zeiten so gehandhabt. Kostet was und ist etwas anfälliger für 'Steckenpferdreiterei' als a). Geschätzte frequency of bullshit occurence etwa bei 10^-3. Wikidingsbums würde ich freihand irgendwo bei 10^-1 (heißt: Schwachsinn in jedem 10. Beitrag im großen Durchschnitt) vermuten. Bei politisch, weltanschaulich oder sonstwie Leidenschaft erregend umstrittenen Themen bei 5*10^-1, also in etwa jeder 2. Beitrag. MfG
Wenn Sie hier so schön mit Zahlen argumentieren, dann belegen Sie die bitte. Ansonsten kommt nämlich genau der angeprangerte Bullshit heraus. Sie behaupten quasi, dass wissenschaftlich referierte Beiträge 500 bis 5000 mal richtiger sind als die Wikipedia. Das würde, etwa auf "Nature" angewandt bedeuten, dass (bei etwa 50 Beiträgen pro Ausgabe) etwa alle 10 bis 100 Ausgaben ein einziger Beitrag Bullshit enthielte. Da kann ich nur lachen. Gerade weil es wissenschaftlich aktuell ist, ist es eben teilweise umstritten. In naher Zukunft wird sich viel davon als Bullshit herausstellen, das ist Teil des wissenschaftlichen Prozesses.

Davon mal abgesehen: wer sollte denn die Wiki-Peers auswählen? Die Stärke von Wikipedia ist gerade, dass jeder sich selbst zum Peer machen und herumändern kann, und wie man sieht, kommt eben nach einiger Zeit oft etwas brauchbares dabei heraus. Die Fehler und Fehlerquellen sind andere als in wissenschaftlicher Literatur, aber der mitdenkende Leser (und das sollte man immer sein) kann bei der Wikipedia diese Fehler und Fehlerquellen vielleicht sogar genauer kennen als bei Fachliteratur. Gerade die Nachvollziehbarkeit der Entstehung eines Artikels ist ein Vorteil, der es auch Laien in einem Fachgebiet ermöglicht, nachzusehen, wie ein Artikel entstanden ist und sich dadurch ein Urteil über sein mutmaßliche Qualität zu bilden.

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kleiner Zyniker 07.07.2006, 10:21
125. Jedem ist das Denken erlaubt - aber vielen bleibt es erspart

Zitat von erikstrub
Wenn Sie hier so schön mit Zahlen argumentieren, dann belegen Sie die bitte.
Bitte: A. D. Swain, H. E. Guttmann:
Handbook on Human Reliability Analysis with Emphasis on Nuclear Power Plant
Applications,
Final Report, NUREG/CR-1278, SAND 80-0200 RX, AN,. Albuquerque, 1983
Folgende Annahme steckt in der Abschätzung: 2 unabhängig voneinander bewertende Peers (üblich), die wissensbasiert handeln (zu hoffen) und hinreichend Zeit haben (haben sie).
Zitat von erikstrub
Ansonsten kommt nämlich genau der angeprangerte Bullshit heraus.
Kleiner Frechdachs!
Zitat von erikstrub
Sie behaupten quasi, dass wissenschaftlich referierte Beiträge 500 bis 5000 mal richtiger sind als die Wikipedia.
Von Wahrscheinlichkeitstheorie haben Sie auch keine Ahnung - ich behaupte, daß (z. B.) 'Nature'-Artikel mit 500 bis 5000 mal höherer Wahrscheinlichkeit als Wikidingsbums-Einträge zu umstrittenen Dingen KEINEN bullshit enthalten. Lesen können hilft bisweilen...
Zitat von erikstrub
Das würde, etwa auf "Nature" angewandt bedeuten, dass (bei etwa 50 Beiträgen pro Ausgabe) etwa alle 10 bis 100 Ausgaben ein einziger Beitrag Bullshit enthielte..
Ja
Zitat von erikstrub
... Davon mal abgesehen: wer sollte denn die Wiki-Peers auswählen? ..
Deren Problem, nicht das meinige.
Zitat von erikstrub
..., und wie man sieht, kommt eben nach einiger Zeit oft etwas brauchbares dabei heraus. ..
Klar, in jedem zweiten Fall mindestens - bei weniger strittigen und / oder weniger Leidenschaft erregenden Themen wohl sogar in ca. 9 von zehn Fällen...

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A. G. Pym 07.07.2006, 10:56
126. Mathematisch inkorrekt!

Zitat von kleiner Zyniker
ich behaupte, daß (z. B.) 'Nature'-Artikel mit 500 bis 5000 mal höherer Wahrscheinlichkeit als Wikidingsbums-Einträge zu umstrittenen Dingen KEINEN bullshit enthalten.
mathematisch inkorrekte Formulierung:
ein ordentlich peer-gereviewter Beitrag enthält mit einer 500 bis 5000 mal geringeren Wahrscheinlichkeit bullshit als ein Wikipedia-Beitrag zu umstrittenen Themen.

Die Wahrscheinlichkeiten für bullshit-Freiheit verhalten sich wie 0,999(bis 0,9999) zu 0,5

MfG A. G. Pym

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erikstrub 07.07.2006, 10:59
127. bullshit

Zitat von kleiner Zyniker
Bitte: A. D. Swain, H. E. Guttmann: Handbook on Human Reliability Analysis with Emphasis on Nuclear Power Plant Applications, Final Report, NUREG/CR-1278, SAND 80-0200 RX, AN,. Albuquerque, 1983
Das hört sich zunächst mal nach einer belastbaren Quelle an ;-), mal sehen, ob ich die auftreiben kann.

Zitat von kleiner Zyniker
Von Wahrscheinlichkeitstheorie haben Sie auch keine Ahnung - ich behaupte, daß (z. B.) 'Nature'-Artikel mit 500 bis 5000 mal höherer Wahrscheinlichkeit als Wikidingsbums-Einträge zu umstrittenen Dingen KEINEN bullshit enthalten.
Genau das bezweifle ich. Es hängt natürlich ein wenig davon ab, was man als bullshit bezeichnet. Oft genug finde ich in Nature Beiträge, die ich hinterfragbar finde. Und wenn ich mein eigenes Fachgebiet ansehe, also den Bereich, in dem ich mich gut auskenne, dann finde ich bestimmt in jedem zweiten Fachartikel fragwürdige Aussagen. Peer-Review sichert eben nicht die "Wahrheit" oder "Richtigkeit", sondern lediglich ein gewisses Mindestmaß an Konsistenz.

Apropos Nature: Ein Artikel in Nature kam ja kürzlich zu dem Schluss, dass (in wissenschaftlichen Artikeln) die Wikipedia nur wenig vom Standard der Encyclopedia Brittanica abweicht, was Ungenauigkeiten und Fehler
(Nature 438, 900-901 (15 Dec 2005)) angeht.
Auch dieser Nature-Beitrag kann natürlich Bullshit sein, wer weiß ;-).

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los 07.07.2006, 11:14
128. Information

Nur weil Sie irgendwo steht, ist eine Aussage noch lange nicht wahr.
Das ist in Fällen wie der Dichte von Gold oder dem Geburtstag von John Lennon eher schnell behoben, da es sich un einfache, allgemeingültige Fakten handelt.
Überall da jedoch, wo entweder koplexe Sachverhalte oder "wertungsabhängige" Sachverhalte dargestellt werden, gilt IMO immer, sich mehrere Quellen zu beschaffen und zu vergleichen, wenn man ernsthaft recherchieren will.
Wiki ist IMO eine geniale, schöne und sehr oft einfach praktische Sache, aber sie ist keinesfalls immer richtig und sollte so benutzt werden, wie übrigens jede andere Informationsquelle auch.

In diesem Sinne,

Los

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arte de la comedia 07.07.2006, 11:47
129.

Zitat von erikstrub
Davon mal abgesehen: wer sollte denn die Wiki-Peers auswählen? Die Stärke von Wikipedia ist gerade, dass jeder sich selbst zum Peer machen und herumändern kann, und wie man sieht, kommt eben nach einiger Zeit oft etwas brauchbares dabei heraus. Die Fehler und Fehlerquellen sind andere als in wissenschaftlicher Literatur, aber der mitdenkende Leser (und das sollte man immer sein) kann bei der Wikipedia diese Fehler und Fehlerquellen vielleicht sogar genauer kennen als bei Fachliteratur. Gerade die Nachvollziehbarkeit der Entstehung eines Artikels ist ein Vorteil, der es auch Laien in einem Fachgebiet ermöglicht, nachzusehen, wie ein Artikel entstanden ist und sich dadurch ein Urteil über sein mutmaßliche Qualität zu bilden.
Das ist SO -nicht- richtig.

In der am/en-Wiki werden jetzt schon "peers" benannt, die maximal "highschool level" haben (nichts gegen Jugend..ich war ja auch mal jung).

Jedoch ist der Effekt meines Erachtens fatal: die Diskussionsseite gibt es dann nicht mehr, d.h. es fehlt die Möglichkeit abzuschätzen, wie "questionable" der Artikel selbst in Frage sein -könnte-.

Nein, ich denke, Jimbo ist mit seinem Latein am Ende. Mehr als jetzt geht nicht..es sei denn, man macht es -wirklich- professionell und dann ist es eben nicht mehr offen.

So einfach ist das.

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