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Wirkung sozialer Medien: Die Filterblase sind wir selbst
DPA

Können soziale Medien wie Facebook die Bundestagswahl entscheidend beeinflussen? Ja, meint Sascha Lobo. Aber auf andere Art als oft vermutet.

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ex_Kamikaze 03.05.2017, 17:04
1. Lobo schreibt Quatsch

wieder besseren Wissens.
Es gibt keine sozialen Medien. Das ist ein Märchen. Sozial ist Interaktion zwischen Menschen ohne filternde Technik.
Bei Facebook und Co. handelt es sich um ein kommerzielles Konstrukt zum Daten abgreifen für Werbung und Geheimdienste. Mehr nicht. Und es gibt auch keinen Zwang diesen amerikanisierten Unsinn zu ernst zu nehmen.
Und um HRC abzulehnen brauchte es keine Russen, kein Facebook und keinen Trump.
HRC war korrupt, machtgierig, einseitig und bot keinerlei Alternative für Millionen Abgehängte (die bietet Trump zwar auch nicht - aber zumindest hatte er denen was versprochen, er sprach also wenigstens mit denen). Dazu lebt sie in ihrer eigenen Filterblase aus politischem und wirtschaftlichen Filz aus neoliberalen Profiparteien und Großkonzernen und deren eigenem medialen Filz zu dem nahezu alle klassischen Medien gehören. Bei uns unter Anderem auch SPON. Und auch Lobo.
Das Gleiche wird hier bei der Bundestagswahl geschehen: nur wer sagen kann WARUM man ihn wählen soll wird siegen. Die Strategie "wähl mich damit der Andere (Böse) es nicht wird" funktioniert erkennbar nicht. Das kann am Sonntag auch Macron passieren, immerhin buhlt der mit Wohltaten wie 120.000 Entlassungen im öffentlichen Dienst, Abschaffung der 35h-Woche und Abbau der Tarifbindung um Wählerstimmen. Ein tiefer Eingriff in die Einkünfte von Millionen Menschen die eh schon eher in der unteren Einkommenshälfte sich bewegen.
Und Bestimmt sind es es dann wieder "Facebook" oder die bösen Russen.

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Die gehörnte Ratte 03.05.2017, 17:07
2. ich glaube ihre Kolumne bildet einen guten Teil der Wahrheit ab

Ich persönlich glaube der Beschuldigung der Lügenpresse und Fake News könnte man entgegenwirken wenn Medien sich wieder mehr der Objektivität verpflichten würden besonders in Amerika läuft dies extrem aus dem Ruder wenn Medien es als ihre Pflicht sehen aktiv Kandidaten zu bekämpfen was nicht ihre Aufgabe ist, aber auch hierzulande gibt es diese Tendenzen. Was die polarisierung von Medien betrifft vermute ich das auch die politische Machtausübung mitspielt zu diesem Phänomen, frei nachdem Motto wenn ich den Druck auf eine gruppe erhöhe steigt der Gegendruck bis eine Seite einbrechen muss. Was ich damit meine ist das wir (ich meine uns alle rechts wie links, grün oder gut ( sry für den ausrutscher)) zur Zeit mit allermacht versuchen unsere Ideologien durchzusetzen wie die Welt sein sollte und richtig ist. Ohne zubeachten oder billigend in kauf nehmend ob wir mit unserem Paradis einem anderen die Hölle auf Erden (überspitzt formuliert) bereiten. Wahrer Pluralismus heißt in meinen Augen einen Weg zu finden mit dem Alle zufrieden Leben können, dafür müssen wir meist unsere eigenen Ambitionen zurückstecken und entwicklungen ihren lauf nehmen lassen, zum Zwecke eines friedlicheren Miteinanders und einer weniger gespaltenen Gesellschaft. Mit meinem Kommentar möchte ich versuchen das Bild der Ursache etwas zu vergrößern.

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keine-#-ahnung 03.05.2017, 17:15
3. Ach Herr Lobo ...

... wer sich täglich "mehrere Stunden" bei Fratzenbuch et al. tummelt, der lebt nicht in einer "Filterblase" sondern schlicht im Grenzbereich zwischen Dis- und Asozialität. Das werden eher nicht die wahlentscheidenden "Massen" sein. Und die Myriaden an Definitionen von "Filterblasen" aus den unterschiedlichsten Facetten und Ecken der "Sozialwissenschaftlichen" sind m.E. vornehmlich nur eines: cerebrale Blubberblasen ihrer "Erfinder". Wenn man das mal wohlwollend ausdrücken will. Flati in cerebri trifft es IMHO besser.
Aber an einer Stelle bin ich mit Ihnen völlig d'accord: "Die wichtigste Frage aber muss doch lauten: Warum ist ein Teil der Öffentlichkeit so anfällig für Fake News, Echokammern, Verschwörungstheorien?" Eventuell sollte man "zunehmend so anfällig" und "grosser Teil" formulieren.
Ich habe dafür nur eine Erklärung - zunehmend verschwinden die Quellen, aus denen man früher seriöse, objektive und neutrale Informationen erhielt. Oder glaubte zu erhalten ... Sie lösen sich förmlich im Nichts auf!
Und so ist man zunehmend geneigt zu glauben, dass, wenn ein Medium die Nachricht Y berichtet, man diese schon deshalb nicht glauben mag, weil vor zwei Wochen die Nachricht X erwiesenermassen "gefaked" war. Und schwuppidiwupp sucht man nach gegenläufigen Darstellungen.
Das Fratzenbuch ist unschuldig! Freigesprochen! Wenn auch aus Mangel an Beweisen. Juvenil wie eine 13-Jährige ...
Schuldig sind die Leitmedien, die ihre Seele an Ideologien und Ideologen verkauft haben. Und dass sind nach meiner Meinung beängstigend viele. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht ... So zumindest ein altes deutsches Sprichwort.
Aber kann denn ein Sprichwort wahr sein, wenn es deutsch ist :-) ???

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vorsicht 03.05.2017, 17:27
4. sehr gute erkenntnis

„Wir sitzen selbst in der Filterblase, Und sie platzt“
Was bedeutet die Zugehörigkeit zu einer Partei? Ich fühle mich ihrem Programm und ihren Zielen verbunden ergo „Filterblase“. Dies könnte man auch zu bestimmten Themen wie Rentenpolitik, Globalisierung, NATO Einsätze etc. zuordnen. Und es ist legal, sich nach Verifizierung des Themas der einen oder anderen Meinung anzuschließen. Man kann sich nicht des Eindruckes erwehren, dass man mit der Wortfindung „Filterblase“ einfach Andersdenkende, die sich nicht dem Mainstreamdenken unterwerfen, zu diskreditieren.

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ichweißjaauchnicht 03.05.2017, 18:21
5.

Süß, wie sich #1 und #3 im Internet über den Austausch bei "Fratzenbuch und Co." echauffieren, ohne das Selbstironisch zu meinen. Ein wenig als würde man mit einem Glas Wein in der Hand über Biertrinker lästern, weil man ja selbst keinen Alkohol braucht.

Prost!

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he-monsta 03.05.2017, 19:43
6. Selektive Wahrnehmung

Wie schon #5 erkannt hat, prangert Sascha Lobo mal wieder in exzellenter Weise diejenigen an, die nur lesen wollen, was sie zur Bestätigung (meist durch Angrenzung) ihrer eigenen Denkweise nutzen können. Ich habe mich bei den beiden Kommentaren fast gekrümmt vor lachen und dachte: QED! --- Das Phänomen Filterblase ist halt kein neues oder abschaffbares. Jeder Mensch selektiert Informationen entsprechend seiner Sicht der Welt, bewertet, wirft ab, widerlegt im Kopf, stimmt zu, oder ignoriert einfach. Die Schwierigkeit heutzutage (und da kann ich mich selbst nicht rausnehmen) ist die Tatsache, dass eine Fülle und Masse an Informationen bereitstehen. Die eigene Wertung dieser Informationen bestätigt einen dann immer wieder darin, dass die eigene Denkweise doch irgendwie kein Einzelfall und deswegen korrekt sei.--- Achade eigentlich, dass nicht alle Menschen die Welt so "neutral" betrachten können, wie Sascha Lobo

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Anthropos 03.05.2017, 20:31
7. Desillusioniert

hätte man früher zu "Filterblase geplatzt" gesagt. Aber nicht nur sich als "Liberale" Bezeichnenden sind desillusioniert und verunsichert, die ganze Gesellschaft (im Westen) ist es. Die Zweifel an unserer Lebensart, an unserer Kultur, an unserer Moral nehmen zu. Insbesondere wenn sie sich mit dem Attribut "überlegen" schmücken.
Das Ende der Geschichte ist weiter entfernt als je zuvor, wir stecken mittendrin, und keiner von uns vermag zu sagen, wohin der Weg uns führt. Sind wir im Herzen Europas noch sicher, so wie wir es uns vor nicht allzulanger Zeit noch halbwegs fühlten? Ist das Projekt Europa, gar das Projekt Demokratie noch sicher? Ist unsere Friedenssperrzone noch sicher? Und scheinbar ganz banal: Sind die Renten, unsere nackte Existenz in einigen wenigen Jahren, noch sicher?
Und auch moralisch können wir uns nicht mehr auf der sicheren Seite wähnen. Sind es nicht die "Befreier" von einst, unsere Friedens- und Demokratiebringer, unsere "Freunde", die heute die ganze Welt wahnhaft bespitzeln, jenseits einer Idee von Rechtsstaatlichkeit Menschen töten, gefangenhalten und foltern, scheinbar willkürlich Kriege vom Zaun brechen?
Das alles ist nicht Propaganda, sondern bittere Realität. Alles das, nahezu die gesamten Verheißungen der Moderne, brechen heute unter uns weg. Diese existenziellen Desillusionierungen, so meine These, treibt die Leute den Populisten in die Arme, und lässt sie in anderen Fällen zum SUV greifen, denn wozu auch soll man sich mit Zukunftsprojekten befassen, wenn nicht klar ist, ob es diese Zukunft so noch geben wird.

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post.scriptum 03.05.2017, 20:38
8. Lassen sich SPON-User durch Beiträge von ihrer Meinung abbringen?

Mit oder ohne Filterblase, meiner Meinung nach wird die politische Beeinflussung durch das Netz überschätzt. Vorherrschend bei der politischen Präferenz dürfte nach wie vor das persönliche Umfeld und insbesondere das Elternhaus sein. Hat sich eine politische Haltung gefestigt, ist diese durch das Netz allenfalls marginal beeinflusbar. Im Übrigen ist dies auch bei den SPON-Usern zu beobachten. Es werden hier unterschiedlichste Themen sehr kontrovers diskutiert; allerdings wird in den Kommentaren zu anderen Userbeiträgen nahezu nur die eigene Auffassung nochmals herausgestellt. Ich glaube, dass kaum ein User sich durch SPON-Beiträge oder -Kommentare von seinem eigenen Meinungbild nenneswert abbringen lässt.

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Die gehörnte Ratte 03.05.2017, 21:28
9. Ich denke wir lassen uns nicht von unserer Meinung so leicht abbringen

Zitat von post.scriptum
Mit oder ohne Filterblase, meiner Meinung nach wird die politische Beeinflussung durch das Netz überschätzt. Vorherrschend bei der politischen Präferenz dürfte nach wie vor das persönliche Umfeld und insbesondere das Elternhaus sein. Hat sich eine politische Haltung gefestigt, ist diese durch das Netz allenfalls marginal beeinflusbar. Im Übrigen ist dies auch bei den SPON-Usern zu beobachten. Es werden hier unterschiedlichste Themen sehr kontrovers diskutiert; allerdings wird in den Kommentaren zu anderen Userbeiträgen nahezu nur die eigene Auffassung nochmals herausgestellt. Ich glaube, dass kaum ein User sich durch SPON-Beiträge oder -Kommentare von seinem eigenen Meinungbild nenneswert abbringen lässt.
Sei es dadurch das wir bestimmte Aspekte eines Themas anders gewichten, auf die Argumente des anderen nicht eingehen, von der Richtigkeit der eigenen Meinung ausgehen oder einfach den eigenen Fehler nichtzugeben will. Wobei man bei SPON nur begrenzt disskutieren kann aufgrund der temporalen Begrenzung ist ein überzeugen des Anderen noch unwahrscheinlicher.

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