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Wortstreit: Google verärgert Schwedens Sprachwächter
AFP

Wenn etwas nicht mit Google zu finden ist, dann ist es ungooglebar: Diesen Begriff setzte der schwedische Sprachrat auf eine Liste neuer Wörter. Dann mischte sich der Suchkonzern ein.

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ml133 27.03.2013, 11:35
60.

Zitat von Crom
Wenn Person A zu Person B sagt, "es macht Sinn", ist das keine Übersetzung, denn für eine Übersetzung braucht es einen Originaltext und der liegt gar nicht vor...
Irgendwann mal hat jemand den englischen Ausdruck "to make sense" falsch mit "Sinn machen" statt "Sinn haben" ins Deutsche übersetzt, und inzwischen ist es so weit verbreitet, daß es zum einen kaum noch auffällt und anscheinend zum anderen auch nur schwer erklärt werden kann.

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smersh 27.03.2013, 11:37
61.

Zitat von ml133
Haben Sie schonmal überlegt, wo das leider allgegenwärtige "Sinn MACHEN" herkommt?
Die Formulierung wurde schon im 18. Jahrhundert bei Lessing gefunden. Ja, ich weiß, dass diese Stellen manchen Sprachwächtern nicht passen, aber deren Argumentation, warum man sie nicht werten solle, ist holperig an der Grenze zur Verzweiflung.

Abgesehen davon macht "Sinn machen" mehr Sinn als die anderen Optionen. "Sinn" ist etwas, was wir uns zu einer Sache denken, aber keine Eigenschaft der Sache selbst. Der Anblick eines Gegenstands kann im Betrachter einen Sinn machen in der Weise, dass ihm etwa eine Verwendung dazu einfällt - dieser Sinn muss aber nicht übereinstimmen mit dem Sinn, den andere Betrachter darin sehen, oder selbst dem, den der Erbauer im Sinn hatte. Eine Sache "hat" daher selbst keinen Sinn, sie "ergibt" auch nicht gleich einer logischen Folgerung einen bestimmten Sinn, aber sie kann beim Betrachter einen Sinn auslösen, einen "Sinn machen".

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katzenfreund10 27.03.2013, 11:38
62. Nicht ganz

Zitat von Crom
Nein, wenn man anderen Suchmaschinen nutzt, heißt es schlicht "suchen". Ich hab noch nie gehört, dass jemand bei Bing etwas gegoogelt hat. Bei Bing sucht man einfach.
Bei Bing wird zwar nicht gegoogelt, aber es heißt auch nicht einfach "ich suche was bei Bing" das heißt dann ich habe gebingt. Ich Bingel auch hin und wieder. Also Googel= gegoogelt Bing = gebingt oder alternativ gebingelt. Gebingt und gebingelt können als Synonym benutzt werden.

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tubaner 27.03.2013, 11:40
63.

Ich verstehe das Problem des schwedischen Sprachrats nicht. Es ist doch sinnvoll die Wortherkunft zu erwähnen. Beim Duden oder dem Oxford Dictionary macht man das ja auch.

Zitat von userinlm
Ich habe gerade mal im Wörterbuch unter "Tempo" geschaut und da ist es nur als Abkürzung von "Tempotaschentüchern" angegeben aber die Firma "Tempo" wird nicht extra erwähnt. Dann sollte sich Google auch damit abfinden können. ;)
Also auf duden.de steht „Herkunft: Tempo®“.

Zitat von Crom
Der Fall wäre vergleichbar, wenn dort statt "Tempotaschentücher" nur "Taschentücher" stehen würde.
Eben nicht, das schwedische Wort ist ja „ogooglebar“ und nicht „osökbar“ oder ähnliches. Damit steckt der Markenname im fraglichen Wort auch mit drin.

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brucewillisdoesit 27.03.2013, 11:42
64. Sprachvielfalt

Zitat von kardemumma
Es ist interessant das Der Spiegel solche Problematiken überhaupt erwähnt. In Schweden gibt es eine Instanz die versucht die schwedische Sprache im besten Sinn zu erhalten. Wie zur Zeit fast überall auf der Welt ist der Einfluss der englischen/amerikanischen Sprache unheimlich stark. Was der Sprachrat macht ist Leih/Lehn/Fremdwörter mit ”Hirn” in die schwedische Sprache zu integrieren. Wie Der Spiegel tagtäglich beweist herschen im deutschen Sprachraum ganz andere Sitten, ob passend oder unpassend, ob richtig oder falsch verwendet spielt überhaupt keine Rolle: Ranking statt Reihung, Airline statt Fluglinie, User statt Nutzer, Checken statt Prüfen, jobben statt arbeiten, Barrel statt Fass, shopping statt einkaufen, Burn-Out und Bore-Out, Postings, Management, Coaching, Business, Comeback, Crash, u.s.w., u.s.w.
Genau ... jede Sprache modifiziert und integriert universelle Begriffe, so daß sie in jeder Sprache unterschiedliche, anstatt identisch sind. Um die Sprache "rein" zu halten. Super.
Sofern sie 4 Sprachen sprechen ist es viel sinnvoller jedes Wort 5 mal, anstatt nur einmal zu lernen. Brilliant.
Sprache dient der Kommunikation, je ähnlicher sich verschiedene Sprachen (z.B. durch identische Wörter) sind, umso einfacher die Kommunikation, sofern man keine gemeinsame Sprache spricht. Stattdessen propagieren einige aber lieber xenophobe Landstummelei, weil alles andere ja Sprachverhunzung wäre.
Diese Gesinnung war vielleicht vor 100 Jahren zu verstehen, wo der Bauer in seinem Leben nie aus dem Dorf herausgekommen gekommen ist. Der Wahn bloß keine bösen fremden Wort nutzen zu müssen ist in einer globalisierten Welt aber einfach nur hinterwäldlerisch.

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dr.u. 27.03.2013, 11:52
65. Unsinn

Zitat von Crom
Wenn Person A zu Person B sagt, "es macht Sinn", ist das keine Übersetzung, denn für eine Übersetzung braucht es einen Originaltext und der liegt gar nicht vor. Es wäre also nur falsch "to make sense" so zu übersetzen.
Ich sagte ja bereits: Die meisten Leute plappern eh nur Unsinn ;-)

Aber um der Klugscheißerei genüge zu tun:
"Sinn machen" ist eine falsche Übertrageung des englischen Begriffspaares "to make sense" und im Deutschen nicht korrekt, wenn auch bei den "simple minded" doch leider gebräuchlich (Ich verfluche Dich, Bastian Sick!). Aber die bekommen ja auch den Unterschied zwischen "als" und "wie" nicht hin...

Es ist also egal, ob "Sinn machen" die Übersetzung von etwas sein soll oder nicht. Im Deutschen ist es schlicht nicht korrekt!

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tubaner 27.03.2013, 12:06
66.

Zitat von ml133
Irgendwann mal hat jemand den englischen Ausdruck "to make sense" falsch mit "Sinn machen" statt "Sinn haben" ins Deutsche übersetzt, und inzwischen ist es so weit verbreitet, daß es zum einen kaum noch auffällt und anscheinend zum anderen auch nur schwer erklärt werden kann.
Ja ja, immer diese neumodischen Anglizismen. Den Blödsinn hat aber schon der gute alte Gotthold Ephraim verwendet [1], [2]:
Zitat von
Ein Übersetzer muß sehen, was einen Sinn macht.
Zitat von
Nun ist es wahr, daß dieses eigentlich keinen falschen Sinn macht

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Crom 27.03.2013, 12:08
67.

Zitat von dr.u.
Es ist also egal, ob "Sinn machen" die Übersetzung von etwas sein soll oder nicht. Im Deutschen ist es schlicht nicht korrekt!
Im Duden steht "Sinn machen" als umgangssprachliche Alternative zu "Sinn ergeben". Damit ist es zulässig.

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tubaner 27.03.2013, 12:27
68.

Zitat von kardemumma
Es ist interessant das Der Spiegel solche Problematiken überhaupt erwähnt. In Schweden gibt es eine Instanz die versucht die schwedische Sprache im besten Sinn zu erhalten. Wie zur Zeit fast überall auf der Welt ist der Einfluss der englischen/amerikanischen Sprache unheimlich stark. Was der Sprachrat macht ist Leih/Lehn/Fremdwörter mit ”Hirn” in die schwedische Sprache zu integrieren. […]
Die Schweden als vorbildliche Sprachbewahrer darzustellen finde ich schon etwas verwegen. Die Sprache ist ja sowas von durchtränkt mit deutschen und englischen Lehnwörtern, dass man als Deutscher mit soliden Englischkenntnissen und ein paar Brocken Schwedisch sehr sehr viel versteht und vor allem lesen kann. Und dass man dort im Alltag weniger Anglizismen begegnet als in D, kann ich nach einem halben Jahr dort auch nicht bestätigen.

Wo ich Ihnen Recht geben kann, dass sie die Schreibweisen von Lehnwörtern konsequent „einschwedischen“, was ich auch sehr gut finde. Wobei deren Orthographie (und Grammatik) ja generell viel weniger Ballast mit sich herumschleppt als die deutsche.

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Scriptmaster 27.03.2013, 12:51
69.

Zitat von Crom
Wenn Person A zu Person B sagt, "es macht Sinn", ist das keine Übersetzung, denn für eine Übersetzung braucht es einen Originaltext und der liegt gar nicht vor. Es wäre also nur falsch "to make sense" so zu übersetzen.
Wenn jemand sagt "es macht Sinn" hat er (falsch) übersetzt. Woher auch immer, denn diese Wortfolge gibt es im Deutschen gar nicht. Ihre Einwände sind nur sinnvoll, wenn Ihnen dieser Umstand nicht bekannt ist.

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