Forum: Netzwelt
Wortstreit: Google verärgert Schwedens Sprachwächter
AFP

Wenn etwas nicht mit Google zu finden ist, dann ist es ungooglebar: Diesen Begriff setzte der schwedische Sprachrat auf eine Liste neuer Wörter. Dann mischte sich der Suchkonzern ein.

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tubaner 27.03.2013, 13:11
70.

Zitat von Scriptmaster
Wenn jemand sagt "es macht Sinn" hat er (falsch) übersetzt. Woher auch immer, denn diese Wortfolge gibt es im Deutschen gar nicht. Ihre Einwände sind nur sinnvoll, wenn Ihnen dieser Umstand nicht bekannt ist.
Wer im Deutschen von „Sinn machen“ redet, hat zu 99,99 % nicht übersetzt, sondern eine seit einigen Jahrzehnten im Deutschen gängige Sprechweise verwendet. Ob die irgendwann einmal durch eine holperige Übersetzung aus dem Englischen entstanden ist, ist nicht wichtig. Tatsache ist, dass man diese Redewendung schon vor über 200 Jahren von G. E. Lessing verwendet wurde (siehe mein voriger Post). Und im Universalduden steht es als umgangssprachliche Alternative zu „Sinn ergeben“ drin und ist damit in einem Forum wohl angemessen.

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dr.u. 27.03.2013, 13:18
71. Duden

Zitat von Crom
Im Duden steht "Sinn machen" als umgangssprachliche Alternative zu "Sinn ergeben". Damit ist es zulässig.
Ich weiß ja nicht, was Sie für einen Duden haben, aber in meinem und auch im Online Duden finde ich das nur mit dem Hinweis aufs Englische und Umgangssprache. Aber Umgangssprachlich werden ja auch ficken und wichsen falsch verwendet. Ebenso wird fälschlicherweise umgangssprachlich Platzangst mit Klaustrophobie gleichgesetzt.

Kneip-Sprech ist auch umgangssprachlich, aber weit entfernt von korrektem Deutsch:
"Wem issn der Benz?" "Ich"
"Er war das Schnitzel, ich die Curry-Wurst und Bier sind wir alle"...
Aber es hat auch etwas beruhigendes, zu wissen, dass man sich durch gute Sprache genauso aus der tumben Masse abheben kann, wie durch gutes Autofahren ;-)
Insofern, Sie können soviel Sinn machen wie sie wollen, am Ende wird es für einen gebildeten Menschen Unsinn bleiben und keinen Sinn ergeben.

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tubaner 27.03.2013, 13:53
72.

Zitat von dr.u.
Ich weiß ja nicht, was Sie für einen Duden haben, aber in meinem und auch im OnlineDuden finde ich das nur mit dem Hinweis aufs Englische und Umgangssprache. Aber Umgangssprachlich werden ja auch ficken und wichsen falsch verwendet. Ebenso wird fälschlicherweise umgangssprachlich Platzangst mit Klaustrophobie gleichgesetzt. Kneip-Sprech.....
Genau, ein Deppenleerzeichen und ein klein geschriebenes substantiviertes Adjektiv zeugen natürlich von guter Beherrschung der deutschen Schriftsprache, und mit Smileys hebt man sich besonders von der Masse ab. Über die typographisch nicht korrekten Anführungszeichen – „so“ wäre es richtig – und Auslassungspunkte sehe ich dann mal einfach hinweg …

Wobei mich ehrlich gesagt keiner der Punkte in einem Online-Forum stört. Hier reicht es doch schon nicht per se alles klein zu schreiben, seinen Beitrag in Absätze zu gliedern, vor dem Veröffentlichen einmal durchzulesen und Tippfehler zu korrigieren, um sich vom Pöbel abzuheben …

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principezinho 27.03.2013, 13:57
73. optional

Synonymisierung ist nicht immer ein Segen. Wenn "to google" oder "googln" in ein paar Jahren ein Synonym für "etwas in einer Suchmaschiene suchen" ist und eben nicht explizit mehr auf Google als Marke/Firma verweißt, dann wird die Marke eben geschädigt. Ein Kommentator schrieb hier, dass ja jeder die Herkunft des Wortes "ogooglebar" oder "ungooglebar" von Google herleiten könne. Ja das mag jetzt noch so sein. Aber vielleicht in ein paar Jahren oder jahrzehnten nicht mehr. Wir benutzen heute hunderte Wörter über deren Herkunft und ursprüngliche Bedeutung sich heute keiner mehr Gedanken macht.

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SieLebenWirSchlafen 27.03.2013, 14:05
74. Ohhh

Zitat von brucewillisdoesit
Genau und die Illuminaten haben sich mit den Bilderbergern verbündet um für Sauron die Welt zu unterjochen. Ganz klar. Google ist ein normales Wirtschaftsunternehmen. I.a. dürfte Google auch kaum Daten über Individuen haben, die für Geheimdienste wirklich brauchbar sind (es sei denn sie haben einen Google mail account und nutzen diesen auch noch zum mailen).
Vielleicht sollten Sie auch den Links folgen und diese lesen die ich gepostet habe? Nein, warum auch, was?

Und Bilderberger, Illuminaten (REAL) und eine (FIKTIVE) Gestalt namens Sauron - aus Herr der Ringe in einen Pott zu werfen, ist pure Ignoranz der Faktenlage mit einer großen Priese Unkenntnis ...

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smersh 27.03.2013, 15:40
75.

Zitat von Scriptmaster
Wenn jemand sagt "es macht Sinn" hat er (falsch) übersetzt. Woher auch immer, denn diese Wortfolge gibt es im Deutschen gar nicht.
Über die Qualität, Bedeutung und Herkunft der Formulierung lässt sich sicher trefflich streiten, aber selbstverständlich gibt es die Wortfolge im Deutschen. Sie besteht schließlich aus deutschen Wörtern und folgt den Regeln deutscher Grammatik. Mehr braucht es nicht, denn wie die meisten Sprachen erlaubt auch das Deutsche die Generierung von Wortfolgen. Da können dann auch hässliche oder sogar semantisch unsinnige Sachen herauskommen - "Farblose grüne Ideen schlafen zornig." ist trotzdem deutsch. Der Sprecher ist nicht auf eine Sammlung fester Phrasen beschränkt. Andernfalls hätten auch Sie ein Problem, denn beispielsweise Ihre Formulierung "diese Wortfolge gibt es im Deutschen gar nicht" steht so auch nicht im Duden.

Zurück zum Artikel über Google und den Sprachrat: Erwähnt werden sollte auch, dass letzterer eigenen Angaben zufolge rund 20 Mitarbeiter hat und als Behörde verpflichtet ist, allen Emails zu antworten. Der Fall Google wurde schlicht zu arbeitsaufwändig, um dieser Verpflichtung nachzukommen, weswegen man sich für diesen Weg entschied.

Ich kann verstehen, dass Google seine Marke schützen will, aber könnte man seine Ziele nicht mit mehr Bedacht wählen? Der Sprachrat ist kein böser Konkurrent, er dokumentiert nur, und hat wahrscheinlich besseres zu tun als sich mit Google zu zanken. Und klar, wehret den Anfängen, aber der "Schaden" scheint ja schon geschehen - viele Schweden benutzen offenbar schon "google" für alle Suchmaschinen, da hätte Google früher etwas machen müssen, jetzt stehen sie als Schurke da. Und an echten Schaden mag ich nicht so recht glauben. Aber ich sage auch oft "Walkman" zum iPod, bin da wohl nicht sensibel genug.

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ekenkis 27.03.2013, 16:36
76. SAO - Svenska Akademins Ordlista

Zitat von smersh
Bezüglich des Sprachrats ist es in dieser Google-Angelegenheit wichtig darauf hinzuweisen, dass der Rat die Integration solcher Wörter eher dokumentiert als selbst vornimmt. Seine jährliche Liste neuer Wörter führt Wörter auf, die die Schweden im vergangenen ..... .
Die "Wörterliste der Schwedischen Akademie" SAO - Svenska Akademins Ordlista - hat bereits 1801 am Ende ein Fremdwörterverzeichnis mit schwedischer Schreibweise.
Damals waren es wohl eher Wörter wie fugsvans, flukta, gevär, snälltåg, kordell etc. also deutscher und französischer Provenienz.

Und wie kommen nun die Wörter in die SAO ?
Als ich 1968 an der Stockholmer Uni Linguistik studierte, übrigens nur mit Hilfe englischer Literatur :-), lernten wir, dass die großen Tageszeitungen jeden Abend ihre gesamte Zeitung auf einem Magnetband an die Redaktion der SAO sandten. Dort geschah eine "strängbehandling", also eine Sortierung nach Alphabeth und Frequenz. So ähnlich, aber wesentlich einfacher via Internet, geschieht das wohl heute noch.
SAO spiegelt also die Wirklichkeit der Sprache.

Mit seiner Aktion scheint mir google eine Wunschwelt schaffen zu wollen. Sie wissen, dass das nicht geht. Aber bis dahin gibt es durch das Gerede viel Reklame für die Firma...:-)

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dau=maccie 27.03.2013, 21:07
77. doch

Zitat von Crom
Wenn jemand einfach sagt, "es macht Sinn", dann hat er gar nichts übersetzt, denn es gab ja gar keinen Originalwortlaut.
da haben einige nasen wörtlich (weil faul) übersetzt 'sth makes sense' heißt im deutschen 'etwas ergibt sinn'

einfach formuliert erfordert das wort machen im deutschen eine handlung und die ist schlicht nicht gegeben - das tut genauso weh wie 'in 2004'.

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tubolix 27.03.2013, 21:17
78. weil ...

Zitat von malaconciencia
Wie wäre es denn mit oyahoobar. Dann hat google seine Ruhe und die Menschen in Schweden kommen aus der Google-haft, weil sie durch Sprachgebrauch an andere Suchmaschinen erinnert werden.
... sprachentwicklung ein selbstläufer ist. niemand - auch kein noch so großer konzern - kann darauf einfluß nehmen. und so hat sich im laufe der zeit im deutschsprachigen raum eben das wort "googeln" entwickelt. google kann da nichts dafür und hat auch nichts dazu getan. und egal was bei dem streit herauskommt: an der sprache wird es nichts ändern - nicht in DE, nicht in schweden und auch sonst nirgendwo auf der welt.

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discotieren 28.03.2013, 11:06
79. Wie SMS ...

Zitat von tubolix
... sprachentwicklung ein selbstläufer ist. niemand - auch kein noch so großer konzern - kann darauf einfluß nehmen. und so hat sich im laufe der zeit im deutschsprachigen raum eben das wort "googeln" entwickelt. google kann da nichts dafür und hat auch nichts dazu getan. und egal was bei dem streit herauskommt: an der sprache wird es nichts ändern - nicht in DE, nicht in schweden und auch sonst nirgendwo auf der welt.
... SMS war durch die Telekom auch als Marke angemeldet worden. Und diese Registrierung wurde später zurückgezogen, weil es einfach keinen Sinn mehr hatte, weil der Begriff Alltagssprache geworden war.
Insoweit haben die Anwälte von Google schon recht: Wollen Sie dieses Schicksal verhindern, müssen sie aktiv werden.
Es mutet nur deshalb so verrückt an, weil sie andererseits Millionen Euro darin verbraten, damit "Google" in aller Munde ist. Nimmt man sie dann "beim Wort", ist es ihnen auch nicht recht.
Die Öffentlichkeit kommt sich deshalb völlig zu Recht auch "vorgeführt" vor, wie in einem Zirkus.

ps. Das "Sinn machen" ist nicht nur eine nachweisliche Übersetzung aus dem Englischen. Es ist sogar eine klare Falschübersetzung. Auch die Englänger hüten sich davor Sinn "machen" zu wollen. Das überlässt man seit jeher "jenem höheren Wesen". Zwar gab es historisch ganz selten bereits vor Jahrhunderten eine Verwendung "Sinn machen", aber sie war die berühmte absolut seltene (!) Ausnahme von der Regel (und vielleicht damals ein bewusster Anglismus). Das "Sinn machen" fing sogar nicht einmal nach 1945 an, sondern erst ca. 1978 richtig dramatisch an, so dass auch nicht das Internet Auslöser sein kann. Als Auslöser käme in Betracht, dass die letzten geburtenstarken Jahrgänge in dieser Zeit extrem viel englische Popmusik konsumierten und anfingen selbst Englisch zu sprechen. Heute wird das "Sinn machen" vorangetrieben, weil es "cool" klingt, seinen Sinn mal schnell nebenbei selbst zu machen. Man macht, nachdem man eine zeitlang nur äktschn gemacht hat, nun heute sogar auch Sinn. Die Werbesprache verlangt immer nach Steigerung. Und für "mach-os" ist "machen" immer besser: Machen klingt nach Macht. Macht über den Sinn! Besonders geil!
Für mich riecht "Sinn machen" nach hochgekrempelten Sakko-Ärmeln.

Wollen Sie das??!! ;-)

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