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Zeitungen im Medienwandel: Es geht lediglich ums Ganze

Eigentlich hätte die Zeitungsbranche vom digitalen Wandel nicht überrascht werden dürfen - doch viele Verlage reagieren mit hilflosen Abwehrreflexen. Dabei müssten sie ihren Fokus ändern.

georg_doerner 10.08.2015, 15:05
1. Neuer Wein in alten Schläuchen...

Herr D. bringt es auf den Punkt.
Innovationen, die in eine alte Struktur gepresst werden sind sinnlos vergeudet. Die Print-Medien haben sich seit dem Aufkommen des Internets sehr schwer damit getan auch die Strukturen anzupassen.
Es ist unverständlich, dass es in vielen Redaktionen immer noch eine Treunung print/ online gibt und Blogger oder Online-Redakteure skeptisch betrachtet werden.
Was zählt, sind gute und leserorientierte Inhalte. Nur die lassen sich aufgrund des Kostendrucks kaum noch darstellen. Die Qualität leidet. Eine Abwärtsspirale hat begonnen: weniger Anzeigen-/ Vertriebserlöse, Einsparungen zu Lasten der Qualität, folglich weniger Erlöse usw.
Von den Anpassungsschwierigkeiten und verpassten Gelgenheiten auf Produkt-/ Vermarktungsseite will ich gar nicht reden...

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hschmitter 10.08.2015, 16:58
2.

Es gibt noch eine anderen Grund für die Probleme der Zeitungen: Statt über etwas zu berichten wird "Content generiert". Heraus kommen dpa-Artikel, im Sommer "Schöne Haut und Joghurt", im Winter "Weihnachten und Zimt" oder sinnfreie Eigenproduktionen wie "10 Dinge, die Sie wissen müssen"....

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morci-de 10.08.2015, 21:22
3. Mainstreamhörigkeit statt Journalismus

neben dem sinnfreien Murks a la "die 10 Gründe für..." und massenhaft Artikeln von absolut zeitloser Schönheit im Stile von Wohlfühlmagazinen gibt es in den Medien einen dramatischen Verlust an klugem Journalismus.
Das banale Spiel Regierung/Opposition wird nicht analysiert und den LeserInnen erklärt, sondern platt abgebildet und nachgeplappert ("Opposition watscht Regierung ab"), gern auch im Schüleraufsatz-Charakter ("immer mehr nimmt xy zu").

Der Leser/die Leserin merkt, wenn er/sie nicht ernst genommen werden

- wenn sich die Griechenlandkrise wochenlang "immer weiter zuspitzt"

- wenn immer nur Frauen und Kinder das Flüchtlingsthema bebildern - in der Unterkunft nebenan davon aber fast nichts zu sehen ist, weil da fast nur junge Männer sind

- wenn munter über die Forderungen nach "einem Einwanderungsgesetz" geschrieben wird, und kein Journalist wissen oder gar berichten will, was und wozu denn in so einem Gesetz drin stehen solle - das Label "Einwanderungsgesetz", was immer das dann sein soll, genügt

Die Beispiele ließen sich ellenlang fortführen. Und, oh Wunder: so etwas braucht kein Mensch

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Ge-spiegelt 11.08.2015, 08:32
4. Guter Artikel

Gegen die Informationsflut helfen Filter und prägnante Artikel, aber bitte etwas anspruchsvoller als Focus. Interessant finde ich Foren und Kommentare, aber auch hier benötigt man Filter und Bewertungen um Schrott erst gar nicht zu lesen. Ein deutscher Reddit fehlt auch.
dann könnten die Medien auch Wikis anbieten , die das Wesentliche zu einem Thema zusammenfassen.
Beispiel Energiewende, korrekte Fakten und Kosten der verschiedenen Energie Arten, Historie, Vorhersagen, Links zu mehr Informationen, Meinungen. ..
Da kann auch durchaus Lebens Beratung dazugehören, wie Steuererklärung, Ehe, Vererbung, Ausbildung, Kinder, Versicherungen, Produkt Bewertungen, Gesundheit, Ernährung.
Klar gibt's Vieles davon im Netz, aber es erfordert viel Zeit die Vertrauenswürdigkeit festzustellen und ob die gesuchten Antworten enthalten sind.

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Planetenauswanderer 11.08.2015, 14:44
5.

Tja ...
Ein chinesisches Sprichwort (angeblich), das ich mal in einem Film aufgeschnappt hab, soll heißen:
" Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die dummen Menschen Mauern, die weisen Windmühlen"
KA, ob es dieses Sprichwort tatsächlich gibt, aber den Chinesen trau ich vieles zu, und es steckt definitiv was drin.

Menschen sind nun mal so - in allen Situationen und in jedem Alter, am prominentesten ist als Bsp aber wohl der Tod - das beschützen zu wollen, was sie haben, weil man das eben schon kennt, wohingegen man das, was noch nicht da ist, nicht kennt ...
Daraus erschließt sich vieles andere.

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tüttel 14.08.2015, 14:51
6. Die technische Entwicklung ist sehr wohl das Problem

Die Debatte um den Medienwandel wird ja (häufig bis zum Überdruss) vor allem außerhalb der großen etablierten Onlinemedien geführt, sodass es erstmal grundsätzlich erfreulich ist, dass Spiegel Online dem Thema wieder mal größeren Raum gibt. Das Thema könnte in den Onlinemedien, die es ja gerade betrifft, durchaus häufiger behandelt und damit eben auch mehr kommuniziert werden.
Im Artikel selbst habe ich allerdings einen fundamentalen Widerspruch ausgemacht. Einerseits lautet eine Überschrift "Das Problem der Branche ist nicht die technische Entwicklung", auf der zweiten Seite heißt es dann "Die Bedeutung von Technologie nimmt immer noch zu". Ja, was denn nun, kann der geneigte Leser da nur fragen. Für mich ist der Medienwandel jedenfalls wesentlich und grundsätzlich ein technischer. Gäbe es das Internet mit seinen unzähligen neuen Möglichkeiten und Zusammenhängen nicht, gäbe es keinen Medienwandel und keine Notwendigkeit für ihn. Aus dieser technischen Medienrevolution sind alle weiteren Aspekte des Medienwandels wie die medialen, kommunikativen, interaktiven, ökonomischen usw. abgeleitet.

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