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Zeitungskrise: Alles fließt

Deutschen Zeitungen geht es schlecht. Die "Frankfurter Rundschau" ist insolvent, die "Financial Times Deutschland" steht offenbar am Abgrund. Dahinter steckt eine Entwicklung, die größer ist als das Internet, meint Sascha Lobo : Nachrichten werden zum Prozess. Der statische, gedruckte Artikel ist dafür nicht mehr zeitgemäß.

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Olaf 20.11.2012, 14:11
40.

Zitat von sysop
Deutschen Zeitungen geht es schlecht. Die "Frankfurter Rundschau" ist insolvent, die "Financial Times Deutschland" steht offenbar am Abgrund. Dahinter steckt eine Entwicklung, die größer ist als das Internet, meint Sascha Lobo: Nachrichten werden zum Prozess. Der statische, gedruckte Artikel ist dafür nicht mehr zeitgemäß.
Wahrscheinlich war der gedruckte Artikel in der Zeitung, in dem die Hintergründe bestimmter Nachrichten eingehend analysiert und behandelt wurden, immer nur ein Nebenprodukt.

Jedenfalls nicht der Hauptgrund, warum Zeitungen gekauft wurden.

Ich denke, dass diese Entwicklung alle klassischen Medien erreichen wird. Also auch Radio und Fernsehen. Mit dem Smartphone habe ich jederzeit Musik, Nachrichten und Unterhaltung dabei, wann und wie ich gerne möchte. Wozu also ein Radio?

Den Fernseher braucht man dann nur noch, um einen Film in hoher Qualität bei Ton und Bild zu sehen.

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bulettenbert 20.11.2012, 14:15
41. nichts ist unaktueller

Wer benötigt in dieser Zeit noch gedruckte Zeitungen?!? Menschen mit einem Vogelkäfig vielleicht. NICHTS IST ÄLTER ALS DIE ZEITUNG VON HEUTE! Obendrein ist die gedruckte Zeitung völlig umweltschädlich. Vom journalistischen Anspruch, dem Abschreiben von Agenturmeldungen, oft auch falsche, ganz zu Schweigen. Es gibt ja nur noch ausgewählte Blogs in denen kritisch recherchiert und hinterfragt wird. Der heutige Journalist ist ja quasi nur noch ein "Übernehmer". Das aber leider auch in der digitalen Ausgabe der Zeitungen. Die digitalen Medien könnten hier wesentlich aktueller und breiter Informationen anbieten. Die Zeitung in der jetzigen Form ist in den nächsten 10 Jahren tot. Es wird in den nächsten Jahren ein massives Sterben eintreten. Nicht nur die Käufer springen reihenweise ab, auch die zum größten Teil zur Finanzierung beitragende Werbung sucht sich zurecht neue Plattformen. Die digitalen Medien haben nur dann eine Chance, wenn sich wieder kritischer Journalismus durchsetzt und die digitalen Angebote darüber hinaus einen Mehrwert anbieten. Dafür sind viele auch bereit, online zu zahlen! Lasst euch was einfallen! Das ist Euer JOB!

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Pavel Nowottny 20.11.2012, 14:18
42. Danke!

Zitat von Zephira
Totes Holz ist das Kommunikationsmedium der Vergangenheit, nicht der Zukunft. ...
Sie haben das wunderbar zusammengefasst. Danke dafür!

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schokorolo 20.11.2012, 14:19
43. Aktuell oder fundiert

Aktuelle Informationen via Internet sind o.k., reichen aber für eine umfassende Berichterstattung nicht aus. Und hier versagen leider allzuviele Printmedien. Mir ist kein einziges deutsches Printmedium bekannt, das sich detailliert mit dem Gallois-Papier oder dem Economist-Artikel zu Frankreich auseinander gesetzt hat. Wird darüber nicht berichtet, weil es die Redaktionen unserer linken Mainstream-Medien der Lächerlichkeit preisgeben würde???
PS: Das Verschwinden von FR und dem keynesianischen Satireblatt FTD ist kein Verlust für unsere Medienwelt. Werden jetzt auch noch die GEZ-Zwangsabgaben abgeschafft, wäre die Entwicklung sogar ein Gewinn.

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Wolfgang J. 20.11.2012, 14:25
44. Ich befürchte eine Nachrichtenkrise.

Vor einiger Zeit hatte ich Zeit genug durch die "privaten" zu zappen. Was ich dort sah wollte mir überhaupt nicht gefallen:

So wie ich es sehe, vermitteln die "privaten" keine Nachrichten, sondern den Eindruck von Nachrichten; sie sehen wie Nachrichten aus, hören sich wie Nachrichten an, aber der Inhalt ist abwegig, beliebig, belanglos oder überhaupt nicht vorhanden.

Bis auf einige Ausnahmen beziehen sich die "Nachrichten" dieser Sender überwiegend auf Ereignisse die sie zuvor selbst inszeniert haben. Prommi A macht irgendetwas an Ort B und darüber wird dann eben berichtet. Der Rest sind Doku Soaps, die im Gewand eines Tatsachenberichtes überwiegend heisse Luft vermitteln.

Und damit erreichen diese Sender offensichtlich eine grosse Bevölkerungsgruppe und verdienen sehr viel Geld.
Palestina: "Wo ist das?" Griechen: "Alles Verbrecher und Abstauber!" Regierung : "Das ist doch diese Merkel in Bonn.." Politik: "Interssiert mich nicht!" Wozu braucht man da noch Nachrichten!? Man weis doch schon alles!
Arme Demokratie..
W.

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flexier 20.11.2012, 14:28
45. Da faellt mir die Idee der Timeline Funktion von Facebook ein...

Nachrichten Seiten wie SPON sollten so oder aehnlich aufgebaut sein. Ich sollte als Leser in der Lage sein zu einer Nachricht die vergangenen Nachrichten und Artikel zum gleichen Thema oder auch themenuebergreifend abrufen zu koennen. Das wuerde SPON erlauben grundsaetzlich wie ein Nachrichten Liveticker zu funktionieren und daneben auch inhaltlich etwas fuer den aufzubereiten der mehr Informationen zum Thema braucht oder will.
Es wuerde dann auch endlich Schluss sein damit das "Neue Nachrichten" immer nach einem Paragraphen den Inhalt der jeweils vorherigen Nachricht enthalten, weil sie eigentlich nur eine Ergaenzung zur vorherigen Nachricht darstellen.

Also liebe SPON Mitarbeiter, fangt mail bei Euch an, die Erkenntnis dieses Artikels umzusetzen. Bis jetzt funktioniert SPON naemlich genau nach den alten Nachrichten/Artikel Konzepten eine Zeitung. Halt nur Online.

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jetteroheller 20.11.2012, 14:35
46. Keine Zeit

Ich finde viele Tageszeitungen gut, auch bestimmte Magazine interessieren mich sehr. Aber ich habe seit Monaten, wenn nicht sogar seit Jahren kein Magazin oder Tageszeitung gekauft. Warum? Ich habe einfach keine Zeit! Dabei hab ich nichtmal einen äußerst zeitintensiven Job. Ich habe schlichtweg keine Zeit (und Ruhe) in Magazinen oder Zeitungen zu blättern. Ich lese während ich in der Bahn sitze online, ich lese während der Arbeit, online. Das wars. Die restliche Zeit arbeite ich, bin mit Freunden unterwegs und nehme an meinen persönlichen Leben teil. Ich denke, dass Problem ist vielmehr die Übersättigung des Angebots. Wozu brauche ich eine Zeitung aus Papier, wenn ich mir meine Themen und Nachrichten die mich interessieren vollautomatisch auf mein Handy bekomme?

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renovatio06 20.11.2012, 14:37
47.

Zitat von sysop
Deutschen Zeitungen geht es schlecht. Die "Frankfurter Rundschau" ist insolvent, die "Financial Times Deutschland" steht offenbar am Abgrund. Dahinter steckt eine Entwicklung, die größer ist als das Internet, meint Sascha Lobo: Nachrichten werden zum Prozess. Der statische, gedruckte Artikel ist dafür nicht mehr zeitgemäß.
Interessante Gedanken. Vieles scheint mir für die von Lobo vorgebrachten Punkte zu sprechen. Ich sehe das als gute Nachricht für den Journalismus. Denn bei der Lieferung von Hintergrundanalysen, also sozusagen einem "Nährboden" für die Nachvollziehbarkeit dessen, was akuell geschieht, bekommen journalistische Kernkompetenzen wieder Marktwert: Zugang und verantwortungsvolle Auswahl von Quellen, deren gründliche Recherche und die Darstellung der gefundenen Inhalte in verständlicher Form. Ich sehe diesen Wandel als Chance für den klassischen Journalismus, sich selbst zu erneuern.

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tüttel 20.11.2012, 14:42
48. Medienentwicklungen und Entwicklungsantriebe bedingen einander

Eine alleinige Erklärung wie die Prozesshaftigkeit des Journalismus taugt meiner Meinung wenig als Erklärung für das Zeitungssterben. Auch scheint mir diese Prozesshaftigkeit nicht über dem Internet und der allgemeinen Medienentwcklung zu stehen, sondern diese Prozesshaftigkeit des Journalismus war und ist wesentlich durch neue Medien, jetzt eben durch das neue ständig verfügbare interaktive Medium Internet bedingt. Durch das ständig aktualisierbare Internet explodiert die Prozesshaftigkeit des Journalismus - nicht umgekehrt. Das Internet ist als neues Medium schon der große Auslöser der heutigen Probleme "Alter Medien". Die Entwicklung der Medientechnologien scheint mir auch nicht primär durch einen solchen Drang nach Prozessualisierung angetrieben. Der ist Ausdruck und Ergebnis eines anderen Hauptziels: Medien haben in ihrer Entwicklung nach immer mehr Aktualität und Tempo gestrebt. Mit dem ständig aktualisierbaren interaktiven Internet scheint dieser Drang nach immer größerer Aktualität und Schnelligkeit seinen endgültigen Gipfel erreicht zu haben. Um also meine Sicht auf die Ursachenkette zusammenzufassen: Medien(macher) streben nach immer mehr Aktualität und Tempo - das führt zu neuen Medien/Medienkanälen wie jetzt dem Internet - und im Ergebnis zu immer zeitnäheren Nachrichtenflüssen - sehr schön verdeutlicht auch im On-Line-Begriff. Wobei Antriebe der Medienentwicklung und diese Medien selbst einander zusätzlich beeinflussen. Neue Medien führen auch zu neuen Bedürfnissen und Antrieben und als solche irgendwann wiederum zu Neuen Medien - wie dann z.B. irgendwann zum Web 2.0

Was aber wie gesagt nur eine unter vielen Ursachen für den Medienwandel ist. Es ist ein ganzes Bündel an Ursachen, die zum Zeitungssterben durch das Internet führen: Interaktivität + Prosumismus, ständige direkte Verfügbarkeit, technische wie inhaltliche Universalität, technische Überlegenheit, Komfortabilität, viel bessere Erreichbarkeit, Verlinkbarkeit - und wesentlich auch: dass Online-Publikationen gegenüber bisherigen Medien in ihrer Verbreitung auf Medienträgern so extrem billig und unaufwendig geworden sind. Was in der Verbreitung fast nichts mehr kostet, sinkt zwangsläufig insgesamt in seinem Wert und Preis. Dagegen schmieren die teuren gedruckten Medien zwangsläufig ab - und müssen im Internet erst mühsam völlig neue technische, inhaltliche, interaktive und ökonomische Antworten darauf gefunden und im Prinzip völlig neue Medien entwickelt werden.
Die Frage, was das alles mit dem Journalismus macht, wohin er geht usw., ist sicher wichtig - schlicht die Grundfrage des Journalismus. Wofür Onlinemedien meiner Meinung noch viel zu wenig die interaktiven Möglichkeiten des Internets nutzen - also vermehrt zu fragen und zu diskutieren, was Leser denn gerne wollen und interessant fänden.

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goeha 20.11.2012, 14:45
49. Was heißt hier Hintergrundberichterstattung?

Was berichtet eigentlich ein Liveticker (s. Libyen, Syrien, Fußball). Im Minutentakt verflacht die Information und stumpft den Rezipienten ab. Und dann analysiert die Hintergrundberichterstattung, warum es eigentlich wieviele Tote oder Tore gibt? Gute Artikel stoppen auch einmal den behaupteten ständigen Fluss und lösen damit zusammenhängende Verwirrungen durch eine kluge Kombination von nicht allzuweit zurückliegender Aktualität und Hintergrundrecherche auf. Zeitungen, die das (weiterhin) leisten, haben eine Zukunft.

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