Forum: Netzwelt
Zukunft der Sozialdemokraten: Zurück zur Technologie-Bewältigungspartei
DPA

Die SPD stürzt von einer Krise in die nächste. Vielleicht sollte sie sich auf eine ihrer Grundideen besinnen: die Folgen der Maschine gesellschaftlich zu bewältigen.

Seite 8 von 11
giespel 18.01.2018, 08:21
70. Wenn man

Wenn man nur einen Hammer hat, sieht alles aus wie ein Nagel. Ja, die SPD muss sich erneuern und auf die heutigen Gegebenheiten einstellen, aber man kann nicht alles nur auf das digitale Dasein von Kolumnisten und Artikel schreiben reduzieren. Deshalb ist der Beitrag so sperrig zu lesen, Lobo. Das Thema ist schon ein wenig komplexer, aber der Ansatz ist lobenswert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dirk.resuehr 18.01.2018, 08:32
71. Spd

tappt geganklich im 19. Jahrhundert herum. Sie hat die Globalisierung und Digitalisierung bis heute nicht verstanden und kann die Folgen nicht umsetzen. Nehmen wir die Metaller zum Beispiel, sie wollen mehr, mehr Geld und mehr Freizeit. Wohin führt das? Die Konkurrenzfähigkeit schmilzt dahin, bis es nichts mehr an Arbeit gibt. Die Chinesen lachen sich kaputt. Ein mehr ist richtig, aber in was? Also mehr an Bildung, mehr Anpassung an sich ändernde Märkte und mehr Verständnis für deren Anforderungen. Die Priorität sind nicht Freizeit und Familie, nein, Job und Jobsicherheit sinds, sind die nicht gegeben, ist alles ein Nichts!Das alte SPD-Leiden, möglichst viel zu verlangen und auszugeben muß überdacht werden. Das sollten insbesopdere die Jusos wissen, die sind näher an der Entwicklung von Technik und Gesellschaft dran

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ds10 18.01.2018, 09:09
72.

Es mag sicher einen Anteil am Absturz der SPD haben, dass diese keine positive Zukunftsperspektive anbietet, sondern krampfhaft an der Erwerbsarbeit in Form der Vollbeschäftigung als Ziel der Politik festhält, aber damit ist sie ja nicht allein, da das alle Parteien in Deutschland ebenso sehen. Dass Deutschland ein grundsätzlich eher konservatives Land ist, ist sicher auch korrekt, aber für die SPD ist nicht entscheidend, wie Konservative ticken, die ja doch nie SPD wählen werden. Man muss sich nur ansehen, wann die SPD die meisten Wähler verloren hat, das war von 2002 auf 2009 mit 12,8 Prozentpunkten und ein Großteil der Wähler ist ins Nichtwähler-Lager gewechselt und nicht etwa zur Linken, die für viele ja immer noch die SED und somit unwählbar ist.

Daher wäre es falsch Harz IV und andere "soziale Wohltaten" der SPD, wie 3% Mehrwertsteuererhöhung oder die Rente mit 67 als Ursache des Absturzes gering zu schätzen. Es mag auch sein, dass ein gewisser Teil der Bevölkerung Druck auf Arbeitslose für richtig hält, das aber nur, weil überall suggeriert wird, dass man immer selber Schuld ist, wenn man in Arbeitslosigkeit ist und keinen neuen Job findet. Meiner Meinung nach ist das auch ein Selbstschutzmechanismus, denn wenn andere selbst Schuld sind, wird es einen selbst nicht betreffen. Gleichzeitig ist aber dieser Druck für die schlechte Stimmung in Deutschland in Form von Abstiegsängsten mitverantwortlich. Der Grundansatz bei Harz IV alle gleich zu behandeln ist richtig, aber die Anrechnung von Vermögen und die Sanktionen sind der Fehler im System, was einerseits zu Ungerechtigkeiten beim Schonvermögen (kleines (geschontes) Haus in der Münchner Innenstadt mit Millionenwert, großes (zu verkaufendes) Haus auf einem Dorf mit wenigen 10.000 Euros an Wert) und faktischen Arbeitszwang führt.

Natürlich muss sich die SPD der Digitalisierung Aufmerksamkeit zuwenden, denn diese wird schwere soziale Verwerfungen bringen, wenn es nicht gelingt das Sozialsystem in Deutschland von der (dann zurückgehenden) Erwerbsarbeit abzukoppeln.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ds10 18.01.2018, 09:16
73.

Zitat von dirk.resuehr
Die Priorität sind nicht Freizeit und Familie, nein, Job und Jobsicherheit sinds, sind die nicht gegeben, ist alles ein Nichts!
Das ist einfach nicht korrekt, denn nicht Job bzw. Jobsicherheit sind wichtig, sondern Einkommenssicherheit. Job und Einkommen hängen nur bedingt zusammen, weil dies so gewachsen ist. Das ist aber kein Zwang, schon heute gibt es Reiche, die keinem Job im bürgerlichen Sinn nachgehen, aber trotzdem eine unvergleichliche Einkommenssicherheit haben und auf der anderen Seite des Spektrums sind diejenigen zu finden, die einen Job und womöglich sogar Jobsicherheit haben, bei denen aber das Einkommen nicht und nur gerade so reicht. Es ist ein grundsätzlicher Denkfehler anzunehmen Arbeit und Einkommen gehörten zusammen, ein großer Teil der Arbeit wird ohne Einkommen erbracht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
meine Güte 18.01.2018, 10:02
74. Da die SPD...

...die Seeheimer nicht unter Kontrolle halten kann, tun das nun die Wähler über die SPD. So lange die SPD nicht zu ihren Wurzeln findet, werden sie weiter Abschmieren. Wann bemerkt die SPD das es dem Wähler oben steht? Aktuelle Meinungsumfragen liegen derzeit für die SPD zwischen 18,5%-20%

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Depressiver Depp 18.01.2018, 10:04
75. Fortschritt

Auch ich fand den Beitrag sperrig. Dies aber nur bis zu dem Absatz über das Verhältnis der Gesellschaft zu Hartz IV. Der ist prima und leider wahr. Trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass die SPD ihr Herz für Menschen öffnen kann, die gesellschaftlich unterhalb des kleinen, einfachen Arbeiters changieren. Als Jahrgang 63 kann ich mich an eine Fortschrittsgläubigkeit erinnern, die dadurch gekennzeichnet war, dass die Gesellschaft auf einen Gewinn für Alle vertraute. Die Beteiligten mussten später erkennen, dass sie naiv waren. Auf diesem Erfahrungshintergrund sollen sie nun weiter naiv hoffen?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
exxtreme2 18.01.2018, 10:15
76. Irrtum

In einem Punkt irrt Her Lobo, nämlich:

"Die SPD sollte doch die Partei der Arbeit sein - aber das Arbeitsbild der SPD stammt auch 2018 noch aus dem 20. Jahrhundert. "

Genau das will die SPD eben nicht mehr sein. Sie will eher eine Partei der Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst sein. Dummerweise buhlen sie damit mit den Grünen um diese Klientel. Man muss sich einfach nur anschauen wen die SPD mit ihren Steuererhöhungen belasten will. Das wird die Facharbeiter ab härtesten treffen. Die zahlen jetzt schon weit über 60% an Steuern und jetzt soll noch was drauf.

Und genau diese Wählerschaft verlieren sie halt.

MfG

Beitrag melden Antworten / Zitieren
walter_de_chepe 18.01.2018, 10:40
77. Ein dickes Lob geht heute an Sascha Lobo

Die Analyse von Sascha Lobo ist hervorragend. Wo und wie auch immer er die Lassalle-Zitate gefunden hat, sie passen! Die SPD sollte sich wieder mehr an 1848 als an 1968 erinnern! Genial ist es die Hoffnung in den Mittelpunkt zu stellen und sie unter 3 Aspekte zu sehen: Technisch, politisch und emotional. Hoffnung (man nannte es auch Utopie) ist die Eigenschaft, die links und rechts trennt. Hoffnung macht den Charme und die Tragik der Linken aus. Ohne Hoffnung ist die SPD keine linke Partei. Aus Sozialdemokraten sind Sozialbürokraten geworden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Aberlour A ' Bunadh 18.01.2018, 10:48
78. Digitalisierung bis heute nicht verstanden?

Zitat von dirk.resuehr
tappt geganklich im 19. Jahrhundert herum. Sie hat die Globalisierung und Digitalisierung bis heute nicht verstanden und kann die Folgen nicht umsetzen. Nehmen wir die Metaller zum Beispiel, sie wollen mehr, mehr Geld und mehr Freizeit. Wohin führt das? Die Konkurrenzfähigkeit schmilzt dahin, bis es ....
Den Kerngedanken, den die SPD wieder aufnehmen muss, ist der uralte Zusammenhang von technischen Fortschritt und Arbeitswelt. Dabei halte ich eine "digitale Gesellschaft" aber für eine Schimäre (wie ich in meinem Beitrag No. 61 hier leicht süffisant-sarkastisch ausgeführt habe). Ob Menschen in ihrer Freizeit digitale Medien nutzen oder an der Arbeit mit digitalen Equipment umgehen, begründet noch keine "digitale Gesellschaft". Und wenn technologische Strukturbrüche erfolgen, muss über Anpassungsmaßnahmen nachgedacht werden. Egal ob die Welt digital oder analog betrachtet wird. Wenn früher Hundertschaften Straßen mit Schaufel, Gabel und Spaten planiert haben, sitzt heute ein Fahrer auf der Planierraupe und zwei gucken zu. Und sie schaffen dieselbe Wegstrecke trotzdem hundertmal schneller. Die "Freigesetzten" müssen eben Busfahrer werden - die werden im Augenblick händeringend gesucht - Willkommen in der "digitalen Gesellschaft" - oder eben zum Altenpfleger umschulen. Face to Face - Relationships werden übrigens an Attraktivität gewinnen (müssen). Auch auf der Einkommenseite, allein schon wegen des demographischen Wandels. Wenn ich mich an der Arbeit so umhöre, sind genau die von Sascha Lobo in Abrede gestellten "ursozialdemokratischen" Begrifflichkeiten wie "sachgrundlose Befristung" und "Normalarbeitsverhältnis" genau die Befindlichkeiten, wo bei den Meisten der Schuh drückt. Warum kann die SPD davon nicht profitieren? Da würde ich mal in der Nichtwählerschaft nachfragen und über Vertrauen in der Politik nachdenken. Oder sieht Jeremy Corbyn wie jemand aus, den Sascha Lobo als "Digitalisierugsminister"einstellen würde?
Apropos Sascha Lobo: er kommt mir in der Kolumne vor wie einer der handelsüblichen Evolutionstheoretiker, die ihre eigene Lebenswelt immer für die reine Explikation des sich gerade entwickelten Evolutionstypus halten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
neurobi 18.01.2018, 11:01
79.

Zitat von wonder-wu
Gute Vision. Die SPD muss dringend verstehen, dass die Revision von Hartz IV ausserhalb der eigenen Partei nicht interessiert. Bein Besuchen von SPD-OGs laeuft die Dikussion immer auf "Schroeder hat die Partei gespalten hinaus". Mag ja sein, aber das ist 1000 Jahre her
Nein, sie ist ein Grund, aber nicht allein. Aber sie ist ein gutes Beispiel wie man falsch auf die zukünftigen Herrausforderungen in der Arbeitswelt reagiert.
Sie war ein Schlag ins Gesicht all derer, die ihr Leben über Arbeitseinkünfte bestreiten müssen. Sie ist eine Bedrohung der Existenz für alle abhängig Beschäftigte, auch wenn das viele selbst noch nicht bemerkt haben, den im Fall Verlusts des Arbeitsplatz wird man schnell enteignet.

Die SPD muss ein Konzept entwickeln, dass die Finanzierung des Staates und der Sozialversicherungen von dem Arbeitseinkommen in Richtung Kapitalerträge (inkl.Börse) und Unternehmesgewinne.
Sie muss ihre Blauäugigkeit bei der Integration bestimmter Einwanderergruppen ablegen.
Sie muss bei ihrem Pazifismus Augenmass bewahren.
Um nur einige Punkte zu nennen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 8 von 11