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60 Jahre Bundesrepublik: Zwei Leben in Deutschland

Die Bundesrepublik wird 60 - Wolfgang Reitzle und Heinz Höffken auch. Die Aufstiegschancen beider Männer waren anfangs vergleichbar, doch dann drifteten die Biographien auseinander. Der eine ist heute Vorstandschef von Linde und verdient Millionen, der andere ist arbeitslos. Warum?

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wahrsager23 26.06.2009, 08:55
110. ..

Zitat von spiegel_affäre
Das kann man so nicht sagen. Die wenigsten Leute schaffen nur durch eigene Verdienste den Sprung an die Spitze. Wenn man sehr reiche Eltern hat, kann man problemlos studieren und muss sich über die Finanzierung keinen Kopf machen.
Kommt drauf an.
Meiner Erfahrung nach, sind die Menschen am besten gewappnet, die den härtesten Bedingungen trotzen konnten.
Lesen sie doch einfach mal in der Boulevard-Presse nach über die Kinder erfolgreicher Menschen. Sehr viele stürzen ab in Drogen usw.

Eine Garantie ein erfolgreiches Leben als reicher Mensch zu führen gibt es nicht. Außer sie sind so klug und haben so ein Durchsetzungsvermögen, dann ja, aber Reichtum alleine ist zu wenig.

Zitat von
Ergo --> Reichtum fordert Karriere und so auch wieder Reichtum.
Fordern kann man viel!

Zitat von
Wenn man aber als Arbeiterkind sein Abi macht und dann studiert hat man es ungleich schwerer. Ich sag nur Studiengebühren, BaföG, welches nicht genügt usw. Die Reichen könnten doch dazu gebracht werden die gleiche Menge an Geld, die durch die Studiengebühren eingenommen wird, abzutreten. Siehe da, Studiengebühren abgeschafft. So einfach könnte es sein. Gebe es diese Systemtreue nicht ...
Da bin ich ganz ihrer Meinung. Studiengebühren gehören abgeschafft, für Personen, aus armen Verhältnissen.

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eikfier 26.06.2009, 09:27
111. Bafög, welches nicht genügt usw.

Zitat von spiegel_affäre
Das kann man so nicht sagen. Die wenigsten Leute schaffen nur durch eigene Verdienste den Sprung an die Spitze. Wenn man sehr reiche Eltern hat, kann man problemlos studieren und muss sich über die Finanzierung keinen Kopf machen. Ergo --> Reichtum fordert Karriere und so auch wieder Reichtum. Wenn man aber als Arbeiterkind sein Abi macht und dann studiert hat man es ungleich schwerer. Ich sag nur Studiengebühren, BaföG, welches nicht genügt usw. Die Reichen könnten doch dazu gebracht werden die gleiche Menge an Geld, die durch die Studiengebühren eingenommen wird, abzutreten. Siehe da, Studiengebühren abgeschafft. So einfach könnte es sein. Gebe es diese Systemtreue nicht ...
...rein theoretisch hätten Sie natürlich schon die Möglichkeit, z.B. durch klugen, wenn auch schmerzhaften eigenen Verzicht, z.B. Ihr bafög doch genügend zu machen und dadurch sinnvolle Lebenszeit zu gewinnen, statt durch greinen und Andere erfolglos anzuklagen kostbare Lebenszeit zu verplempern, denn das Leben ist doch begrenzt und wird durch Anklagen nicht eine Sekunde länger...
Ich meine nicht auf Kämpfen generell zu verzichten, aber doch nur dort,wo vernünftige Gewinnchancen bestehen und der Grund selber den Lebenszeit-Einsatz wirklich lohnt...und das ist äußerst selten der Fall!

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eikfier 26.06.2009, 09:39
112. arm alleine reicht immer noch nicht...

Zitat von wahrsager23
Kommt drauf an. Meiner Erfahrung nach, sind die Menschen am besten gewappnet, die den härtesten Bedingungen trotzen konnten. Lesen sie doch .....
...Studiengebühren doch nur für "arme" Studenten abschaffen, sofern sie auch begabt sind und so für den gewählten Beruf überhaupt der Einsatz von Steuergeldern vertretbar und lohnend ist; d.h. wieder mündliche, getrost wieder subjektiv gefärbte Eignungsprüfungen durch z.B. mindestens 2 Berufserfahrene wie schon früher mal...
Dieses jahrzehntelang immer "sozialere" Getue führte doch nur in die heutige Sackgasse...

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wahrsager23 26.06.2009, 10:16
113. ...

Zitat von eikfier
...Studiengebühren doch nur für "arme" Studenten abschaffen, sofern sie auch begabt sind und so für den gewählten Beruf überhaupt der Einsatz von Steuergeldern vertretbar und lohnend ist; d.h. wieder mündliche, getrost wieder subjektiv gefärbte Eignungsprüfungen durch z.B. mindestens 2 Berufserfahrene wie schon früher mal...
Das sollte im Ermessen jeder Hochschule liegen. So wie jedes Unternehmen ihre Einstellungsprozesse selbstständig gestalten kann.

Zitat von
Dieses jahrzehntelang immer "sozialere" Getue führte doch nur in die heutige Sackgasse...
So sehe ich das auch so. Die Waage (Sozialleistungen vs. Wirtschaftsleistung) muss ausgeglichen sein.

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baiatul 26.06.2009, 18:31
114. Sozial

Zitat von gaga007
Wenn jemand nicht vom System profitiert, warum muß dann das System in Frage gestellt werden ?....In der Mehrzahl der Fälle liegt die Ursache für ein Versagen in der Verantwortung des Individuums.
Sie stellen das "Soziale" als solches in Frage. Indirekt fragen sie, wieso eigentlich dieser ganze soziale Quatsch? Jeder kehr' vor seiner Tür, sauber ist das Stadtquartier.
Wer bestimmte, sehr sportliche Leistungen nicht schafft, ist eben selber schuld.

Ihre Ansichten könnten von Friedmann oder Heyek stammen. (Was sie wahrscheinlich auch tun. Auf sowas kommt nämlich ein anständiger Mensch nicht von selber)

Was die beiden nicht bedacht haben:
Das "Soziale" ist eine Überlebensstrategie. Und zwar die aller wichtigste für eine Gesellschaft.
Wenn dies aus den Augen verloren wird, ist eine Gesellschaft, und mit ihr auch die sogenannten Gewinner, dem Untergang geweiht.

Stellen Sie sich statt des Menschen eine Gruppe von Delfinen vor. Die plötzlich sagt, jeder kämpf für sich.
Sie geht sofort unter. Das "Soziale" ist, wie beim Menschen, deren (dann verlorene) Überlebensgarantie.

Wenn eine menschliche Gesellschaft eine derartige Masse an "Verlierern" zuläßt, führt das zur Grüppchenbildung.
Grüppchen, die ausserhalb der Gesellschaft stehen. Und sich zwangsweise anders sozialisieren.
Die gesellschaftlichen Synergie-Effekte gehen dann immer mehr verloren.
Die Grüppchen bilden neue Parallelgesellschaften aus, wählen neue, völlig andere Parteien. Werden immer mehr. Ein Teufelskreis entsteht. Kurzum: Konflikte dann, wohin man dann schaut. Und diese kosten wiederum ein irres Geld.
Irgendwann geht auch der Mainstream unter.

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spiegel_affäre 27.06.2009, 22:25
115. Kluger Verzicht???

Zitat von eikfier
...rein theoretisch hätten Sie natürlich schon die Möglichkeit, z.B. durch klugen, wenn auch schmerzhaften eigenen Verzicht, z.B. Ihr bafög doch genügend zu machen und dadurch sinnvolle Lebenszeit zu gewinnen
Schön und gut. Aber auf gewisse Dinge lässt sich nicht verzichten und Rechnungen muss man auch bezahlen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass ein ALG2 Empfänger monatlich wesentlich mehr Geld zur Verfügung hat als ein volljähriger Schüler mit eigenem Haushalt, das ist ungerecht. Und das Beste: Als BaföG Empfänger kann man generell keine zusätzlichen Leistungen nach SGB 2 beziehen, obwohl man nachweislich unter dem Existenzminimum liegt. Schon doof...

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klaustheodorfis 28.06.2009, 09:15
116. 60 Jahre Bundesrepublik: Zwei Leben in Deutschland

Die Kommentare habe ich gern gelesen, teils manchmal waren sie polemisch und daneben, teils sehr treffend und mit Seele:
Das Glück steht doch an der Seite des Tüchtigen - nur gibt es im Leben und Arbeitsleben wohl tatsächlich 1000 Kriterien, um erfolgreich zu sein - nicht immer und manchmal gar nicht bin ich schuld an persönlichen Unglücken wie Unfall, Arbeitslosigkeit etc. Der arme Herr Höffken hat vielleicht öfter die falschen Weichen gestellt. Herr Reitzle war da besser dran, aber sicher intelligenter und zielstrebiger (z.b. Promotion). Der Erfolg möge ihn nicht blind machen, dass er eben doch unnormal zu viel in seinem Beruf honoriert bekommt und er sich eben doch eindeutig sozialer (als vielleicht bekannt) engagieren möchte, sei angemerkt. Ein Sterblicher ist er eh!

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drschaeffera 10.07.2009, 09:59
117. Erfolgsfaktor Nummer 1

Der wesentlichste Erfolgsparameter erscheint mir der Faktor Glück zu sein. Wenn aus der Chaostheorie ja nun doch schon hinreichend das Bild bekannt ist, dass ein Flügelschlag eines Schmetterlings in Asien durch die unzähligen Verkettungen letztlich einen Wirbelsturm in den USA auslösen kann (wenn auch nur sinnbildlich gemeint), dann ist analog auch klar, dass schon sehr kleine Nuancen ausreichen können, um das komplette weitere Leben komplett in andere Bahnen zu lenken. Intelligenz, Fleiß oder ähnliche Faktoren haben meiner Meinung nach einen nicht einmal messbaren Effekt.
Die Chancengleichheit erachte ich im wesentlichen in Deutschland schon für gegeben. Natürlich nur von staatlicher Seite her. Dass aufgrund familiärer Situationen, für die der Staat aber nicht Verantwortung trägt, der eine bessere und ein anderer schlechtere Voraussetzungen mitbringt, ist ja eine andere Sache. Hier war Herr Höffken für mich nachvollziehbar zunächst benachteiligt. Klar wollte er, wenn er seinen Vater - u.U. wieder einmal betrunken - aus dem Gasthaus abholen musste, möglichst schnell sein eigenes Leben haben und daher früh die Schulausbildung beendet. Umso bedeutungsvoller aber dann seine Entscheidung und deren Umsetzung, das Fach-Abitur nachzuholen und noch zu studieren. Das ist in nicht wenigen Fällen bereits der Anfang einer ebenfalls steilen Karriere gewesen, da Arbeitgeber solche erwiesenermaßen fleißigen Mitarbeiter u.U. mehr schätzen als solche, die einen ganz geradlinigen, 'langweiligen' Lebenslauf haben (es hat aber eben bei Herrn Höffken trotzdem nichts genützt, weil eben viele andere, u.U. sehr kleine Faktoren seinen Weg in eine andere Richtung gewiesen haben). Umgekehrt muss man auch sagen, dass auch heute noch viele Positionen mit Personen besetzt sind, die in ihrem Leben nie eine Uni von innen gesehen haben. D.h. auch heute ist ein Studium aus meiner Wahrnehmung heraus in keiner Weise eine Karrierevoraussetzung. Karrieregarant eben schon aber gar nicht.
Und heutzutage hilft eben auch Fleiß nicht mehr, was ich für ein Problem halte. Heute sind die Anreize für Fleiß zu gering (Arbeitgeber fordern von Mitarbeitern zwar gerne Überstunden ein, wollen diese aber nicht mehr bezahlen, sondern möchten es als Vorleistung darstellen, die einen späteren Karrieresprung ermöglichen sollen, nur, wenn man dann wie etwa ich zur falschen Zeit in der falschen Branche arbeitet, wie Ende 2000 in der Netzwerk- bzw. Internetbranche, dann hilft das eben schon wieder nichts) und überdies ist Fleiß von der Gier als Quelle für Erfolg verdrängt worden. Das erkennt man schon an den Formulierungen in Stellenanzeigen: Das Wort Fleiß ist dort praktisch nicht-existent, stattdessen werden immer mehr Stellen auf selbständiger Basis ausgeschrieben (also statt eines Account Managers sucht man nun eher Handelsvertreter) und als geforderte Eigenschaften werden Dinge verlangt wie: 'Verhandlungsgeschick', 'Führungsstärke' (nicht um Mitarbeiter zu führen, sondern um seine Kunden zu führen...), 'Überzeugungskraft', 'absoluter Erfolgswille' etc. Hier werden also Leute gesucht, die ohne Rücksicht auf ethisch-moralische Grundsätze einfach nur Umsatz machen wollen. Die aktuelle Krise hat daran auch nichts geändert. Im Gegenteil: Der Druck wurde dadurch noch größer...

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