Forum: Panorama
Abschiedssaufen in Hamburgs S-Bahn: Einsteigen, Party machen, aussteigen

Ab jetzt müssen Fahrgäste 40 Euro Bußgeld zahlen, die in Hamburgs Bahnen und Bussen Alkohol trinken. In der letzten Nacht vor dem Verbot verabredeten*sich Hunderte zum HVV-Abschiedstrinken -*und brachten den Fahrplan gründlich durcheinander.

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Ganaw09 01.10.2011, 18:41
30. ....

Zitat von Nania
Was das Essen anbelangt: Ich bin froh, dass ich wenigstens im Zug essen darf. Wenn ich Zug fahren, dann nämlich meistens direkt eine längere Zeit. Und es gibt Leute, die fahren länger mit dem Zug, als 10 Minuten um ihr Ziel zu erreichen. Im Regionalverkehr gibt es sogar Leute, die fahren von der Anfangs- bis zur Endstation. Wollen Sie denen - weil es ja nur 10 Minuten sind - auch das Essen verbieten? Ich glaube kaum.
Wir reden jetzt aber nicht vom allgemeinen Regionalverkehr, sondern wir reden erst einmal konkret nur vom S- und U-Bahn-Verkehr in der Hamburger Innenstadt.

Zitat von
Ein Appell wäre vielleicht nützlicher, beim Essen vorsichtig zu sein. Immer alles verbieten zu wollen, ist der falsche Weg und führt zu nichts. Wie man an den Bahnsteigsrauchern (selbstverständlich außerhalb des gekennzeichneten Bereiches) sehr gut sehen kann. Man ist ja im Freien....
und was, glauben Sie, soll ein Appell bringen? Das ist jetzt aber letztlich eine Grundsatz-Diskussion. Deutschland ist eines der ganz wenigen Länder auf der Welt, in dem es möglich ist, ohne Ticket ganz bequem in jede U- und S-Bahn einzusteigen. Das sagt bereits eine Menge aus. Unsere Großeltern glaubten halt fest an die Verantwortung des Einzelnen, an das Pflichtbewusstsein innerhalb der Gesellschaft. Doch was ist, wenn wir genau dieses Selbstbild überhaupt nicht mehr erfüllen?

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Ganaw09 01.10.2011, 18:44
31. ....

Zitat von limubei
jede deutsche innenstadt ist nach wochenenden von glassplittern übersät. man entledigt sich der leeren flasch durch elegantes kaputtschmeissen.
Ja, das sehen meist aber nur jene, die entweder morgens um sechs nicht total breit sind oder selbst dort wohnen. Alle anderen bekommen davon meist nicht viel mit, weil die Stadtreinigung sich um acht Uhr morgens um diesen Dreck kümmern darf.

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Ganaw09 01.10.2011, 18:48
32. ....

Zitat von ***p.k***
Natürlich ist es nicht im eigentlichen Sinne notwendig, in der S Bahn zu trinken, aber das sind viele andere Dinge (zB Musik hören, Kaugummi kauen) auch nicht. Deswegen lehne ich das Verbot ab.
Diese anderen Dinge sind in anderen Ländern zum Teil auch verboten. Die Menschen sind da deswegen auch nicht unglücklich.

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stephan1507 01.10.2011, 18:56
33. Schade....

... daß das Fehlverhalten von wenigen in dieser Gesellschaft scheinbar nur durch pauschale Verbote geregelt werden kann. Besonders bedauerlich ist dabei, daß in solchen Fällen meist an der falschen Seite angesetzt wird.
Beim Verbot des Alkoholverzehrs im ÖPNV von Hamburg wird nichts daran ändern, das einige Leute sturztrunken Bahn fahren, im Gegenteil. Ab so fort werden die Meisten ihr Getränk einen Meter vor der Bahnstation auf Ex trinken.
Schwarzsehermodus ein: Gruppen zwischen 2 und 15 Personen werden vor dem Bahnhof stehen, bis auch der letzte seinen "Stoff" herunter geschüttet hat. Im Schlimmsten Fall befinden sich 2 oder mehr dieser Grüppchen zur selben Zeit am selben Ort. Wie solches "binch drinking" ausgeht konnte man bis zur Aufhebung der Sperrstunde in Großbritannien studieren. Und selbst wenn es dann nicht zwischen den Gruppen knallt, werden sich die Flaschen vor den Bahnhöfen türmen und die Anwohner werden sich zu Recht über den Lärm beschweren./Schwarzsehermodus aus.
Gleichzeitig werde aber auch ich kriminalisiert, wenn ich mit Kollegen nach der Arbeit ein Bier in der Bahn trinke weil es vielleicht an Ende der Woche was zu feiern gibt. Und nein, ich bin in der Baubranche, ich bin in der Softwareentwicklung.

Wenn jemand nach einen ähnlich gelagerten Fall sucht: Alkopopsteuer.
Auch hier wurde zu einer populistischen Maßnahme gegriffen, nachdem sich vermehrt Jugendliche unter 18 damit betrunken haben (sollen). Damals wurde auch nicht bei den Verkäufern angesetzt. Nur zur Erinnerung: Personen unter 18 hätten niemals Alkpops erwerben dürfen (Brandweinhaltige Getränke waren schon lange erst ab 18 Jahren erlaubt). Hat man hier beim Vertrieb angesetzt? Gab es verstärkte Kontrollen? Gab es Bußgelderhöhungen? Nein! Es wurde eine pauschale Steuer erhoben. Nur dumm, das auch in diesem Fall alle unter dem Fehlverhalten weniger leiden (zahlen) müssen. Von zeit zu zeit mochte auch ich diese fertigen Mischgetränke. Und auch wenn ich zum Zeitpunkt des Inkrafttretens schon 27 Jahre alt war muss auch ich diese Steuer zahlen.

Bevor jetzt jemand denkt, ich sei gegen jegliche Verschärfung von Regel rund um den Alkohol, nein das bin ich wirklich nicht! Wenn mich jemand nach der 0,0 Promille-grenze im Straßenverkehr oder einer Aufhebung des ermäßigten Mehrwertstreusatzes auf Bier fragt, dann antworte ich mit JA! Nebenbei kann man auch gleich noch Alkoholverkaufs-Lizenzen pauschal einführen. Diese werden zwar pauschal vergeben, aber bei einem Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz erst befristet, später dann dauerhaft entzogen. Dann wird es sich jeder Budenbesitzer, Kneipenwirt oder auch Supermarktfilialleiter es 3mal überlegen, ob er sich nicht den Ausweis zeigen lässt, bzw. dementsprechende Arbeitsanweisungen heraus gibt. Den Rewe oder Lidl möchte ich sehen, der einem Monat lang kein Bier oder Wein verkaufen darf.


Gruss und Prost!

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janee 01.10.2011, 19:08
34. wie jetzt?

Zitat von einsiedlerkrebs
Ich bin selbst in der Hamburger S-Bahn bepöbelt, bespuckt und geschlagen worden, immer von Betrunkenen. Man versucht den Blickkontakt zu vermeiden, aber sie lassen einen nicht in Ruhe. Dann kommt irgendwann einer rüber, legt den Arm um einen und brüllt einem ins Ohr, dabei fliegt die Spucke. Je nach Aggressionsgrad des Pöblers artet die Situation dann meistens aus.
ist das vielleicht die kehrseite dieser oben zitierten neuen gesellschaftsform:

Zitat von FunKuchen
Mal davon abgesehen ist es doch wohl eher so, dass die verbohrten Spießer, die sich nicht in einer NEUEN aufgeschlossenen und mündigen Gesellschaft einordnen können die wahren asozialen sind.
lieber @einsiedlerkrebs, jetzt sagen sie mal nicht, sie hätten dafür kein verständnis?! meine güte, sie spiesser!

nein, sie müssen einfach akzeptieren, dass trinken in der öffentlichkeit ausdruck einer neuen, mega-lässigen und aufgeschlossenen gesellschaft sind, ob sie nun wollen oder nicht.

dass sie selbst eventuell gar nicht wollten, dass es zu dieser "neuen gesellschaftsform" kommt, spielt leider nur eine kleine rolle. mir geht es ganz genauso, nur hat man uns offensichtlich nicht gefragt.


Zitat von einsiedlerkrebs
Vielleicht ist das nur meine selektive Wahrnehmung - aber ich habe den Eindruck, die Saufexzesse haben in den letzten Jahren massiv zugenommen. Und die Gewaltbereitschaft der Saufenden leider auch.
nein, diesen eindruck haben sie durchaus nicht exklusiv. HH city erinnert einen mittlerweile nur allzu häufig an berlin friedrichshain, schade dass es soweit kommen musste. offensichtlich gibt es aber in gewissen kreisen einen grossen bedarf, ein noch so kleines gefühl von gesellschaft als einem "miteinander" auf keinen fall aufkommen zu lassen.

jeder zieht nur noch seinen ego-trip durch, koste es was es wolle. wer sich dadurch gestört fühlt, ist ein spiesser oder lamer (auch durch beliebige alternativbeschimpfungen austauschbar).

leute, die sich nicht benehmen können, gab es schon immer -- heute sind es eben nur besonders viele.

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buelthuis 01.10.2011, 19:19
35. Alder, du kommst hier ned rein!

Man sollte das Problem auf Bahnhöfen (wenigstens in größeren Städten) so lösen wie in Diskotheken, dort nennt man es "Türsteher". Wer rumpöbelt, rumtorkelt und -lallt, rottenweise auftritt, Polonaisen oder Ketten bildet und dabei geistreiche Liedchen grölt, daß einem das Trommelfell fast zerreißt, der kann wieder gehen! Kehrt, runter vom Bahnhof, ob nun einer allein oder 100 sogenannte "Fußballfans" zusammen, egal! Aber gerade bei diesen "Fans" wird ganz sicher wieder eine Ausnahme gemacht. Spielt der HSV oder sonstwer, darf munter gegrölt und gekotzt werden, und das Sicherheitspersonal winkt und jubelt noch fröhlich mit.

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gis 01.10.2011, 20:19
36. Von der Freiheit des anderen noch nie wtwas gehört

Zitat von FunKuchen
Mal davon abgesehen ist es doch wohl eher so, dass die verbohrten Spießer, die sich nicht in einer NEUEN aufgeschlossenen und mündigen Gesellschaft einordnen können die wahren asozialen sind. Die Oma, die aus dem Fenster die Nachbarn beobachtet und studiert ist es wohl eher
Ich gehöre auch zu den verbohrten Spießern, die es nicht gern haben, wenn sie besoffen in der S-Bahn angepöbelt oder sich auf Polster setzen, wo vorher einer die Fußsohlen dran geputzt hat. Auch für den Musikgenuss, der mir öfters lautstark und kostenlos gewährt wird, kann ich mich nicht begeistern. Ich bin eben nicht nur Spießer, sondern auch ein vom unsäglichen Untertanengeist früherer Epochen geprägter Kulturbanause.
Jetzt mal im Ernst, eine mündige Gesellschaft heißt nicht, dass jeder ohne Rücksicht machen kann was er will. Wir Anständigen sind teilweise aber auch selbst schuld an der Misere. Ich bin letztes Jahr mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch Kamerun gefahren. Das ist sehr unkomfortabel, aber besoffene Pöbler oder provozierende Jugendliche sind kein Problem, da die "Spießer" dort ihre Rechte noch durchzusetzen wissen. Ein Jugendlicher kommt dort gar nicht auf die Idee aus Langeweile Erwachsene zu provozieren, da er genau weiß, dass er eine auf die Fresse kriegen würde. Uns gefällt die Situation wie sie ist auch nicht, aber auf den Gedanken, dass man das selbst ändern könnte kommt kaum einer.

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arlen 01.10.2011, 20:35
37.

Zitat von gis
Ich gehöre auch zu den verbohrten Spießern, die es nicht gern haben, wenn sie besoffen in der S-Bahn angepöbelt oder sich auf Polster setzen, wo vorher einer die Fußsohlen dran geputzt hat. Auch für den Musikgenuss, der mir öfters lautstark und kostenlos gewährt wird, kann ich mich nicht begeistern. Ich bin eben nicht nur Spießer, sondern auch ein vom unsäglichen Untertanengeist früherer Epochen geprägter Kulturbanause. Jetzt mal im Ernst, eine mündige Gesellschaft heißt nicht, dass jeder ohne Rücksicht machen kann was er will. Wir Anständigen sind teilweise aber auch selbst schuld an der Misere. Ich bin letztes Jahr mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch Kamerun gefahren. Das ist sehr unkomfortabel, aber besoffene Pöbler oder provozierende Jugendliche sind kein Problem, da die "Spießer" dort ihre Rechte noch durchzusetzen wissen. Ein Jugendlicher kommt dort gar nicht auf die Idee aus Langeweile Erwachsene zu provozieren, da er genau weiß, dass er eine auf die Fresse kriegen würde. Uns gefällt die Situation wie sie ist auch nicht, aber auf den Gedanken, dass man das selbst ändern könnte kommt kaum einer.
sehr schöner beitrag

die aktion "hvv abschiedstrinken" oder, um es eher beim namen zu nennen: "hirnlose bus und bahn besäufnistur" mit dem verhalten von mündigen bürgern zu vergleichen ist in etwa so, als würde man rentner zu !jugendlichen! schönheitsidealen stilisieren.. beide sind absolut das gegenteil
hvv abschiedstrinken ist letztendlich nur eine kindische trotzreaktion und spätpupertäres verhalten, das alcohol verbot in bus und bahn absolut gerechtfertigt

es gibt genug orte, wo man alcohol genießen kann.. und genießen kann man ihn in der bahna ufjedenfall nicht

von: student, 20 jahre und nein ;) kein spießer

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Leifur_Eiriksson 01.10.2011, 21:02
38. Es geht doch

Im Verkehrsverbund Nürnberg klappt das mit dem Alkoholverbot prima, übrigens ohne angedrohte Strafzahlung. Der HVV hat diese Aktion sicherlich auch mit der Androhung der Strafe provoziert."Noch einmal sich völlig daneben benehmen" das war das und diejenigen, die das mitgemacht haben, sollten sich schämen. Als Tourist wäre das mein Eindruck von Hamburg: saufende pöbelnde Menschen, das wäre traurig.. Ich würde nicht mehr wiederkommen. Ich fahre täglich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und finde es angenehmer, seitdem nicht mehr so viel Alkoholmüll, meist leere Flaschen, rumliegen und ihren Gestank verbreiten. Dann kann U-Bahn-Fahren sogar richtig Spaß machen.

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plietsch 01.10.2011, 22:36
39. In der Tat

Zitat von Trondesson
Richtig. In zivilisierten Ländern geht es auch, daß man mal für zehn Minuten nicht säuft, wenn man sich im öffentlichen Nahverkehr befindet. Das ist Sarkasmus.
Und ohne Döner, Kaffee, Parfum, Schweißgeruch, Kopfhörer, Hunde, schreiende Kinder, knisternde Tageszeitschriften... die Liste könnte endlos erweitert werden. Da können 40€ schon mal schön abschreckend sein. Darauf kann man doch verzichten oder sich dann doch lieber ein Auto holen, wo man seine Umwelt dann nicht so belästigt. Demnächst wird es zur Zivilcourage, jemandem, der sein Feierabendbier trinkt, auf die Finger zu schauen, ob das Bier alkoholfrei ist oder nicht. Sonst weiß man ja nicht, ob Menschen dadurch belästigt, ja, sogar gefährdet werden.

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