Forum: Panorama
Alltag einer Familienrichterin: "Das macht mich traurig, fassungslos, hilflos, wütend
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Bekommen prügelnde Eltern ihren Säugling zurück? Wohnt das Scheidungskind bei Mama oder Papa? Familienrichter haben enorme Verantwortung - und kaum Zeit, Hunderten Schicksalen gerecht zu werden. Eine Juristin berichtet aus ihrem Berufsalltag am Limit.

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matbhmx 15.10.2015, 11:44
1. Sorry, aber wenn bei 420 Eingängen ....

... im Jahr die Richterin 109 Akten täglich vorgelegt bekommt, dann stimmt etwas mit der Organisation nicht. Und weshalb sie in den Akten nachsieht, ob es noch andere die Familie betreffende Verfahren gibt ... da hat die Kollegin aber was nicht verstanden. 1. zeigen das in der Regel die Eheleute im Verfahren an, 2. ergäbe sich das viel einfacher aus der Datenbank des Computers und 3. wäre es die Aufgabe der Geschäftsstelle. Richtig ist, dass man nicht ausreichende Zeit hat, sich psychologisch in Vollendung in die Lage der Beteiligten versetzen kann. Das gilt aber z. B. noch viel ausgeprägter auch für den Strafrechtsbereich, auch und gerade für den Strafrechtsbereich mit Jugendlichen. Richtig auch ist, dass die Justiz grottenschlecht organisiert ist, was daran liegt, dass in der gesamten Verwaltung Richter das Sagen haben und es keine Fachleute gibt. Alles in der Verwaltung ist "learning-by-doing", und die meisten lernen es leider nie! Richtig ist, dass Pebbsy zur statistischen Erfassung der falsche Ansatz war, weil es genau genommen statistisch nur die Mängel erfasste, deswegen ist man ja schon seit längerem dabei, die Pebbsy-Zahlen zu prüfen. Richtig ist auch, dass die Juristenausbildung von vorn bis hinten nichts taugt. Sowenig, wie man als Richter etwas zu einer objektivierten Strafzumessung, zur Zeugenvernehmung, zum Umgang mit Parteien, zum Umgang mit Kindern in Scheidungs- und Sorgerechtsverfahren lernt, darf man sich über die Qualität der Arbeit nicht wundern. Andererseits muss man dann auch sagen, dass es genügend Richter gibt, die, würde man ihnen nur noch 1/4 der Akten zumuten, kein bisschen mehr in die Tiefe der Fälle einsteigen würde, kein bisschen aufmerksamer mit den Beteiligten umgehen, sondern bereits nach 1/4 der bisherigen Arbeitszeit nach Hause gehen würde. Man darf nicht vergessen, dass Richter keine feste Arbeitszeit haben. Ob die einmal die Woche oder jeden Tag 10 Stunden erscheinen, entscheidet allein der Richter, er muss nur im Wesentlichen mit seiner Arbeit fertig werden. Und die Qualität lässt sich schlecht messen, da sei schon die richterliche Unabhängigkeit davor.

Wirklich unzumutbar waren die Verhältnisse für die Justiz, vor allem die Richter in den 70er und 80er Jahren, wo nach den damaligen Pensenberechnungen die Leute fortlaufend 1,5 Pensen (also jeder Richter für 1,5 Richter arbeiten musste), ohne Weiteres gab es aber auch Leute mit mehr als 2 Pensen. Da gab es Richter, die dann nach einem, zwei Jahren "Dienst nach Vorschrift" machten, heißt nur noch ein gutes Pensum bearbeiteten, was den Dienstherrn dazu veranlasste, gegen die Leute disziplinarrechtlich zu ermitteln. Man muss es sich Mal vorstellen: Der Dienstherr ermittelt, weil Leute sich an die von diesem vorgegebenen Vorschriften halten! Das, und nur das dokumentiert den maßlosen und unverschämten Umgang des Dienstherrn mit seinen Bediensteten. Natürlich ist der Dienstherr mit Disziplinarmaßnahmen im Ergebnis gescheitert, weil es eben Dienst nach Vorschrift war und die Überlastung der Bediensteten greifbar gegen die ihm obliegenden Fürsorgepflichten verstieß.

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Dr.W.Drews 15.10.2015, 11:48
2. Väter in Deutschland

Die traurige Wahrheit in Deutschland ist, Väter können von den Müttern ganz einfach und mit vielfältigen staatlichen Hilfen entsorgt werden.
Die Anleitung dazu geht so: Anruf beim Jugendamt und erklären man habe große Ängste. Man rät der Mutter sich sofort mit den Kinder in Sicherheit zu bringen.
Als nächstes kommt eine vorläufige Entscheidung des Familiengerichts in der die Kinder zur Mutter kommen. Umgang gibt es keinen, aufgrund der "Ängste". Die Mutter hat nun alle Zeit der Welt die Kinder zu manipulieren. Denn bis es zu einem Termin bei einem Psychologen kommt vergehen Monate. Dann sind die Kinder tatsächlich völlig durch den Wind. Sie haben nun tatsächlich Angst vor dem bösen Vater. Die Umgänge werden weiterhin abgesagt. Wenn dann endlich Umgänge angeordnet werden kann die Mutter diese einfach ignorieren. Das gibt zwar Ärger, aber keine echten Konsequenzen. Dem Vater wirft man unterdessen vor er klammere pathologisch an seinen 3 Kindern. Also erneut kein Umgang.
Schließlich habe er ja früher auch keinen Bezug zu seinen Kindern gehabt weil er ja einen Beruf hat.
Tausende Väter jährlich verlieren aufgrund dieser absurden Verfahren den Kontakt zu ihren Kindern. Diese hassen den Vater irgendwann tatsächlich, weil sie jeden Tag das Verlassensein erleben und sich nicht vorstellen können das der Papa sie liebt. Schließlich kann kein Kind einer Mutter für eine Lügnerin halten. Die Kinder lieben ihre Mutter und übernehmen die Sicht der Mutter aus Selbstschutz ihrer Seele.
Abhilfe wäre nur möglich, wenn sehr sehr schnell gehandelt werden würde und sofort nach einer Trennung Psychologen die Kinder sehen könnten und den Kontakt zu beiden Eltern durchsetzen würden.
Derzeit kann jede Mutter einen Vater aus dem Leben der Kinder auf ewig verbannen und dies mit Hilfe der Gerichte durchsetzen. Armes Deutschland!

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kobl 15.10.2015, 11:50
3.

das trifft in Wahrheit ersichtlich nicht zu, denn auch "Frau Müllers" engagierte und eindrückliche Berichte lassen erkennen, dass sie "lediglich" befürchtet, sich durch eine derartige Charakterperversion persönlich schützen zu müssen.

Anders als zynisch kann man aber das Denken derjenigen nicht nennen, die für eine derartige Überlastung der mit wichtigen sozialen Leitungsaufgaben betrauten Richter verantwortlich sind. Ihnen, den Personalverantwortlichen in der exekutivischen Justizfremdverwaltung, ist nur daran gelegen, sich mit scheinwissenschaftlichen Akkord-Erhebungen à la "PEBBSY" selbst von Haftungsrisiken zu entlasten; denn, so ihre Lesart, wenn ein Richter den bundeseinheitlichen Akkord vielfach nicht halten kann, so ist dies Folge individueller Unfähigkeit im Einzelfall und nicht einer generell verfehlten Personalplanung. Die Frage, ob in der mit betriebswirtschaftlichen controlling-Methoden pauschal veranschlagten Zeit tatsächlich verantwortbare Entscheidungen vorbereitet und gefällt werden können, ist für die Justizministerien eindeutig nachrangig.

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christiane_kreusch 15.10.2015, 11:52
4. arme Frau Müller

als "die andere Seite"- also als Mutter eines Scheidungskindes darf ich meine Eindrücke schildern. Frau Müller klagt über ihre Arbeitsbelastung und die Möglichkeit "vielleicht nicht alles richtig zu machen". Da kann schon mal ein Fehlerchen passieren. Schließlich hat sie ja das Beste fürs Kind gewollt. Frei nach dem Motto, wo gehobelt wird, da fallen Späne. Aber so ist es nicht, es sind keine Späne, es sind Existenzen, die Frau Müller zerstört. Nicht alle Eltern sind Verbrecher an ihren Kindern. Aber Ihre Entscheidungen, sehr geehrte Frau Müller, zementieren das Leid und die Tränen auf Lebenszeit. Sie schaffen das Leid und niemand anders. Sie bevormunden erwachsene Menschen, wann sie ihre Kinder sehen dürfen und wann nicht. Das ist krank. Sie haben vielleicht die Staatsmacht auf Ihrer Seite, aber mit Problemlösung hat das, was Sie tun, nicht einmal ansatzweise was zu tun. Das Rechtssystem hier ist ein gigantisches Geldumverteilungssystem von den zwangsweise als Zahler verdonnerten Eltern auf Anwälte, Gerichte und Richter. Es ist ein ungerechtes, grausames und schamloses System.

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Deep Thought 15.10.2015, 11:52
5. Einige Anmerkungen zu dem Artikel...

Zunächst einmal: Schön, daß viele Richter/innen ihre Aufgabe noch so ernst nehmen und so verantwortungsvoll arbeiten. Ich selber habe vor Gericht vor vielen Jahren dafür kämpfen müssen, das gemeinsame Sorgerecht für mein Kind behalten zu können. Wohlgemerkt: Ich habe jede freie Minute für mein Kind geopfert, war ein liebevoller Vater. Die Mutter war es nicht. Einem älteren, sehr erfahrenen Familienrichter (und NUR seinem klaren verstand) habe ich es zu verdanken, daß mein damals kleines Kind nicht zur Geisel der Mutter wurde - und sich Jahre später entschied, sich der Unterdrückung durch die Mutter zu entziehen, indem es zu mir kam. Ich bin noch heute dem Richter unendlich dankbar, der instinktiv aufgrund seiner langjährigen Erfahrung die Situation absolut RICHTIG deutete und meinem Kind möglicherweise so ein späteres Abgleiten in schwerste psychische Probleme und - wer weiß - Schulabbruch und Drogen verhinderte. Er hat mit dazu beigetragen, daß das Kind jetzt einen Hochschuabschluß hat, sich seines Lebens erfreut und die Traumatisierungen hinter sich gelassen hat.
Zum engeren Thema des Artikels: Nirgendwo ist der juristische Beruf näher an den "sozialen Berufen" als im Jugendstrafrecht und Familienrecht. Und die "gesellschaftliche Tradition" der "sozialen Berufe" ist immer mehr, daß sie ausgebeutet werden und sich (aufgrund ihres Berufsethos) auch bereitwillig ausbeuten lassen. Nirgendwo wird derart hemmungslos die Zukunft der Bürger gefährdet wie durch die Ausdünnung des sozialen-gesundheitlichen-juristischen Netzes unseres ehemals so vorbildlichen Staates - wir werden hilflos der zunehmenden Kriminalität und den Konzerninteressen ausgesetzt: Stichwort "Marktgerechte Demokratie" ...

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kayakclc 15.10.2015, 11:56
6. Keine Lobbygruppen

Richter und Staatsanwälte haben in Deutschland keine Lobbygruppen. Sie sind zudem eine Minderheit, mit denen die meisten Bürger nur indirekt was zu tun haben. Sie geraten nur in den Fokus der Öffentlichtkeit, bei Fehlurteilen, oder wenn ein Kind wieder zu tote kommt, und die Gesellschaft einen Schuldigen beim Staat sucht. Die Justiz ist zwar formal unabhängig, ist aber von der Politik über Mittelzuweisungen abhängig. Die Frustration über solche Aktenberge ist groß, und werden durch jede heimlich Sparrunde der Politiker immer größer. Nur vor zwei Jahren ist der Justiz der Kragen geplatzt, als dann die SPD/Grünen Regierung, die immer von "Guter Arbeit" im Staatsdienst schwadroniert, ausgerechnet dem Justizbeamten die Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst vorenthalten wollen. Da ist Frau Kraft erstmalig zu Recht ein eiskalter Gegenwind entgegengeschlagen. Man kann den Richtern nur empfehlen wieder Dienst nach Vorschrift zu machen: Beim Bundesamt für Migration werden das Sparen am falschen Ende jetzt für jedermann sichtbar.

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wolf2005 15.10.2015, 11:57
7. Erschütternd

wenn man diesen Bericht über eine Familienrichterin und die Überschrift des nächsten Artikels "... Akademikerschwemme ?" liest, hat man das Gefühl, das wir auf auf unterschiedlichen Planeten unterwegs sind.

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kratzdistel 15.10.2015, 12:02
8. es wird so sein

wie soll eine familienrichterin zum wohle des kindes entscheiden, wenn sie keine zeit haben, sich persönlich ein bild von den tatsächlichen umständen zu machen und auf die Empfehlung dritter angewiesen ist. manch Wohnung gibt schon aufschluss. da liegt die wäsche seit Wochen ungewaschen auf dem boden das geschirr lange nicht gespült usw. aber nach außen und vor gericht wird die heile welt vergegaukelt.weniger schriftliche Begründungen und verfügungen und mehr vor ort Kenntnisse wären wünschenswerter

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!!!Fovea!!! 15.10.2015, 12:06
9.

Zitat von christiane_kreusch
als "die andere Seite"- also als Mutter eines Scheidungskindes darf ich meine Eindrücke schildern. Frau Müller klagt über ihre Arbeitsbelastung und die Möglichkeit "vielleicht nicht alles richtig zu machen". Da kann schon mal ......
Vor allem, wenn die Richterinnen selber keine Kinder haben und meinen, sie verstünden was von Verantwortung.

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