Forum: Panorama
Altmetall Probe - was sind Ihre Erfahrungen?

Der Verkehr auf deutschen Straßen wird von Altwagen dominiert, die fünf, zehn oder mehr Jahre auf dem Buckel haben. Was taugen die betagten Modelle? Was sind Ihre Erfahrungen mit alten Probe-Modellen?

Gabri 28.03.2007, 11:45
1.

Einen 5 Jahre alten Wagen als Altwagen zu bezeichnen, finde ich schon etwas daneben.

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Frank Werner 29.03.2007, 13:16
2. Fahren auf Probe

Ist das nicht das Ding aus der "Wie uncool"-Werbung der Kreissparkasse?

Na wie dem auch sei. Mein Alt-Auto hat auch 125 PS. Aber Wettrennen überlasse ich lieber der entsprechenden (echten oder gefühlten) pubertären Altersklasse.

Zu erwähne bliebe noch, dass der Probe auf dem Fahrwerk des 94er-Mondeo basiert, was schon damals sehr gut war. Und dass die 116-PS-Variante auch viel Spaß macht (und obendrein billiger, sparsamer und umweltfreundlicher ist).

Das gelobte Interieur stammt übrigens aus den USA, da der Probe dort gebaut wurde und ursprünglich nie für den deutschen Markt gedacht war.

Da er wenig Laderaum hat, ist der Probe nicht mein Auto. Ansonsten würde ich bei ähnlichen Vorlieben vielleicht lieber zum Cougar greifen (der sicher ein absoluter Klassiker wird).

Frank Werner

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volkerswelt 29.03.2007, 13:55
3.

Zitat von Gabri
Einen 5 Jahre alten Wagen als Altwagen zu bezeichnen, finde ich schon etwas daneben.
hä? 5 Jahre alt? Dat Dingens ist Baujahr 1992 somit also wohl "knapp" 15 Jahre alt, oder?

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rhh 29.03.2007, 15:04
4. Licht und Schatten

Ich fahre seit 1998 einen 91er Probe GT mit inzwischen 139.000km auf der Uhr und bin mit dem Wagen trotz einiger konstruktiver Schwächen noch immer sehr zufrieden.

Der Motor ist zwar ein wenig brummig, verträgt aber dank Klopfsensor Normalbenzin und ist sehr elastisch, 50km/h im 5. Gang sind ebenso problemlos möglich, wie 220km/h als Dauertempo auf freier Strecke. Das Fahrwerk ist extrem gutmütig, in schnell gefahrenen Kurven schiebt der Wagen gut kontrollierbar über die Vorderräder. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die sehr leichtgängige Servolenkung, der man anmerkt, dass der Wagen ursprünglich für den amerikanischen Markt gebaut wurde.

Eine weitere Stärke des Probe ist seine Zuverlässigkeit, größere Reparaturen hielten sich bisher in Grenzen, außer dem Scheibenwischermotor, dem elektrischen Fensterheber in der Fahrertür und dem Geberzylinder der Kupplung mussten nur Verschleißteile gewechselt werden - wobei die Auspuffanlage als Verschleißteil gelten darf, speziell das letzte Stück Rohr über der Hinterachse ist alle paar Jahre fällig.

Ein dunkles Kapitel ist die Ersatzteilversorgung. Die meisten Teile müssen aus den USA beschafft werden und sind durch Frachtkosten und Zölle ziemlich teuer, wenn die Teile überhaupt noch lieferbar sind. Zum Beispiel waren Fensterschachtdichtungen schon 2001, gerade einmal acht Jahre nach Produktionsende, nicht mehr lieferbar, genau wie die Türdichtungen für die rahmenlosen Seitenscheiben. Ab Tempo 130 zieht der Fahrtwind die Scheiben aus den alten, versprödeten Dichtungen, dann wird es unerträglich laut.

So taugt mein Probe jetzt mehr zum Cruisen als zum Rasen, aber das hat auch sein gutes, mit leichtem Gasfuß liegt der Verbrauch bei knapp 9,0l Normal/100km und materialschonender ist es auch, denn die Ersatzteile...

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rhh 29.03.2007, 15:14
5.

Zitat von Frank Werner
Ist das nicht das Ding aus der "Wie uncool"-Werbung der Kreissparkasse? Zu erwähne bliebe noch, dass der Probe auf dem Fahrwerk des 94er-Mondeo basiert, was schon damals sehr gut war. Und dass die 116-PS-Variante auch viel Spaß macht (und obendrein billiger, sparsamer und umweltfreundlicher ist). Frank Werner
Ja, der Probe GT ist der Wagen aus der "Wie uncool"-Kampagne der LBS.

Der Probe GT (interne Bezeichnung T22) basiert aber nicht auf dem Ford Mondeo, sondern auf dem zeitgenössischen Mazda 626 Coupe und wurde auch im Mazda Montagewerk in Flat Rock, Michigan, gebaut.

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Amifahrer 30.03.2007, 06:41
6. Ein "keiles" Teil

Auch ich bin zufriedener Besitzer eines 92er Probe GT.

Die meisten der hier genannten Erfahrungen kann ich nur bestätigen - der Probe ist in jedem Fall ein aussergewöhnliches Fahrzeug.
Mein grauer GT - es ist bereits mein Zweiter - war eigentlich dem Schrottplatz geweiht, unschlagbar billig zu haben und hatte den für ein Sportcoupe meist obligatorischen Lebenslauf hinter sich: Erst- und Zweitbesitzer je Jahrgang 1907/1911, danach 4 Besitzer chronologisch immer jünger werdend, keiner älter als 20 Jahre.
Die 82.000 km Laufleistung und der noch gute Innenraum waren ausschlaggebend für den Kauf - und seit fast zwei Jahren läuft auch dieser Probe annähernd störungsfrei. Allerdings habe ich mit erheblichen Rostschäden am Unterboden zu kämpfen - da ist wohl die Pflege der Vorbesitzer entscheidend.
Eine hier noch nicht genannte Erscheinung teilt sich der Probe mit allen gleichaltrigen 626-Modellen: der Verteiler fällt gelegentlich aus, da die beiden in ihm verbauten Module (chipkartengroß) ausfallen. Ersatz ist teuer (über 800 Schleifen), ein Gebrauchter vom Schrott (gibt es aus jedem Mazda 12-Ventiler) tut es ebenso gut, billig (etwa 50 Euro) und ist für Selbstschrauber sehr einfach zu wechseln.

Das Fahrwerk ist ebenfalls nicht der Hammer; ich möchte die Menübezeichnung "Komfort-Normal-Sport" lieber durch "fürchterlich weich-wasserbett weich-unerträglich weich" ersetzen - straffere Bilstein-Dämpfer mit Originalfedern verhelfen dem Probe zu einem tollen Geradeauslauf und zu wirklich erstaunlichen Kurveneigenschaften, die dem bärenstarken Antritt des Motors auch angemessen sind.
Dazu ein paar schöne Mazda-Alufelgen aus den 90ern (die Originalfelgen sind auch bei wohlwollender Betrachtung eine optische Beleidigung)- und schon wirkt der Probe immer noch sehr zeitgemäß.
Wohl auch deshalb werde ich immer häufiger angesprochen, wo man den Wagen bekommt - kein Scherz - kaum jemand kennt das Auto. Die sind alle völlig geschockt, wenn ich denen das Baujahr verrate - 1992. Aber auch wußte ja nicht einmal, das es seinerzeit für den Probe I einen offiziellen deutschen Werbespot gab.
Seine extravaganten Ausstattungsmerkmale wie das herausnehmbare übergrosse Glasdach (auch toll im Winter!), der beleuchtete Blinkerhebel und das automatische Gurt-Anschnallsystem (ich bin bekennender Gurtmuffel) machen den Probe zu einem tollen Alltagskumpel, ich habe immer noch Spaß an diesem Auto, auch der Verbrauch (8-11 Liter) gehen für ein Auto mit knapp 160 PS (keine Klimaanlage) völlig in Ordnung. Auch die nur mit Navi ermittelbare Spitze von 231 km/h (Tacho bis 220) ist schon ein Argument bei einem Auto, für das ich nicht mal 800 Euro bezahlt habe.
Mein erster Probe übrigens (gekauft mit 143.000 auf der Uhr) war mein bisher zuverlässigstes Auto überhaupt - in 4 Jahren fuhr ich mit ihm eine Gesamtlaufleistung von 473.000 km zusammen - mit der ersten Motor-Getriebe-Einheit, dem ersten Turbolader (immer schön abkühlen lassen bei laufendem Motor!) und der zweiten Kupplung - das habe ich von einem Calibra-Fahrer bisher noch nicht gehört...

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rhh 30.03.2007, 16:39
7. Rostproblem

Zitat von Amifahrer
Auch ich bin zufriedener Besitzer eines 92er Probe GT. Allerdings habe ich mit erheblichen Rostschäden am Unterboden zu kämpfen - da ist wohl die Pflege der Vorbesitzer entscheidend.
Stichwort Rostproblem am Unterboden: Ein konstruktiver Mangel ist die Wasserableitung an der Heckklappe. Hier läuft das Regenwasser zwischen Karosserie und Lampengehäusen ab und kann in den Kofferraum eindringen, wenn die Dichtungen der Lampengehäuse (aus einer Art Moosgummi) defekt sind. Im Laufe der Zeit rostet dann die Reserveradmulde durch. Ersatzdichtungen gibt es natürlich nicht, die muss man aus Moosgummimatten selbst zuschneiden.

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Muffin Man 01.04.2007, 20:57
8.

Es gibt doch schon eine Ford-Probe Fanseite...

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Amifahrer 02.04.2007, 06:52
9. Wie die Heuschrecken

Ein schönes Stichwort.
Die Rückleuchten waren bei mir in letzter Zeit desöfteren mal ein Thema. Meine sind absolut wasserdicht - eingedrungenes Wasser kommt garantiert nicht so schnell wieder raus. So mußte ich nun so lange warten, bis die Rückleuchten aufgrund der Wetterlage wieder getrocknet waren, wobei ja nicht die Leuchteinheit selbst, sondern der Raum zwischen Lampe und Klarglasabdeckung voll Wasser lief. Grund hierfür waren die geschrumpften und daher eingerissenen Kanten-Dichtungen. Mit schwarzem Acryl habe ich das dann letztlich doch dicht bekommen.
Für einen neuen Aschenbecher bin ich übrigens vor kurzem 150 Kilometer gefahren (Deckel vom Vorbesitzer nach Bruch geklebt und erneut gebrochen) - die Ersatzteillage ist echt nicht spaßig. Ich kann nur jeden Probebesitzer, der seinen Wagen verschrotten möchte, dazu auffordern, die Mühle als Eratzteilspender feilzubieten, auf den Schrottplätzen ist nämlich nicht viel zu holen. Mein Schrotti meinte kürzlich, ein "neu" angelieferter Probe bleibt maximal 14 Tage stehen, danach kann er den Wagen völlig entbeint verwerten, denn bis auf Rohkarosse und Scheiben würde alles rausgebaut - "...wie bei den Heuschrecken..."

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