Forum: Panorama
Arzt über Sterbehilfe: "Ich will Patienten mit ihrem Suizid nicht alleine lassen"
Sepp Spiegl/ imago images

Geschäftsmäßige Suizidhilfe ist in Deutschland verboten. Der Arzt Michael de Ridder hält das Gesetz für schlecht gemacht - und will es vor dem Bundesverfassungsgericht kippen. Hier erklärt er, warum.

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Eisinuk 16.04.2019, 10:36
1. Sterbehilfe

Die Furcht vorm alt werden könnte eingeschränkt werden, wenn in Deutschland die aktive Sterbehilfe erlaubt würde. Denn viele Menschen wollen nicht jahrelang als zu pflegende Person anderen zur Last fallen und ziehen einen würdigen freiwilligen Tod, einem dahinsiechenden Altwerden, an dem nur Institutionen verdienen, der Familie aber das Vermögen kosten kann, vor.



Ich möchte weder von meinen Kindern versorgt werden, noch mit dem Verkauf meiner Immobilie die Pflegekosten im Heim finanzieren. Wenn es soweit ist, möchte ich am liebsten so handeln wie Gunter Sachs. Aber vielleicht darf mir in ein paar Jahren der Arzt meines Vertrauens die Todespille verschreiben. Das wäre ein Fortschritt. Lieber selbstbestimmt und würdevoll sterben, als mit Pillen und Geräten an einer nicht mehr lebenswerten Teilhabe abgestumpft am Leben zu bleiben.

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BettyB. 16.04.2019, 10:46
2. Leben umfasst Geburt und Tod

Das Ausgeliefertsein bei der Geburt muss, nein, darf sich nicht auch auf den Tod beziehen und in einer humanen Welt sollte es jedem möglich sein, mit vorhandenen Medikamenten frei über sein Ableben zu entscheiden, ohne zwischen Strick, Turm, Auto oder Bahn wählen zu müssen.

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isar56 16.04.2019, 10:48
3. danke danke danke

für dieses interview. danke herr de ridder.
ich habe dreimal menschen in den tod begleitet, die mir sehr nahe waren. zwei konnten ohne schmerzen sterben und verlangten nicht nach sterbehilfe. einmal jedoch war die endphase von heftigsten schmerzen geprägt. ein vom krebs ausgezehrter körper, wasser im bauch, in den füßen und händen, erbrechen. 10 tage bis zum erlösenden tod, würdelos für die sterbende, völlig erschöpfend für uns, die sie begleiteten. eine trauer, die für immer geprägt ist von schrecklichen bildern. ich erkrankte selbst an krebs. sollte absehbar sein, dass ich die krankheit nicht dauerhaft überwinde, bleibt mir ggf. nur das zu tun, was herr de rüber hier anspricht: ein gewaltsamer suizid. ich werde weder mir noch meinen angehörigen tagelanges verrecken zumuten, weil ein paar katholen oder christliche politiker fern von realitäten ihre ignoranz und soziale inkompetenz pflegen.

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Baalsebul 16.04.2019, 10:49
4. Pro Suizidhilfe

Ich finde es nicht korrekt, "gewerbsmäßige" Suizidhilfe zu verbieten. Die Palliativmedizin - und alles was mit ihr zu tun hat - macht das Ganze ja auch mit großem Profit. Vielleicht steckt das ja (auch) dahinter, dass man keine Konkurrenz will. Wenn sich ein Arzt findet, der einem dabei helfen will, würdig abzutreten, dann sollte das dringend möglich sein. der Staat hat da nichts zu melden. Er kann/soll lediglich dafür die Rahmenbedingungen kontrollieren, damit kein Missbrauch geschieht. In anderen Ländern funktioniert das auch, die Sorgen sind da unbegründet. DAS wäre mal ein Fortschritt im Lande.

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i.dietz 16.04.2019, 10:51
5.

"Selbstbestimmtes" Sterben
Es ist erbärmlich, dass die dtsch. Politik die todsterbenskranken Menschen im Stich lässt !
Es ist erbärmlich, dass aufgrund dieser Politik Bürger gezwungen werden, zum selbstbestimmten Sterben in ein anderes Land zu reisen (Schweiz).
Einfach erbärmlich !

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Freidenker10 16.04.2019, 10:54
6. Es wird wirklich Zeit!

Man man man, wir leben in einer wirklich dummen Gesellschaft! Natürlich muss es jedem selbst überlassen sein sein Leben bei schwerer Krankheit zu beenden und natürlich muss diesen Menschen geholfen werden ihr Leben auf möglichst humane Art und Weise zu beenden, warum muss sowas grundlegend natürliches und menschliches bei uns erst jahrelang diskutiert werden? Jedem Tier ersparen wir per Gesetz zu Leiden, nur wir Menschen müssen dies per Gesetz bis zum bitteren Ende, wie absurd ist das denn? Es wird Zeit dass sich auch die fundamental religiösen Parteien wie CDU und CSU daran erinnern dass wir in einem säkularen Staat Leben und diese Trennung auch endlich mal bewiesen werden muss. Bei diesem Thema bremsen nur die Kirchen und die Union! Meine Hochachtung und meinen Respekt für diesen Arzt!!!

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augu1941 16.04.2019, 11:02
7.

Warum ist nur so schwer bzw. z.Zt. unmöglich eine Sterbehilfe in der Form wie vom Arzt geschildert gesetzlich zu gestatten und durch diese Weigerung Sterbewillige zu zwingen, bis zum Ende ihres bitteren Sterbens durchzuhalten. Nur weil die Devise "Der Arzt muss helfen, Leben zu erhalten" niemals eine Ausnahme erlauben darf. Ist das wirklich unbedingtes Festhalten an hohen moralischen Prinzipien ?

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chrizna 16.04.2019, 11:04
8. Hoffentlich wird dieses unsägliche Gesetz gekippt...

...ich wünsche jedenfalls Dr.Ridder alles Gute und wünschte, es gäbe mehr mutige und engagierte Ärzte wie ihn ,die sich gegen die Entmündigung ihrer Patienten stark machen.

Die unerträgliche Bevormundung erwachsener Menschen und die Verweigerung ihres Rechts auf einen selbstbestimmten Todes ist einer aufgeklärten Gesellschaft unangemessen und entspringt einer mittelalterlichen , verkrusten Denkweise.
Ich hoffe das Gesetz landet baldmöglichst dort , wo es hingehört -
In der Mülltonne der Geschichte!

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goodcharlotte 16.04.2019, 11:04
9. "Personenschaden"

Jedesmal, wenn die Bahn Verspätung hat, weil es zu einem "Personenschaden" gekommen ist, können die Gläubigen und Ängstlichen dieser Republik sich wieder stolz auf die Fahnen schreiben, einen professionellen sanften selbstbestimmten Tod verhindert zu haben. Vielleicht erklären sie das mal den vielen traumatisierten Bahnschaffner/innen.

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