Forum: Panorama
Arzt über Sterbehilfe: "Ich will Patienten mit ihrem Suizid nicht alleine lassen"
Sepp Spiegl/ imago images

Geschäftsmäßige Suizidhilfe ist in Deutschland verboten. Der Arzt Michael de Ridder hält das Gesetz für schlecht gemacht - und will es vor dem Bundesverfassungsgericht kippen. Hier erklärt er, warum.

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Freidenker10 16.04.2019, 14:24
40.

Zitat von andreè
Sie müssen aber auch die Politik und Pharmaindustrie verstehen, denn mit MS oder Krebs kann die Industrie bis zum "normalen" Ableben noch sehr viel Geld verdienen. Und nur darum geht es und nicht um Christliche Nächstenliebe.
Wie gesagt, habe beruflich damit zu tun und kenne die Kosten gerade für MS und beatmetete Wachkomapatienten ( apallisches Syndrom ) deren Zahl steigt und steigt und deren Lebensqualität auf nahe Null sinkt und die meisten der MS Patienten die sich noch äußern können würden sich ein würdiges Ende wünschen. Natürlich ist das ein Geschäftsmodel das ist ja das völlig absurde, das äußern sich Leute die vor einem Mißbrauch der Sterbehilfe warnen, akzeptieren aber den Mißbrauch durch Lebensverlängerung als Geschäftsmodel. Würde mich nicht wundern wenn da manch ein Politiker/Partei nicht unerhebliche Wahlkampfspenden dieser Industrie erhält...

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Freidenker10 16.04.2019, 14:32
41.

Zitat von vera gehlkiel
Ihre lässige Überleitung auf das Gebiet den psychischen Störungen mit vermehrt letalem Ausgang, direkt mal konkret verbunden mit einer einschlägigen Verschwörungstheorie, beweist doch, wie sensibel das Thema ist, und wie unsensibel der Diskurs allzu schnell wird. Ich sehe es so, dass Sterbehilfe ohne eine geklärte Situation zum primären Statut des Grundgesetzes, der unantastbaren und zuallerletzt von Nützlichkeitserwaegungen dominierten Menschenwürde, in unserer Gesellschaft ein Hochrisikothema ist. Wie groß ist die Chance, dass die Mehrzahl der Ärzte von so hochstehenden ethischen Erwägungen geleitet werden wie Dr. de Ridders? Ist doch eine Mehrzahl von Ihnen nicht mal in der Lage, ein sachgerechtes Angehoerigengespraech zu führen. Wer Extrasprechstunden für Privatpatienten zur Maximierung der Gewinnspanne auch noch stolz propagiert, soll der wirklich was anzumelden haben, wenn es um Sterbehilfe geht? Wieso ist der Tod selbst überhaupt das Thema, wo wir Millionen Pflegebedürftige den Investorenkartellen überlassen, mit der zynischen Begründung, dass einige Prozentpunkte mehr Krankenkassenbeitraege den Ideen von maximaler Gewinnmaximierung der Industrie allzu abträglich seien?
Bin da ganz bei Ihnen! Aber es ist keine Verschwörungstheorie das Medien nicht über Suizide berichten, sondern nennt sich "Werther-Effekt" und um diesen zu verhindern haben die Medien beschloßen weitestgehend nicht über Suizide zu berichten! Habe da auch nichts dagegen, aber nichts darüber zu lesen bedeutet dann aber auch nicht das es keine Suizide in größerer Zahl gibt!!!

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olli0816 16.04.2019, 14:37
42. Kein anderer als der Sterbende...

Zitat von masc74
Ich verstehe das Anliegen des Arztes gut, aber ich halte seine Herangehensweise für hochproblematisch. Ärzte haben das Privileg, in den Körper eingreifen zu dürfen ausschließlich um zu heilen oder zumindest zu Leid zu lindern! Nur deswegen existiert dieses Privileg überhaupt. Sie sind explizit nicht Herr über Leben und Tod. Der Arzt darf angesichts seiner Erfahrung darüber urteilen ob und welche Behandlung sinnvoll ist, das Ziel der Behandlung ist ihm aber vorgeschrieben: heilen oder zumindest lindern. Dies umfasst sogar Behandlungen, die zum Zwecke der Schmerzlinderung das Leben verkürzen können. Die Entscheidung über Leben und Tod dürfen sie aber nicht treffen... was dieser Arzt aber tut, wenn er für sich definiert, wem er die tödlichen Medikamente aushändigt und wem nicht. Ärzte sind sicher ein wichtiger Partner bei der Frage des assistierten Suizids, aber sie sollten nicht alleine und autonom hierüber entscheiden dürfen. Sobald diese Form der Sterbehilfe etabliert ist, ist die Missbrauchsgefahr viel zu hoch um die Entscheidung hierüber einem Einzelnen zu überlassen. Es muss ein Ethikboard geschaffen werden, besetzt mit Medizinern, Ethikern und "normalen" Bürgern, die im Einzelfall über die Zulässigkeit des assistierten Suizids entscheiden und dann darf der Arzt als Fachmann das geeignete Mittel auswählen und zur Verfügung stellen. Hierin hat er seine Expertise, alles andere ist eine Grenzüberschreitung.
sollte die Entscheidung treffen. Der Arzt oder Sterbehelfer sollte nur der Ausführende sein, wenn der Sterbende es möchte. Anders schaut es bei den Patienten aus, die sich nicht mehr äußern können und wo auch keine Besserung mehr eintritt. Dort sollte eine Zusammenarbeit der engsten Familienangehörigen mit dem behandelnden Arzt stattfinden, um eine Entscheidung zu treffen. Natürlich sollte die Patientenverfügung soweit vorhanden als erstes Berücksichtigung finden, da der Patient diese in einer Zeit gemacht hat, wo er selber einschätzen konnte, was er möchte oder auch nicht. Es gibt durchaus Leute, die jede Maßnahme zur Lebensverlängerung wollten und das sollte man genauso einhalten wie jemand, der das Gegenteil in der Verfügung festgelegt hat.

Es geht nicht um die Entscheidung eines Arztes, eines andere Bürgers oder eines Amtsmannes. Es geht um den Sterbenden und der hat immer erste Priorität, weil es ihn betrifft. Nicht der Staat, die Kirche oder der Mediziner.

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ntfl 16.04.2019, 14:39
43. Das Gericht

ist durchweg konservativ besetzt und deshalb sind Entscheidungen auch immer sehr vorhersehbar. Insoweit tendieren die Chancen für eine Änderung gegen Null. In Deutschland wird es dabei bleiben, dass Menschen sich für berufen halten, für die Betroffenen zu entscheiden, was dieser für lebenswert zu halten hat.

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CancunMM 16.04.2019, 14:44
44.

Zitat von Eisinuk
Die Furcht vorm alt werden könnte eingeschränkt werden, wenn in Deutschland die aktive Sterbehilfe erlaubt würde. Denn viele Menschen wollen nicht jahrelang als zu pflegende Person anderen zur Last fallen und ziehen einen würdigen freiwilligen Tod, einem dahinsiechenden Altwerden, an dem nur Institutionen verdienen, der Familie aber das Vermögen kosten kann, vor. Ich möchte weder von meinen Kindern versorgt werden, noch mit dem Verkauf meiner Immobilie die Pflegekosten im Heim finanzieren. Wenn es soweit ist, möchte ich am liebsten so handeln wie Gunter Sachs. Aber vielleicht darf mir in ein paar Jahren der Arzt meines Vertrauens die Todespille verschreiben. Das wäre ein Fortschritt. Lieber selbstbestimmt und würdevoll sterben, als mit Pillen und Geräten an einer nicht mehr lebenswerten Teilhabe abgestumpft am Leben zu bleiben.
Tut mir leid, aber genau darum geht es nicht.
Es soll nicht darum gehen, dass ein älterer Mensch das Gefühl hat jemanden zu Last zu fallen, sondern, dass er an einer unheilbaren Krankheit leidet und Qualen leidet.
Was Sie alles nicht wollen, kann die Gesellschaft nicht leisten und dann müssen Sie wohl den Weg von Gunther Sachs gehen. Sie können doch nicht verlangen, weil Sie kein Geld für Ihre Pflege zu Hause oder im Heim ausgeben wollen und lieber viel vererben wollen, dass das die anderen Versicherten bezahlen.

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vera gehlkiel 16.04.2019, 14:45
45.

Sie scheinen komplett außerstande, gesellschaftliche und individuelle Verantwortlichkeit miteinander zu vereinbaren. Wer sagt denn, dass sie an einer roten Ampel halten muessen? Ein Politiker, der böse Staat, die widerwärtige Kirche, der unerträglich dumme Ingenieur vom Straßenbauamt? Warum dürfen wir den toten Opa nicht einfach im Garten verscharren, Birnbaum drüber, fertig ist die Chose? Wirklich, dieses rabiate Vordringen von reinster Ichbezueglichkeit, dieses Entkerntsein von allen historischen Bezügen, das Spielen von Anarchismus und Planwagenpionier mitten drin in einem total abgesicherten Disneyressort... Da fehlen mir die Worte! Ihre absurde Art von Freiheit gibt es aber überall, sagen wir mal im Kongo. Dort gilt noch die Faustformel ein Mann, ein Spaten, ein selbstbestimmter Tod im Busch. Manchmal verhungert man auch ein bisschen, oder wird von diversen Rebellen erschossen... But no risk no fun, nicht wahr?

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martinmde 16.04.2019, 14:53
46. schon komisch diese Diskussion,

Plastiktüte übern Kopf und in 2min ist es vorbei. Wer schwerste Schmerz hat dem wird das wohl nichts mehr ausmachen. Aber wer möchte schon so mit einer Tüte aufgefunden werde, also lieber leiden bis zum Ende.

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masc74 16.04.2019, 15:01
47.

Zitat von olli0816
sollte die Entscheidung treffen. Der Arzt oder Sterbehelfer sollte nur der Ausführende sein, wenn der Sterbende es möchte. Anders schaut es bei den Patienten aus, die sich nicht mehr äußern können und wo auch keine Besserung mehr eintritt. Dort sollte eine Zusammenarbeit der engsten Familienangehörigen mit dem behandelnden Arzt stattfinden, um eine Entscheidung zu treffen. Natürlich sollte die Patientenverfügung soweit vorhanden als erstes Berücksichtigung finden, da der Patient diese in einer Zeit gemacht hat, wo er selber einschätzen konnte, was er möchte oder auch nicht. Es gibt durchaus Leute, die jede Maßnahme zur Lebensverlängerung wollten und das sollte man genauso einhalten wie jemand, der das Gegenteil in der Verfügung festgelegt hat. Es geht nicht um die Entscheidung eines Arztes, eines andere Bürgers oder eines Amtsmannes. Es geht um den Sterbenden und der hat immer erste Priorität, weil es ihn betrifft. Nicht der Staat, die Kirche oder der Mediziner.
Da haben Sie mich falsch verstanden oder ich mich missverständlich ausgedrückt. Die Entscheidung des Patienten ist natürlich Grundvoraussetzung und auf jeden Fall handlungsleitend. Aber natürlich braucht es trotzdem eine intensive Prüfung und Begleitung um Missbrauch zu verhindern. Sonst könnte man die Mittel auch gleich frei in der Apotheke zur Verfügung stellen. Und bei dieser Prüfung sollte nicht ein wie auch immer qualifizierter Arzt alleine darüber entscheiden, wem das Mittel zur Verfügung gestellt wird und wem nicht.

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aliof 16.04.2019, 15:07
48. Ich stimme Ihrem Einleitungssatz voll zu

Zitat von flightlessbird17
LEBEN um jeden Preis zu erhalten ist NICHT die Hauptmaxime ärztlichen Handelns. ...
.. :: Leben um jeden Preis zu erhalten ist NICHT die Hauptmaxime ärztlichen Handelns. :: .. das weiß aber jeder Arzt mit Sicherheit selbst, weil je nach Praxis-Dauer auch Patienten versterben, trotz aller Bemühungen.

Vielleicht sehen sich einige der 100.000 Ärzte in Deutschland selbst gern als ::Herren:: über Leben und Tod. - Ziemlich sicher scheint diese Sichtweise AUF Ärzte aber für die meisten Nicht-Ärzte genau SO zu sein.

Diesem Problem (oder Ängsten) bin ich bei meinen Visiten (zuletzt anno 2015) in Heimen mit Bewohnern aus ehedem in Psychiatrischen Kliniken Lebenden immer wieder in extremo begegnet. Historisch gesehen wurde nämlich erst 1990 die bis dahin in ::der Psychiatrie:: quasi eingesperrten bzw. abgesonderten Mitmenschen beginnend menschenwürdigeres Leben , dann immerhin in Heimen , zugestanden.

Diese irgendwie (mir anfangs) unverständlichen Ängste vieler der Betroffenen rührten genau aus der Gewißheit, daß Ärzte zum Tode selektiert hatten, und das jederzeit wieder tun könnten. Einige der Bewohner haben Solches als Kinder über-lebt. Einigen der teilweise in Heime umdeklarierte Kliniken sind eigene kleine (Kinder)Gräberfelder zugehörig, die solches Denken tradieren (Dabei spreche ich noch nicht von dem üblichen systemimmanenten bis übergriffigen Machtmißbrauch der Pflegenden, bei einem Arzt-Patienten-Schlüssel von 1 zu 400 bis 1000).

Nun, ich denke daß es größter Mühen bedarf , Vertrauen zurückzugewinnen. Und mahne vor diesem Hintergrund zu äußerst umfassender Kontrolle jeder staatlicherseits genehmigten oder gar durchgeführten Tötung. - Nochmals (siehe meine vorherigen Beiträge) :: Optimal wäre , Ärzte gänzlich aus der aktiven Tötungsprozedur herauszunehmen, damit uns vor Allem die Bedürftigen und Schwachen voll vertrauen könnten.

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Freidenker10 16.04.2019, 15:25
49.

Ich darf allen interessierten hier mal eine Dokumentation " die Lebensende-Klinik, Sterben auf Wunsch" ( www.youtube.com/watch?v=uLUgIyUAb4I ) nahelegen. Da wird alles hier diskutierte sehr anschaulich und professionell behandelt mit einem reellen Sterbehilfe Prozess! Vielleicht sollten sich manche etwas intensiver damit beschäftigen Aber Achtung, die Dokumentation ist wirklich sehr "intensiv"!!

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