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Bahn-Unglück in Sachsen-Anhalt: Zugführer soll zwei Haltesignale übersehen haben

Wer ist schuld an dem schweren Zugunglück in Sachsen-Anhalt? Laut "Bild"-Zeitung hat der Lokführer des Güterzugs zwei Haltesignale missachtet. Der Fahrdienstleiter im nächsten Stellwerk will sogar noch versucht haben, den Zug per Funksignal zu bremsen.

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nurmeinsenf 01.02.2011, 07:29
1. Wenn schon modernisieren, dann richtig

Eine "punktförmige Zugbeeinflussung", die ein akustisches Warnsignal ertönen läßt, damit der Lokführer den Zug gleich anhalten kann. Ah ja. Bin es nur ich, oder ist dieses fehleranfällige "human interface" namens Lokführer eigentlich verzichtbar?

Wenn schon modernisieren, könnte man auch gleich noch den Schritt weitergehen und überlegen, ob der Lokführer zumindest auf einem Teil der Strecken nicht besser durch einen Steuerungscomputer ersetzt werden kann. Der ließe sich dann auch aus dem Stellwerk zu einem Nothalt bewegen und würde niemals übernächtigt sein oder schlafen.

(Außerdem ist er nicht in der Gewerkschaft der Lokführer engagiert und läßt nicht alljährlich die Tarifverhandlungen platzen und droht die Bevölkerung mit Streiks zu malträtieren, aber das nur nebenbei...)

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nichtWeich 01.02.2011, 07:41
2. ...

Zitat von sysop
Wer ist schuld an dem schweren Zugunglück in Sachsen-Anhalt? Laut "Bild"-Zeitung hat der Lokführer des Güterzugs zwei Haltesignale missachtet. Der Fahrdienstleiter im nächsten Stellwerk will sogar noch versucht haben, den Zug per Funksignal zu bremsen.
Sollte dem so sein, dann wird er damit leben müssen und nie wieder glücklich werden.

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herkurius 01.02.2011, 07:43
3. Auf Thema antworten

Es ist ja beruhigend, dass Bahnchef Grube bei diesem allerersten Zugzusammenstoß in Deutschland es jetzt für angemessen hält, magnetelektrische Sicherheitseinrichtungen einzuführen. Und dies, obwohl doch erwiesen ist, dass das "Rotes-Signal/Auge" Übertragungsverfahren seit der ersten Zugfahrt 1835 bis zu heutigen Geschwindigkeiten von 100km/h voll ausreichend ist.

Ich schlage der Bahn einen neuen Slogan für ihr Schienennetz vor: "Fahren Sie Bahn und Sie fühlen sich wie die Englein im Himmel".

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nick999 01.02.2011, 07:51
4. Bundesbahnaufsichtsamt ist gefragt

Hier sind gesetzliche Vorgaben über Mindeststandards gefragt.
Wie die letzten Unglücke zeigen, ist die Bahn nicht in der Lage, mit dem ihr gegebenen Ermessensspielraum umzugehen.
Dabei ist die entsprechende Technik vorhanden, die Leute sind bestimmt nicht dumm, aber immer wieder regiert der Rotstift.
Keine Invstitionen in Großprojekte, bevor ein Mindeststandard nicht umgesetzt ist.
Fehlen Sicherheitseinrichtungen, gibt es Einschränkungen auch auf Hauptstrecken. Auch Autobahnen werden bei Sicherheitsrisiken begrenzt, und das teilweise drastisch. Das tut kurz weh, zeigt aber, wo sofort was getan werden muß.

Es kann nicht sein, daß es immer wieder heißt, die Technik ist verfügbar, aber seit 10+x Jahren ist kein Geld das. Und Schuld ist niemand, schließlich wurden alle Gesetze eingehalten.

Bereits die alte Berliner S-Bahn hatte eine Mechanik am Haltesignal und im Zug. Wenn Rot überfahren wurde, wurden automatisch die Bremsen aktiviert, der Zugführer mußte die Bremsen erst entriegeln um weiterfahren zu können. Das war Stand 50iger Jahre, wenn nicht noch eher. Es braucht niemand damit kommen, das es sich um brandneue High Tech handelt.

Unabhängig davon, beim konkreten Fall gehe ich davon aus, daß der Lokführer eine Totmannschaltung hatte, auf welche Zeit sind die eingestellt? Wenn er wirklich 2 Signale überfahren hat, stimmt doch da noch mehr nicht. Oder wurde selbst die Totmannschaltung eingespart?

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_I_I_ 01.02.2011, 08:14
5. Angepasste Geschwindigkeit

80 km/h im dichten Nebel, zwei aufeinander zufahrende Züge auf dem gleichen Gleis - beim Straßenverkehr ist da angepasste Fahrweise gefordert! Da dürfte der Brummi vielleicht noch 50 km/h auf der Autobahn fahren, bloß kommt da keiner entgegen. Bei zwei entgegenkommenden Fahrzeugen auf einer schmalen Straße ohne Ausweichmöglichkeit wären das dann 35 km/h maximal. Bloß bremst der LKW ca. 5 mal besser als die Bahn. Berücksichtigt man das, dürfte die Bahn im dichten Nebel max. 15 km/h fahren, wenn man die Sicherheitsmaßstäbe des Straßenverkehrs ansetzen würde. Schließlich ist es kein Wunder, dass man bei dichtem Nebel ein Signal übersieht. Ich bin schockiert, dass diese Sicherheitsregeln bei der Bahn heute überhaupt noch zulässig sind! Behauptet doch die Bahn und alle mit ihr verbundenen Institutionen, dass sie ein extrem sicheres Betriebssystem haben würden! Und im Gegensatz zum Unfall des Transrapids im Emsland wurde hier offenbar das Sicherungssystem so genutzt, wie es vorgesehen war!

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Clawog 01.02.2011, 08:21
6. Versagen

Man sollte alles automatisieren und die Lokführer samt ihrer Gewerkschaft abschaffen.

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Daddeldi 01.02.2011, 08:23
7. Teilschuld ...

Zitat von sysop
Wer ist schuld an dem schweren Zugunglück in Sachsen-Anhalt? ... Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag erklärt, Ermittlungen gegen den 40-jährigen Lokführer des Güterzuges eingeleitet zu haben. Gegen ihn bestehe ein Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung, fahrlässigen Körperverletzung und der Gefährdung des Bahnverkehrs.
Zumindest eine Teilschuld dürfte auch für die organisatorisch Verantwortlichen zu prüfen sein, insbesondere das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung wegen Unterlassung nach §15 (4).1 EBO
"Für Stecken, auf denen bis zu 100 km/h zugelassen sind, können für Eisenbahnen des Bundes das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, ... die Ausrüstung mit Zugbeeinflussung vorschreiben."

Unabhängig von den fahrlässigen Vorgaben aus §15 (2) EBO, der Zusammenstöße mit bis zu 200 km/h ohne zusätzliche Sicherungen zuläßt, wären damit die besonderen Gefahren einer eingleisigen Strecke abwendbar gewesen.
http://www.gesetze-im-internet.de/ebo/__15.html

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who8 01.02.2011, 08:31
8. Indusi

Um den Spiegel-Artikel zu vervollständigen: Das in Deutschland verwendete PZB-System heißt „Indusi“ (Induktive Zugbeeinflussung).
http://de.wikipedia.org/wiki/Indusi
Es warnt den Lokführer bei Überfahrung eines Haltesignals nicht nur optisch und akustisch, sondern es bremst den Zug nach 30 s auch automatisch ab.

Das System ist keine westdeutsche Nachkriegserfindung, sondern wurde bereits in den 30er Jahren in Deutschland eingeführt.

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joergsi 01.02.2011, 08:34
9. ?

Zitat von sysop
Wer ist schuld
Wer ist schuld: müßte es nicht heißen wer hat Schuld/ wer ist schuldig?
Ja ich weis, diese Art der Diskussion passt nicht zum Inhalt des Artikels!

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