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Bestattungskultur in Deutschland: Tod und Kommerz
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Wie wär's mit einem Flachbildschirm im Grabstein? Oder einer Weltraumreise für die eigene Asche? Der Umgang mit dem Tod wandelt sich radikal: Billig soll das Lebensende sein - und trotzdem individuell.

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Wolfes74 16.05.2016, 18:23
1. der Tod wird kommerziell ...

... nö, wird er nicht - schon gar net in Deutschland.
Er ist schon seit Ewigkeiten kommerziell.
Bisher war der Tod eines Menschen für viele eine Gelddruckmaschine, der man sich als "Konsument" nicht erwehren konnte. Gesetzl. Vorschriften und Pflichten zwangen einen dazu teilweise Unsummen für Nichts hinzulegen.
Neu ist der Wettbewerb und damit verbunden fallende Preise - gut so.
Tote sollte man grundsätzlich verbrennen und die Asche zerstreuen o.ä., Vorteil - wenig Kosten und die janzen Friedhofsflächen könnte man für Lebende nutzen.
Der Biomüll braucht keine Deponie, wenn überhaupt nur zur Zwischenlagerung bis zur Weiterverarbeitung.

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großwolke 16.05.2016, 18:45
2.

"Offenbar ist der Tod für Millionen Individualisten die letzte Etappe der eigenen Selbstverwirklichung,..." Ich glaube nicht, dass man mit dem Satz den Kern trifft. Eher schätze ich, dass das Wegfallen des Religiösen für viele von uns bedeutet, dass der Tod pragmatischer betrachtet wird, die Erinnerung an die Menschen gedanklich von ihren sterblichen Überresten getrennt. Trauerfeiern müssen nicht zwingend in einem zeitlichen oder räumlichen Zusammenhang zur Beerdigung stehen, und um das Andenken eines lieben Menschen zu pflegen, muss man nicht automatisch die Pflege für die Verwahrstelle seiner sterblichen Überreste ritualisieren. Im Verwandtenkreis erlebe ich es immer wieder, dass gerade die, bei denen voraussictlich nix zu erben sein wird, sich unwohl fühlen bei dem Gedanken, dass ihr Ableben für die Hinterbliebenen zur finanziellen Belastung werden wird. Und das, obwohl sie selber kein Problem damit hätten, im Pappsarg verbrannt und anschließend irgendwo verstreut zu werden. Dass allerdings die Lobby hinter den deutschen Bestattungsgesetzen irgendwann nachgeben und eine Lockerung der Vorschriften hin in Richtung umweltgerechte Mindeststandards zulassen wird, werde ich wohl nicht mehr erleben. Und ich habe rein statistisch immerhin noch gut 40 Jahre auf der Uhr.

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Peter Eckes 16.05.2016, 18:47
3. .

Seit tausenden von Jahren bringen die Menschen erfolgreich ihre Toten unter die Erde. Aber jetzt braucht man dafür eine Ausbildung und muß erst auf dem Übungsfriedhof übern? Was für ein Schwachsinn. Jeder Euro für einer Beerdigung ist ein Euro zuviel. Einfach irgendwo verscharren und gut ist.

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albert schulz 16.05.2016, 18:48
4. Kosten ohne ersichtlichen Nutzen

Ein bißchen ärmlich, der Artikel. Die Bestattung selbst kostet um die 5.000, obwohl die Särge seit langem nicht mehr in Deutschland gefertigt werden, dazu kommt der Grabstein und die gärtnerische Anlage des Grabes, der Grabplatz kostet zwischen 10 und 20.000. Selbst in Großstädten gibt es nur einen Friedhof für Ungläubige, weil die Kirchen die geldspendende Labsal verwalten und ungetaufte Leichen ablehnen, und die machen fast die Hälfte der Bevölkerung aus. Daß Kinder am selben Ort wie die Eltern wohnen und Arbeit finden, ist eher selten geworden. Man dürfte also für die Grabpflege ein paar hundert Euronen pro Jahr berappen, ohne das Ergebnis genießen zu können. Und nach 25 Jahren ist alles vorbei, dann wird die Grabstelle aufgelöst, wenn nicht eine wohlhabende und angesehene Familie sich einen Gräberplatz leistet.

Die Dinger, wo man die recht preiswert erzeugte Asche auf billige und doch ansehnliche Art in der Erde versenken kann, heißen übrigens Friedwald. Sie schießen wie Pilze aus dem Boden. Die kirchlichen Friedhöfe hingegen fangen an zu darben, und die noch aktiven Bestatter bangen auch um ihre Zukunft.

Noch ein Gogenwitz: Eine Tübinger Wengerterwitwe verstreut die Asche ihres Gatten auf dem verschneiten Gehweg und meint besinnlich: so ist er doch mal zu was gut.

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DirkNemitz 16.05.2016, 19:01
5. Kryonik vergessen!

Vielen Dank für diesen sehr informativen Artikel! Schade ist allerdings, dass die Option der Kryonik nicht erwähnt wird - vielleicht ließe sich das noch ergänzen? Besonders im Hinblick auf die anderen, teilweise deutlich seltener verwendeten Bestattungsarten wäre es angebracht, auch diese "Wette auf ein 2. Leben" zu erwähnen, welche sich substantiell von den aufgeführten Optionen abhebt, welche in vielen Fällen ja lediglich die verschiedenen Orte zur Verstreuung der Asche auflisten...

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a.usemann 16.05.2016, 19:20
6. Friedhofszwang...

..ist die Theorie, die unverständliche.
In der Realität hingegen kann ich die Menschen, die ich kenne, die diesen Scheinzwang umgangen sind und zu umgehen vorhaben nicht an meinen Händen abzählen, selbst wenn ich 4 Hände hätte....
Wäre ja auch noch schöner...

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godfather58 16.05.2016, 19:38
7. Den Friehofszwang auch für Aschen

... halte ich schlicht und ergreifend für Geldmacherei der Gemeinden. Im Ausland (Schweiz, Frankreich, Niederlande) gibt es das nicht mehr. Der Friedhof ist ausserdem der letzte Rest wilhelminischer Obrigkeitsgängelei. Schauen sie sich einmal die kommunalen Friedhofssatzungen in dieser Hinsicht an. Da wird bis ind Detail vorgeschrieben was alles muss und was nicht darf.

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spassmann 16.05.2016, 19:57
8. Alle Menschen sind gleich

und werden irgentwann zur letzten Reise abberufen.und dann darf der christliche Überrest nach 25 Jahren Friedhofsruhe seinen Platz auf dem Gottesacker freimachen- es sei den es wird weiterbezahlt.Muslimische oder jüdische Verblichene haben religionsbedingt das Recht bis zum sprichwörtlichen jüngsten Gericht auf die ewige Ruhe.jeder kennt die Geste,auf Friedhöfen der judischen Gemeinde auf Grabstellen kleine Steinchen abzulegen.der symbolische Hintergrund ist, das Blumen vergehen und Steine ewig bestehen.und damit wird dieser Platz als besetzt und heilig gekennzeichnet.und darf bis zur Rückkehr des Messias nicht verändert werden.
Es ist schade das das Bestattungsgewerbe so exorbitant teuer geworden ist und sich viele nach preiswerten Alternativen umsehen

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ChristophS82 16.05.2016, 20:06
9. Kein Job für mich

Ich finde den Job ziemlich übel. Umgang mit Toten, Umgang mit Hinterbliebenen - das muss einem liegen.
Ein angestellter Bestattermeister verdient trotzdem weniger als ein 08/15 Bandarbeiter bei einem Autohersteller - da sind aber auf einmal alle bereit die Zeche zu zahlen und freuen sich über jeden Bonus mit.

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