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Blendung des Täters: Gericht verschiebt Racheakt des Säureopfers

Das iranische Säureopfer Amene Bahrami kann vorerst keine Rache an ihrem Peiniger nehmen: Die iranische Justiz hat die Vollstreckung eines Urteils verschoben, mit dem die Frau den Täter hätte blenden dürfen. Ein neuer Termin ist offen.

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louis_quatorze 14.05.2011, 10:44
1. Gerechtigkeit

Der Täter sitzt 12 Jahre im Gefängnis und macht sich danach ein schönes Leben. Das Opfer ist lebenslänglich entstellt und wird jeden Tag durch en Blick in den Spiegel an das Geschehen erinnert.

Wo ist da die Gerechtigkeit?

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Erz_Atheist 14.05.2011, 10:47
2. Auge um Auge um Auge um Auge...

Abgesehen davon, dass Rache im Justizsystem nichts zu suchen hat, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass, ginge es um einen Mann der nach Rache an einer Frau verlangt, der Richter sogar empfohlen hätte die Rache zu vollziehen.

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rolandharry 14.05.2011, 10:48
3. Schade !

Das Urteil erscheint nach unseren Wertevorstellungen archaisch und grausam. Unsere Wertevorstellungen vom Täter- statt Opferschutz lassen sich jedoch nicht ohne weiteres in andere Kulturen übertragen. Sie taugen auch nichts für eine Generalprävention. Die westlichen Proteste sind kontraproduktiv, schon gar nicht zum Schutz von Frauen gegen Säureattentate geeignet. Sie wirken als Ermunterung, dass Säureattentate nicht so schlimm sind.

Der Vollzug des Urteils und weiterer für Säureattentate hätte vielen Frauen wirksamen Schutz gegeben. Aber Täterschutz erscheint den scheinbaren "Gutmenschen" jawichtiger als präventiver Opferschutz.

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Michael Giertz 14.05.2011, 10:51
4. Islamisches Recht

Zitat von sysop
Das iranische Säureopfer Amene Bahrami kann vorerst keine Rache an ihrem Peiniger nehmen: Die iranische Justiz hat die Vollstreckung eines Urteils verschoben, mit dem die Frau den Täter hätte blenden dürfen. Ein neuer Termin ist offen.
In mancher Hinsicht gleicht das islamische Recht dem, was im Mittelalter als "gerecht und zivilisiert" galt. Zivilisatorisch betrachtet ist das also alles andere als "fortgeschritten". Ignorieren wir das.

In Deutschland gibts so ein System Gott sei dank nicht. Dafür haben wir gleich mal das Problem, dass unser Rechtssystem zu einseitig ausgerichtet ist auf "Resozialisation" - und die Strafen absichtlich lachhaft niedrig hält - zumindest in den Bereichen, wo die Mehrheit der Bürger drastische Strafen wünscht. Verglichen mit Urheberrechtsdelikten, welche ja mit bis zu 5 Jahre und horrende Summen bestraft werden können, ist der Mord mit 25 Jahren (eher nur 15 Jahre) geradezu ungerecht gering bestraft.

Und dann gibt's da noch die Strafen, die eigentlich keine sind: ein mittelloser Prügeltäter wird zu Schmerzensgeld in Höhe von mehreren zehntausend / hunderttausend Euro verdonnert, die er aber gar nicht abbezahlen kann. Letztendlich bleibt der Täter absichtlich arbeitslos, weil er weiß, dass er sowieso bis ans Lebensende zahlen und nichts von seiner Hände Arbeit haben wird - wozu also arbeiten gehen?

Amene Bahrami hat da in der Hinsicht recht: das Schmerzensgeld wird ihr Peiniger nie zahlen können, die Strafe ist also gewissermaßen "abgemildert". Wenn sie ihn aber blendet, ist die Strafe vollzogen und gleichzeitig ein abschreckendes Beispiel für andere.
Mittelalterlich, aber wirksam.

Also worauf ich hinaus will: in Deutschland muss kein Vergewaltigungsopfer ihren Vergewaltiger vergewaltigen, damit Recht geschieht. Aber wenn der Vergewaltiger einfach nicht wirkungsvoll bestraft werden kann (unfähig, Schmerzensgeld zu zahlen, zu krank für's Gefängnis usw) - wieso kann man dann keine wirkungsvolle "Ersatzstrafe" wählen? Kastration wäre doch menschlich vertretbar, oder?

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Michael Giertz 14.05.2011, 10:52
5. Zweifel

Zitat von louis_quatorze
Der Täter sitzt 12 Jahre im Gefängnis und macht sich danach ein schönes Leben. Das Opfer ist lebenslänglich entstellt und wird jeden Tag durch en Blick in den Spiegel an das Geschehen erinnert. Wo ist da die Gerechtigkeit?
Ich zweifle daran, dass das Opfer jemals sich im Spiegel wird betrachten können.

Sie ist blind.

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47/11 14.05.2011, 10:54
6. Opfergerechtigkeit

Zitat von sysop
Das iranische Säureopfer Amene Bahrami kann vorerst keine Rache an ihrem Peiniger nehmen: Die iranische Justiz hat die Vollstreckung eines Urteils verschoben, mit dem die Frau den Täter hätte blenden dürfen. Ein neuer Termin ist offen.
Entgegen der Meinung unserer Justiz gebührt nur dem Opfer das Recht auf " Rache " und nicht die " Kollektivrache " = " Strafe " einer anonymen Gesellschaft.Wer nicht betroffen ist, kann auch nicht " gerecht " - dem Opfer gerecht - urteilen .

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Marie Laveau 14.05.2011, 10:55
7. You go, girl!

You go, girl!

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jimknopf107 14.05.2011, 11:00
8. ...

Zitat von rolandharry
Die westlichen Proteste sind kontraproduktiv, schon gar nicht zum Schutz von Frauen gegen Säureattentate geeignet. Sie wirken als Ermunterung, dass Säureattentate nicht so schlimm sind. Der Vollzug des Urteils und weiterer für Säureattentate hätte vielen Frauen wirksamen Schutz gegeben. Aber Täterschutz erscheint den scheinbaren "Gutmenschen" jawichtiger als präventiver Opferschutz.
Der Mann musste ja davon ausgehen, dass sie sich an ihm rächen dürfen wird- und er hat es trotzdem getan. Das ist der beste Beweis dafür, dass ihr Gedanke ins Leere läuft

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Pyr 14.05.2011, 11:02
9. ****

Zitat von louis_quatorze
Der Täter sitzt 12 Jahre im Gefängnis und macht sich danach ein schönes Leben. Das Opfer ist lebenslänglich entstellt und wird jeden Tag durch en Blick in den Spiegel an das Geschehen erinnert. Wo ist da die Gerechtigkeit?
Jedenfalls nicht hier.

Gerechtigkeit gibt es eben fast nie. Und da kann man auch wenig dran ändern. Ist es gerecht, einen Mord mit 12 Jahren Haft zu "bestrafen"? Kaum. Würden Sie aber einen Staat als gerecht bezeichnen, der 100% nach dem "Auge um Auge" Prinzip handelt? Unter Ausblendung aller Umstände, "weltlicher" Rechtsgrundsätze etc.?

Mir fällt da nichts zu ein.

Nur: Wenn es schon keine Gerechtigkeit gibt, dann doch bitte volle Aufmerksamkeit und Entschädigung dem Opfer bzw. den Hinterbliebenen. Und nicht immer nur dem Täter.

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