Forum: Panorama
Britischer Verkehrsinsel-Fanclub: "Im Kreis zu fahren ist Lebensqualität"
Kevin Beresford

Echt britisch: Wenn Kevin Beresford in einen Kreisverkehr fährt, ist das für ihn ein Glücksmoment. Der Präsident des Kreisel-Fanclubs über seine ungewöhnliche Leidenschaft und die entspannende Wirkung von Extrarunden.

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schlonzbob 07.10.2014, 14:18
20.

Zitat von quak_quak
Bitte - WIE komme ich aus der inneren Spur eines Kreisels wieder nach außen? Es geht nur kurzfristig, also direkt vor meiner Ausfahrt, sonst könnte das rechts Blinken als Ausfahrtwille interpretiert werden - die erste Chance zum Knall. Dann fährt rechts von mir womöglich jemand, sei es, dass er stur rechts fährt, um auf jeden Fall SEINE Ausfahrt zu erwischen oder dass er gerade eingefahren ist. Also darf ich mittig kreiseln, um hoffentlich irgendwann diesen Kreisel verlassen zu können - wenn rechts neben und knapp hinter mir frei ist. Ich bin dabei nicht entspannt. Einfach rechts bleiben ist wie gesagt auch keine Lösung - da ist uns mal fast ein älterer Herr in Italien reingefahren, der der Ansicht war, wir hätten schon die Ausfahrt vorher nehmen und somit verschwunden sein müssen (wir hatte nicht geblinkt, waren einfach rechts gefahren).
Sie geben sich die Antwort ja fast schon selber: Wenn man sich bei mehrspurigen Kreiseln in die äußere Spur einordnet MUSS man an der nächsten Ausfahrt den Kreisel verlassen. Damit ist sichergestellt, dass auch ein Fahrer auf der inneren Spur an der nächsten Ausfahrt den Kreisverkehr (ggf. parallel zu dem äußeren Fahrzeug) verlassen kann.

Das funktioniert natürlich nur wenn sich alle daran halten, sonst geht es einem wie in Ihrem Beispiel aus Italien - der ältere Herr war zu Recht davon ausgegangen, dass jemand auf der äußeren Spur den Kreisel an der nächsten Ausfahrt verlässt.

Zumindest in UK sind vor einem Kreisverkehr auch Markierungen auf der Straße, damit man weiß für welche Ausfahrt man sich auf welcher Spur einordnen muss.

Leider werden aus meiner Sicht damit mehrspurige Kreisverkehre in Deutschland nie funktionieren, da sich hierzu einfach viel zu viele Leute umgewöhnen müssten. Zugegebenermaßen haben Kreisverkehre aber zumindest in Städten auch einige Nachteile, insbesondere für Radfahrer und Fußgänger, so dass Verhältnisse wie in UK aus meiner Sicht auch nicht wirklich wünschenswert sind.

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Toe Jam 07.10.2014, 15:24
21.

Zitat von eine-Meinung-unter-Vielen
Zwei Spuren PKW, eine Spur Fahrrad ganz aussen, ich glaube sogar mit Vorfahrtstrecht (zumindest fahren sie so) und diagonal - also quer mitten durch - eine häufig verkehrende Straßenbahn ... ;) Dieser Kreisel ist nicht nur für Fahrschüler ein Graus, sondern fast immer verstopft.
Tückisch ist auch die Vorfahrtsituation für Fußgänger und Radfahrer an den Ein-Ausfahrten (meist mit Fahrbahnteilern):
Bei der Ausfahrt hat der Fußgänger/Radfahrer Vorrang, bei der Einfahrt in den Kreisel der Autofahrer.

Zu den mehrstreifigen Krieseln: Solange die Fahrsteifen parallel verlaufen, ist das eine einzige Katastrophe, einmal innen traut sich der ungewohnte nicht mehr raus.
Was aber gut funktioniert, sind die sogenannten Turbinen: Beim "Linksabbiegen" ordne ich mich auf der linken Kreisspur ein und lande automatisch ohne Fahrstreifenwechsel an der richtigen Ausfahrt. Gibt es in Deutschland auch schon zahlreich.

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Celestine 07.10.2014, 17:50
22.

Zitat von eine-Meinung-unter-Vielen
Wir haben zwar in D ähnliche Verkehrsregeln, aber am Kreisel herrscht trotzdem offenes Chaos. Außen den ganzen Kreisel nehmen, inneren Spuren die Vorfahrt abschneiden, schnell noch beschleunigen, wenn man aussen fährt und der innere Wagen nach außen blinkt. Selbst an einspurigen Kreiseln kann man staunen, selbst wenn die Lage recht übersichtlich sind. Kein Blinken, wenn man aus dem Kreisel herausfährt, erstmal anhalten bevor man in einen leeren Kreisel einfährt usw... Alles sooft in D erlebt, dass ich das nicht mehr nur als persönliche Statistik bewerte. Vermutlich ist in D die Unfallstatistik an mehrspurigen Kreiseln so hoch, dass eine Ampelanlage schlicht die "vernünftigere" Lösung ist.
Es liegt eventuell daran, dass die Deutschen für mein Gefühl etwas unentspannt fahren. Das deutsche Volk ist leistungsorientiert, Zeit ist Geld, es herrscht eine Art Konkurrenz auf den Straßen, wie auch an der Supermarkt-Kasse: schneller, effektiver, keine Zeit!

So ist es jedenfalls in Hamburg; Berlin ist schon wesentlich entspannter, auch die Kleinstädte. Und sobald ich die dänische Grenze überschreite, verspüre ich mehr Gelassenheit, das ist in Schweden und Finnland genauso. In UK kenne ich nur London, der Verkehr ist schrecklich, die Busse fahren rücksichtslos, achten überhaupt nicht auf die Fußgänger. Im Vergleich dazu sind deutsche Autofahrer in der Stadt sehr aufmerksam.

Für mich sind unbekannte Kreisel ein Horror, bis ich mich auskenne, dann sind die meisten okay.
Den schlimmsten Kreisel kenne ich aus der Lübecker Innenstadt (weiß nicht mehr, wie der heißt). Besonders in der Hauptverkehrszeit, wenn die Lübecker aus der Arbeit nach Hause fahren. Denn dann fungiert der Kreisel als eine Durchfahrtsstraße, die heimkehrenden Lübecker donnern da durch und schauen nicht nach links, nicht nach rechts. Wer da sich einfädeln will, braucht starke Nerven oder eine Portion Risikobereitschaft. Nach der nervigen Einfädelaktion ebenso entnervt die Spur wechseln, das muss irre schnell gehen, wenn man etwas langsam fährt, Rücksicht kennen die da keine. Auch ist die Schilderung nicht besonders gut, sodass Ortsunkundige die richtige Ausfahrt in Kürze der Zeit sehr leicht übersehen. Ich habe mich da x Mal verfahren, und weil ich in Lübeck nicht wohnte, war das ziemlich lästig. Tja, sorry liebe Lübecker, ich war lange nicht mehr ich eurer schönen Stadt und hoffe, dass der Kreisverkehr dort etwas angenehmer geworden ist. ;-)

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quak_quak 07.10.2014, 18:44
23. Nur...

Zitat von schlonzbob
Sie geben sich die Antwort ja fast schon selber: Wenn man sich bei mehrspurigen Kreiseln in die äußere Spur einordnet MUSS man an der nächsten Ausfahrt den Kreisel verlassen. Damit ist sichergestellt, dass auch ein Fahrer auf der inneren Spur an der nächsten Ausfahrt den Kreisverkehr (ggf. parallel zu dem äußeren Fahrzeug) verlassen kann. Das funktioniert natürlich nur wenn sich alle daran halten, sonst geht es einem wie in Ihrem Beispiel aus Italien - der ältere Herr war zu Recht davon ausgegangen, dass jemand auf der äußeren Spur den Kreisel an der nächsten Ausfahrt verlässt.
... leider waren auch die italienischen Autofahrer sich da durchaus nicht einig. D.h., auch die Stur-Rechtsfahrer fuhren überwiegend mit italienischen Kennzeichen. Die werden gewusst haben, warum: rechts blinken für Spurwechsel? Gute Chance auf einen Crash mit einem in den Kreisel Einfahrenden ("Ich dachte, der fährt raus!"). Ganz langsam werden, in der Hoffnung auf eine Lücke? Dann fährt einem womöglich der Hintermann auf (oder hupt wenigstens böse). Also kreiseln, kreiseln... dagegen ist eine rote Ampel Wellness.

Ein bisschen wie auf der Autobahn in dichtem Verkehr - einmal auf der Überholspur, bleibt man besser da, zumindest wenn man nicht ganz viel Zeit hat - einmal nach rechts gewechselt, kommt man so schnell nicht wieder auf die linke Spur (aber da sind wenigstens die Regeln klar).

Und dass es in südlichen Ländern ´funktioniert` (mit Hupen und Aufpassen) spiegelt sich in den hohen Unfallzahlen wider.

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frankasten 08.10.2014, 07:07
24.

Kreisverkehre sind in bestimmbaren Bereichen von Verkehrsaufkommen und bei entsprechender Baufreiheit jeder Verkehrszeichenregelung haushoch überlegen. Und das in jeder Hinsicht. Kreisel zu klein, Auffahrten in den Kreisel zu eng hintereinander, Sicht durch Grünanlagen, Hügel oder Kunstwerke im Kreis behindert schmälern die Effizienz des Kreisels. Das war alles schon vor den Ampeln bekannt.

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dat_fretchen 08.10.2014, 09:47
25. Macht nur bedingt Sinn...

...wie Ich festgestellt habe.
Bin jetzt selbst kein Autofahrer, aber häufig dabei.
Und je nach dem wie hoch das Verkehrsaufkommen ist, macht ein Kreisverkehr einfach keinen Sinn mehr.
Aber bei wenig frequentierten Kreuzungen bremst ein Kreisverkehr ab und verhindert Unfälle!

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fridagold 08.10.2014, 11:22
26.

Zitat von eine-Meinung-unter-Vielen
... ich hätte eine andere Erklärung - aus der Praxis. Der Deutsche Autofahrer kommt mit Kreisverkehr, besonders mehrspurigen, irgenwie sehr schlecht zurecht.
Kein Wunder, es gibt ja auch erst seit recht kurzer Zeit überhaupt mal mehr Kreisel und mehrspurige trifft man sehr selten an. Ohne Erfahrungswerte gibt es dann halt Probleme.
Im letzten Englandurlaub war ich von den Kreiseln sehr angetan. Wenn man erstmal den Bogen raus hat, fährt es sich sehr flüssig. Sinnvoll finde ich übrigens auch die Regelung, nach innen zu blinken, wenn man den Kreisel umrunden will - das spart gerade bei mehrspurigen Kreiseln die Unsicherheit, ob der Neben/Vordermann gleich auf die Außenspur rüberzieht oder noch weiter innen kreiselt.

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UlliK 09.10.2014, 09:57
27. Dann fahren Sie ...

Zitat von quak_quak
Bitte - WIE komme ich aus der inneren Spur eines Kreisels wieder nach außen? ...
... doch bitte mal um / über den Place de l'Étoile in Paris. Auf ihm münden sternförmig zwölf große Pariser Straßen, ich kenne ihn nur ohne Fahrbahnmarkierungen, aber, so oft ich auch da gefahren bin, ich habe nie einen Unfall oder auch nur kritische Situation miterlebt.
Sowas In D: undenkbar. Nahezu jeder würde nach allen möglichen Vorschriften rufen :-(

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Hamberliner 18.10.2014, 13:14
28. Re: Blinken und Einordnen ist das A und O

Zitat von zwennie
In den anderen Ländern blinkt man jedoch beim Einfahren in den Kreisel in die Richtung, in der man Ausfahren möchte und zwar solange, bis man an der letzten Ausfahrt vorbei ist, die man nicht nehmen möchte und blinkt dann rechts zum Ausfahren.
"Die Richtung, in der man ausfahren möchte": Das ist in Frankreich, Korea und Chile grundsätzlich rechts und in Großbritannien, Japan und Zimbabwe grundsätzlich links.

Nach Deiner Meinung blinkt man also in den erstgenannten Ländern (Rechtsverkehr) vom Einfahren bis zum Ausfahren rechts = nach außen, wobei sich an der vorletzten Ausfahrt der Grund oder Anlass aber nicht die Blinkrichtung ändert. Spannend wird es, wenn man in den zweitgenannten Ländern (Linksverkehr) Deiner Meinung folgt. Man blinkt da ab Einfahrt links = nach außen, ab der vorletzten Ausfahrt blinkt man auf einmal rechts = nach innen, als wolle man die Blumenbeete oder den Springbrunnen in der Kreiselmitte besuchen, und verlässt dann den Kreisel nach links = außen entgegen der Blinkrichtung. Das finde ich interessant.

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Hamberliner 18.10.2014, 13:24
29. Negativbeispiel: Marokko

Ein Land, wo Kreisverkehre nicht funktionieren, ist z.B. Marokko, zumindest Tanger. Wer da in den Kreisverkehr einfährt lässt den Fahrzeugen im Kreisverkehr keine Vorfahrt, sondern drängelt sich dazwischen. An jeder Einfahrt verbarrikadiert so ein spiralförmig von außen nach innen geformter Keil aus stehenden Fahrzeugen die darauffolgende Ausfahrt, in anderen Worten, der gesamte Kreisverkehr besteht aus einem chaotischen Knöuel aus Fahrzeugen, die sich mit 0,01 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit bewegen. Insha Allah, wenn Gott will, kommt man da im Laufe einiger Stunden wieder 'raus.

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