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Bundesverfassungsgericht: Verbot geschäftsmäßiger Sterbehilfe - darum geht es in dem
Uli Deck / DPA

Suizidhilfe als Dienstleistung steht seit Ende 2015 unter Strafe. Nun beschäftigt sich das Bundesverfassungsgericht mit mehreren Klagen gegen diese Regelung. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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merapi22 16.04.2019, 10:08
20. Grundrechtecht auf selbstbestimmtes Leben und Sterben

Zitat von yksas
Die juristische Auseinandersetzung ist nur vorgeschoben. Im Grunde geht es hier um einen Weltanschauuungsstreit. Die Weltanschauungen mit Gottesbehauptung bestehen darauf, daß das Leben von Gott den Menschen nur "geliehen" sei und daher der einzelne Mensch nicht berechtigt sei, sein eigenes Leben zu beenden. Schon gar nicht mit Hilfe eines Arztes in Frieden. Mir ist das Recht auf Entscheifungsfreiheit am Ende des Lebens wichtig. Ich sehe den Staat nicht berechtigt in das Selbstbestimmungsrecht der Bürger einzugreifen. Da in der jüngsten Vergangenheit die Weltanschauungen mit Gottesbehauptungen immer wieder ins politische und gesetzgeberische Geschehen eingegriffen haben (z. B. Beschneidung, Schwangerschaftsabbruch, Söderkreuze in staatlichen Verwaltungen) bedaure ich daß wir uns hier in Deutschland weg von der Demokratie hin in Richtung einer Theokratie bewegen. 80 Millionen Menschen haben das Recht ihre eigene Entscheidungen zu fällen und das geht die Gottbehaupter gar nix an. In wenigen Tagen wird dann wieder behauptet da sei Einer vom Tod nach drei Tagen auferstanden. Diesen Leuten ist nicht zu trauen und sie haben ausser ihren haltlosen Behauptungen nichts in der Hand als menschenfeindliche Macht.
Dann ist es schade, dass Europa keine Staatsreligion hat, welche wie der Buddhismus von Reinkarnation ausgeht und darauf abzielt Leid zu vermeiden.
Wenn, man einen unheilbar Kranken Menschen trotz eigenen Willen das Sterben verbietet und ihn künstlich weiter am Leben hält. Dann kommt dies eher der christlichen Hölle gleich, denn über Schläuche an Maschinen angeschlossen, spürt man Schmerzen ohne sich bemerkbar zu machen, unter Umständen über viele Jahre.
Schon unter diesen Gesichtspunkt lohnt sich das Abwandern im Alter in ein buddhistisches Land.

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Kalokagathos 16.04.2019, 10:45
21. Es ist komplexer, als man denkt!

Ja, es stimmt, dass die EKD (bei der kath. Kirche bin ich nicht so firm) bei dieser Thematik sehr ähnlich argumentiert wie der Staat, die er durch seine Rechtsauffassung kommuniziert. Ein Rückschluss zu ziehen, dass die EKD die Gesetze macht, ist übertrieben. Wer befangen ist (siehe Peter Müller, CDU), wird nicht für diesen Fall herangezogen. Diese Diskussion muss sachlich geführt werden.
Der Liberalismus des Einzelnen, nicht nur bei dieser Frage, hat seine Grenzen. Nicht alles machbare, ist sinnvoll oder erstrebenswert. Die Ethik bedarf ein Abwägen verschiedener Positionen, ein Ringen um das Machbare und Zumutbare. Christliche Ethik spielt eine Rolle neben Utilitarismus, Pflichtehtik, Tugendethik etc. In diesem Zusammenhang und der beschriebenen Art und Weise, wie man Diskurs führt, begrüße ich auch die Stimme der christlichen Position.
Gerade die emotionale und an Verschwörung glaubende Position, wie etwas bei yksas, ist nicht zielführend.

Bei der Begleitung Sterbender und bei der Frage nach der Form der Sterbehilfe muss ein Mittelweg gefunden werden, dass nicht beliebiges Töten, nur weil jemand den Wunsch geäußert hat, sterben zu wollen, und jede Form den Toteseintritt zu beschleunigen (Palliativmedizin). Mein persönliche Meinung ist, dass wir auf eine Gesellschaft setzen, die grundsätzlich das Leben für jeden einzelnen ersteinmal zumindest erträglich macht. Und es auch klar formulieren, dass es nicht gut geheißen wird, dass Menschen sich umbringen. Eine Hintertür zum Suizid evtl. offen bleibt, die aber nicht den Ärzten und pflegenden Personal zugemutet wird und auch nicht irgendwelchen Vereinen überlassen wird.

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Kalokagathos 16.04.2019, 11:02
22.

Zitat von ptb29
Sterbehilfe, Abtreibungen: Das sind Themen die betreffen das Leben von Menschen ganz persönlich. Der Gesetzgeber, der diese Menschen mit ihren Problemen überhaupt nicht kennt, glaubt nun bestimmen zu müssen, wie die Menschen weiterleben oder nicht leben wollen.
Es geht hierbei um Definition der Werte einer Gesellschaft.
Das kennen Sie evtl.: Wenn ein Kind Süßigkeiten haben will, muss es noch lange nicht (in dem Moment) gut sein (Das "Gute" muss aber definiert werden). Als Erwachsener positioniert man sich aus der Fürsorgepflicht heraus und hat in diesem Fall Argumente. In einer Familie gibt es einen Verhaltenskodex, Werte, Spielregeln, die meist informell beschlossen werden.
Ähnlich ist es beim Staat! Er überlegt sich, welche Werte in einer Gesellschaft gelten sollen.

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gantenbein3 16.04.2019, 11:05
23. Krude Form der Machtausübung

"Jemandem eine Weise des Sterbens aufzuzwingen, die anderen zusagt, die er selbst aber als grausamen Widerspruch zu seinem Leben empfindet, ist – grundsätzlich – eine finstere, krude Form der Machtausübung" (Ronald Dworkin, amerikanischer Rechtsphilosoph).

Das Argument, dass es darum gehe, das Geschäft mit der Sterbehilfe zu unterbinden, ist auch ein bisschen scheinheilig. Denn erstens geht es nicht darum, dafür Reklame zu machen, sondern darum, diskret zu helfen, und was man in der Form ja auch regeln kann, und zweitens sind die Ärzte auch sonst nicht zimperlich, wenn sie gutes Geld verdienen können, wie z.B. bei der Transplantationsmedizin. Während dabei moralische Bedenken abgewehrt werden, werden sie bei der Sterbehilfe beschworen, vermutlich, weil das Verschreiben und Verabreichen eines Medikaments nicht viel einbringt.

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ford_mustang 16.04.2019, 11:44
24. Wie funktioniert eigentlich ...

eine würdige, schmerzlose Selbsttötung? Man liest doch immer wieder mal von Hinrichtungen mit der Spritze, die weder würdig, noch schmerzlos sind.

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bariton65 16.04.2019, 11:54
25. Geschäftsmäßig? - Ja, bitte!

Sollte ich mich dereinst einer Sterbehilfe bedienen wollen, dann soll mir bitte ein Profi zur Seite stehen und nicht etwa ein Dilettant.

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krisensitzung 16.04.2019, 13:51
26.

Ich wünsche allen, die Todkranken einen eigenbestimmten würdigen Abgang verbieten, und das sind nicht wenige, und von wunderbaren Momenten faseln, die auch Todgeweihte haben können, allen diesen Scheinheiligen wünsche ich den grausamen Tod meiner Eltern, ihr schier endloses Leid, ihre Schmerzen, ihre Verzweiflung. In diesem Zustand waren sie auf Hilfe angewiesen, sie waren nicht mehr imstande, sich selbst einen würdigen Tod zu bereiten. Kirche und Gesetzgeber wollten es so, dass meine Eltern elend verrecken mussten. Ich hatte damals nicht den Mumm und die Ressourcen, ihnen mit tatsächlicher (Sterbe-) Hilfe beizustehen und leide heute noch darunter. Ich habe aber die Konsequenzen gezogen und mir die Mittel besorgt, bewahre sie an einem geheimen Ort auf und wenn für mich die Zeit gekommen ist, dann nehme ich sie. So zu leiden, wie sie es mussten, darf man keinem Tier zumuten, Menschen offenbar schon. Ihr Kirchenleute und Politiker macht erst den Mund wieder auf, wenn jeder Patient durch Schmerztherapeuten optimal betreut wird! Solange das nur ein ferner Wunschtraum ist, schleicht euch und schämt euch!

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touri 16.04.2019, 14:04
27.

Zitat von cyberpommez
Ich denke die Kirchen haben immer noch genug Macht das zu verhindern. Die Kirchen verdienen gutes Geld mit Hospizen und Pflegeheimen und dürften keines mit Suiziden verdienen, aufgrund ihrer eigenen Regeln. Das Geschäft mit den Alten ist am boomen, das lassen sich die Kirchen nicht freiwillig nehmen..Ich hoffe allerdings, dass ich falsch liege und der selbstbestimmte Tod wird möglich werden.
Haben Sie schon einmal einen Heimplatz für einen Angehörigen gesucht? Wissen Sie wie lange die Wartelisten sind? Ich glaube wegen der Handvoll an möglichen zusätzlichen Suiziden macht sich die Kirche, zumindest aus finanzieller Sicht, keine Sorgen.

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derHamlet 16.04.2019, 21:17
28.

Zitat von Kalokagathos
Es geht hierbei um Definition der Werte einer Gesellschaft. Das kennen Sie evtl.: Wenn ein Kind Süßigkeiten haben will, muss es noch lange nicht (in dem Moment) gut sein (Das "Gute" muss aber definiert werden). Als Erwachsener positioniert man sich aus der Fürsorgepflicht heraus und hat in diesem Fall Argumente. In einer Familie gibt es einen Verhaltenskodex, Werte, Spielregeln, die meist informell beschlossen werden. Ähnlich ist es beim Staat! Er überlegt sich, welche Werte in einer Gesellschaft gelten sollen.
Guten Tag Kalokagathos,

Sie wollen als erwachsener, reifer Mensch vom Staat als unmündig und unreif behandelt werden?
Schon also Kind ist dies eine Zumutung, wenn Erwachsene so mit ihnen umgehen.

Wenn der Mensch nicht frei über seinen Körper, oder die Beendigung seines Lebens entscheiden darf ist er nicht im Besitz dessen, ergo existiert ein anderer Eigentümer, und es kann somit von Leibeigenschaft gesprochen werden.

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bba_inc 16.04.2019, 22:33
29. Zum Leben verdammt

Ja ich bin depressiv ja ich habe eine Herzschwäche und ja ich lebe.
Will ich leben nein ich habe mir das lange überlegt das Für und Wider abgewogen und bin dann zu der Entscheidung gelangt. Eigentlich sollte ich glücklich sein verdiene gut, habe einen fürsorglichen Arbeitgeber, habe soziale Kontakte und trotzdem ist für mich das Leben eine Qual.
Warum der Gedanke bzw. die Entscheidung, ich stehe außerhalb, ich kann Emotionen Beziehungen nicht verstehen und nur schwer erkennen. Soziale Kontakte habe ich in der Arbeit in der Familie sonst sehr wenige und die auch nur lose. Aber zum Mensch sein gehört es nunmal das man Beziehungen pflegen kann, das man die Emotionen von anderen lesen und deuten kann. Das man in der Gesellschaft steht und nicht nur von einer logischen Metaebene zuschaut. Man braucht auch intime Nähe, das alles kann ich nicht auch mit der Therapie ist es nicht besser, von daher würde ich die Sterbehilfe in Anspruch nehmen und so mein Leiden beenden denn auch nicht wirklich Teil des ganzen sein schmerzt jeden Tag,.

Sorry aber es hart ausgedrück wir werden nicht gefragt ob wir geboren werden wollen dann sollte man wenigstens uns in Würde sterben lassen. Gerne mit einen mehrstufigen System um Kurzschlussreaktionen auszuschließen und zu prüfen ob man es sich wirklich gut überlegt hat.

Liebe Richter Liebe Politiker versetzen sie sich in die Lage der Menschen die deswegen leiden da sie nicht in Würde und selbstbestimmt gehen können, verinnerlichen sie sich des Leids derer die sie zum Leben verdammen. Es macht sich keiner leicht zu sterben, der diesen Weg den sie versperren gehen möchte, die große Mehrheit derer hat wie ich hart mit der Entscheidung gerungen, sie mehr mals überdacht das für und wider abgewogen, Seien sie menschlich und ermöglichen sie ein humanes selbstbestimmtes Leben und Sterben. Bedenken Sie auch das Sie damit so manchen Menschen dazu bringen auf eine Art zu sterben die nicht unbeteiligte mit einbezieht.

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