Forum: Panorama
Christlicher Fundamentalismus: Kirche der Extreme

Sie hetzen gegen Juden, hängen ihren Jüngern schwere Holzkreuze um, glauben an Engel und Katzen-Dämonen - in den großen Kirchen finden viele Sektierer eine Heimat, deren Ideen mindestens genauso krude sind wie die der Piusbrüder. SPIEGEL ONLINE stellt die bizarren Lehren der Abweichler vor.

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Modalverb 05.02.2009, 14:58
30. Spiegel nähert sich BILD-Niveau

Zitat von Zappa_forever
[...] Jedoch will ich ungeachtet dessen gerne nachfragen – ohne Pappa Ratzi und seine obskuren Glaubensgenossen entschuldigen zu wollen – wieso ausgrechnet christliche Fanatiker die schlimmsten auf Erden sein sollten? Wieso wird von den Medien auf diese beherzt mit dem Finger gezeigt und mit Vokabeln wie "abweichlerisch" und "sektiererisch" belegt, die Auswüchse der Anhänger anderer Religionen aber gerne unter Folklore abgetan, obwohl diese (mitunter auch in Deutschland) dasselbe tun [...]
Ich sehe auch ein gewisses Agenda-Setting in Bezug auf christlichen "Fundamentalismus" - und vor allem eine zunehmende Niveaulosigkeit in der Berichterstattung.

Ich bin selbst Geisteswissenschaftler, Skeptiker und humanistisch geprägt, aber vielleicht gerade deshalb macht mir diese aktuelle beinahe-Hetze auf religiöse Menschen auch so Angst:
Wer anfängt, eine Abnormalität (und das ist immer die Implikation von stigmatisierenden Worten wie sektiererisch usw.)
bei anderen zu diagnostizieren schafft im Gegenzug eine neue Normativität, welche der beste Nährboden für einen Totalitarismus darstellt.

Sicherlich gibt es viele krude Glaubenspraktiken esoterischer, islamischer oder sonstiger pseudowissenschaftlicher Natur, da stimme ich mit meinem Vorposter überein. Wenn jedoch Medien anfangen, Kampagnen gegen (Rand-)Gruppierungen zu fahren, dann sollte die pluralistische Mitte aufschrecken - Wehret den Anfängen!



P.s: und auch handwerklich ist der Artikel schlecht gemacht, Gruppierungen die nie ein Rolle spielten werden aufgeführt während wesentliche ausgelassen werden, abrupte Aneinanderreihungen verzerren die Komplexität, die willkürliche Fassung der Positionen unter dem Lemma "Christentum" ist Programmatik.

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Sloopy 05.02.2009, 15:00
31. Idee

Zitat von Ulliha
Ich empfehle den Test: Mal eine Zeit zu Allah beten, dann eine Woche zu Jesus, dann eine Woche zu Maria, dann Buddha - schauen, was wirklich passiert - ist erstaunlich!
Sehr kreativ. Ich habe übrigens letzte Woche mal einen Tag auf einen Gehaltseingang von McDonalds, einen Tag auf einen von Siemens, einen Tag auf einen von Porsche und einen Tag auf einen von Nokia gewartet, und was kam? Nichts! Daher weiß ich nun, dass diese Firmen schonmal gar nix taugen und offenbar auch finanzielle Schwierigkeiten haben.

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Eleasar 05.02.2009, 15:00
32. Nervenraubende Angelegenheit, die immer wieder gekaut und hochgeschaukelt wird

Warum lässt man diese kleinen christlichen Kreise nicht einfach in Ruhe?
Ich kann absolut nicht nachvollziehen, dass sich ständig irgendwelche Leute daran aufhängen müssen.
Keinem der hier beschriebenen "Sekten" gehöre ich an, trotzdem empfinde ich diese ewige Hetzerei abartig. Und das war auch ein Grund, weshalb ich Spiegel nicht länger nach Hause geliefert bekommen wollte. Derlei Geplärr darf man sich sowieso überall genug anhören.

Und mal so eine Randbemerkung:
dass diese gegen Juden hetzen, kann, wie so vieles, nicht derartig pauschal in Propagandaart proklamiert werden.
Sowieso dürfte hier niemand das Recht haben, dass so etwas geschrieben wird. Denn eine verurteilende Einstellung wird es auch dem frommen Judentum gegenüber geben (welches auch an Engel glaubt).

Wahrscheinlich nennt sich Hetze und Propaganda hier, wie überall, seriös, wissenschaftlich, objektiv und tolerant.

Meinetwegen soll jeder Religion kritisieren dürfen und auch Stellungnahme dagegen beziehen - aber nicht immer nach Manier dieser Medienschlacht.

Das nervt mich so sehr, dass ich mich schon aus diesem Grund einer "fanatischen" Christengemeinde anschließen könnte.

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wifgas 05.02.2009, 15:01
33. Was ist Bibel etc. eigentlich ?

Zitat von Solipsist
Man muss unterscheiden zwischen solchen Vereinigungen, die sich den christlichen Glauben (so schwammig dieser Begriff auch sein mag) so zurecht biegen, dass er für ihre davon unabhängige Ideologie passt, und zwischen denen, die ihre Ideologie abhängig machen von den "..... .
Also Sie meinen, die einen biegen sich da was zurecht, und die anderen halten sich (treu) an die Vorlagen, ist das der Punkt, den Sie ansprechen ?

Es sollte klar sein, dass jeder (!) Mensch die Welt auf seine persönliche Art und Weise erfasst. So gesehen kann es keine objektiven Kriterien zu biblischen Richtlinien geben, und jeder Mensch ist frei, alles so zu interpretieren, wie es ihm eben in den Sinn kommt. Falls Ihnen das nicht nachvollziehbar erscheint, denken Sie doch an den Umstand, dass es im Grunde genommen nur EINE Bibel gibt, aber hunderte oder tausende "formgebundene" Kirchen, Gemeinden, Sekten, Gruppen oder sonstige Denk-Kollektive. Und selbst innerhalb dieser Kollektive gibt es sehr individuelle Auslegungen, und letztlich denken nicht einmal zwei Leute dasselbe. Wenn Leute trotzdem sich an einer Art "Hausordnung" halten, ist das keine sehr kreative Haltung, sondern ein Nachplappern, das niemanden weiterbringt.

Es hilft auch nichts, sich auf den ersten in der Zivilisation kursierenden Bibeltext zu berufen, denn schon der ist eine Interpretation - und keine objektive Offenbarung.

Das könnte man noch etwas vertiefen, unter Berücksichtigung der Aspekte des SOLIPSISMUS, Herr Solipsist :-)

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dIAGONAL 05.02.2009, 15:02
34. Kirche

Was soll also geschehen? Alle ausschliessen, die verrückt spielen? Das wäre wohl das Gegenteil von Freiheit, für die ja auch gerade der Spiegel eintritt und hätte einen damit Geruch von Fundamentalismus. Die marginalen Kräfte aber als typisch hervorzuheben hat zwar Unterhaltungswert, ist aber ein "pars pro toto" Setzen und entspricht nicht Ihrem Niveau.

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FritzeWillem 05.02.2009, 15:04
35. Egozentrisch

Der sog. christliche Fundamentalismus ist eher ein theologisches Problem. Solange keiner der Protagonisten mit einem Bombengürtel durch die Gegend läuft - wie die fanatischen Vertreter einer anderen Weltreligion - oder Zwang auf Menschen ausgeübt wird, sollte die Gesellschaft gelassen bleiben.

Die Kirchen sind ohnehin - wie die Politik - Welten von den wirklichen Problemen der Menschen entfernt und drehen sich in ihren theologischen Lehrsätzen in erster Linie um sich selbst.

Religion ist Privatsache. Das sollte in diesem Staat Maxime bleiben. Dies muß selbstverständlich auch für den Islam gelten, dessen Vertreter die Einmischung in wichtige Lebensbereiche (Schule, Ehe, Rechtsordnung) immer weiter betreiben.

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Modalverb 05.02.2009, 15:12
36. Die unerkannten Fanatiker sind das Problem, ob religiös oder nicht...

Zitat von Subtuppel
Es ist erschreckend, dass es so etwas heutzutage noch gibt. Werden solche Gruppierungen eigentlich auch vom Verfassungsschutz überwacht?
Meinen Sie jetzt sich selbst?
Zitat von
In jedem Fall wird es allmählich Zeit, dass öffentliche Zurschaustellung von Religion konsequent verboten und Missionierungsversuche jedweder Art unter schwere Strafen gestellt werden. Dass eben diese eigentlich schon einen Fall der (versuchten) Nötigung darstellen, interessiert ja niemanden.
Könnten Sie bitte die Grenze von Religion definieren? Meinen sie Systeme, die nicht falsifizierbar sind?

Und wenn ja: wieviel Prozent der Religionsangehörigen ist ihrer Meinung in Ihrer Religionsausübung nicht einer ständigen Evolution der Abwägungen unterworfen[Gruppe A], und wie groß ist die Anzahl der Dogmatiker unter Religionsanhängern[Gruppe B]?

Jetzt nehmen sie die gleiche Abwägung (A vs B) bei der "Restgesellschaft" vor und stellen die Ergebnisse gegenüber: sehen Sie signifikante Abweichungen (Sie selbst gehören ja auch zu Gruppe B)?

Ich glaube es ist vielmehr eine Frage der Bildung denn der Religionszugehörigkeit, ob Überzeugungen dogmatisch bzw. objektivistisch vertreten werden oder einem Prozess der Evaluierung und Rationalisbarkeit unterliegen.

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1mr 05.02.2009, 15:14
37. Qualifikation für öffentliche Ämter

Zitat von Arion's Voice
Verzicht auf christliche Parteien, bzw. wer öffentliche Ämter bekleidet, muss über-religiös sein, d.h. nicht einer einzelnen Gruppierung angehören. Da wär ich dabei. Was hält die Volxkanzlerin davon?
Genau! Und er darf auch nicht Mitglied einer Gewerkschaft sein, nicht der freiwilligen Feuerwehr und auch nicht eines Sportvereins - FC St Pauli vielleicht ausgenommen ;-)

Wo haben Sie eigentlich Ihr Demokratieverständnis her?

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PML 05.02.2009, 15:26
38. Zwischenstand

Dann lassen Sie uns doch mal alle den Stand der Dinge festhalten:

- Es gibt keine Objektivität. Jeder hat zwangsläufig ein Weltbild.

- Wir leben in einer ökonomischen Krisensituation (Paradigmen-Wechsel?). In ökonomischen Krisensituationen besteht eine Gefahr, dass Sündenböcke gesucht, formuliert und gefunden werden.


Ich denke, sowohl Islam also auch Christentum sind fanatisch genug, dem Vorwurf / Verdacht des "Sektierertums" (Sicher, wertendes Labeling) im Zweifel auch militant zu begegnen.

Man sollte nicht die Geschichte dieser "Religionen" vergessen, wenn man sie - nachdem Kritik geäußert wird - bereits als Opfer darstellt - oder ihnen die eingenommene Opferrolle zubilligt.

Bisher haben immer noch Muslims Schwule erhangen, Christen "Hexen" verbrannt, Abtreibungsärzte erschossen, psychologischen Gruppendruck auf gewähnte Abweichler ausgeübt. CHRISTEN haben Adolf Hitler GEWÄHLT (Zentrumspartei -> Franz von Papen -> 1946 in allen Anklagepunkten freigesprochen, 1969 verstorben).

Vorsicht also bitte!

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Solipsist 05.02.2009, 15:29
39. Antwort auf Beitrag

Zitat von wifgas
Also Sie meinen, die einen biegen sich da was zurecht, und die anderen halten sich (treu) an die Vorlagen, ist das der Punkt, den Sie ansprechen ? Es sollte klar sein, dass jeder (!) Mensch die Welt auf seine persönliche Art und Weise erfasst. So gesehen kann es keine objektiven.....
Es gibt einen Unterschied zwischen den beiden Gruppierungen. Die erste sind Anhänger des Christentums oder anderer Strömungen, um diese nach ihrer Ideologie anzupassen.
Die zweiten sind Anhänger, die im Grunde die Eckpunkte dieser Strömung übernehmen, bzw. sie ohnehin akzeptieren. Was nicht heißt, dass jeder das selbe glaubt oder dem selben Folgt, sondern nur, dass es eine gemeinsame Grundbasis gibt.

Es ist doch so, dass die echten Theologen, von denen ich spreche, sich auf die geschichtliche Tradition des Christentums beziehen, die ihre Ursprünge in antiker Philosophie hat (genauer Neuplatonismus). Hier geht es nicht darum einfach Dinge zu behaupten, bzw. aus der Bibel das herauszugreifen was einem gerade passt, sondern sich rational mit bestimmten Problemen auseinanderzusetzen.

Es wird gern übersehen, dass schon im hohen Mittelalter eine Diskussion auf hohem Niveau unter Berücksichtigung der Logik und des Glaubens geführt wurde, wie weit zum Beispiel die göttliche Allmacht reicht.
Schon damals war diesen philosophisch geprägten Theologen (die übrigens sehr einflussreich waren, auch auf das Papsttum) der einheitlichen Meinung, dass Gott nicht straft.
Deshalb sind Theologen, die den Hurrikan Kathrina als Strafe Gottes ansehen, ganz einfach schlechte Theologen, weil diese These mit einfachen rationalen Mitteln (natürlich bei der Prämisse eines omnipotenten christlichen Gottes) widerlegt werden kann.

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