Forum: Panorama
Christlicher Fundamentalismus: Kirche der Extreme

Sie hetzen gegen Juden, hängen ihren Jüngern schwere Holzkreuze um, glauben an Engel und Katzen-Dämonen - in den großen Kirchen finden viele Sektierer eine Heimat, deren Ideen mindestens genauso krude sind wie die der Piusbrüder. SPIEGEL ONLINE stellt die bizarren Lehren der Abweichler vor.

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Eleasar 05.02.2009, 15:34
40. Alles Interpretationssache

Zitat von wifgas
Also Sie meinen, die einen biegen sich da was zurecht, und die anderen halten sich (treu) an die Vorlagen, ist das der Punkt, den Sie ansprechen ? Es sollte klar sein, dass jeder (!) Mensch die Welt auf seine persönliche Art und Weise erfasst. So gesehen kann es keine objektiven Kriterien zu biblischen Richtlinien geben, und jeder Mensch ist frei, alles so zu interpretieren, wie es ihm eben in den Sinn kommt.

Ich möchte zwar nicht von allgemeiner und totaler Einheitlichkeit in Lehre, Leben, Denken sprechen, aber gewisse Richtlinien gibt es ganz sicher.
Vielleicht sollten Sie einmal solche Aussagen in den Deutschunterricht einbringen oder ins Studium oder in die Juristerei oder wo Sie wollen. Letztendlich ist dieses alberne Konzept des Ausspruchs, es wäre doch alles Interpretationssache und dem jeweiligen Betrachter gänzlich selbst überlassen, reiner Unfug und wird in unbegrenztem Umfang gerne auf alles übertragen, was zum Bereich des Glaubens und der Religion gehört.

Da wird beispielsweise Pornographie als gottgewollt deklariert, da wird gesagt... was auch immer, meist wird Grundlegendes des Glaubens mutwillig - ! - "uminterpretiert", da wird gestrichen, für veraltet erklärt usw.
Aber es ist ja alles Interpretationssache.

Das zieht nicht.

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Modalverb 05.02.2009, 15:43
41. Nur Charakterschwache halten den Diskurs nicht aus...

Zitat von Arion's Voice
Verzicht auf christliche Parteien, bzw. wer öffentliche Ämter bekleidet, muss über-religiös sein,
"über-religiös" hört sich ja spannend an: heißt das also, dass betreffende Amtsperson extrem religiös sein muss?
Zitat von
d.h. nicht einer einzelnen Gruppierung angehören.
sondern die Sinnfrage tabuisiert nur der eigenen Sozialisation ausgeliefert....
Zitat von
Da wär ich dabei.
das glaub ich...
Ich kann mir nicht helfen, aber Kommentare, die ernsthaft eine "weltanschauliche Neutralität" von irgendwem fordern oder Leute, die sich "nicht religiös" nennen kann ich nur bedingt erst nehmen. Soziologisch lässt sich das erklären, Bildungsmangel, Nähe zur Ex-DDR-Strukturen oder adolseszenzbedingtes Oppositionsverhalten (das manchmal ein ganzes Leben währen kann) kann ein Auslöser für diese Postulat sein.

Dass ein ganzes Land wie z.B. Frankreich tatsächlich diesen Sprachgebrauch in bewusster Vernachlässigung der einfachsten empirischen Befunde zur Sinnkonstruktion beim Menschen beibehält lässt sich eben wieder mit der dort herrschenden Kultur erklären. Die ist im Punkt des Laizismus extrem festgefahren und auch nicht diskursiv operationalisierbar. Und dies ist und war doch schon immer das Gattungskriterium von Religion, oder? Der Zirkel schlägt erbarmungslos zu...

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80alina83 05.02.2009, 15:47
42. opus dei

Zitat von Modalverb
Ich sehe auch ein gewisses Agenda-Setting in Bezug auf christlichen "Fundamentalismus" - und vor allem eine zunehmende Niveaulosigkeit in der Berichterstattung. Ich bin selbst Geisteswissenschaftler, Skeptiker und humanistisch geprägt, aber vielleicht gerade deshalb macht mir diese aktuelle ....
Die wesentliche Gruppierung ist Opus Dei,vom Spiegel erwähnt,eine Gruppierung,die man schon aus der neueren spanischen Geschichte kennt und die,leider,in Rom wesentlichen Einfluss ausübt.Zwischen den Piusbrüdern und dem Opus Dei gibt es nur marginale Unterschiede.Ich würde mich auch nicht wundern,wenn diese Gruppierung bei den """ Missverständnissenn "" in der Kurie entscheident mitgewirkt hätte,zum Schaden Benedikts !

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Modalverb 05.02.2009, 15:50
43. nachtrag @Arions Voice

Zitat von Arion's Voice
Missverstanden. Natürlich können alle Privatpersonen christlich sein, natürlich kann jeder Christ sich politisch interessieren.
Ich sehe gerade dieses Posting hier, und erkenne eine gewisse Relativierung in Bezug auf Ihr Posting, welche ich gerade kommtiert habe und welches die Änderung des GG affirmierte.

Zitat von
Das heißt, religiöse Organisationen bestehen weiterhin, üben auch politischen Einfluss auf die Volksvertreter aus, aber die Volksvertreter selbst sollten meiner Meinung nach "über-religiös" sein.
Was auch immer _das_ heißt, siehe meinen Post vorhin...


Zitat von
Religionsfreiheit propagieren, dann aber Kreuze in der Schule aufhängen, das ist nicht wirklich konsequent.
Ja, stimmt. Das hat aber nichts damit zu tun, dass die Beamten vorne am Pult mitglied bei wem auch immer sein können, und nebenher ihr Zertifikat als Derwisch-Priester erwerben dürfen.

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hansmaus 05.02.2009, 15:52
44. oh man immer nur raus schmeißen

Was mir im Artikel wieder mal auffällt ist diese "Meinungsdiktatur" wie sie ja auch im politischen Leben vorgelebt wird:
wer nicht auf Linie ist rausschmeißen!
Dier Spiegelartikel enthält ein paar mal den "Vorwurf" das bestimmte Gruppierungen nicht raus geworfen werden.
Sicher in der modernen "Demokratie" hat man es sich zu eigen gemacht unlibesame Personen einfach raus zu schmeißen oder Meinungen schlicht per Gesetz zu verbieten aber so billig und simpel gestrickt ist die Kirche nicht!
Sie weiß genau wenn sie den Weg der deutschen "Demokratie" einschlagen und jeden ausschließen der nicht auf "linie" ist dann werden sie wie die deutsche Gesellschaft:
bliebig, austauschbar, ohne Meinung ohne Profil.
Das will niemand in der Kriche und sollte die Kirche mal wirklich so angepasst und aalglatt werden wie es unsere Politiker dank des ständigen raus schmießens unlibsamer geworden ist dann wird es Zeit aus zu treten.
Ich hab lieber 100 Williamsons in der Kirche die verbotene Meinungen verbreiten (auch wenn ich sie nicht teilen kann) als auch nur 10 weichgespülte Westerwelles oder Merkels bei denen es egal ist was sie reden da sie so und so nichts sagen dürfen

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con anima 05.02.2009, 15:54
45. Genormtes Denken erwünscht?

Zitat von Arion's Voice
....., aber die Volksvertreter selbst sollten meiner Meinung nach "über-religiös" sein... .
Die Volksvertreter sollen das Volk repräsentieren.
Und das ist weltanschaulich gemischt und nicht "über-was auch immer".
Wozu wären sonst Parteien da.

Zurück zum Artikel: "Christlicher Fundamentalismus: Kirche der Extreme":
Übelste Stimmungsmache gegen, zahlenmäßig überhaupt nicht ins Gewicht fallende, Menschen, die eine ihnen gemäße Lebensform gefunden haben, wie schrullig diese auch sein mag.

Intolerantes Randgruppen-Bashing scheint salonfähig zu werden. Schöne Aussichten.

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Chinasky 05.02.2009, 16:01
46. Das...

Zitat von depth42
Worin besteht für einen Wahrheitssuchenden der Unterschied zwischen einem "kruden" Glauben, wie im Artikel genannt, und einem landläufigen Glauben daran, dass es ein übernatürliches Wesen gibt, das die Welt erschaffen hat, Sünden vergibt, Wunder wirkt und einem bei seinem Leben nach dem Tode Gesellschaft leistet?
... war auch mein erster Gedanke. Es ist immer witzig, wenn sich Leute über Aberglauben aufregen, aber ernsthaft daran glauben, daß ein vor 2000 Jahren durch die palästinensische Wüste streifender Weinpanscher, dessen Fleisch man heute inform von Oblaten essen kann, durch seinen damaligen Foltertod sich selbst in Form seines Vaters dazu bringen könne, den Menschen zu vergeben, die aufgrund erbbarer Schuld nicht einhaltbare Vorschriften nicht einhalten, um sie nicht in die Hölle verbannen zu müssen.

Wer an Figuren glaubt, die über das Wasser gehen, Geisteskrankheiten von Menschen auf Schweine umleiten, auf wundersame Weise Fische und Brote vermehren... Wer an einen Gott glaubt, der inform von Feuersäulen oder brennenden Büschen sich an die Leute wendet, dessen Mandatsträger Moses einen Stock in eine Schlange verwandelt usw. usf - wer an all diesen Hokuspokus ernsthaft glaubt, der macht sich lächerlich, andere als abergläubisch zu diskreditieren, nur weil sie von Katzendämonen und ähnlichem Humbug besessen sind.

Nur ist der Splitter im Auge des anderen halt auffälliger als der Balken im eigenen.

Der Wahn besteht darin, nicht alle Arten des Aberglaubens gleich zu behandeln. Aber hierzulande ist dieser Wahn durch Konkordate staatlich festgezurrt und abgesichert, absurdeste Vorstellungen werden gesellschaftlich statt verlacht als "wertvoll" geachtet. Das Projekt der Aufklärung steckt immer noch in den Kinderschuhen fest.

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Mort 05.02.2009, 16:06
47. Aufklärung hat in der katholischen Kirche nichts verloren?

Zitat von Deadliner
Die Argumentation z.B. der Pius-Bruderschaft ist durchaus schlüssig, dass der christliche Glaube nichts ist, was man an an den Zeitgeist anpasst, was "modernisiert" werden könnte.
Kommt drauf an, was man alles dazu zählt.
Nimmt man die Kernaussagen (liebendes, vergebendes höheres Wesen, Nächstenliebe, ...) mag das durchaus zutreffen. Allerdings halten sich ja gerade radikale "Christen" am wenigsten an diese Paradigmen (Gott vergibt nur den "wahren" Gläubigen, und statt Nächstenliebe gibt's Diskriminierung).
Nimmt man noch so einiges anderes aus der Bibel hinzu, wie z.B. die Thora-Auszüge im AT oder Paulus' Propaganda, gäbe es in Deutschland vermutlich weniger Christen als Moslems. Und selbst da gibt es viele, die nicht alles im Koran so eng sehen wie es geschrieben steht...

Zitat von
Der Vatikan beweist allerdings ein geschicktes Händchen, durchaus so zu tun, als wäre es so, damit ihm die Schäfchen nicht davoneilen. (Z.B. 2. Vatikanisches Konzil)
Tja, manchmal kann sich sogar in Religionen der Verstand gegen die Tradition durchsetzen.

Zitat von
Gemäß Bibel sind Juden im Unrecht, also steht auch dazu.
Hä? Warum? Das AT ist komplett jüdischen Ursprungs (von ein paar sinnentstellenden Kürzungen und Übersetzungsfehlern abgesehen), und im NT geht es hauptsächlich um einen Juden (vermutlich sogar Rabbi), der sich für mehr Toleranz eingesetzt hat. Wenn "Juden" im Unrecht sind, ist es auch Jesus, ergo auch seine Anhänger...

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1mr 05.02.2009, 16:12
48. Randgruppen-Bashing

Zitat von con anima
(...) Intolerantes Randgruppen-Bashing scheint salonfähig zu werden. Schöne Aussichten.
Stimmt - es muss sich aber um eine christliche Randgruppe handeln. Bei anderen Religionen wäre es nicht politisch korrekt.

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Zephira 05.02.2009, 16:17
49. Wo die Grenze ziehen?

Zitat von FritzeWillem
Solange keiner der Protagonisten mit einem Bombengürtel durch die Gegend läuft - wie die fanatischen Vertreter einer anderen Weltreligion - oder Zwang auf Menschen ausgeübt wird, sollte die Gesellschaft gelassen bleiben.
Die einzige Form von Terror, Propaganda und Gewalt, gegen die Sie Maßnahmen sehen wollen, sind also Bombenanschläge. Das klingt zwar erst einmal schön entspannt und tolerant, ist aber meiner Meinung nach zu kurz gedacht.

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