Forum: Panorama
Cybergrooming: Der Versuch des Versuchs des Kindesmissbrauchs
Getty Images / Johner RF

Bundesregierung und Bundesrat wollen die Strafbarkeitsgrenze beim sogenannten "Cybergrooming" nach vorn verschieben. Wird dadurch der Schutz verbessert?

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martindeeg 10.10.2019, 14:17
1. Der Bürger wird für dumm verkauft....

Derarte Vorverlagerung von Strafbarkeit wird vor allem aus der rechtskonservativen Ecke betrieben. Nicht aus Gründen von Opferschutz, Generalprävention oder anderen Worthülsen - sondern um praktisch nach Belieben und ohne Vorliegen strafbarer Handlungen gegen Menschen vorgehen zu können und dem unbedarften Ordnungsliebhaber und Wähler Aktivität vorzutäuschen. Das "Gefährder"-Etikett, die "drohende Gefahr" etc. und was die CSU-Justiz in Bayern damit treibt, ist ein Beispiel für diesen sinnlosen und bürgerfeindlichen Popanz, der immer mehr um sich greift.

Gleichzeitig ist die Justiz derart "überfordert", dass sie Jahre braucht, um tatsächliche Kriminelle und Gefährder vor Gericht zu bringen, von Generalprävention ganz zu schweigen:

https://www.infranken.de/regional/bamberg/fast-zwei-jahre-nach-anklage-neonazi-prozess-in-bamberg-soll-nun-im-herbst-beginnen;art212,3495837

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Olaf 10.10.2019, 16:08
2. Emotionale Justiz

Das Vorhaben hat natürlich eine stark emotionale Komponente. Wer kann schon gegen verbesserten Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch sein? Bin ich natürlich auch nicht.

Der Vergleich mit einem Polizeibeamten der verdeckt Drogen anbietet, um dann Kunden zu verhaften ist nicht so abwegig. Da ist die Moral dann schon nicht mehr so klar

Ehrlich gesagt, weiß ich selber noch nicht so genau was ich davon halten soll. Auf der einen Seite dieser Aktionismus, auf der anderen Seite eine überlastete Justiz, die leichte Fälle schon gar nicht mehr verfolgt.
https://www.tagesspiegel.de/politik/.../24530786.html
Offensichtlich sind neue Gesetze billiger als neues Personal. Obwohl man letzteres natürlich auch braucht, denn ohne Polizisten und Staatsanwälte keine Ermittlungen und Verurteilungen für Cybergrooming.

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muellerthomas 10.10.2019, 16:25
3.

"Darüber hinaus kann man die Frage stellen, ob das Rechtsgut "sexuelle Selbstbestimmung", in der hier gegebenen Konstellation, überhaupt eine solch weite Vorverlagerung des Strafrechts - mit den damit verbundenen Ermittlungsbefugnissen! - rechtfertigt"

Aber wer denkt denn an die Kinder? (Helen Lovejoy)

Das ist doch letztlch der Punkt, der in den Augen einiger Leute praktisch alles rechtfertigt.

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Thomas Magnum 10.10.2019, 16:38
4. Na dann

Na dann wüßte ich gerne, wie der Brazilian bei einer 12-Jährigen geahndet wird.

Diese Art von moralisierender Gesetzgebung, die Pubertierende mit Kleinkindern gleichsetzt und ihnen jegliche Sexualität abspricht, ist hirnrissig und schadet bereits jetzt mehr, als sie nutzt.

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heissSPOrN 10.10.2019, 16:40
5.

Ist es nicht so, dass die Strafverfolgungsbehörden schon mehr als genug mit den vollendeten Taten zu tun haben? Wäre es nicht sinnvoller, erst dann neue Straftatbestände zu konstruieren, wenn die bereits existenten auch tatsächlich aufgeklärt und abgeurteilt werden können - bzw. es weinigstens versucht (!) würde? Und erst dann, wenn es nicht mehr zu massenhaften Verfahrenseinstellungen wegen Überlastung, gern dann "mangelndes öffentliches Interesse" genannt, von bereits bestehenden Straftatbeständen kommt? Bzw. für jeden neuen Straftatbestand müsste dann ein alter gestrichen werden - sozusagen "aufkommensneutral"?

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3mma 10.10.2019, 16:48
6. Uninformiert und beleidigend

Dieser Artikel ist ein Schlag ins Gesicht. Eine sachliche Auseinandersetzung mit der Gesetzeslage hätte ich interessant gefunden.

Aber hier schreibt jemand, der anscheinend wenig recherchiert hat, was Missbrauch von Minderjährigen bedeutet, was Grooming in diesem Zusammenhang bedeutet undundund.

Der Autor scheint auch nicht zu wissen, wie junge Menschen das Internet benutzen (erinnert mich an die Artikel "alteingesessener" Medien über YouTube-Kiddies. Ich finde die auch nicht toll, verstehe aber zumindest das Prinzip) Ich fasse es nicht, das dann auch noch mit Begriffen wie "frühreif" gearbeitet wird.

Es geht beim Grooming eben nicht um Jugendliche, die sich gegenseitig sexy Bilder zusenden, sondern um Erwachsene, die sich das Vertrauen von - oft einsamen - Kindern erschleichen und sich dann zu denen einen wichsen. Und mehr. Und das oft über einen langen Zeitraum.

Wenn man sich mit dem Thema wissenschaftlich befasst, z. B. Studien dazu liest, erkennt man das auch.

Der Autor hat sich stattdessen dazu entschieden, den Sachverhalt (und damit indirekt die Opfer) zu verhöhnen, sowie falsche Informationen zu verbreiten, die weiter zur Stigmatisierung von Opfern sexuellen Missbrauchs beitragen. Gratulation dazu.

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felisconcolor 10.10.2019, 17:05
7. Genau solch einen post

Zitat von 3mma
Dieser Artikel ist ein Schlag ins Gesicht. Eine sachliche Auseinandersetzung mit der Gesetzeslage hätte ich interessant gefunden. Aber hier schreibt jemand, der anscheinend wenig recherchiert hat, was Missbrauch von Minderjährigen bedeutet, was Grooming in diesem Zusammenhang bedeutet undundund. Der Autor scheint auch nicht zu wissen, wie junge Menschen das Internet benutzen (erinnert mich an die Artikel "alteingesessener" Medien über YouTube-Kiddies. Ich finde die auch nicht toll, verstehe aber zumindest das Prinzip) Ich fasse es nicht, das dann auch noch mit Begriffen wie "frühreif" gearbeitet wird. Es geht beim Grooming eben nicht um Jugendliche, die sich gegenseitig sexy Bilder zusenden, sondern um Erwachsene, die sich das Vertrauen von - oft einsamen - Kindern erschleichen und sich dann zu denen einen wichsen. Und mehr. Und das oft über einen langen Zeitraum. Wenn man sich mit dem Thema wissenschaftlich befasst, z. B. Studien dazu liest, erkennt man das auch. Der Autor hat sich stattdessen dazu entschieden, den Sachverhalt (und damit indirekt die Opfer) zu verhöhnen, sowie falsche Informationen zu verbreiten, die weiter zur Stigmatisierung von Opfern sexuellen Missbrauchs beitragen. Gratulation dazu.
habe ich erwartet. Im übrigen greift dieser Vorschlag auch schon bei Jugendlichen, sie sind wohl bei den Zahlenspielereien etwas durcheinander gekommen. Kann ja mal passieren. Wenn man nur auf Menschen wie sie hört passiert sowas wie in den USA wo ein 7 jähriger festgenommen wird weil er zu doll am Busen seiner Kindergärtnerin gekuschelt hat.

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muellerthomas 10.10.2019, 17:10
8.

Zitat von 3mma
Der Autor scheint auch nicht zu wissen, wie junge Menschen das Internet benutzen Der Autor hat sich stattdessen dazu entschieden, den Sachverhalt (und damit indirekt die Opfer) zu verhöhnen,
Naja, eben so, dass die aller-allermeisten Kinder erkennen, wenn da etwas nicht stimmt.

Also vertreten Sie min. eine der beiden Ansichten: Es gibt kaum schlimmere Verbrechen als Cybergrooming und/oder man sollte bereits den Versuch des Versuchs eines Verbrechens bestrafen? Oder aber reicht es aus, dass es um Kinder geht, damit jedes Maß und jede Rationalität verloren geht?

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egonv 10.10.2019, 17:12
9.

Hat was gruseliges. Mehr Überwachungsstaat mit mehr Befugnissen der Ermittlungsbehörden. Wenn man genau hinschaut wird hier ein vermuteter Gedanke, der keine Ausführung nach sich zog bestraft. Die Gedanken sind eben wohl nicht mehr frei. Sie können sogar bestraft werden, ohne dass sie existieren.
Mal ehrlich, wir müssen als Gesellschaft dringend mal diese gesamte Thematik Kinder - Jugendlich - Sexualität - Missbrauch (!!!) - Internet neu denken.
Ich kann nur erneut, wie mehrmals hier im Forum, plädieren: Wir müssen reale Taten, wie die auf diesem Campingplatz verhindern oder zumindest frühzeitig aufklären, bevor 100 Kinder Opfer geworden sind. Das passiert in den Familien und dem realen Umfeld der Kinder und auch Jugendlichen. Irgendwelche Typen, die online 12 Jährige anbaggern, Entschuldigung, sind unser geringstes Problem. Nur weil hier das Wort Kind fällt sind alle sofort dabei hier durchgreifen zu wollen. Man muss dazu eben nicht die heilige Familie anfassen, deswegen kann man viel machen (ohne wirklich den Kern des Problems Missbrauch zu erreichen) und sich dann schmücken.
Kein Kind wird in einem Chat missbraucht! Das passiert real! Selbst wenn ein Perverser sich mit einem Minderjährigen treffen will, ist das viel abwegiger als das alte Beispiel von einem Pfarrer, Jugendleiter oder Onkel zuhause. Aber an letzteres traut sich keiner ran, lieber online alles verschärfen.

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