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Debatte über schwarzen James Bond: Sag niemals nie

In "Spectre" ist Daniel Craig noch als James Bond zu sehen, doch Idris Elba wird seit Jahren als Nachfolger gehandelt. Manche träumen schon vom schwarzen 007, andere halten an der Tradition fest. Der Überblick.

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Olaf 27.10.2015, 14:59
70. Schuldig bei Verdacht

Zitat von petrapanther
Tatsache ist, es gibt Rassisten auf der Welt. Und diese lehnen allesamt einen schwarzen Bond ab, weil sie (per definitionem) Schwarze nicht mögen. Die Frage ist, wie grenzen Sie sich von diesen Leuten ab? Dafür brauchen Sie ein überzeugendes Argument, warum der nächste Bond nicht schwarz sein sollte. Ein solches Argument konnte hier noch niemand präsentieren. Und wer ohne Argumente einen schwarzen Bond ablehnt, dem fällt die oben beschriebene Abgrenzung sehr schwer.
Sie klagen also jeden der gegen einen schwarzen Bond ist des Rassismus an, der muss dann seine Unschuld beweisen und Sie sind nicht nur Anklägerin sondern auch die Richterin über dessen Argumente?

Irgendwie kommt mir das nicht so ganz fair vor, obwohl ich von dem System schon gehört habe.

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smersh 27.10.2015, 15:52
71.

Zitat von petrapanther
Der moderne Bond ist eine Figur des 21. Jahrhunderts - das Empire liegt nun doch schon eine ganze Weile zurück. Und dazwischen lag noch der kalte Krieg (der in den Bond-Filmen natürlich ad nauseam thematisiert wurde). Daniel Craigs Bond ist sicher kein Repräsentant des rassistischen britischen Empires, eher ein zynischer, egomanischer Aussenseiter. Die Hautfarbe ist, denke ich, belanglos.
Ich sehe die Sehnsucht nach dem Goldenen Zeitalter des Britischen Empires durchaus noch als aktuell an, und sein Sterben ist ein langsamer Prozess. Bond entstand, als das gerade erst losgegangen war - England hatte zwar den Zweiten Weltkrieg mitgewonnen, aber es wurde auch schnell klar, dass man nunmehr nur noch die zweite Geige neben den beiden neuen Supermächten spielen würde. Es dauerte aber Jahrzehnte, in denen der Kolonienbestand allmählich wegbröckelte.

Ich will mir nicht einbilden, als Außenstehender wirklich tief in die britische Psyche eindringen zu können. Ein Zweig meiner Verwandtschaft stammt aber von dort, mit gewisser militärischer Familientradition. Und da geht das bei Familientreffen noch rauf und runter mit solchen Geschichten, von Einsätzen in Afghanistan, im Irak, Nordirland, Pakistan, hier und da in Afrika, von den 50ern bis heute, immer war England irgendwo, aber es wurde weniger und weniger...

Parallel dazu sehe ich im größeren Maßstab dann das Verhalten Englands allgemein: das Festhalten an der vergleichsweise kläglichen Atombewaffnung, das patriotische Tam-Tam (z.B. Falkland-Krieg, oder der Prinz als Kampfpilot), die ausufernde Weltüberwachung des GCHQ. Und dann der Craig-Bond mit der Queen bei der Olympiade.

Ich glaube, England würde durchaus noch gerne der große imperiale Global Player sein. Und Bond ist eine Gallionsfigur dieser Sentimentalität.

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