Forum: Panorama
Der Papst in Großbritannien: Benedikt auf schwerer Mission

Der Besuch in Großbritannien ist eine Gratwanderung für Benedikt XVI: Auf jedes Wort, auf jede Geste kommt es an. Zu tief ist der Graben zwischen Katholiken und Anglikanern. Die Bilanz des ersten Tages ist zwiespältig. Der Inhalt stimmte, doch beim Vortrag haperte es gewaltig.

Seite 3 von 37
Physicker 17.09.2010, 09:57
20. Fehler einräumen

Wozu soll der Papst Fehler einräumen. Macht doch heutzutage keiner. Besser als das öffentliche Einräumen von Fehlern ist es, an der Beseitigung dieser Fehler mitzuwirken.

Beitrag melden
shenshen_ie 17.09.2010, 09:58
21. ....

Zitat von Antje Technau
der Inhalt stimmte? Wie oft müssen sich nicht-religiöse Menschen eigentlich noch als Nazis beschimpfen lassen, bevor das geächtet .....
Am bittersten fand ich ja seine Aussage, Saekularisation wuerde zu religioeser Intoleranz fuehren.
Sowas in Britannien zu verkuneden, dafuer muss man schon wirklich beide Augen fest zukneifen und sich die Finger in die Ohren stecken und laut singen um die Geschicht dermassen ignorieren zu koennen.

Beitrag melden
pfälza 17.09.2010, 10:02
22. Wenn ich dieses scheinheilige . . .

Geblubber von den religiösen Eiferern lesen und hören muss, bekomme ich echt körperliche Schmerzen. Sich in der heutigen aufgeklärten Zeit noch an jahrtausendalte GLaubensvorgaben zu halten und ernsthaft zu glauben, dass ein kleiner Verein in Rom direkte Verbindung nach oben hat und das einzig Wahre verkündet (natürlich ohne persönliche Bereicherung und Machtspielchen), macht mich sprachlos.

Meine Unterschrift unter das Formular, mit dem ich den Austritt aus diesem Club besiegelt habe, gehört zu den besten Entscheidungen, die ich bisher getroffen habe...und das nicht nur wegen den 60 Euro etwas, die ich dadurch auch noch im Monat spare.

Beitrag melden
pulpicon 17.09.2010, 10:10
23. Fundis

Zitat von madame_no
Ein System, das schon Kindern Denkmuster einbleut, dass Gott allmächtig ist und alles sieht und alles macht (auch das menschliche Versagen), dass es Teufel gibt, die einen versuchen und schlimmstes Leid und Unrecht, das Strafe oder Prüfung Gottes ist und wenn man nicht 100% gehorcht (sogar im Denken), kommt man auf EWIG in die Hölle.
Das war bis vielleicht vor 40 Jahren so, ist heute nicht mehr so.

Fundis gibts auch unter Atheisten, da wird den Kindern eben eingebläut, das Behinderte der Gesellschaft nur zur Last fallen, Liebe und freier Wille Illusion ist und es keinen Sinn gibt. Menschenrechte gelten nicht universal, sondern alles ist relativ und willkürlich als Evolutionsvorteil hervorgegangen, daher sei Hedonismus eine prima Sache. So wie sich die Atheisten wünschen nicht mit diesen Fundis pauschal in einen Topf geworfen zu werden wünschen es sich religiöse Menschen genauso, nicht mit religiösen Fundamentalisten in einen Topf geworfen zu werden.

Beitrag melden
Zero Thrust 17.09.2010, 10:17
24. re

Zitat von Antje Technau
der Inhalt stimmte? Wie oft müssen sich nicht-religiöse Menschen eigentlich noch als Nazis beschimpfen lassen, bevor das geächtet wird?
Wahrscheinlich sehr oft, sofern Sie diesen Vorgang irgend jemandem unterstellen, ohne ihn jedoch belegen zu können. Ihr Auszug von der Seite des Vatikans jedenfalls, sowie die im Artikel angeführten Zitate des Papstes (sind, glaube ich, dieselben) geben diesen Beleg nicht her. Das ist eine reine Unterstellung, die Sie hier tätigen und keine sehr freundliche dazu. Insbesondere unrealistisch, bedenkt man, wie viele der (tatsächlichen) Nazis im sog. Dritten Reich eigentlich (mindestens gemäß eigenen Verlautbarungen) religiös waren und damit spreche ich sicherlich nicht von irgend einem okkulten Germanenkult, sondern davon, dass sie in der Tat Christen waren - wie gesagt, zumindest gemäß Selbstbild, versteht sich.

Zitat von
Wie oft müssen sich nicht-religiöse Menschen von den Gottgläubigen noch anhören, dass es ihnen angeblich an Anstand und Moral mangle?
Ich kann auch dies zumindest nicht den mir vorliegenden Aussprüchen entnehmen - und, damit wir uns verstehen, ich bin selbst weder katholisch, noch Anhänger dieses Papstes. Aber deshalb muss man ihm ja nicht gleich Worte in den Mund legen.. (..ganz abgesehen davon, dass gerade er nun weiß Gott schon ganz Andres von sich gab, also da ist ohnehin und auch so genügend Munition für Kritik im Raume.)

Zitat von
Die Wahrheit ist, dass Gottessstaaten die Menschen heute noch tyrannisieren.
Was kann der Papst dafür?
Zitat von
Nur der Aufklärung und dem Humanismus ist es zu verdanken, dass in diesen Staaten die Menschenrechte im Mittelpunkt stehen.
Aber Sie können weder die Aufklärung, noch den Humanismus, vom Christentum entkoppeln, sondern hier besteht offensichtlich ein kausaler Zusammenhang. Zudem schließen die Dinge einander ja überhaupt nicht aus. Glaube wandelt sich mit den Menschen. Denn nur von ihnen geht er aus (sofern sie glauben).
Zitat von
Religionen haben in der Geschichte der Menschheit immer nur zu Unfrieden geführt.
An dieser Stelle halte ich es mit dem Foristen bennoko, bzw. seiner Reaktion auf diese Aussage. Die kann man so nicht stehen lassen: Was bringt es Ihnen, die Religionen an sich zu (entschuldigen Sie den Ausdruck) verteufeln, sich aber im selben Atemzuge darüber zu beschweren, dass andererseits der Nichtglaube an sich verteufelt würde? Ich halte beides für vollends haltlos und bar jeder Grundlage. Es kommt nicht darauf an, was wir glauben oder ob wir glauben, sondern darauf, was wir daraus machen. Und sowohl ausgehend vom Glauben, als auch vom Nichtglauben, kann man jede Menge machen, nämlich mithin alles, was Menschen so machen, d.h. viel Gutes - und leider auch viel Schlechtes.

Beitrag melden
Marbot 17.09.2010, 10:34
25.

Zitat von pulpicon
Das war bis vielleicht vor 40 Jahren so, ist heute nicht mehr so. Fundis gibts auch unter Atheisten, da wird den Kindern eben eingebläut, das Behinderte der Gesellschaft nur zur Last fallen, Liebe und freier Wille ....
Da haben Sie nicht ganz unrecht. Nur: Atheisten und Agnostiker haben keinen Katechismus und keine 10 Gebote, deren Nichtbefolgung mit irrationalen Strafen geahnt werden.
Den meisten Kindern von Atheisten und Agnostikern ist es erlaubt, eigenständig zu denken, sich zu irren, oder zu widersprechen ohne dass man ihnen mit einem Fantasiegott oder Konsequenzen im sogenannten Jenseits droht.

Ich wünschte nur, all diejenigen, die hier und in ähnlichen Diskussionen mit Vehemenz ihre Religion verteidigen, würden sich mit der gleichen Vehemenz und Energie gegen die Verfehlungen und Verbrechen in ihren eigenen Reihen engagieren (und gegen die Fundis, mit denen sie nichts zu tun haben wollen).

Aber es scheint wohl menschlich zu sein, von den eigenen Fehlern ablenken zu wollen, indem man sofort mit den Fingern auf andere zeigt und sagt: Die haben aber auch....
Dieses Verhalten hilft uns allen nicht weiter.

Und ich finde, angesichts der aktuellen Enthüllungen diverser Geschehnisse innerhalb der katholischen Kirche, stünde es dem Papst gut an, sich um genau dieses zu kümmern, statt mit nicht belegbaren Behauptungen auf angeblich kriegsverursachende Atheisten hinzuweisen.

Ein "sorry, wir haben Fehler gemacht" ist ein wenig dürftig angesichts unzähliger, über Jahrzehnte geduldeter und verheimlichter schlimmster Verbrechen an Kindern, die den Rest ihres Lebens mit den Traumata verbringen müssen.

Beitrag melden
Knut Olsen 17.09.2010, 10:54
26. Auf Thema antworten

Zitat von AlmightyPotatohead
Der Papst hat offensichtlichen Blödsinn verzapft als er behauptete, die Nazis wollten Gott aus der Gesellschaft entfernen. Hitler war kein Atheist. In "Mein Kampf" faselt er gerne auch mal von seinem unsichtbaren Freund. Ratzinger war doch selber in der Hitlerjugend! Das weiß er doch ganz genau!
Das versuchen die Spinner doch immer, den Atheisten Hitler unterzuschieben.
Aber wenn unsereins ihre "religiösen Gefühle" verletzt, rennen sie greinend
zu Staatsanwalt. Dass sich in Europa etwas entwickelt, was Ratzinger als
"extremistischen Atheismus" diffamiert, wird angesichts immer dreister
auftretender Fundamentalisten höchste Zeit.

Beitrag melden
problematix 17.09.2010, 11:02
27. Geschichte und Fakten

Zitat von Antje Technau
Religionen haben in der Geschichte der Menschheit immer nur zu Unfrieden geführt.
Institutionalisierung und Verbindung von Macht und Religion oder Ideologie war immer schon problematisch.
Anderersetis: In der Vergangenheit haben im Grunde alle Staaten und Völker Kriege angezettelt und durchgegeführt, die Ausnahmen sind verschwindend wenige. Es gibt viele Beispiele, dass die Machthaber (Könige) Religion als Mittel zu mehr Macht gesehen haben, zur Staatsreligion erklärt haben, schließlich als Grund für alles mögliche benutzt haben, daher sollte man Religion nicht zu einseitig sehen.

Abgesehen von allerlei Stumpfheiten (Kondome etc.) haben Religionen aber auch andere Effekte, z.B. Engagement für die Armen, Aufruf zu Friede, kulturelle Identität schaffen, u.ä.
Das läuft nach dem Prinzip "Die ersten werden wieder die letzten sein." und ist nichts besonderes, eine auf Form beruhende Institution wird sich immer irgendwann zumindest Aspektweise als Schlusslicht wiederfinden, oder ihre Ideologie anpassen müssen.

Naja, im Staatswesen hat Religion nicht mehr viel verloren, in der Kultur sollte man um deren Abschaffung nicht zu bemüht sein, die Geschichte hat gezeigt, dass meistens Leute, die soetwas unternommen haben auch systematisch Mord und Totschlag unternommen haben, daher sollte man auch dort mit etwas Vorsicht agieren, Religionen haben auch Gefühle...

Beitrag melden
dklug 17.09.2010, 11:07
28. Wasser muss weg, denn darin ertringen immer Leute

Zitat von Antje Technau
Die Wahrheit ist, dass Gottessstaaten die Menschen heute noch tyrannisieren. Und dass die katholuische Kirche, besäße sie ihre alte Macht noch, heute noch Frauen und Andersdenkende foltern und verbrennen lassen würde. Auf dass ihre Seelen geläutert werden. ... Religionen haben in der Geschichte der Menschheit immer nur zu Unfrieden geführt.
Nicht legitime Verallgemeinerung. Einer verdienten Wissenschaftlerlin so nicht würdig.

Ihre Argumente stimmen natürlich, nur die Schlussfolgerung nicht. So wie das Wasser unschuldig am Ertrinken ist, so darf man Religion oder Gott an sich nicht verteufeln. Nur wie Menschen / Kirchen es mißbraucht haben. Eine Gemeinschaft, die konsequent und gewissenhaft nach dem Ur-Christenttum ausgerichtet wäre, käme Ihrem Ideal wohl sehr nahe. Gier und Stolz haben das verhindert. Und Atheismus hatte auch "immer" schon ganz teuflische Folgen (zB Säuberingen unter Marx / Lenin / Mao).

Beitrag melden
adsum 17.09.2010, 11:38
29. Religion war nicht nur negativ!

Zitat von sysop
Der Besuch in Großbritannien ist eine Gratwanderung für Benedikt XVI: Auf jedes Wort, auf jede Geste kommt es an. Zu tief ist der Graben zwischen Katholiken und Anglikanern. Die Bilanz des ersten Tages ist zwiespältig. Der Inhalt stimmte, doch beim Vortrag haperte es gewaltig.
Es ist schon mutig in der heutigen Zeit, sich für die Religion oder den Gottglauben ins Zeug zu legen.

Also die Religionen hatten in uralten Zeiten schon auch neben der negativen auch eine positive Seite.

Damit eine Hochkultur w.z.B. Ägypten entstehen konnte musste eine mühsame Gemeinsamsaufgabe wie der Ackerbau erledigt werden.

Es war wichtig, dass das Volk vor Ehrfurcht sich in den Staub warf vor der Priesterschaft und dem Pharao.

Neuere Forschungen sollen sogar ergeben haben, dass das gläubige Volk freiwillig diesen Ackerbau und auch den Paramidenbau in frommer demütiger Unterwerfung erledigte und nicht nur die Sklaven.
Diese Ordnung ermöglichte auch das Überleben aller in dieser Hochkultur.
Ich glaube kaum, dass im 21. Jahrhundert die Menschen noch an einem Sonnengott glauben, also war es damals eine Notlüge der oberen Kaste oder wenn nicht eine Unwissenheit.

Aber man sieht, dass es gar keinen Gott real bedurfte, sondern es genügte, dass man daran glaubte.
Ja und der Glauben überwindet alles. Man kann Pyramiden bauen, Gotteshäuser, Moscheen, ja es gibt sogar Menschen, die naturwissenschaftliche Gesetze aushebeln können sollen.

Nur, hat keiner bisher Berge versetzen können.

Hm, offensichtlich, weil zum Glauben auch der Zweifel gehört und schon deshalb ist eben nicht alles möglich.

Der "100%ige Glauben ohne den geringsten Zweifel" ist das Gefährliche in unserer Zeit, wie man in einer anderen Religion sieht, wo sich Selbstmordattentäter in die Luft sprengen und meinen eine gute Tat vollbracht zu haben, weil letztlich das Wesentliche im Jenseits liegt und unschuldige Opfer mit ins Paradies genommen werden und Schuldige zur Hölle fahren.

Aber, was soll man als Papst vorbringen. Er ist ja auch nur ein gläubiger Mensch, vielleicht sogar mit Zweifeln, aber das kann er doch nicht vorbringen. Er soll ja Hoffnung verbreiten.

Also immerhin mutig dieser Besuch in Großbritannien! :-)

Beitrag melden
Seite 3 von 37
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!