Forum: Panorama
Deutsche Weine: Die Zukunft ist rot

Deutsche Rieslinge sind international angesagt und begehrt. Noch im Verborgenen blüht der nächste Boom: Weine aus der Spätburgunder-Traube werden der Hit des Herbstes. Wer sich selbst ein bisschen Entdeckergeist zutraut, findet Spitzenweine, die bezahlbar sind.

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C. Esser 17.07.2007, 09:43
1. Und was ist neu?

Zitat von sysop
Deutsche Rieslinge sind international angesagt und begehrt. Noch im Verborgenen blüht der nächste Boom: Weine aus der Spätburgunder-Traube werden der Hit des Herbstes. Wer sich selbst ein bisschen Entdeckergeist zutraut, findet Spitzenweine, die bezahlbar sind.
Spätburgunder werden wieder der Hit des Herbstes. Zumindest bei denen, die sich längst von der norditalienischen Plörre und dem völlig überteuerten Franzosensaft verabschiedet haben. Eines frage ich mich allerdings: ob ehedem auf Gallo und Konsorten Eingeschworene überhaupt noch einen schönen Spätburgunder aus dem Rheingau wertschätzen können?

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maximillian64 17.07.2007, 10:02
2. Unserer Lieben Nachbarn

Aus Freiburg kommend und in Zürich mit vielen Italiener und Franzosen zusammenarbeitend, habe ich es inzwischen aufgegeben die Qualitäten unserer Markgräfler oder Kaiserstühler Rotweine zu promoten.

Ab und zu konnte ich, unter Verheimlichung der Herkunft, bei einem guten Abendessen einen Dr. Heger oder eine dedizierte Mikrolage aus Südbaden unterbringen.

Aber der Charakter der Gäste oder Ihr Nationalstolz verweigern auch nach der Bekantgabe der Herkunft, dass ein zuvor als hervoragend bezeichneter deuscher Rotwein mehr als eine akzeptable Ausnahme der Regel ist.Und sie selbstverständlich nix anderes als Italiener und Franzosen als Rotwein anerkennen bzw. kaufen.

Auch der Hinweis das in Südbaden auch ohne Klimaverschiebung Genügend Sonne herrscht (oder im Spass in Sardinen bald die Sahara den Weinbau verdirbd) ändert nichts an dieser vermutlich genetisch geprägten Meinung.

Darum mein Fazit - trinken wir den guten Roten eben selber..

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allesbesserwisser 17.07.2007, 10:19
3. J'aime le Pinot Noir

Ich bin seit Jahren ein großer Fan der filigranen, teilweise auch recht eckigen Ahr-Spätburgunder, während man im Freundeskreis vielfach auf diese überschätzten Geschmacksexplosionen aus Südafrika und Australien setzte.

Dennoch hoffe ich im eigenen Interesse auf einen Verbleib der deutschen Burgunderweine in der Exoten-Nische, damit sie sich nicht in Zukunft preislich an ihren französischen Geschwistern orientieren.

Übrigens: deutsche Burgunder müssen nicht immer "Spät-" mit Vornamen heißen, es gibt auch exzellente Frühburgunder.

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www.vintoura.de 17.07.2007, 10:34
4. Trend zu moderaten Alkoholgehalt

Ein ganz wichtiger Aspekt für unsere deutschen Spätburgunder ist vor allem auch der moderate Alkoholgehalt. Dank unserer "nördlichen Lage" haben die Weinreben eine lange Vegetationszeit in denen sich die Aromen der Trauben voll entfalten können und der Alkoholgehalt vergleichsweise gering ausfällt. Der allgemeine Trend zu "leichteren" und dennoch komplexen Weinen spricht meines Erachtens mehr für den Erfolg als das Preisgefüge.

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el palmar 17.07.2007, 13:15
5. Geduld

Hallo,
ich bin von der Bergstrasse und ich finde das der Riesling endlich mal richtig geehrt wird. Dies war aber etwas arbeit um diesen tollen Wein diese Stellung zu verschaffen.Mit dem Spätburgunder wird das auch noch gelingen bei diesen Menschen die das auch Wert sind. Lassen wir ihm die Nische und die spezielle Kundschaft.

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Bartender 17.07.2007, 15:36
6. Die Zukunft ist rot (nur nicht deutsch rot)

Ich arbeite schon mehr als 10 Jahre in der Hotelerie! Dort hatte ich schon viele Mal die Gelegenheit deutsche Weine zu testen!

Zu Weissweinen kann man auch absolut stehen! Deutsche Weisse haben Substanz und Eleganz und man findet sie eigentlich fuer jeden Geschmack!

Jedoch sind deutsche Rote in meinen Augen ueberschaetzt (auch von vielen Sommeliers)! Mein Interesse ueber Wein konnten nur von franzoesischen Roten geweckt werden! Ich habe noch keinen deutschen Roten getestet, der wirklich Substanz hatte - genug Tannin, Alkohol und Konzentration!

Von Zeit zu Zeit teste ich nun auch Super Toscanies, Riojas, oder aber kalifornische Weine - und manch Wein ist auch durchaus beachtenswert - die Masse von exzellenten Weinen finde ich jedoch weiter in Frankreich!

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Janu 09.08.2007, 17:33
7. Deutscher Rotwein im Vergleich

Selber bin ich stark geprägt durch Bordeaux-Weine (Cabernet-Sauvignon) mit ihrem hohem Tannin-Gehalt.
Derartiges fand ich in deutschen Weinen fast nie.

Vergleichen lassen sich die von mir probierten deutschen Weine allenfalls dann mit Burgundern, den Beaujolais oder den Elsässischen Weinen, wenn man die Supermärkte konsequent meidet, und bereit ist, den typischerweise kürzeren Abgang als Charakteristikum, und eben nicht als Makel, zu verstehen.

Tut man das erstmal, dann gibt es in der Tat richtig gute deutsche Rotweine - die ich bislang aber ausschliesslich direkt bei Winzern, und noch kein einziges Mal im Supermarkt fand!

Und genau dies ist eben etwa in Frankreich, Italien und Spanien anders. Mir dünkt also, die skeptische Reaktion der zuvor zitierten ausländischen Gäste ist, leider, wohl begründet.

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Fraul 10.08.2007, 12:42
8. Probieren geht über studieren ...

Ich bin mit Rotweinen von der Ahr aufgewachsen und genieße sie immer noch gerne. Meine Favoriten sind Früh- und Spätburgunder. Wo ich kann probiere ich aber auch Weine von anderen Anbaugebieten - ob von diesem oder anderen Kontinenten. In den letzten 20 Jahren hat sich gerade an der Ahr viel getan. Das haben auch schon ein Parker oder Gault Millaut entdeckt. Leider hat der Autor des Artkels das wohl noch nicht gemerkt. Er verweist zwar auf die Ahr bei seinem Einstieg in die Deutschen Spätburgunder, empfiehlt aber leider keinen Winzer. S c h a d e!

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klezmertronic 20.08.2007, 16:22
9. Gottseidank: anders

Seit mich, noch während des Studiums, mein freundlicher Weinhändler in Hamburg zum Kauf eines Adeneuer-Spätburgunders gekobert hat ("Geld zurück, wenn der nicht schmeckt!") habe ich manche geschmackserweiternde rote Überraschung aus Baden, dem Rheingau, der Pfalz, von der Ahr und nichtzuletzt aus dem gern geschmähten Rheinhessen erlebt. Den dort vielfach zu findenden gelungenen Roten vergleichsweise schwache Resonanz beim Abgang vorzuwerfen ist in etwa so, als beklage man die mangelnde Gebirgstauglichkeit von Slingpumps an Damenfüssen. Bei Schuhen begreift jeder, warum die Gattin eine gewisse Vielfalt im Schrank hortet, um Passendes für beinahe jede Gelegenheit griffbereit zu haben. Warum soll ich mir also nur Ähnliches und Ewiggleiches in den Weinkeller legen - das Schöne sind doch die unterschiedlichen Momente, Essen und Stimmungen im Leben, und was man zu ihnen entkorkt, oder? Und statt einer Hitliste der besten Produzenten: Zum Weinhändler gehen und dort einfach dem eigenen Gaumen vertrauen.

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