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Drama am Lagginhorn: Verunglückte Bergsteiger sollen Deutsche sein
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Sie stürzten kurz unterhalb des Gipfels ab: Bei den fünf am Lagginhorn in der Schweiz verunglückten Alpinisten handelt es sich laut Zeugenaussagen und Berichten von Schweizer Zeitungen um Deutsche. Womöglich riss ein Mitglied der Gruppe die anderen mit sich.

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antenberger 04.07.2012, 11:07
20. Einfach nur tragisch …

Zitat von sysop
Sie stürzten kurz unterhalb des Gipfels ab: Bei den fünf am Lagginhorn in der Schweiz verunglückten Alpinisten handelt es sich laut Zeugenaussagen und Berichten von Schweizer Zeitungen um Deutsche. Womöglich riss ein Mitglied der Gruppe die anderen mit sich.
Es gibt ja schon einige – teils erschreckende – Kommentare zu diesem tragischen Unglücksfall. Erstaunlich wie viele Menschen ohne Kenntnis der genauen Umstände gleich mehr oder weniger Gescheites parat haben.
Als Bergsteiger, die diesen Berg 2007 selbst bestiegen und leider auch im herrlichen Wallis schon tödliche Unfälle aus nächster Nähe miterleben mussten erschüttert uns diese Nachricht einfach. Wenn man selbst den gerade, noch warmen Abgestürzten untersucht hat, wenn man den verzweifelten Zurückgebliebenen mit Kraft daran hindern muss, sich hinterher zu stürzen, dann steht uns die Tragik sofort vor Augen.
Bergsteigen – gerade auch in den wilden Westalpen – ist wunderschön und gleichzeitig gefährlich (wie vieles andere auch). Das Gehen am kurzen Seil (ohne echte Sicherung) wird kontrovers diskutiert, es ist eigentlich eine reine Bergführertechnik. Wir haben uns damals dazu entschieden, seilfrei zu gehen. Es ist immer ein Abwägen.
Hier nur unser Mitgefühl mit allen Betroffenen.
Michael und Brigitte (Gratz-)Prittwitz, Bad Reichenhall

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Deepthought42.0815 04.07.2012, 11:09
21.

Zitat von wm2006
Selten so einen Schwachsinn gelesen! Was ist daran überheblich auf einen Berg zu klettern? Sie habe keine Ahnung! Die vier sind wohl am laufenden Seil gegangen. So nennt man das in der Bergsteigerei, wenn man zwar angeseilt ist, das heißt die einzelnen Bergsteiger durch ein Seil miteinander verbunden sind, aber nicht an Haken gesichert. Diese Methode wird LEIDER sehr häufig in leichtem Gelände praktiziert, einfach um schneller zu sein. Wenn man ständig sichern würde, würde man zu langsam vorwärts kommen. Es ist besser und sicherer, richtig zu sichern, also einer am Standplatz fixiert, oder gar nicht zu sichern. Je mehr Leute an einem Laufenden Seil miteinander verbunden sind, desto schlimmer. Fünf sind definitiv zu viel. Ich selber habe sehr viel in den Alpen geklettert, und ich habe auch schon zwei Bergsteiger die Matterhorn-Nordwand abstürzen sehen, die am laufenden Seil gegangen sind. Ich kann von dieser Methode nur abraten, obwohl sie sehr gängig ist. Wir haben einmal Sturzversuche gemacht und es hat sich ergeben: Selbst bei voller Konzentration haben die angeseilten Partner fast keine Chance, den Stürzenden zu halten. Es geht einfach zu schnell und du verlierst bei einem Ruck sofort das Gleichgewicht. Es war hier also nicht Leichtsinn der Natur gegenüber, nur weil man auf einen Berg hochsteigt, sondern es handelte sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen technischen (Sicherungs-)Fehler.
Danke für die Erklärung. Ich mache zwar selber auch diverse Extremsportarten, aber von Bergsteigen habe ich keinen Plan.
Ich habe mich genau das gefragt, sprich wie so etwas überhaupt passieren kann.
Für mich absolut unverständlich, daß es tatsächlichn so ist, wie ja anzunehmen war, daß es Leute gibt, wie sie sagen sogar viele, die ungesichert aber aneinander "gefesselt" bergsteigen. Ich kann das nicht verstehen...ganz ehrlich nicht. Erscheint mir fahrlässig, selbst wenn es gängig ist.

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smacks747 04.07.2012, 11:13
22.

Zitat von wm2006
Die vier sind wohl am laufenden Seil gegangen. So nennt man das in der Bergsteigerei, wenn man zwar angeseilt ist, das heißt die einzelnen Bergsteiger durch ein Seil miteinander verbunden sind, aber nicht an Haken gesichert. Diese Methode wird LEIDER sehr häufig in leichtem Gelände praktiziert, einfach um schneller zu sein. Wenn man ständig sichern würde, würde man zu langsam vorwärts kommen. Es ist besser und sicherer, richtig zu sichern, also einer am Standplatz fixiert, oder gar nicht zu sichern. Je mehr Leute an einem Laufenden Seil miteinander verbunden sind, desto schlimmer. Fünf sind definitiv zu viel. Ich selber habe sehr viel in den Alpen geklettert, und ich habe auch schon zwei Bergsteiger die Matterhorn-Nordwand abstürzen sehen, die am laufenden Seil gegangen sind. Ich kann von dieser Methode nur abraten, obwohl sie sehr gängig ist. Wir haben einmal Sturzversuche gemacht und es hat sich ergeben: Selbst bei voller Konzentration haben die angeseilten Partner fast keine Chance, den Stürzenden zu halten. Es geht einfach zu schnell und du verlierst bei einem Ruck sofort das Gleichgewicht. Es war hier also nicht Leichtsinn der Natur gegenüber, nur weil man auf einen Berg hochsteigt, sondern es handelte sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen technischen (Sicherungs-)Fehler.
So ist es. Aber das macht die nicht mehr lebendig. Es bleibt nur zu raten, immer vorsichtig zu sein. Ich habe mich schonmal von Tagesausflüglern auslachen lassen, nur weil ich mich für eine kurze ausgesetzte Stelle im Schrofengebiet gesichert habe. Aber mir egal, sichern darf man sich immer. Und das sollte man auch tun, wenn man das Gefühl hat, es muss jetzt sein. Außerdem sollte man sich auch in Klettersteigen nicht stressen lassen und darf das "ja, mei, hia musst di net einklinken!" überhören. Außerdem gibt es mittlerweile so viele Klettersteige, da kann man sich einen nicht so frequentierten heraussuchen.

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c54 04.07.2012, 11:14
23. Eigenverantwortung!

Die Leute sind auf eigenes Risiko auf den Berg gestiegen und haben dabei vermutlich einen technischen Fehler gemacht. Das ist schlimm, aber es geht niemanden etwas an außer die Betroffenen selber, allenfalls noch die Bergungsmannschaft, sofern sie davon Nachteile hat. Warum kann man die Bergsteiger nicht ihrer eigenen Verantwortung überlassen? Warum wird hier schon wieder nach Kontrollen, Bergsteigerführerschein und Bergführerpflicht gerufen? Jeder ist für sich selbst verantwortlich!

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smacks747 04.07.2012, 11:18
24. Führerschein

Zitat von junghecker
Evtl sollte man über eine Art "Führerschein" für Bergsteiger nachdenken.
Bloß nicht! Wie soll man das denn kontrollieren?
Man kann bei den Alpenvereinen Kurse belegen, was auch empfehlenswert ist. Vieles erschließt sich erst aus der praktischen Anwendung statt aus Ratgebern und Büchern.

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KarlFaktor48 04.07.2012, 11:26
25.

Zitat von smacks747
Mein Beileid an die Verbliebenen. *** Ich kann das Verlangen nach Gipfelerlebnissen verstehen und kenne das auch. Trotzdem: So klassische Mitreiss-Unfälle geben mir echt zu denken. Dass die Seilschaft, also aneinander gebundene Menschen ohne sicheren Fixpunkt, alles andere als sicher sind, steht seit Jahren in jedem Alpinsport-Ratgeber. Beispielsweise hier: Pit Schubert "Sicherheit und Risiko in Fels und Eis", S. 230 ff. Man kann eine Seilschaft machen, aber dann braucht es einen Sichernden an einem stabilen Stand.
Auch mein Beileid.

Ob Anseilen oder nicht, jeder sollte so etwas selbst entscheiden. Bei schmalen Graten bzw. Spaltengefahr definitiv ja. Bei normalen Gehen ohne Möglichkeit der Sicherung halte ich auch nicht soviel davon um die Gefahr des Mitreißens zu vermeiden. Bei einer Lawine spielt natürlich das Thema Anseilen keine Rolle mehr.
Bergsteigen ist ein traumhafter Sport!

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antenberger 04.07.2012, 11:37
26. Bild vom Absturzbereich

Zur Info ein Bild vom Absturzbereich, dann kann man sich das vielleicht alles besser vorstellen (wenn es einen interessiert): https://picasaweb.google.com/109182542433109493480/Wallis2007#5160175549055357698. Gestern muss das Wetter allerdinsg deutlich schlechter gewesen sein.

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Nevermeind 04.07.2012, 11:38
27.

Zitat von junghecker
(...) Besserwisserei hilft da nun mal überhaupt nicht. Evtl sollte man über eine Art "Führerschein" für Bergsteiger nachdenken.
Wir sprechen hier ueber Hoehen +4000 m! Auch erfahrenen Bergsteigern, selbst Profis, geht da immer wieder mal die Puste aus. Vor nicht allzu langer Zeit passierte das im Himalaya ja sogar einem Arzt. Man sollte also keinen falschen Stolz zeigen und anhalten, wenn einem nicht gut ist. Was natuerlich nicht in jeder Situation geht, und oft genug merkt man gar nicht, wenn man kurz vor dem Umkippen ist.

Solche Touren bringen nun mal viele Gefahren mit sich, und selbst bei perfekt professioneller Vorgehensweise bleibt ein recht hohes Restrisiko (= nicht behebbares Risiko). Von "Ueberheblichkeit" wuerde ich bei Bergsteigern aber nicht sprechen, Bergsteiger haben Ehrfurcht vor der Natur, selbst wenn es Flachland-Hollaender sind.

Ich persoenlich ziehe Bergtouren vor, bei denen man nicht "klettern" muss, gibt es zuhauf, und die sind oft auch wesentlich weniger mit Menschen bevoelkert, und die Panoramen sind genauo schoen. Und rein sportlich, auf die Kondition bezogen, ist es dasselbe.

Ansonsten, klar: so mancher Flachlandtiroler sollte vielleicht erst mal in dere Eifel oder in der Fraenkischen Schweiz trainieren, bevor er sich mit dem Seil in die Alpen wagt.

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RoRo Global 04.07.2012, 11:40
28. Erbärmlich

Horrister, Sie haben nicht verstanden, dass Menschen ums Leben gekommen sind. Das ist sehr traurig und furchtbar tragisch. Die Hinterbliebenen haben unser Mitleid verdient und die Verstorbenen unsere Gebete.

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baruntse 04.07.2012, 11:45
29. Technik/Taktik am Berg

Zitat von wm2006
Selten so einen Schwachsinn gelesen! Was ist daran überheblich auf einen Berg zu klettern? Sie habe keine Ahnung! Die vier sind wohl am laufenden Seil gegangen. So nennt man das in der Bergsteigerei, wenn man zwar angeseilt ist, das heißt die einzelnen Bergsteiger durch ein Seil miteinander verbunden sind, aber nicht an Haken gesichert. Diese Methode wird LEIDER sehr häufig in leichtem Gelände praktiziert, einfach um schneller zu sein. Wenn man ständig sichern würde, würde man zu langsam vorwärts kommen. Es ist besser und sicherer, richtig zu sichern, also einer am Standplatz fixiert, oder gar nicht zu sichern. Je mehr Leute an einem Laufenden Seil miteinander verbunden sind, desto schlimmer. Fünf sind definitiv zu viel. Ich selber habe sehr viel in den Alpen geklettert, und ich habe auch schon zwei Bergsteiger die Matterhorn-Nordwand abstürzen sehen, die am laufenden Seil gegangen sind. Ich kann von dieser Methode nur abraten, obwohl sie sehr gängig ist. Wir haben einmal Sturzversuche gemacht und es hat sich ergeben: Selbst bei voller Konzentration haben die angeseilten Partner fast keine Chance, den Stürzenden zu halten. Es geht einfach zu schnell und du verlierst bei einem Ruck sofort das Gleichgewicht. Es war hier also nicht Leichtsinn der Natur gegenüber, nur weil man auf einen Berg hochsteigt, sondern es handelte sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen technischen (Sicherungs-)Fehler.

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