Forum: Panorama
Duisburger Love Parade: Die unterversicherte Katastrophe

Wer zahlt für die 21 Toten, für die Hunderten Verletzten und Traumatisierten? Weil die Love Parade womöglich nicht ausreichend versichert war, könnten Opfer weniger Entschädigung bekommen, als ihnen zusteht. Alles hängt von der Schuldfrage ab - und die ist immer noch nicht geklärt.

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rkinfo 03.09.2010, 13:09
1. Ab 16 Uhr Lebensgefahr aber Musik bis 23 Uhr NonStop

Zitat von sysop
Wer zahlt für die 21 Toten, für die Hunderten Verletzten und Traumatisierten? Alles hängt von der Schuldfrage ab - und die ist immer noch nicht geklärt.
Sicherlich wird ein Kampf der Gutachter vor Gericht stattfinden.
Und es erscheint sicher dass der Veranstalter mitschuldig ist. Trotzdem kann man bei der Haftung eine durch die (Bundes-/Landes-)Politik unterstützte Entschädigung erwarten.

Dabei aber nie vergessen dass nur der Veranstalter über langjährige Erfahrung mit 'Love Parade' verfügte und die Duisburger Planer teils falsche Einschätzungen des Veranstalters vorab erhielten.

Nachdem der Veranstalter selbst die zu erwartenden Besucherzahlen geheim hielt konnte Außenstehende gar nicht nachdenekn über die realen Gefahren am Gelände.
Viele Duisburger waren ja entsetzt über das Geländer aber sie glaubten an 1 Mill. Besucher die weiträumig die Stadt überfluten konnten.
Hätte man aber die 250.000 früh gekannt wären sicherlich Leute auf die Rampe und das Befüllungsproblem gestossen.
Und selbst die Polizisten hätten ganz anders vorbereitet da gestanden.

Absolut unverzeihlich ist es um 16 Uhr die Polizei wg. Zusammenbruch der Sicherheit zu rufen und trotzdem bis 23 Uhr die Musik ohne Pause durchzupusten.
Es gab ab 16 Uhr bis zur Tragöde 1h Zeit per Durchsagen die Lebensgefahr zu beenden - aber es geschah nichts.

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Ernst49 03.09.2010, 13:17
2. Schuldfrage

Was gebraucht wird, ist eine eindeutige gesetzliche Regelung, wer für was mit welchen rechtlichen Folgen bei der Organisation und Durchführung von öffentlichen Veranstaltungen verantwortlich ist. Die vorgelegten Gutachten zeigen, dass die vorhandene gesetzliche Rechtslage nicht ausreicht, um Klarheit zu schaffen.

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johndoe2 03.09.2010, 13:49
3. soso

5 Mio je Schadenfall?

diese Aussage kann nur Schwachsinn sein.

Man rechnet mit 1 Mio. Besuchern, da jeder ein potentieller Schadenfall ist, wäre eine Versicherungssumme von 5 Mrd. € nötig.

Mir ist kein Versicherer (weltweit) bekannt, der dieses Risiko angenommen hätte - die Prämmie dafür noch gar nicht eingerechnet...

Dies ließe sich vielleicht über ein Konsortium lösen. Sonst nicht. Sollte ich mich irren: Wer bietet diese Deckung an?

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weltoffener_realist 03.09.2010, 13:55
4. Deckungssumme = Anreiz zur Sorgfalt

Zitat von Ernst49
Was gebraucht wird, ist eine eindeutige gesetzliche Regelung, wer für was mit welchen rechtlichen Folgen bei der Organisation und Durchführung von öffentlichen Veranstaltungen verantwortlich ist. Die vorgelegten Gutachten zeigen, dass die vorhandene gesetzliche Rechtslage nicht ausreicht, um Klarheit zu schaffen.
Es ist keine gesetzliche Neuregelung vorstellbar, die das hier vorliegende Dilemma einfach lösen könnte. Wir haben drei Parteien mit sehr unterschiedlichen Funktionen, die offenbar alle auf ihre Weise ein Stück zur Katastrophe beigesteuert haben. Was allein fehlt ist die Bewertung, wie hoch der jeweilige Anteil zu bewerten ist. Sie können nun nicht einfach ein Versagen der Polizei oder der Stadt Duisburg dem Veranstalter zuweisen, genauso wenig wie umgekehrt.

Was hier wirklich auffällt, ist die dramatische Unterversicherung einer solchen Großveranstaltung seitens des Veranstalters. Hier sollte man sich eine Neuregelung wünschen, denn in der Rechtsökonomie setzt erst die umfassende Haftung einen Anreiz zu optimaler Sorgfalt.

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maconaut 03.09.2010, 13:55
5. 1000000 x 5000000 = 5000000000000

Zitat von johndoe2
5 Mio je Schadenfall? Man rechnet mit 1 Mio. Besuchern, da jeder ein potentieller Schadenfall ist, wäre eine Versicherungssumme von 5 Mrd. € nötig. Mir ist kein Versicherer (weltweit) bekannt, der dieses Risiko angenommen hätte...
Weil die Versicherungen rechnen können und daher wissen, dass 1 Mio. x 5 Mio. Euro = 5000 Mrd. Euro sind und nicht 5 Mrd. !

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quadraginti 03.09.2010, 13:56
6. Gesamtschuldner

Zitat von rkinfo
Trotzdem kann man bei der Haftung eine durch die (Bundes-/Landes-)Politik Entschädigung erwarten.
Da Stadt+Land (=öffentliche Hand) und Lovapent als Gesamtschuldner haften, muss die Stadt/das Land nicht nur unterstützen, sondern kann VOLL in Anspruch genommen werden.

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hkjack 03.09.2010, 13:58
7. Schade

Die Beteiligten - Stadt/Bürgermeister, Veranstalter und Polizei sind nur um sich besorgt. Es ist mir persöhnlich ziemlich egal wer von denen Schuld ist. Das dauert alles viel zu lange. Die Opfer werden hier nur als Statistik berücksichtigt. Es ist schade das niemand von den Verantwortlichen auf eine Idee kam ein Spendenkonto einzurichten für die Familien der Opfer - es hätte genug Leute gegeben die was gegeben hätten. Immer dieses "Du bist Schuld..." geht einen gehörig auf die Nerven...

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n.holgerson 03.09.2010, 13:59
8. So was hätten sie mal vor dieser Tragödie schreiben sollen

Zitat von Ernst49
Was gebraucht wird, ist eine eindeutige gesetzliche Regelung, wer für was mit welchen rechtlichen Folgen bei der Organisation und Durchführung von öffentlichen Veranstaltungen verantwortlich ist. Die vorgelegten Gutachten zeigen, dass die vorhandene gesetzliche Rechtslage nicht ausreicht, um Klarheit zu schaffen.
Man sollte sich mal die Kommentare die jetzt seit Wochen durch die Presse bzw. Foren laufen durchlesen. Und dann sollte man mal überlegen, was passiert wäre, wenn man diese Veranstaltung abgesagt hätte.

Ich garantiere, der Großteil, der jetzt dem Staat (also Stadt, Polizei, Land,..) versagen vorwirft, hätte im Fall einer Ablehnung wegen Mängeln im Sicherheitskonzept, ebenfalls Vorwürfe gemacht.
Bürokratismus, Beamte die die Ahnung haben,... Aber das ist so eine typische Haltung, die sich u.a. auch hier im Forum durchzieht. Andauernd wird über den Staat hergezogen und sich beschwert, wie Bürokratisch alles sei. Wenn aber eine Geschichte mal in die "Hose geht", dann ist auch wieder der Staat schuld. Wie konnte man denn so eine Verantwortung einer Firma überlassen.

Wie gesagt, man muss sich nur noch mal Bochum (Absage der Loveparade) vor Augen führen. Da war die öffentliche Meinung eine ganz andere....

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quadraginti 03.09.2010, 14:00
9. Gesamtschuldner

Zitat von rkinfo
Absolut unverzeihlich ist es (ergänze: nach den Todesdfällen) um 16 Uhr bis 23 Uhr die Musik ohne Pause durchzupusten.
Tja, das Leben ist eben eine durchgängige Spaßveranstaltung, ein einziges Trallala.
Was stören da ein paar Tote.
Fun ist angesagt.

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