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Effektiver Altruismus: Hirn statt Herz
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Effektive Altruisten wollen nicht bloß Gutes tun, sondern mit ihrem Engagement das beste Ergebnis erzielen. Dafür rechnen sie aus, wessen Leben am meisten wert ist. Darf man das?

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ericstrip 14.04.2017, 10:11
1. Genau der richtige Ansatz...

...von den vorherrschenden Hilfeansätzen profitieren momentan nämlich vor allem Strukturen bei NGO, Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und im öffentlichen Dienst, bei denen außer Planstellen, die fast nichts bewirken, nicht besonders viel herauskommt. Ich habe lange genug in dem Sektor gearbeitet, um das mit Fug und Recht behaupten zu können. Leider bevorzugt unsere Politik auch diesen Weg und wirft Unmengen Geld aus dem Fenster, das auf der einen Seite erst einmal Leute erarbeiten müssen und mit dem man auf der anderen Seite viel Gutes und Nützliches tun könnte. Die Effektivität der Maßnahmen hinterfragt niemand, dies ist auch nicht erwünscht - denn es würden unangehme Ergebnisse dabei herauskommen.

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3-plus-1 14.04.2017, 10:16
2. Erst mal Nachdenken ist ein sehr guter Ansatz!

Es ist doch genau das "gut gemeint" statt "gut gemacht", wo der Gutmenschenvorwurf herkommt. Daher kann ich diesen Ansatz nur begrüßen, nicht wild drauflos aktiv zu sein, sondern erst mal die Konsequenzen zu überlegen und dann dort anzusetzen, wo man wirklich den besten Hebel hat.

Zu oft ist Aktionismus nämlich nicht zielgetrieben sondern von einem schuldempfundenen Selbstbestrafungsdrang initiiert. Die Welt wird dadurch aber nicht besser, wenn wir uns selber bestrafen, sie wird besser, wenn wir etwas Sinnvolles tun. Das darf dann sogar Spaß machen.

Ein exemplarisches Beispiel sind für mich die Menschen, die dann das Geschirr lieber von Hand spülen. In Wahrheit kostet das mehr Energie und mehr Wasser gegenüber dem Geschirrspüler und weniger sauber wird es auch, weil niemand Spülwasser über 42° C verwenden wird. Trotzdem machen das manche Menschen aus Überzeugung, um "was für die Umwelt" zu tun. In Wahrheit bezahlen sie für sich selbst in ihrer eigenen Vorstellung mental einen Ablaßbrief. Für die Umwelt wäre der geringere Wasser- und Energieverbrauch sinnvoller gewesen.

Kurzum, nicht alles was anstrengend ist, ist auch "gut". Willst du daher etwas Gutes tun, denk bitte vorher darüber nach welche Auswirkungen dein Tun haben wird. Nur das ist entscheidend, nicht wie du dich dabei fühlst.

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taglöhner 14.04.2017, 10:39
3.

Altruismus ist klar: Wenn's einem selbst schadet und anderen nutzt.
Aber was ist denn "Gutes"?

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syracusa 14.04.2017, 10:57
4. Zweifel

Ich teile die im Artikel genannten Zweifel an diesem Konzept. Und meine Zweifel gründen v.a. darauf, dass mir die "Vernunft", auf die diese "Effektiven Altruisten" sich gründen, doch etwas sehr kurz gedacht vorkommt.

Ich glaube, dass die Veranlagung des Menschen zu Altruismus nicht zu trennen ist vom Egoismus. Ich handele altruistisch, weil ich in einer altruistischen Gesellschaft ein besseres Leben habe. Mein Altruismus beruht auf dem Wunsch, selbst besser leben zu können. Der Mensch ist ein soziales Wesen, und er kann nur existieren und sich wohl fühlen, wenn er in einer sozialen Umgebung lebt, die nicht von Wettbewerb und Angst geprägt ist. Altruismus schafft die Grundlagen für eine solche soziale Umgebung.

Die unabdingbar notwendige Nähe eines Individuums zu anderen Individuen ist aber hierarchisch gegliedert: Familie, Nachbarschaft, Stadtviertel, Stadt, Region, Land, Ethnie, Nation, Kontinent, Kultur, Religion usw begründen soziale Nähe unterschiedlicher Distanz. Und je näher mir ein anderer Mensch ist, desto wichtiger ist dessen Wohlergehen für mein eigenes. Demnach kann es durchaus vernünftiger, effektiver, sozialer, und v.a. ehrlicher sein, einem Blinden in der eigenen Nachbarschaft 10.000 Euro für einen Blindenhund zu spenden, anstatt 300 Kindern in Afrika eine Augenoperation zu spenden.

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droptableall 14.04.2017, 11:02
5. am effektivsten

Der effektivste Weg, Gutes zu tun wäre, wenn ich die Weltherrschaft ubernähme. Dann könnte ich die Ungerechtigkeiten der Welt verbieten und wirklich allen Armen und Schwachen der Welt effektiv helfen. Ich muss zur Erlangung der Weltherrschaft natürlich das eine oder andere Opfer in Kauf nehmen, aber insgesamt zahlt sich das am Ende aus.

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Pride & Joy 14.04.2017, 11:11
6. Hirn statt Herz

funktioniert hier nicht, weil der Mensch sich zuerst immer demjenigen zuwenden wird, der ihm am Herzen liegt. Und wenn seine Empathie erst einmal erfolgt ist, wird er sich durch rationale Überlegungen wohl kaum von seinem Vorhaben abbringen lassen. Die Ursache ist unserem Sozialverhalten geschuldet und sozusagen in unseren Genen fixiert und lässt sich durch rationale Überlegungen eben nicht negieren.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der, dass z.B. Todkranke und sehr alte Menschen aus dem Raster fallen würden, obwohl gerade diese Menschen so dringend auf Hilfe angewiesen sind.

Hirn statt Herz wird daher nur dann funktionieren, wenn man einfach nur Geld geben möchte und sonst nichts.

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langenscheidt 14.04.2017, 11:38
7. Altrusiten und Effektivität

... netter Joke. Altruisten sind Personen, die weniger an sich sondern an Andere denken und ihnen helfen möchten. Dies geschieht aus dem Bauch ohne Gegenwert oder Effektivitätsberechnung heraus. Sogenannte Effektive Altruisten schmücken sich mit dem Begriff Altruist zu sein. Sie sind keine Altruisten.

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Kupferlegierung 14.04.2017, 11:52
8. Überzeugender Ansatz

Ein überzeugender Ansatz. Es wird von Wohlmeinenden viel Geld aufgebracht für bescheidenen Output. Den zu erreichenden Nutzen abzuschätzen und ins Verhältnis zum Aufwand zu bringen, ist notwendig. Beispiel Tierschutz: fast alle Spenden in diesem Bereich gehen an Tierschutzvereine. Dieses Geld kommt relativ wenigen Haustieren zugute, denen wir uns emotional verbunden fühlen (Herz statt Hirn). Ganz wenige Spenden gehen an Organisationen zum Schutz der Nutztiere, obwohl hier das Leid viel größer und mit demselbem Betrag viel mehr Nutzen erreicht werden könnte.

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fpa 14.04.2017, 11:52
9. Verantwortung (Gutes tun) ist nicht frei von Widersprüchen (Teil 1)

Seesterne retten
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Ein furchtbarer Sturm kam auf. Der Orkan tobte. Das Meer wurde aufgewühlt und meterhohe Wellen brachen sich ohrenbetäubend laut am Strand. Nachdem das Unwetter langsam nachließ, klarte der Himmel wieder auf.
Am Strand lagen aber unzählige von Seesternen, die von der Strömung an den Strand geworfen waren. Ein kleiner Junge lief am Strand entlang, nahm behutsam Seestern für Seestern in die Hand und warf sie zurück ins Meer.
Da kam ein Mann vorbei. Er ging zu dem Jungen und sagte: "Du dummer Junge! Was du da machst ist vollkommen sinnlos. Siehst du nicht, dass der ganze Strand voll von Seesternen ist? Die kannst du nie alle zurück ins Meer werfen! Was du da tust, ändert nicht das Geringste!"
Der Junge schaute den Mann einen Moment lang an. Dann ging er zu dem nächsten Seestern, hob ihn behutsam vom Boden auf und warf ihn ins Meer. Zu dem Mann sagte er: "Für ihn wird es etwas ändern!"

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