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Ehemalige Todeskandidatin: US-Gericht hebt Mordanklage gegen Debra Milke auf
AP

Ein Gericht im US-Bundesstaat Arizona hat die Mordanklage gegen die Ex-Todeskandidatin Debra Milke aufgehoben. Ein neues Verfahren gegen die gebürtige Berlinerin sei unzulässig. Der Staatsanwaltschaft bescheinigten die Richter ein "ungeheures Fehlverhalten".

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siamkatz 12.12.2014, 08:03
1. Revision

Die Staatsanwaltschaft geht nochmal in die nächste Instanz? Unerklärlich, wie kann man derart uneinsichtig und sturköpfig sein?

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Furchensumpf 12.12.2014, 08:32
2. Jeder...

...welcher die Todesstrafe als das Allerheilmittel ansieht, sollte sich mal fragen, wie es wäre, wenn die Frau wirklich unschuldig ist? Jetzt kann man sie noch frei lassen und entschädigen, was wäre wenn sie schon hingerichtet worden wäre?

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neinsagen 12.12.2014, 08:45
3. nicht einen fussbreit in dieses Land

niemals nie werde ich in solch ein land gehen.

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JuanCalato 12.12.2014, 08:49
4. Verhängnisvoll

ist eben (neben vielen anderen Ungereimtheiten) das im Vergleich zu unserem Rechtssystem völlig andere Verständnis der Rolle der Staatsanwaltschaft: Während bei uns der Staatsanwalt verpflichtet ist, sowohl be- wie entlastende Faktoren u ermitteln und einzubringen, tritt in den USA der Staatsanwalt ganz legal in einen offenen Wettbewerb mit der Verteidigung. Dr wird in seiner Reputation wie auch der Verteidiger an seinen 'gewonnenen" und "verlorenen" Fällen gemessen. Erst darf Beweise für die Unschuld unberücksichtigt lassen. Wenn der Verteidiger sie nicht beibringt - Pech für den Angeklagten. Das verführt natürlich ungemein, die Ermittlungen gegen den Beschuldigten bis in die Gesetzlosigkeit zu dehnen, Beweise zu fälschen, Zeugen unter Druck zu setzen oder zu belohnen. Hauptsache, man hat den Prozess gewonnen.

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nic 12.12.2014, 08:49
5. da die Staatsanwaltschaft den Fall bis zum Obersten Gerichtshof von Arizona bringen will

Um Recht geht es anscheinend nicht mehr sondern nur noch um Gewinnen.

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DMenakker 12.12.2014, 08:59
6.

Auf der einen Seite erschreckend, dass wieder mal ein Todesurteil gegen eine Unschuldige gefällt wurde. Und nein, man gewöhnt sich nicht daran, man wird höchstens mit jeder Meldung wütender.

Auf der anderen Seite muss man aber auch ganz klar sagen, dass es wohl keine Justitz auf der Welt gibt, die alte Urteile so konsequent überprüft, wie die amerikanische. Davon, und auch von den Entschädigungssummen könnte sich so manches Land eine ganz dicke Scheibe abschneiden.

Oder glaubt jemand, Fehlurteile wegen lügender Polizisten gäbe es in D nicht?

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cobaea 12.12.2014, 09:12
7. nicht die Justiz an sich überprüft

Zitat von DMenakker
....Auf der anderen Seite muss man aber auch ganz klar sagen, dass es wohl keine Justitz auf der Welt gibt, die alte Urteile so konsequent überprüft, wie die amerikanische. Davon, und auch von den Entschädigungssummen könnte sich so manches Land eine ganz dicke Scheibe abschneiden. Oder glaubt jemand, Fehlurteile wegen lügender Polizisten gäbe es in D nicht?
Natürlich gibt es auch in jedem anderen Land lügende Polizisten. Aber nur in Ländern mit Todesstrafe kann das die Angeklagten tatsächlich den Kopf kosten.
Und die US-Justiz überprüft mitnichten selbst ihre Urteile. (Das wäre ja auch nicht logisch und sinnvoll, würde sie doch damit ihre eigene Rechtsfindung quasi grundsätzlich in Frage stellen.) Gewöhnlich sind es Rechtsstudenten unter Leitung ihrer Professoren oder Initiativgruppen, die einzelne Verurteilte unterstützten, die Beweise sammeln, Akten studieren etc. und dann Verfahrens-Wiederaufnahmen betreiben.

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hubertrudnick1 12.12.2014, 09:29
8. Usa

Zitat von JuanCalato
ist eben (neben vielen anderen Ungereimtheiten) das im Vergleich zu unserem Rechtssystem völlig andere Verständnis der Rolle der Staatsanwaltschaft: Während bei uns der Staatsanwalt verpflichtet ist, sowohl be- wie entlastende Faktoren u ermitteln und einzubringen, tritt in den USA der Staatsanwalt ganz legal in einen offenen Wettbewerb mit der Verteidigung. Dr wird in seiner Reputation wie auch der Verteidiger an seinen 'gewonnenen" und "verlorenen" Fällen gemessen. Erst darf Beweise für die Unschuld unberücksichtigt lassen. Wenn der Verteidiger sie nicht beibringt - Pech für den Angeklagten. Das verführt natürlich ungemein, die Ermittlungen gegen den Beschuldigten bis in die Gesetzlosigkeit zu dehnen, Beweise zu fälschen, Zeugen unter Druck zu setzen oder zu belohnen. Hauptsache, man hat den Prozess gewonnen.
Mir kommt das US-amerikanischem Rechtssystem schon sehr seltsam vor, geht es um Gerechtigkeit und Aburteilung von Straftaten, oder ist es nur ein System, dass sich im Machtkampf mit der Verteidigung steht?
Dieses Rechstsystem bedarf einer Erneuerun, allerdings viele viele ihrer anderen gesellschaftlichen Bereiche auch, aber wer will schon was verändern, wenn man mit dem gut zurecht kommt.
Verlierer, oder sagen wir mal Kollateralschäden werden eben immer mit eingeplant.

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Artgenosse 12.12.2014, 09:45
9. Es gibt viele Fälle in den USA,

die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Einem solchen Rechtssystem möchte ich nicht ausgeliefert sein. Ein Hoch auf die deutsche Justiz, die zwar auch nicht immer fehlerlos ist, aber solche Auswüchse noch nie hatte.

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