Forum: Panorama
Elterncouch: Der Vater, der seinen Sohn im Schlafanzug in die Kita brachte
Michael Meißner & Mona Eing

Anziehen am Morgen ist für Eltern oft der Horror: Kinder bestehen auf Badeanzug und Ballerinas im Winter. Oder sie wollen überhaupt nichts anziehen. Brief an einen Helden des allmorgendlichen Ankleide-Kriegs.

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der_lasso 18.01.2016, 12:32
70. Unglaublich

Ich kann es einfach nicht. Ich KANN mir nicht vorstellen, dass es richtig ist, mit einem drei Jahre alten KIND zu diskutieren, was es anziehen soll. Da wird das passende hingelegt und angezogen (sofern man das Kind schon überreden konnte, zu lernen, wie es sich selbst anzieht) und fertig. Übrigens: wie das Personal im Kindergarten dann mit dem Kind im Schlafanzug umgeht ist den Eltern ja egal. Sie haben ihr Problem ja los...

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ellenbetti 18.01.2016, 12:37
71.

ich plädiere für eine Schuluniform. Auch in Anbetracht der vielen Flüchtlinge nicht einen Graben noch größer machen. Habe 2 Mädels durchgebracht und die Schuluniform hat uns dabei sehr geholfen. Die Uniform schafft auch einen Gemeinschaftssinn jedenfalls höher zu bewerten als andere auszugrenzen die ärmer sind oder nicht frivol oder frühentwickelt was auch zusätzlichen Sprengstoff schafft. Nur das Schuhwerk war von der Uniformpflicht ausgeschlossen !

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mue.neu 18.01.2016, 12:54
72.

EIN BAUCH HAT NOCH NIE EIN HIRN ERSETZT!
Ja, wo kämen wir hin, wenn schon im Kleidkindalter diskutiert, entschieden und mitgeredet würde? Am Ende würde die lieben Kleinen lernen, selbstständig zu denken, Dinge zu hinterfragen und eigene Entscheidungen zu treffen - und wir müssten in der Auseinandersetzung mit ihnen das Gleiche tun. Das ist ungeheuer anstrengend!
Wie viel leichter hatten es doch meine Eltern, die die Kindererziehung mit dem viel gelobten Bauchgefühl betrieben. Dumm nur, dass der Bauch, wenn die beiden mit ihrem Latein am Ende waren, das Problem dann auf die harte Tour lösen wollte. Mit hat das des Öfteren sehr wehgetan!
Schon aufgrund dieser Erfahrung wurde meine Tochter ganz anders erzogen. Sie hat von klein auf alles in Frage gestellt, wollte selbst entscheiden und machen. Ja, sie hat ihre Kleidung, Hausaufgaben und Hausarbeiten hinterfragt, wir haben darüber diskutiert und gestritten und einen Weg gesucht. Ohrfeigen und Basta wären um vieles Leichter gewesen.
Heute ist meine Tochter eine selbstständige junge Frau, liebenswert, rücksichtsvoll und ehrgeizig, sie hat ihren eigenen Kopf, setzt sich mit ihrer Umwelt kritisch auseinandersetzt und lässt sich von niemandem auf der Nase herumtanzen. Der Diskussionsstress und auch die Gänge im Schlafanzug haben sich mehr als gelohnt.

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irgenjemand 18.01.2016, 12:55
73.

Wenn man so manche Kommentare hier liest, dann möchte man heutzutage kein Kind sein. Als ich (Jahrgang 84) noch Kind war durften wir uns in jeder Hinsicht selbst ausprobieren, unsere Klamotten selbst aussuchen und zusammenstellen. Das war nie ein problem, auch wenn die Wahl manchmal skurill wirkte. Auch gebrauchte Klamotten von Bekannten oder aus einem Secondhand Shop waren für mich und meine Geschwister nie ein Problem. Und obwohl wir antiautoritär erzogen wurden und in einen Kinderladen statt Kindergarten sind wir alle wohl geraten, ubd leisten unseren Beitrag zur Gesellschaft. Doch wie sollen sich Kinder frei entwickeln können, wenn die Eltern ständig daneben stehen und das Denken für die Kinder übernehmen. Allen Müttern auf den Spielplätzen möchte ich manchmal am liebsten zurufen: "Lassen sie Ihr Kind sich doch mal ausprobieren!" Wozu geht man auf den Spielplatz, wenn das Kind nicht klettern darf, weil es fallen könnte! Wie soll es sich motorisch testen können, wenn Mama ständig ruft: " Pass auf, tu das nicht, dies und jenes ist zu gefAhrlich ...." Lasst eure Kinder mal machen, sie werden verdammt schnell lernen was sie schon können und was nicht, und was sie noch nicht können, dass lernen sie dann noch! Es sind Kinder, die für sich selbst stehen und niemanden gehören, wie ein Gegenstand. Um sich zu entwickeln und zu anständigen Personen entwickeln zu können, müssen sie sich selbst, ihren Körper, die eigenen Grenzen und die der anderen kennen lernen. Man lernt immer besser, wenn man etwas praktisch ausprobiert, als es nur theoretisch gesagt zu bekommen. Also liebe Eltern, lasst eure Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen, so schwer es auch manchmal fällt, lasst sie anziehen, was sie wollen und vor allem lasst sie toben, klettern und diskutieren. Nur so lernen sie Kompromisse eingehen zu können. Lasst eure Kinder mal wieder Kinder sein! Danke an die Autorin und alle anderen Eltern hier, die ihre Kinder ernst nehmen und auf ihre Wünsche eingehen und sie auch mal machen lassen!

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pittiken 18.01.2016, 13:04
74.

Zitat von Stöpsl
Ich habe immer mehr das Gefühl, dass bei der Entscheidung ein Kind zu bekommen, sehr oft ein Mangel an Selbstwert der Grund zu sein scheint? Endlich mal jemand, der tun muss, was ich sage! Und wenn nicht? Bestraf ich es! Das macht Spaß! Macht ja meinem Chef auch Spaß, wenn er mich wegen meinen Unzulänglichkeiten kritisiert (runter macht!) Und an alle SPON Übermütter: kommt abends der Mann heim und das Essen steht auf dem Tisch? Sind die Kids leise? Willkommen in den 50ern... Lieber ehrliche, laute Kids mit Durchsetzungsvermögen und Spaß daran finden als stille, inflexible später-erwachsene ohne jegliche Meinung?!
Kinder sind Kinder und keine Erwachsene, schon gar keine kleinen Erwachsenen. Eingeschränkte Geschäftsfähigkeit von Kinder hat schon einen Grund. Kinder brauchen Erwachsene, die ihnen Grenzen setzen. Und diese Grenzen dürfen auch mal überschritten werden, aber der Erwachsene bestimmt, wann überschritten wird und wann nicht.

Kinder sind von Natur aus ehrlich und laut. Kinder brauchen auch Einschränkungen, oder wie soll das Zusammenleben mit anderen Menschen im öffentlichen Raum funktionieren?

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Lische 18.01.2016, 13:04
75.

Das einizige, was ich aus den gesammelten Posts erkennen kann ist, dass das Verhalten von Kinder eben NICHT nur das Ergebnis von Erziehung ist. Selbstverständlich ist Erziehung wichtig. Genau so wichtig ist aber die Erkenntnis, dass Kinder eigene Persönlichkeiten mitbringen und nicht nur - wie ein Automat - verlässlich auf äußere Einflüsse reagieren.
Gut "funktionierende" Kinder sind nicht automatisch das Ergebnis guter Erziehungsleistungen der Eltern. Genau so wenig sind "komplizierte" Kinder das Resultat eines Versagens.
Wenn man das erkennt - oder zu erkennen bereit ist - dann verhilft das vielleicht zu ein wenig Gelassenheit und vor allem verhindert es eine eigene Selbstüberschätzung.

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Bobby Shaftoe 18.01.2016, 13:09
76.

Ich bin für ein allmorgendliches Plenum mit anschließender Genderdebatte. Da kann sich dann jedes Kind richtig austoben. Und bis Eltern_innen dann in die Spur gekommen sind und ihren Kindern eine gemeinschaftlich erarbeitete Entscheidung abgerungen haben, ist die Schule sowieso schon wieder rum.

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martine-primus 18.01.2016, 13:10
77.

Schuluniform? Blödsinn. Wir haben drei Jungs, ich habe gerade die Großen gefragt, ob da ein "Kleidungszwang" (Markenklamotten) existiert. Nö! Meine Kinder (9, 14 und 16)ziehen Aldi-Pullis und C&A-Klamotten genauso an, wie H&M etc.
Gut ... mag bei Jungen eh wurscht sein (oder ich treffe immer den Geschmack ;-) ), aber auch ich hatte als Kind nie Markenklamotten, weil meine Eltern sich die nicht leisten konnten. Dazu gab es eine Erklärung ("eigentlich müsste man für den MarcoPolo Pulli (100DM) noch Geld bekommen für die Werbung, die mit dem fetten Schriftzug auf Vorderseite gedruckt ist") und es war für mich ok. Später hab ich mir dann von Nebenjobs auch die Adidas Tennis Special gekauft, aber eben SELBSTERARBEITET.
Kinder verstehen mehr, als die Erwachsenen immer denken!
Leider ist es bei mir so, dass ich öfter den Kindern was mitbringen möchte, weil ich das als Kind alles nicht hatte... also wenn sie einen Wunsch hatten, was sie UNBEDINGT haben wollen, dann kann ich manchmal nicht aus meiner Haut und erfülle ihnen das (was natürlich kein Vermögen kostet). Pädagogisch nicht gerade wertvoll. Dafür sind sie aber recht anspruchslos.

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wolfgangreusch 18.01.2016, 13:14
78.

Letzlich sind immer die drei goldenen Faktoren, die den Weg zum "Glück" weisen:
a) Kinder Verantwortung übertragen
b) Kindern nachvollziehbare Grenzen setzen
c) Kindgerecht kommunizieren

Lief bei uns, nur mal exemplarisch an der Klamottenfrage festgemacht so:

Kind, 4 Jahre alt: Nein, ich will DAS anziehen!
Vater, allein erziehend, Vollzeit berufstätig 42 Jahre alt: Hm, ist zwar schön, passt aber nicht zum Wetter.
K, lauter: Ich WILL ABER DAS!
V: Na denn, probier es aus. Muss es aber auch selbst anziehen. Wenn du selbst was aussuchst, musst du auch in der Lage sein, Dich selbst an- und auszuziehen.
K: JA, das MACH ich auch!
... K kämpft mit den Klamotten, es dauert etwas, dann kommt sie zum Frühstück, und es hat ganz gut geklappt.
V: Komm her, da muss ich noch was gerade ziehen, aber sonst passt es. Prima gemacht! nur, wie gesagt, zum Wetter passt es nicht. Ich pack mal was Passenderes ein, und wenn Dir nachher zu heiß ist, dann ziehst Du Dich einfach um in der KiTa.
K: Das wird nicht zu heiß!
V: Dein Wort in Gottes Ohr. Ich pack trotzdem was anderes ein.
K: NEIN!
V: DOCH! du darfst vieles probieren, das weißt Du. Und wenn was nicht klappt, dann bin ich verantwortlich dafür, dass es einen Plan B gibt. DARÜBER diskutieren wir auch nicht!
...K grummelt in ihren Bart. Auf zur KiTa. Klar waren die Klamotten zu heiß. Und sie hat sich, mit etwas Hilfe der Betreuerin, die ich natürlich informiert habe, umgezogen. Auf dem Nachhauseweg nach dem Abholen erfolgt die After Action Review:
V: Und, wie war das mit den Klamotten heute?
K: Gut!
V: aber Du hast ja jetzt die Sachen an, die ich eingepackt habe..
K: Ja...es war mir dann zu heiß...
V: Hast du was gelernt?
K: Ja...aber ich will meine Kleidung selbst aussuchen!
V: Pass auf, wir machen einen Deal: einen Tag suchst du sie aus, und am nächsten ich. Immer im Wechsel. Na?
K: OK. Aber du darfst nichts ändern an dem, was ich aussuche!
V: Ist abgemacht! Ersatz pack ich aber immer ein, so wie heute.
K: Gut. Abgemacht.

Was soll ich sagen: Inzwischen ist sie 5, zieht sich morgens komplett alleine an (nachdem sie sich alleine gewaschen hat), sucht zu 80% alleine ihre Sachen raus, ich muss kaum je korrigieren, es gibt nie Stress.

Lernen am Erfolg und Misserfolg, am Beispiel und WICHTIG mit transparenten, nachvollziehbaren Maßnahmen seitens des Erwachsenen. Ich werde so reich belohnt für diese Zeit, die ich mich meinem Kind bewusst widme und nicht einfach auf Befehl und Gehorsam setze. In der ich es experimentieren lasse um EINSICHT zu gewinnen in die Mechanismen der Welt um uns herum. Kann ich nur empfehlen.

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markus_wienken 18.01.2016, 13:15
79.

Zitat von der_lasso
Ich kann es einfach nicht. Ich KANN mir nicht vorstellen, dass es richtig ist, mit einem drei Jahre alten KIND zu diskutieren, was es anziehen soll. Da wird das passende hingelegt und angezogen (sofern man das Kind schon überreden konnte, zu lernen, wie es sich selbst anzieht) und fertig. Übrigens: wie das Personal im Kindergarten dann mit dem Kind im Schlafanzug umgeht ist den Eltern ja egal. Sie haben ihr Problem ja los...
Warum sollte man mit einem Kindergartenkind das nicht diskutieren können?
Habe ich mit meinem Sohn im Kindergartenalter ab und zu auch getan wenn er z.B. sein schmutziges Shirt oder ein T-Shirt im Winter oder den warmen Pulli im Sommer anziehen wollte.
Allerdings nicht morgens um 7 sondern abends bevor es ins Bett ging.
Und....auch kleine Kinder kann man mit vernünftigen Argumenten überzeugen... OK, zumindest meistens.

Eine Frage an Sie persönlich: Was genau ist falsch daran, mit Kindern (auch über Kleidung kindgerecht) zu diskutieren?

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