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Elterncouch: Über das Töten
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daniel79 24.05.2016, 17:35
40.

Man kann niemandem erklären, wie ein Schnitzel mit Pommes schmeckt, bis er es selbst probiert hat.

Genauso ist es mit dem Töten von Lebewesen. Diese emotionale Erfahrung, ein Leben zu nehmen, muss jeder selber machen. Und dann doch lieber mit Insekten als mit Hunden, Katzen oder gar Menschen.

Und wer dennoch bei Hunden, Katzen und Menschen weitermachen will, hat sowieso ganz andere Probleme.

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Pless1 24.05.2016, 17:37
41.

Ich bin ganz verwirrt von dem Artikel. Das Kind ist (lt. Beitrag vor drei Wochen) erst dreieinhalb Jahre alt.

Zunächst einmal: Ich finde es toll, dass der Autor sich mit seinen kindlichen Ängsten beschäftigt und versucht, dem eigenen Kind solche Ängste zu ersparen. Trotzdem wird es von den Eltern mit Themen wie der moralischen Bewertung des Tötens von Menschen und dem Krieg in Syrien konfrontiert. Wie sollen Kinder in dem Alter das denn einordnen? Und wie sollen sie das verarbeiten?

Kinder verarbeiten ihre Erfahrungen im Spiel. Irgendwann müssen Sie sich auch mit den Themen Tod und Sterben auseinandersetzen - der Endlichkeit des Lebens allgemein. Das tun sie im Spiel und das ist manchmal mehr als skurril und morbide, gehört aber dazu. Man muss den Kindern diesen Raum lassen.

Nochmal eine Steigerung ist natürlich das Thema "Töten". Ich glaube nicht, dass das ein Thema ist, das man mit Kleinkindern besprechen sollte. Mein Jüngster ist zwei Jahre älter als das Kind des Autors und ich finde auch ihn noch deutlich zu jung dafür.

Ich befürchte, dass der Autor unbeabsichtigt bei seinem Kind Schuldgefühle erzeugt, wie er sie selbst erlebt hat. Die Betroffenheit, ja Sprachlosigkeit über die tote Ameise, das Insektenhotel als eine Art Sühnehandlung. Das ist aus meiner Sicht nicht der richtige Weg. Das Kind hat nichts schlimmes getan. Es hat eine Ameise zertreten - kann das aber noch gar nicht bewerten und einordnen und sollte sich daher auch nicht schuldig fühlen. Wie soll ein Kind in dem Alter unterscheiden können, warum eine Stubenfliege in der Küche wie selbstverständlich getötet wird, eine Ameise auf dem Waldweg aber nicht?

Man hätte ihm einfach sagen können: Hier draußen wollen wir die Tiere leben lassen. Man hätte auch noch sagen können, das die Ameisen für die Natur nützlich sind oder so etwas in der Art.

Viele Eltern wollen heute unbedingt alles richtig machen in der Erziehung, was erst einmal gut ist. Das hat aber die Gefahr, dass einfach zu viel des Guten gemacht wird und Eltern sich und ihre Kinder gleichermaßen überfordern. Dreijährigen Krieg, Mord und Totschlag erklären zu wollen und das sinnfreie Töten von Insekten zu verhindern zu versuchen gehört meiner Meinung nach dazu. Das hört von selber auf, sobald das Kind die nötige Reife entwickelt. der Autor sollte diesbezüglich kein schlechtes Gewissen haben. Weder wegen seines Sohnes noch wegen seines eigenen Verhaltens als Kind.

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otto_lustig 24.05.2016, 17:44
42.

Man sollte Kindern keine Spielzeugwaffen kaufen. Obwohl, ich habe das auch mal getan. Er war etwa fünf, wir waren im Italien-Urlaub. Auf einem Markt gab es Spielzeugwaffen. Er wollte eine haben. Wir haben das abgelehnt. Er bekam einen "Tobsuchtsanfall", wie man das manchmal von Kleinkindern kennt. Wir haben den Markt verlassen. Das Kind tobte weiter. Nach 10 bis 15 Minuten gingen wir zurück zum Markt und haben ihm dann doch eine gekauft, um ihn zu beruhigen. Ein Fehler? Nein! Wir haben ihm gezeigt, dass wir das nicht gut finden. Er aber wollte nur noch seinen Willen durchsetzen. Das Ding hat ihn nach ein paar Tagen überhaupt nicht mehr interessiert. Später hat er den Wehrdienst verweigert und Ersatzdienst beim THW geleistet. Er hat einen Sprengschein gemacht, der heute natürlich nicht mehr gültig ist. Er hat eine Ausbildung, um mit technischen Mitteln Verschüttete aufzuspüren. Und in 5 Wochen werde ich Opa.

Mal sehen, wie sich mein Enkelsohn entwickelt. Wir wohnen jetzt auf dem Land. Mein Sohn ist in der Stadt aufgewachsen. Da hat man natürlich nicht viele Möglichkeiten, Ameisen zu zertrampeln. Den Tod hat er allerdings früh kennengelernt, als sein geliebter Opa gestorben ist.

Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Was meine Jugend betrifft, finde ich mich in einigen Kommentaren wieder.

Seien wir doch mal ehrlich. Mord und Totschlag gibt es im Fernsehen schon vor dem Frühstück. Etwa in der Serie "Law and Order" bei RTL-Nitro.

Selbst die Nachrichten, auch bei den öffentlich-rechtlichen, bringen fast täglich Horror-Beiträge. Selbstmordattentate, usw.

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tiefenrausch1968 24.05.2016, 17:52
43.

Vielleicht hätte der Vater den Sohn einfach mal fragen sollen, ob er ihn jetzt auch mal zertreten soll? Bei Kindern hilft es ungemein, wenn sie sich mit dem Opfer ihrer Taten identifizieren müssen. Wie findest du es, wenn dich einfach jemand tritt? Ungerecht? Schmerzhaft? Brutal? Das hilft, auch die andere Seite wahrzunehmen. Kinder sind ja häufig ohnmächtig, deshalb dienen Kleinstlebewesen als Ventil für eigene Ohnmachtsgefühle. Trotzdem kann man sie darauf hinweisen, dass das für die betreffenden Ventile nicht schön ist. Wenn die sadistischen Vorfälle sich häufen, ist es Zeit einen sich beraten zu lassen. Da sollte man auch nichts verdrängen oder beschönigen.

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hmueller0 24.05.2016, 17:57
44. @andreas_s

Zitat von andreas.s
Schon mal überlegt das Kinder Geheimnisse, auch dunkle Geheimnisse, brauchen? Zeigen Sie Ihrem Sohn mal die Konsequenzen des Töten. Zeigen Sie ihm ein paar süsse Tierbabies die er wirklich süss findet und erklären Sie ihm dann einfach wie diese Tierbabies langsam verrecken müssen wenn das Muttertier getötet wird. Oder das Sie in einem der Häuser sitzen während eine Bombe es zerstört, das jetzt die Hände die ihn festhalten zermatscht zwischen Trümmern liegen und ihn nie wieder streicheln können, oder der Kopf der ihm vorliest einfach zerquetscht wurde und nie wieder ein dummes Winnie Pu Buch vorlesen kann. Kinder lernen nicht weil Papa sagt das macht man nicht. Kinder haben ein Recht darauf zu erfahren welche Konsequenzen dieses "etwas" hat und warum man "das" nicht macht.
schon mal überlegt, dass Kinder auch altersgerechte Information und Umgang brauchen? Wenn "möglichst drastisch vor den Latz knallen" alles ist, was Ihnen zum Thema Kindererziehung einfällt, dann kann ich nur hoffen, Sie haben keine.

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danido 24.05.2016, 18:00
45.

Wenn Kinder Cowboy und Indianer spielen und "rumballern" wollen, dann verarbeiten sie damit spielerisch Gewalt, die sie durch Medien kennengelernt haben. Spielen ist, vor allem bei Kindern, ein Verarbeitungs-/Lernprozess. Das heißt natürlich nicht, dass die Kids dadurch zu Killern werden, sondern sie lernen emotional damit umzugehen und dazu gehõrt Täter/Opferrolle zu spielen, sich hineinversetzen. Unterbinden sollte man das nicht. Und wer seine Gutmenschentriebe nicht im Zaum halten kann sollte sich vorher im Klaren darüber sein was er seinem Kind antut, wenn er es verbietet.

Ameisen oder Spinnen zu quälen ist allerdings angeboren. Ich habe nie gegen Lebewesen gekämpft die nicht in meiner Gewichtsklasse waren.

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sushiboi 24.05.2016, 18:02
46.

Krieg ist Schei*e, trotzdem beschränkt sich unser Mitgefühl auf ein vielsagendes Nicken bei der allabendlichen Nachrichtensendung. Kinder haben ein feines Gespür für so etwas und so ahmen auch in dieser Hinsicht sie letztendlich nur ihre Eltern nach.
Wenn sie etwas ändern wollen, reichen schon wenige Kinderbilder aus dem Kriegsgeschehen mit entsprechenden Erklärungen. Kinder erkennen sehr wohl den Unterschied zwischen ihrem Leben und dem der Kinder im Kriegsgeschehen.

Andererseits sind Leute, die sich tatsächlich für Frieden einsetzen, und zwar unabhängig von politischen, wirtschaftlichen u.ä. Interessen, gar nicht gern gesehen. Waren sie eigentlich noch nie, denn auch die Friedensaktivisten zur Hochzeit der Friedensbewegung waren zahlreichen Anfeindungen aus Politik und Medien ausgesetzt und hatten nicht selten auch mit Nachteilen in ihrem beruflichen Umfeld zu leben. Um dem Kind also auf ein angepasstes und damit erfolgreiches Leben in unserer Gesellschaft vorzubereiten, ist wahrscheinlich das vielsagende Kopfnicken bei den Nachrichten genau richtig. So viel anders kann's im ehemaligen Osten eigentlich auch nicht gewesen sein.

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Maximilian Mucks 24.05.2016, 18:06
47.

Echt jetze? Eine Ameise? Ich habe als Kind "Raviolikäfer" gefangen. Wenn man auf die draufgedrückt hat, kam etwas raus, das entfernt nach einer Tomaten-Rahmsoße ausgesehen hat. Ich habe Regenwürmer zerteilt ... und gegessen (was ich nicht empfehle). Ich hatte zich Pistolen, Gewehre, Säbel, Messer, Flammenwerfer, Ninjasterne und ich weiß nicht was. Einmal bin ich sogar mit einem Spielzeuggewehr aus Holz und Heizungsrohr mit der Lufthansa geflogen. In der Kabine. Heute unvorstellbar und doch gar nicht so lange her. Ich habe auch regelmäßig von der Bundeswehr Post bekommen, hatte Plakate mit den aktuellen Waffensystemen von Heer, Luftwaffe und Marine an der Wand, habe meine Begeisterung nicht verloren, als es an mir war, zu dienen, bin Reserveoffizier, Jäger, kann Feuer machen, Rasen mähen, Sachen reparieren, mich auch mal prügeln, wenn es sich nicht vermeiden lässt, bin auch gelegentlich mutig, wenn mir auch danach das Herz rast, schlafe ab und zu gern im Freien, klettere auch immer noch auf armdicke Buchen, um sie dann runterzubiegen und hochschnalzen zu lassen. Und ich habe eine wunderbare Frau, viele wunderbare Freunde, einen festen Glauben, feste Werte, einen ganz normalen ehrbaren Beruf, zwei wunderbare Söhne, habe niemanden umgebracht und habe es auch nicht vor. Aber ich hoffe doch sehr, sehr, sehr, dass meine Söhne den ganzen Mist auch machen und am Ende - so wie ich - doch rausfinden, was gut und böse ist. So ganz ohne Psychiater. Einfach so, vielleicht mit ein bißchen Vorbildsein hier und da.

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Spiegelleserin57 24.05.2016, 18:08
48.

ein Kind wird den Tod als Wort nie begreifen und erst die Reichweite verstehen wenn ein Mensch den es geliebt hat tot ist. Leichen werden schnell vor den Menschen in Leichenhäusern versteckt sodass ein Kind den Tod als das was er ist nicht begreifen kann.
Es kann nicht verstehen dass es kein Wiederkehr gibt und der Mensch der gegangen ist eben nie wieder zurückkehrt. Da liegt wohl das Problem und die Aufgabe der Eltern einem Kind den Tod verständlich zu machen.0

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espet3 24.05.2016, 18:17
49.

Es ist wohl lobenswert, wenn Eltern ihre Kinder zu friedlichen Menschen erziehen.
Nur, wenn es wirklich mal zu der ernsten Situation kommen sollte: "Du oder ich", dann ist der menschenfreundliche Zeitgenosse eben nur zweiter Sieger. Friedliches Verhalten ist somit nur dann vorzüglich, wenn alle friedlich sind.

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