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Elterncouch: Über das Töten
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ichsehsso 24.05.2016, 20:09
60.

Das Ergebnis zählt!
Als ausgebildete und engagierte Erzieherin und Pazifistin wollte ich meine Söhne niemals mit Spielzeug-Gewehren spielen lassen, weder mit den Mini-Exemplaren von Lego und Playmobil, noch mit Wasserpistolen. Aber die kindliche Fantasie hat meinen Erstgeborenen - noch im Hochstuhl sitzend -damals dazu gebracht, mit 2-3 Bissen aus einer Scheibe Toastbrot eine "Pistole" herauszubeißen und mir das Ergebnis grinsend zu präsentieren. Von da an sah ich es nicht mehr so "verbissen", lebte Ihnen aber weiterhin meine Gewalt verachtende und mensch- wie tierliebende Einstellung vor. Nach über 20 Jahren habe ich heute zwei Jungs von 25 und 17 Jahren, auf die ich auch in Bezug auf deren Meinung zu Gewalt und ihren Umgang mit Tieren stolz sein kann. Unser konsequentes Vorleben ohne allzu starre Einschränkungen haben sich gelohnt. Dieses positive Ergebnis wünsche ich auch dem Autoren und Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser.

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vfarina 24.05.2016, 20:37
61. kenn ich

Das Problem hatten wir auch. Er spielt, dass Häuser brennen und Autos Unfälle bauen. Unsere Lösung:" Na Gott sei Dank ist schnell die tolle Feuerwehr/THW/Polizei da und rettet alle!"
Jetzt legt er nur Feuer damit er Feuerwehrmann spielen kann :-)

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ichsehsso 24.05.2016, 20:56
62.

Wenn ich nur daran denke, dass ich - noch ganz klein - mit Tränen in den Augen in Omas Garten scheinbar tote Marienkäfer festlich beerdigt und die Gräber mit Blüten und Steinen geschmückt habe. Später lernte ich im Biologieunterricht, dass sich viele Tiere, eben auch Käfer, bei Gefahr tot stellen. Somit weiß ich heute, dass ich erst mit meinem Tun die armen Viecher ins Jenseits befördert habe. Kinder können grausam sein, auch ohne Gewaltfantasien und ohne wirklich das Tier quälen zu wollen. Ein Auge sollte man schon auf ein solches Verhalten werfen, besonders was den Konsum von Gewaltfilmen und -spielen betrifft und im respektvollen Dialog miteinander bleiben. Sicher bedarf es dann nicht immer professioneller psychologischer Hilfe.

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Icki 24.05.2016, 21:02
63.

Erschreckend, wie hier ein vorgeblich "typisches" Phänomen verharmlost wird!
Ich kann den Schrecken, den das Verhalten seines Sprösslings dem Autor eingejagt hat, bestens nachvollziehen! Aber warum trifft das hier auf so viel Unverständnis? Ist das ein Zeitgeist- oder ein überholtes Gendervorurteil Marke "Jungs müssen so sein"? Ich (Jahrgang 51) habe meine Kindheit als einziges Mädchen zusammen mit drei älteren Jungs auf dem Land verbracht. Wir haben beim Schweineschlachten geholfen und Blut gerührt, aber ein Insekt (außer Fliegen) oder Reptil zu töten oder gar zu quälen wäre weder mir, noch den Jungs in den Sinn gekommen. Der Spruch "Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie Du den Schmerz" war ganz einfach bereits für mich als Vierjährige einleuchtend.
Auch hat meine Tochter nie - wie ein Kommentator es hier als "normale" Verhaltensweise beschreibt - ihre Puppen misshandelt, und wenn, hätte das meinerseits zu sofortigem Einschreiten geführt!
Lassen Sie sich nicht von den vielen achselzuckenden Kommentaren verunsichern: Die Idee mit dem Insektenhotel ist großartig!

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chirin21 24.05.2016, 21:18
64. Elterncouch :über das Töten

Zitat von vfarina
Das Problem hatten wir auch. Er spielt, dass Häuser brennen und Autos Unfälle bauen. Unsere Lösung:" Na Gott sei Dank ist schnell die tolle Feuerwehr/THW/Polizei da und rettet alle!" Jetzt legt er nur Feuer damit er Feuerwehrmann spielen kann :-)
Genau, so macht man das!

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ichsehsso 24.05.2016, 21:26
65.

Erziehung mit Gefühl schafft Mitgefühl!
Mir fällt gerade ein, dass es mich sehr beeindruckt hatte, wenn meine Eltern mich als Kind baten, mich in einen anderes Lebewesen hineinzuversetzen, um nachzufühlen, was der entsprechende Mensch oder eben das Tier jetzt empfindet - nach dem Motto: "Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem and'ren zu!" Meine kindliche Fantasie verbot mir mit der Entwicklung empathischer Fähigkeiten schon deshalb recht früh, anderen Leid anzutun. Es gibt übrigens schon für die Kleinsten sehr gute Bilderbücher, die auf kindgemäße und spielerische Art Identifikation z.B. mit einem Tier schaffen und somit Mitgefühl auslösen. Eine einfache Möglichkeit, dem Kind zu einer gesunden Entwicklung zu verhelfen!

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judas-adolf 24.05.2016, 21:52
66. Normal, normaler, am normalsten!

Natürlich sind nicht alle Kinder gleich. Manche haben mehr, manche weniger Temperament, Neugier, Fantasie. Aber Tod und töten spielt für die meisten Kinder irgendwann mal eine Rolle. Unser Sohn war lange Zeit extrem friedliebend und defensiv. Jetzt, mit sieben, ist es sein größtes Hobby, zu kämpfen, zu rangeln und Star Wars nachzuspielen. Unsere Tochter, drei Jahre alt, ist völlig fasziniert von Tod und Verderben und allen Fragen, die damit zusammenhängen. Die imaginäre Mutter ihrer Fantasiefreundin ist die meiste Zeit tot. Letztens ist sie allerdings auch mit dem Auto gegen einen Baum gerast, oder sie siecht im Krankenhaus dahin. Im Kindergarten wird auch gerne mal Beerdigung gespielt. Und trotzdem wird jede Schnecke beschützt und über die Straße getragen und um jedes verletzte Kaninchen geweint. Es gibt einfach diese Polarität. Und auch wenn ich als Mutter meine Kinder zuweilen ziemlich gruselig finde, gehe ich davon aus, dass sie sich trotz aller Morbidität gesund entwickeln. Selbst mein Mann, ein ausgesprochen friedliebender Mensch, hat als Kind begeistert mit Gewehren gespielt und Stöcke zu Waffen umfunktioniert.

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akiron 24.05.2016, 22:41
67. normal?

einem Schmetterling die Flügel ausreissen? Regenwürmer zerschneiden? mit Lupe und Backpulver Ameisen töten? Ich kann mich nicht erinnern, als Kind sowas getan zu haben oder andere Kinder dabei gesehen zu haben. Verstehe nicht, warum sowas immer verharmlost wird....Räuber und Gendarm oder Indianer spielen mit Waffen finde ich dagegen normal, das ist virtuell, gespielt, nicht in echt.

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Sabin Chen 25.05.2016, 04:06
68. nicht so psychologisch reagieren

find ich toll, dass sich der Autor entschuldigt. Sowas hab ich noch nie irgendwo gelesen. Zum Artikel: ich würde auch nicht zuviel Gewicht an die Sache hängen, sonst kehrt sich das erst Recht um. Jemand schrieb schon: Find ich blöd! Sowas reicht. Seh ich genauso. Und nochwas - wie kommen denn bloß alle darauf, dass nur Jungs Kriegsspiele toll finden? Ich bin auch auf dem Land aufgewachsen und habe sämtliche, oben genannten Phasen durchlebt. Ok- die Jungs fingen dann mit Fröschen und sowas an, da war ich raus!

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Reza Rosenbaum 25.05.2016, 16:52
69.

Im Artikel wird so einiges durcheinander geworfen. Die Vorliebe, mit Waffen oder ohne "Gewalttaten" zu spielen hat wenig mit "Lust an Gewalt" oder "Lust am Toeten" zu tun. Selbst die meisten Kleinkinder kennen den Unterschied zwischen "spielen" und "echt" ganz genau. Und praktisch alle Menschen koennen zwischen Fiktion (Ballerspiele, Filme, Comics, etc.) und Wirklichkeit gut unterscheiden. Dagegen im krassen Gegensatz steht die Lust am tatsaechlichen Toeten bzw. Quaelen von Tieren (oder Menschen). Das kriegt man eigentlich nur hin, wenn es einem an Empathie fehlt, man also das Leid der wehrlosen Kreatur am anderen Ende weder verstehen noch reflektieren kann. Es gibt Menschen mit sehr viel Empathievermoegen und Menschen, die gar kein Empathievermoegen haben (die nennt man Soziopathen), und alles dazwischen. Empathievermoegen hat man nicht von klein auf, sondern man lernt das als Kind irgendwann, meist durch eine einschneidende Erfahrung, auch mal "am anderen Ende" zu sein, zum Beispiel, wenn man von einem koerperlich oder geistig weit ueberlegenen Kind lustvoll "verdroschen" oder "geaergert" wird. Oder von einem Elter mal gefragt wird, wie man sich selbst in der Situation der entsprechend behandelten Ameise/Spinne/Katze/Hund/Maus etc. fuehlen wuerde. Manchmal bedarf es einer entsprechenden Demonstration seitens der Eltern, damit die Lektion sitzt. Manchmal bedarf es einer Beziehung zu einem wehrlosen Tier, z.B. einem Familienhund/Katze, etc., damit man lernt, dass am anderen Ende eine fuehlende, leidende Kreatur ist. Mit drei Jahren hat man in der Regel kein ausgepraegtes Empathiegefuehl. Das Toeten der Ameise sieht man in dem Alter wohl eher als "kaputtmachen" an. Man versteht aber durchaus den Unterschied, wenn einem das vernuenftig erklaert wird. Eine verminderte Empathiefaehigkeit im fortgeschrittenen Kindesalter, wie vom Author fuer sich selbst beschrieben, gibt Anlass zur Sorge. Und zwar nicht nur wegen der extremen Faelle "erwachsener" Empathielosigkeit wie Mord und Vergewaltigung, sondern auch, weil Empathielosigkeit so alltaegliche Dinge wie Fremdenhass, Diskriminierung, ausbeuterische Geschaeftspraktiken, Ruecksichtslosigkeit (in Beziehungen, im Alltag, im Strassenverkehr, etc.) erst ermoeglicht. Vollkommen hysterisch dagegen ist die ueberzogene Angst vor gewalt"verherrlichenden" Spielen. Wer vorm Rechner am abend ein paar hundert virtuelle Gegner brutalst dahinmetzelt, hat keinerlei echtes Leid erzeugt. Die Hysterie um diese Spiele ist genauso absurd, wie die Annahme, dass das Brettspiel "Risiko" seine Spieler zu kriegstreibenden Weltmachtanspruchsfantasten macht.

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