Forum: Panorama
Ex-Minister Kinkel zur RAF: "Ich bin damals schier verzweifelt"
DPA

Bis 1998 bekämpfte die RAF gewaltsam das kapitalistische System, dann löste sie sich auf. Ex-Justizminister Klaus Kinkel über Versöhnung mit Mördern - und über frühere Terroristen, die den Absprung nicht schaffen.

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troka 11.10.2018, 13:14
10. Grenzen?

Herr Kinkel fleht in diesem "Interview" (es ist wohl eher ein belangloses Gespräch über alte Zeiten) mit jedem Satz darum, zu diesem Thema endlich in ruhe gelassen zu werden. Man spürt die Ausweglosigkeit eines Staatsdieners, der zwischen Wissen und Gehorsam zu entscheiden hatte. Herr Schily hatte sich seinerzeit in Sachen NSU nicht so schwer getan und bereitwillig die vom Verfassungsschutz betreuten (und initiierten?) Morde flugs den Opfern selbst in die Schuhe geschoben. Was Kinkel mit "Grenzen" meint, die ernicht überwinden konnte, die dazu führten, dass die Untersuchungen erfolglos blieben, haben den gleichen Ursprung wie die unaufgeklärten NSU Morde: Staatsinteresse. Sollten im Falle der RAF die unliebsamen Kämpfer gegen Alt-Nazis und das kapitalistische System mit Hilfe von V-Leuten radikalisiert und in Folge dessen ins gesellschaftliche Abseits gestellt werden, sollten die NSU-Morde die politischen Bestrebungen für verschärfte Asylbestimmungen in der BRD seinerzeit fördern, gleichzeitig half es, den sowieso in der BRD vorhandenen Rassismus un die Fremdenfeindlichkeit auf hohem Niveau zu halten. Qui Bono.....Die Wahrheit werden wir wie immer, vielleicht in 20 oder 30 Jahren erfahren, wenn diese allerseits nur noch ein Schulterzucken zur Folge hat: "och, die ollen Kamellen...".

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charlybird 11.10.2018, 13:15
11. Interessant und erstaunlich,

ich hätte es dem alten Kinkel gar nicht zugetraut, dass er den damaligen Aufstand und die Kritik an den in der Tat verkrusteten Zuständen verstanden hat.
Die Verkrustung war damals tiefbraun und wurde tatsächlich aufgebrochen, nicht von der fanatischen RAF, die in ein selbstherrliches, elitäres Revoluzzerkorps ohne Zukunft abdriftete, sondern durch eine neue Generation, nämlich die heute so verschrieenen 68er, die die Obrigkeitshörigkeit abgelegt hatten und begannen Fragen zu stellen, die vorher keiner gestellt hat und ebenso begannen Dinge infrage zu stellen, die sich keiner getraut hätte.

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allesamt 11.10.2018, 13:17
12. RAF: Nützliche Idioten

Die RAF-Terroristen waren die nützlichen Idioten der Rechten, die (wegen deren grausamen Ermordungen) nun mit großer Sympathie und Unterstützung der allermeisten Menschen in Deutschland die ersten Blüten einer liberalen Gesellschaft zertreten konnten: Diskreditierung aller Linken, Notstandsgesetze, Polizeieinsätze, verstärkte Überwachung, Zurückdrängung studentischer Positionen sind nur einige Beispiele.

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razer 11.10.2018, 13:23
13.

Zitat von ir²
Was wäre wohl für ein Aufschrei zu hören wenn ein Politiker auch nur annährend so viel Verständnis zeigte für die NSU Mörder als hier für die RAF Terroristen durchschimmert.....
Haben Sie das Interview gelesen ? Da schimmert null Verständnis durch.
Auch bei den NSU-Mördern müssen Verantwortliche wissen, wovon sie reden. Blos liegt bei der NSU ein extremes Staatsversagen vor, teilweise sogar sowas wie verdeckte Symphatie.

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MartyRofl 11.10.2018, 13:26
14. @redfish

Der Vergleich mit Nazi-Deutschland ist schief. Der stärkere Fokus von Medien auf diese dunkelste Zeit ist gerechtfertigt im Vergleich zur RAF. Gräultaten aufzuwiegen sollte man nicht, aber in diesem Fall liegt doch einiges dazwischen. Die RAF war sehr lokal, die Nazis haben mindestens ganz Europa in den Abgrund geführt.

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three-horses 11.10.2018, 13:27
15. In Anlehnung an WK II.

Zitat von wehrwolf204
Die Journale ist der RAF schon immer in den Hintern gekrochen. Natürlich auch das Leserpublikum dieses Blattes. Mir persönlich is ja die NSU sympathischer. Aber jeder hat halt andere Präferenzen.
In Anlehnung an WK II und die Folgen. Woher wissen Sie welche Abstammung Sie selbst sind?

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tinosaurus 11.10.2018, 13:29
16. Unterschied

Zitat von redfish
... für die Artikel der letzten Tage zum Thema RAF, so auch diesen. Es ist gut, unter der fast täglich in den Medien stattfindenden Erinnerung an den NS-Terror auch mal wieder eine Erinnerung an den Linksterrorismus der RAF zu finden. Auch deren Opfer dürfen nicht vergessen werden, und auch jungen Leuten sollten Namen wie Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin etc. und die mit ihnen verbundene menschenverachtende Ideologie wieder deutlicher in Erinnerung gerufen werden.
Es gibt aber einen gravierenden Unterschied. Der Terrorismus der RAF zielte in erster LInie auf korrupte und fragwürdige Politiker mit Nazi-Vergangenheit. Es gab nur wenige unschuldige und zivile Opfer. Bei der NSU-Mordserie kamen dagegen völlig unschuldige Bürger ums Leben. Während sich beim Linksterrorismus die ganze Staatsmacht herausgefordert fühlt und Notstandsgesetze erlässt, steckt bei dem rechten Terror sogar der Verfassungsschutz mit drin. Auch ein Untersuchungsausschuss konnte die Vorgänge nicht klären, da rein zufällig Akten vernichtet wurden und die Verantwortlichen sich an nichts erinnern konnten bzw. wollten. Herr Klinkel hatte ein gutes Interview gegeben.

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dasP 11.10.2018, 13:30
17. Richtige Ziele? Falsche Mittel.

Ganz klar: Die Mittel der RAF (Gewalt, Geiselnahme bis hin zu Mord) sind zu verurteilen. Keine Frage. ABER: Mich würde einmal interessieren, wer die Opfer waren - vor allem wer die Opfer aus Sicht der RAF waren. Denn es wird, denke ich, immer mehr klar: der Kapitalismus zeigt heute immer öffentlicher sein hässliches Gesicht. Die Steuermänner und -frauen des Kapitals sind auch diejenigen, die dem Klimawandel (und allen anderen Problemen) entgegensteuern könn(t)en - stünde nicht dieser "Egoismus", "Narzismus", "Ignoranz" und die schiere "Gier" im Weg. Hambacher Forst - der ach so grüne (ex- und doch noch immer Atomspalter) RWE-Konzern. Die sauberen Dieselhersteller, deren grüne Euro6-Kutschen auch meist nicht besser sind, als die alten. Die "ist-nicht-in-Ordnung-wie-China-mit-Kinderarbeit-und-Menschenrechte-umgeht"-Hersteller, die dort billigst Jeans und Smartphones herstellen lassen. Die Massentierhalter (Antibiotika-Lieferant) und Glyphosat-Konzerne (Bayer wird bestimmt systemrelevant und zu retten sein müssen, wenn der Abschreibungs-"wert" von Monsanto doch etwas zu viel wird...). Die "Milch macht's"-Fraktion, die mit der Kalzium-Lüge die Kinder mit Schokodrinks füttert - irgendwie müssen ja die Fehlstunden überbrückt werden. Die Banken, die faule Kredite zu Gold machen, weil Minus sozialisiert wird - nur vom Gewinn bleibt nichts. Versicherungen, die Pornoparties in Osteuropa feiern, dafür aber die Lebensversicherungen als Giftige Papiere verscherbeln wollen. Kann man eigentlich auf dem Kreuzfahrtschiff im Hamburger Hafen auf die Fahrverbotsstraßen blicken? Unsere Waffen sind wohl nicht so unzuverlässig, wie berichtet - sie finden nach wie vor reißenden Absatz. Mit DU-Geschossen gehen wir auf Nummer sicher, dass auch nachfolgende Generationen noch was von "Fluchtursachen" haben. Und. Und. Und. Daher würde ich mir tatsächlich einmal wünschen, wenn in den Medien die Opfer der RAF dargestellt werden, und zwar mit einem solchen Blick wie beschrieben. Klar: das ist ein schwieriges Thema, weil der Respekt vor dem Leben (bzw. Tod) gewahrt werden muss. Aber die Beweggründe von damals lassen vermuten, dass es HEUTE sicherlich auch - vorsichtig gesagt - kritische Stimmen gegen "POLITIK" und "WIRTSCHAFT" gibt. Und noch immer scheint es, als sei die POLITIK gekauft und direkter Lobbyist, statt "parteiloser und kritischer" Vertreter FÜR den Souverän. Was nicht heißt, dass auch Entscheidungen für die Wirtschaft getroffen werden können - nur sollte das nicht zwangsläufig so sein, wie es heute scheint.

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Havel Pavel 11.10.2018, 13:33
18.

Zitat von allesamt
Die RAF-Terroristen waren die nützlichen Idioten der Rechten, die (wegen deren grausamen Ermordungen) nun mit großer Sympathie und Unterstützung der allermeisten Menschen in Deutschland die ersten Blüten einer liberalen Gesellschaft zertreten konnten: Diskreditierung aller Linken, Notstandsgesetze, Polizeieinsätze, verstärkte Überwachung, Zurückdrängung studentischer Positionen sind nur einige Beispiele.
Aber die Mehrheit der Bevölkerung hat doch begeistet zugestimmt und genau die Politiker die dafür stehen gewählt! So funktioniert halt nun mal Demokratie, was keineswegs sicherstellt, dass sich immer die "klügsten" Entscheidungen durchsetzen. Beispiele hierzu gibt es ja zur Genüge.

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crunchy_frog 11.10.2018, 13:34
19.

Zitat von ir²
Was wäre wohl für ein Aufschrei zu hören wenn ein Politiker auch nur annährend so viel Verständnis zeigte für die NSU Mörder als hier für die RAF Terroristen durchschimmert.....
Mal abegesehn davon, daß Herr Kinkel explizid kein Verständnis für das Morden der RAF zum Ausdruck brachte, wollen Sie doch hoffentlich nicht die ideologischen Hintergründe von RAF und NSU miteinander vergleichen. Letztere folgten keiner Ideologie, sondern mordeten ziellos aus rassitischen Motiven.

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