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Fährunglück vor Südkorea: Taucher bergen mehr als hundert Opfer aus gesunkener "Sewol
AFP

Auf der gesunkenen Fähre "Sewol" durchsuchen Taucher eine Kabine nach der anderen. Die Zahl der geborgenen Todesopfer liegt inzwischen bei 104 - und noch immer gibt es kaum neue Erkenntnisse zur möglichen Unglücksursache.

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georg_lm 22.04.2014, 10:21
10.

Zitat von les2005
Was bisher deutlich wird, ist daß sowohl Crew als auch Rettungsstelle vesagt haben. Die Crew, weil sie die Passagiere nicht mindestens an Bord beordert haben. Die Rettungsstelle, weil nicht mitteilte daß Hilfe unmittelbar in der Nähe war.
Nein. Die Rettungsleitstelle an Land hat nicht versagt, auch wenn man
das hier immer wieder lesen kann.
Das in der Nähe befindliche Schiff hat seine mögliche Hilfe per Funk
mitgeteilt. Also konnte die Sewol das mithören.
Dazu macht man die Koordination doch mit normalem Seefunk und nicht
per Handy oder Satphone - damit ALLE Schiffe in der Umgebung ALLES mitbekommen.

Dazu kommt noch etwas anderes: Das nächste Schiff war angeblich nur
10 min. entfernt. Das ist in der Seefahrt fast gar nichts. Ein Schiff,
das so nah ist, muß von der Schiffsführung der Sewol auch schon vor dem
Unfall beachtet worden sein, um eine Kollision zu vermeiden.

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citi2010 22.04.2014, 10:31
11.

Zitat von egal
Es ist furchtbar und ich empfinde Mitleid mit den Familien. Die Hetzjagd auf die Offiziere und den Kapitän kann ich aber nur wegen des frühen Verlassens des Schiffes verstehen. Die Passagiere ins kalte Wasser bei bis zu 5 Knoten Strömung springen zu lassen, hätte ich mir auch nicht als sinnvoll vorgestellt.
Es hätte ja auch ein dritte, sehr sinnvolle Variante gegeben. Alle Passagiere auf Aussendecks, Scchwimmweste anlegen und in die Nähe von Rettungsbooten. Dafür waren 90 min Zeit. Ins Wasser muss man ja erst in letzter Minute springen.

Leider sind insgesamt verheerende Trends festzustellen, quer durch alle Gesellschaften. Inhaber von Führungspositionen zeichnen sich nicht mehr durch verantwortungsvolles Handeln im Sinne ihrer Aufgabe aus, sondern durch selbstsüchtiges Handeln, Abwiegeln, Vertuschen, Abwälzen und so weiter. Und ökonomische Zwänge und unstillbarer Rendite Hunger führen zu schlecht ausgebildeten und überarbeiteten Crews. Ob es sich nun um brennende Fabriken in Bangladesh, sinkende Schiffe in Korea, ein leckes Atomkraftwerk in Japan oder auch das deutsche Bauwesen handelt. Die Ursachen sind identisch.

Darüber hinaus konkret: wo sind die Security Drills auf solchen Überfahrten? Warum waren fast keine Rettungsboote im Wasser.

Ich weiss schon warum ich bei allen Fahrten auf Fähren immer an oder in Nähe des Oberdecks bleibe. Zuviel ist schon passiert.

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ulli7 22.04.2014, 10:32
12. merkwürdige Fähre, die schnell kentert und sich umdreht

Das Fehlverhalten von Kapitän Schettino, welches zum Untergang des Schiffes führte, kann ich nachvollziehen. Wenn die koreanische Fähre nicht auf ein Riff gelaufen ist, dann dürfte die 3. Offizierin m.E. nicht die Hauptschuldige sein. Große Schiffe reagieren bei Lenkmanövern sehr langsam und verzögert. Solche Fälle treten normalerweise ein, wenn das Schiff falsch konstruiert ist oder wenn der Ballast über dem Kiel vergessen wurde.

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citi2010 22.04.2014, 10:39
13.

Zitat von ulli7
Das Fehlverhalten von Kapitän Schettino, welches zum Untergang des Schiffes führte, kann ich nachvollziehen. Wenn die koreanische Fähre nicht auf ein Riff gelaufen ist, dann dürfte die 3. Offizierin m.E. nicht die Hauptschuldige sein. Große Schiffe reagieren bei Lenkmanövern sehr langsam und verzögert. Solche Fälle treten normalerweise ein, wenn das Schiff falsch konstruiert ist oder wenn der Ballast über dem Kiel vergessen wurde.
Sicherlich eine Kette von Ursachen, inkl. unsachgemässer Verladung.

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rudi.waurich 22.04.2014, 10:44
14. @ulli7

Mit der Seefahrt habben Sie auch nicht so viel im Sinn, oder? Schon mal den Unfallbericht der Herald of Free Enterprise gelesen? In dem Fall war's eine Großfähre einer großen Reederei einer großen Seefahrtsnation. Die ist keine 5 Minuten aus dem Hafen von Zeebrugge ausgelaufen und gekentert. Obwohl modernste europäische Rettungsmittel direkt vor Ort waren, gab's 188 Tote. Wenn auf einer Fähre einmal Wasser auf dem/den Fahrzeugdecks ist, wird's eng. Siehe auch Estonia. Der englische Bericht ist hier: http://www.maib.gov.uk/publications/...ise_report.cfm
MAIB ist die Marine Accident Investigation Branch des Department of Transport in England.

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Flari 22.04.2014, 10:49
15. Zustand nach ca. 30 Minuten..

Zitat von citi2010
Es hätte ja auch ein dritte, sehr sinnvolle Variante gegeben. Alle Passagiere auf Aussendecks, Scchwimmweste anlegen und in die Nähe von Rettungsbooten. Dafür waren 90 min Zeit. Ins Wasser muss man ja erst in letzter Minute springen.
In dieser Lage befand sich die Sewol ca 30 Minuten nach Beginn der Havarie bei Ankunft des ersten Hubschraubers:

http://i1.ytimg.com/vi/jJDvflKOTLg/0.jpg

Wo hätten Sie dort die Passagiere plaziert?
Und wie hätten Sie die Passagiere dorthin gebracht?

Nach den von Ihnen genannten 90 Minuten lag die Sewol längst kopfüber im Wasser.
Ich begreife nicht, wieso viele Foristen die einfachsten Dinge nicht lesen, soweit nicht in der Überschrift enthalten, aber dann blind wilde Behauptungen, Spekulationen und Besserwisserei in die Welt hinaus blasen.

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ra_p 22.04.2014, 10:53
16. gibt es überhaupt Beispiele...

....für eine erfolgreiche vollständige Evakuierung einer Großfähre auf hoher See bei der alle oder nahezu alle Passagiere gerettet werden konnten?
Die Anweisung zu geben, Rettungsboote zu Wasser zu lassen und das Schiff zu verlassen, ist immer mit enormen Risiken und Konsequenzen verbunden, vor allem wenn starke Strömungen, niedrige Wassertemperatur, schlechte Witterungsbedingungen, oder Dunkelheit hinzukommen. Ich habe Verständnis dafür, dass eine Schiffsführung sich bemüht erst einmal sicherzustellen, dass die Evakuierung des Schiffes tatsächlich nötig ist.
Denn was passiert, wenn der Evakuierungsbefehl gegeben wird, das Schiff dann aber gar nicht sinkt und im Zuge der Evakuierung viele Menschen ums Leben kommen. Ich glaube dass auf der Schiffsführung in so einer Situation ein unglaublicher Entscheidungsdruck lastet. Es ist deshalb menschlich nur allzu verständlich, wenn die Evakuierungsanordnung erst als ultima ratio gegeben wird. Und dann ist es manchmal zu spät, weil die Erkenntnis, dass das Schiff wirklich sinkt den Schiffskörper meist schon in eine Lage versetzt hat (Schräglage, Wassereinbruch etc.) die eine Aktivierung aller Rettungsmittel nahezu unmöglich macht. Gibt es eigentlich eine klare Anordnung, das Schiff bereits "im Zweifel", also auch dann, wenn es denkbar ist, dass es gar nicht sinkt, geordnet zu evakuieren? Dann müssten doch alle Passagiere geordnet in Rettungsbooten untergebracht werden können und der Verlust an Menschenleben wäre minimal. Die Vorstellung, dass die Kinder in ihren Kabinen eingeschlossen waren und dort gefangen und ertrunken sind, ist schier unerträglich.

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lazyjack988 22.04.2014, 11:09
17. Unfallbericht

Es ist selten nur ein einziger Fehler der Schiffsunglücke verursacht. Ich hoffe dass die Ursachen (unabhängig von der Schuldfrage) untersucht werden damit es nach Möglichkeit nicht noch einmal passiert. In solchen Situationen richtig zu reagieren ist sehr schwer, man muss viele Risiken gegeneinander abwiegen. Natürlich sollte der Kapitän als erfahrenster am besten wissen was zu tun ist. Durch gute Ausbildung (zum Beispiel in Schiffssimulatoren) kann man auf manche Notfälle besser vorbereitet werden als nur durch die üblichen Drills. Allerdings bekommen leider nicht alle diese Kurse bezahlt.

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kapt.iglo 22.04.2014, 11:15
18. @georg_lm

Das ist so nicht ganz richtig. Häufig arbeiten VTS heute im Semi-Duplexbetrieb, d.h. an Bord hört man zwar die Verkehrszentrale, nicht jedoch die anderen Schiffe die mit jener kommunizieren. Und selbst wenn der Funkspruch gehört worden sein kann, ich bin nicht sicher ob dieser nicht vielleicht bei gefühlten 1000 Alarmen, die zu dem Zeitpunkt auf der Brücke aufgelaufen sein werden, einfach untergegangen wäre. P.S.: Schiffsfunker wurden irgendwann mal eingespart weil die Technik ja so toll ist...

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jujo 22.04.2014, 12:57
19. ...

Zitat von sysop
Auf der gesunkenen Fähre "Sewol" durchsuchen Taucher eine Kabine nach der anderen. Die Zahl der geborgenen Todesopfer liegt inzwischen bei 104 - und noch immer gibt es kaum neue Erkenntnisse zur möglichen Unglücksursache.
Die mangelhafte Ausbildung des seemännischen Personals ist eine Sache, die Personenzahl dieser Gruppe bezogen auf die Menschen an Bord von Großfähren oder Jumbo Kreuzfahrern ist eine andere.
Unterstellt auf der CC z.B. sind neben den Nautikern, ca. 12 Mann seemännisch gut ausgebildete Leute an Bord sind diese auch im Katastrophenfall, bei 4000 Menschen, hoffnungslos überfordert!
Man sollte wissen das alle Besatzungsmitglieder im Kabinen und Servicebereich, keine (!) Seeleute sind und auch nicht wissen was zu tun ist (theoretisch vielleicht, die Sicherheitsübungen sind Bespassungsrituale), Ausnahmen möglich. D.H. da haben ca. 20 Personen ca 4000 Leute geordnet und sicher von Bord zu bekommen. Ich halte das für ausgeschlossen!
Die gute Nachricht ist, das ja Millionen von Touristen jährlich Kreuzfahrten unbeschadet unternehmen. Das Risiko halte ich für überschaubar und vertretbar, nur im Fall des Falles hat man als Pax an Bord schlechte Karten. Im Wissen darüber, gute Reise.

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