Forum: Panorama
Familiensynode im Vatikan: Homosexuelle enttäuscht von Kardinälen
AP/dpa

Die katholische Kirche sendet ein frustrierendes Signal an homosexuelle Gläubige. Eine reformerische Initiative bei der Familiensynode im Vatikan wurde jetzt im Keim erstickt. Glaubenslehre habe über pastorale Bedürfnisse gesiegt, klagen Betroffene.

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C. Goldbeck 19.10.2014, 16:19
180. Menschenrechte Fehlanzeige

Was Ihr dem Geringsten antut tut Ihr auch mir an. Das in etwa ist eine Kernaussage des Christentums und hat unser Gerechtigkeitsempfinden und unser Rechtssystem in unserer Kultur sicher mit beeinflusst. So ist in einem Rechtsstaat die Würde des Menschen unantastbar und Niemand darf z.B. wegen seiner Sexualität diskriminiert werden. In der katholischen Kirche gilt dieser rechtsstaatliche Grundsatz jedoch offensichtlich nicht. Hinzu kommen Arbeitgeberrechte die es der Kirche ermöglichen Geschiedene zu entlassen. Dafür hat die katholische Kirche anscheinend mehr Verständnis für Schwerverbrecher - wie z.B. Priester die Kinder vergewaltigt haben und von der Kirche geschützt wurden - als für Homosexuelle und Geschiedene. Insofern ist die katholische Kirche ein Unrechtssystem im Sinne der Menschenrechte und als moralische Instanz in einem Rechtsstaat untragbar. Ein gläubiger Christ in der katholischen Kirche (der auch an die Menschenrechte glaubt) muss sich vor diesem Hintergrund doch folgende Fragen stellen. Verschließe ich meine Augen vor diesem Unrecht oder bin sogar Mitwisser? Unterstütze ich dieses System und werde dadurch zu einem Mittäter? Steht es uns zu Kinder Gottes (unsere Brüder und Schwestern) auszugrenzen und zu diskriminieren? Was würde ein Jesus - der für alle Menschen am Kreuz gestorben ist - dazu sagen? Ich weiß es nicht, möglicherwise aber: Was Ihr dem Geringsten antut tut Ihr auch mir an.

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mike301243 19.10.2014, 16:28
181. Sakramente für Geschiedene

Folgende Situation:
Ehemann bringt seine Frau um, statt sich scheiden zu lassen.
Nach ein paar Jahren wird er entlassen und heiratet neu, beichtet sein Vergehen und darf dann wieder zu den Sakramenten gehen.
Im Gegensatz zu dem Mann, der sich nur hat scheiden lassen .....

Hallo Kirche!!!!!!!
SPINNT IHR????????

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taglöhner 19.10.2014, 16:46
182. Ignoranz?

Zitat von Manu-40
Laut de.Statista.com wurden in den letzten 23 Jahren 135.000 Kinder in Deutschland adoptiert. Wie borniert muss man sein, um zu behaupten, dass diese Kinder familienlos sind!
Kinderlosigkeit war mein Ausschlusskriterium, wenn Sie genau gelesen haben.

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tlatz 19.10.2014, 16:57
183. Kirche, wer's glaubt. Teil 1

Das ist ein wirklich schwieriges Thema. Ich bin persönlich Agnostiker. Der physische Beweis nicht physischer Entitäten (Götter, Geister, ektoplamische Marshmallowmänner) ist genau so unmöglich wie der physische Beweis ihrer Nichtexistenz, daher halte ich es wirklich mit dem alten Fritz: Jeder nach seiner façon solange man mir nichts aufoktroyiert. Sollte es allerdings tatsächlich irgend ein höheres Wesen geben, dass zwischen den Welten schwebt, dann denke ich, dass dieses Wesen sicherlich wichtigere Dinge zu beachten hat, als ob auf einem der Milliarden und Abermilliarden Planeten seiner Herrschaftssphäre ein Mann mit einem anderen Mann Dinge tut, die man laut Bibel als guter Christenmensch nicht tun sollte.

Die katholische Kirche ist ein interessantes Gebilde. Meine Eltern haben mich bis zur Firmung durch alle Sakramente gezogen und mich danach damit in Ruhe gelassen, ich – der ich als Kind bei diversen Jugendgruppen dabei war und daher dem Konstrukt katholische Kirche prinzipiell zumindest nicht feindlich gesinnt bin, ich hatte in allen kirchlichen Gruppen immer enormen Spaß – bin trotz meines Nichtübereinstimmens mit der katholischen Glaubenslehre immer noch nicht ausgetreten. Vielleicht sollte ich es tun, aber so kann ich mir immerhin die amüsante Position leisten, bei Streits auf beiden Seiten ein bisschen für Unruhe zu sorgen.

Auch wenn ich zuletzt einem Gottesdienst bei einer Hochzeit 2009 beiwohnte muss ich sagen, dass ich es immerhin respektabel finde, dass eine Organisation sich halbwegs treu ist. Das Problem der Kirche – wie auch jeder anderen Religion – ist die Nichtbeweisbarkeit des Grundkonstruktes. Die katholische Kirche handelt auf Basis einer Moralvorstellung, die sie aus einem Buch bezieht, dessen älteste Passagen 3500 Jahre alt sind, dem seit knapp 1900 Jahren auch keine Nachträge mehr hinzugefügt worden sind und in dem die Existenz eines Gottes nicht nur postuliert wird, sondern in dem die Charaktereigenschaften und die Geschichte dieses Gottes auch wohldefiniert sind. Die Unveränderlichkeit dieser Geschichte hat die Kirche einerseits über so viele Jahrhunderte erhalten, andererseits gefährdet sie die Existenz der Kirche nun in einer Zeit, in der – wie Kant sagte – der Mensch sich befreit hat aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit und den eigenen Gedanken zumindest ab und an mal wagt.

Wird fortgesetzt.

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tlatz 19.10.2014, 16:58
184. Kirche, wer's glaubt, Teil 2

Fortsetzung

Wie aber könnte die Kirche sich einerseits ändern, andererseits aber ihre Basis erhalten? Würde sie z.B. deutlich sagen, dass Homosexualität erlaubt sei, dann würde es der Kirchenleitung sicher den einen oder anderen Applaus bescheren, andererseits würde man damit aber auf einmal im Widerspruch zur Bibel stehen. Die Bibel aber ist auch heute noch das Einzige, was die Kirche überhaupt hat. Theologische Schriften der vergangenen zwei Jahrtausende mögen zwar oft interessante Gedankengänge haben, ihre Grundüberlegungen basieren aber auf biblischen Überlieferungen. Nimmt man der Kirche ihre Bibel, dann gibt es keinen Glauben mehr. Und ich verstehe, dass man nicht sagen kann: „Jaja, die Bibel, die ist gut. Darin steht die absolute Wahrheit, nach der ist unsere Organisation ausgerichtet…. Außer den Passagen X, Y und Z. Die entsprechen nicht mehr der gelebten Wirklichkeit und sind hiermit gestrichen.“

Die Kirche sagt, die Bibel gibt den Willen Gottes wieder, der Wille Gottes steht aber zumindest dem Gläubigen Menschen über allem anderen. Denn schlussendlich ist die Befolgung des göttlichen Willens die Eintrittskarte ins Paradies. Der Wille Gottes – so denkt der Gläubige – ist ewig und solange nicht neue, glaubhafte Propheten kommen, die revidieren, unabänderlich. Man kann nicht erwarten, dass eine Gruppe von Menschen, die felsenfest glaubt, dass das was in der Bibel steht die absolute Wahrheit ist, sich hiervon löst und sagt: „Ja da steht’s, aber schwamm drüber.“

Bei aller Kritik an der Kirche, würde sie ihre Auslegung der Theologie vom geschriebenen wort lösen und vom Zeitgeist abhängig machen, dann hätte sie auch die letzte Autorität verloren und sollte am besten heute denn morgen aufgelöst werden. Lasst sie stattdessen doch einfach glauben, was sie will, das ist immerhin konsequent. Man muss darauf ja immerhin nicht hören.

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tlatz 19.10.2014, 17:17
185. Verantwortung für die Zukunft

Zitat von taglöhner
Was diese beiden Perspektiven untercheidet, ist die emotionale Komponente der Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen.
Also das Argument liebe ich. Wer keine Kinder hat, der übernimmt keine Verantwortung für die Zukunft.

Ich arbeite als Ingenieur im Montageeinsatz. Ich reise in jedes Land, in das meine Firma eine Industrieanlage verkauft, bleibe dort dann etliche Wochen, um das Gerät zu prüfen und in Betrieb zu nehmen. Ich habe keine Kinder. Ich persönlich mag meinen Job und wüsste nicht, wie ich ihn mit Kindererziehung unter einen Hut bringen könnte.

Mir wird regelmäßig vorgeworfen, ich sei ein echt übler Zeitgenosse, weil ich mit Ende dreißig keine Kinder habe und auch keine möchte, denn ich mache eine Arbeit, die mir gefällt und die mit Kindern schwierig bis unmöglich wäre, die aber verdammt wichtig für unsere gesamte Gesellschaft ist.

Ein Bekannter macht einen ähnlichen Job, hat Kinder und muss sich eben so häufig sagen lassen, dass er ein echt übler Zeitgenosse sei, weil er seinen Kindern kein anständiger Vater ist.

Wir machen es also beide falsch. Sagte ich gerade, dass wir eine Arbeit machen, die für unsere Gesellschaft verdammt wichtig ist? Ja, das sagte ich. Deutschland ist kein Land des primären Sektors, in der Landwirtschaft arbeiten vielleicht noch 5% aller Deutschen, im Bergbau noch viel weniger, Rohstofferzeugung spielt keine große Rolle mehr in Deutschland. Wir haben nur noch zwei große Wirtschaftszweige: Dienstleistungen und Anlagenbau. Wir sind eine Maschinenbaunation. Unser Wohlstand beruht darauf, dass wir Anlagen bauen, die überall in der Welt im Einsatz sind. Ich schreibe diesen Text gerade in Thailand, wo ich eine deutsche Gießereianlage in einer japanischen Firma auf thailändischem Boden in Betrieb nehme.

Wir brauchen den Anlagenbau, er ist unser Hauptexportzweig. Und Anlagenbau geht nicht ohne Montage- und Inbetriebnahmepersonal. Unsere Wirtschaft und damit unsere Gesellschaft, wie wir sie in Deutschland kennen sind darauf angewiesen, dass Menschen wie mein Bekannter und ich heraus fahren und dafür sorgen, dass die internationalen Kunden deutscher Anlagenbauer auch weiterhin auf Made in Germany stehen. Würde es uns nicht mehr geben, dann gäbe es keinen Anlagenbau mehr in Deutschland, dann gäbe es nur noch Dienstleistung und Banken und am Ende wäre es hier wie in England.

Und nun möge mir jemand sagen, ich würde durch meinen Verzicht auf Kinder, die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft gefährden. Wenn wir eine funktionierende Gesellschaft wollen, dann müssen wir die Arbeitsplätze erhalten, die es in der erzeugenden Industrie noch gibt und dann muss man entweder hinnehmen, dass manche Menschen Jobs haben, keine Zeit für Kinder lassen (ich rede von wochenlang überhaupt nicht daheim) oder dass Menschen Kinder haben und diese wochenlang alleine von der Mutter versorgen lassen. Den Vorwurf, dass ich, da ich keine leiblichen Kinder habe, die Gesellschaft nicht in die Zukunft bringe lasse ich mir jedenfalls nicht machen.

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rskarin 19.10.2014, 17:28
186. Homosexualisierung nervt?

Zitat von was.zum.teufel....
Ich bin nach 10 Jahren Abstinenz 2005 wieder in die katholische Kirche eingetreten. Warum? Weil mich die Homosexualisierung der Gesellschaft extrem nervt. ...
Und die Kirche hilft gegen "Homosexualisierung"? Das müssen Sie mir jetzt aber schon erklären, wie die das macht! Sorgen die für eine besonders hohe Selbstmordrate unter den Homosexuellen? Oder wie sonst beseitigt die Kirche die Homosexuellen? Denn "heilbar" ist Homosexualität ja bekanntlich nicht! Sie schreiben "Homosexualisierung der Gesellschaft nervt" - Bekanntermaßen gibts ja unter katholischen Priestern besonders viele Homosexuelle - die ja im kirchlichen Umfeld dann nicht mehr so präsent sind in der Gesellschaft! Ist es das? Gut, dann haben wir vielleicht eine ganz ähnliche Zielsetzung. Mich nerven nämlich die Priester in unserer Gesellschaft auch ganz extrem. Aber nicht wegen ihrer möglichen Homosexualität!

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BlogBlab 19.10.2014, 17:34
187. Willkür

Zitat von tlatz
Wie aber könnte die Kirche sich einerseits ändern, andererseits aber ihre Basis erhalten? Würde sie z.B. deutlich sagen, dass Homosexualität erlaubt sei, dann würde es der Kirchenleitung sicher den einen oder anderen Applaus bescheren, andererseits würde man damit aber auf einmal im Widerspruch zur Bibel stehen.
Sie mussen das Thema nicht so schwarz-weiß sehen. Es gibt doch viele Verhaltensweisen, die in der Bibel als "Sünde", ja sogar als "Todsünde" gelten, wie Habgier, Hochmut, Faulheit, usw. Trotzdem werden diejenigen, die diese Sündern begehen, nicht von der Kirche ausgeschlossen, wird über sie nicht annähernd so gehetzt wie es die Kirche mit der "Sünde" Homosexualität tut.

Wenn ich richtig informiert bin, wird in der Bibel bspw. viel häufiger die Habgier als schwere Sünde gegeißelt als die gleichgeschlechtliche Sexualität. Wieso reitet die Kirche dann so intensiv und unerbittlich auf dem letzteren Thema herum und behandelt diese Sünder anders als etwa Habgierige, Eifersüchtige oder Zornige? Von der Bibel lässt sich diese Ungleichbehandlung jedenfalls nicht herleiten. Das ist reine Willkür. Die Kirche könnte also Homosexualität genauso "locker" sehen wie die anderen genannten Sünden, wenn sie nur wollte.

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udo46 19.10.2014, 18:22
188.

Zitat von C. Goldbeck
Was Ihr dem Geringsten antut tut Ihr auch mir an. Das in etwa ist eine Kernaussage des Christentums und hat unser Gerechtigkeitsempfinden und unser Rechtssystem in unserer Kultur sicher mit beeinflusst. So ist in einem Rechtsstaat die Würde des Menschen unantastbar und Niemand darf z.B. wegen seiner Sexualität diskriminiert werden. In der katholischen Kirche gilt dieser rechtsstaatliche Grundsatz jedoch offensichtlich nicht. Hinzu kommen Arbeitgeberrechte die es der Kirche ermöglichen Geschiedene zu entlassen. Dafür hat die katholische Kirche anscheinend mehr Verständnis für Schwerverbrecher - wie z.B. Priester die Kinder vergewaltigt haben und von der Kirche geschützt wurden - als für Homosexuelle und Geschiedene. Insofern ist die katholische Kirche ein Unrechtssystem im Sinne der Menschenrechte und als moralische Instanz in einem Rechtsstaat untragbar. Ein gläubiger Christ in der katholischen Kirche (der auch an die Menschenrechte glaubt) muss sich vor diesem Hintergrund doch folgende Fragen stellen. Verschließe ich meine Augen vor diesem Unrecht oder bin sogar Mitwisser? Unterstütze ich dieses System und werde dadurch zu einem Mittäter? Steht es uns zu Kinder Gottes (unsere Brüder und Schwestern) auszugrenzen und zu diskriminieren? Was würde ein Jesus - der für alle Menschen am Kreuz gestorben ist - dazu sagen? Ich weiß es nicht, möglicherwise aber: Was Ihr dem Geringsten antut tut Ihr auch mir an.
Sehen Sie, diese Gemeinplätze, die man zu Hauf in der Bibel antreffen kann, sind es, die diese Schrift so beliebig macht.

Auf den von Ihnen genannten Spruch kann sich sowohl der Homosexuelle als auch der Homophobe berufen.

Den Standpunkt des Homosexuellen haben Sie beschrieben, den Standpunkt des Homophoben beschreibe ich Ihnen.

Untermauert durch etliche Bibelsprüche kann der Homophobe mit demselben Recht folgendes ins Feld führen: Da Homosexualität nicht dem Willen Gottes entspricht und eine Sünde ist, die es zu bekämpfen gilt, ist also das Tolerieren oder Ignorieren von Homosexualität, natürlich besonders von praktizierter Homosexualität, durch Katholiken etwas, das man Jesus antut.
Wer als Christ also den Homosexuellen dem Hetero gleichstellt, stösst alle Rechtgläubigen, beim Kleinsten angefangen, vor den Kopf und damit logischerweise auch Jesus.

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