Forum: Panorama
Feminismus: Skandale am Rande des Nervenzusammenbruchs
volanthevist/ Getty Images

Wo ein Wille ist, ist ein Skandal. Wer das nicht glaubt, hat in der neuen Kommunikationszeit noch weniger zu suchen als in der alten. Dabei sind manche Skandale so unübersichtlich, dass es fast schon ein Skandal ist.

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markus_wienken 21.06.2019, 15:39
180.

Zitat von derjoey
Vielen Dank für diesen Beitrag, der stellvertretend für viele andere unsäglichen Texte innerhalb dieser Diskussion steht. Exakt diese Vorurteile werden durch Kommentare wie von Herrn Fischer geschürt: Die Frauen interessiere nur der Preis von Tampons oder irgendwelche "pinkfarben-flauschigen #MeToo-Stickerchen" (mit letzterer Formulierung kann man noch nebenbei nonchalant die Debatte um sexuelle Übergriffe bagatellisieren, Glückwunsch). Ich habe zufällig ein paar Einblicke in feministische Kreise, und es mag Sie, werte rennflosse, wie auch andere Foristen jetzt vollkommen aus der Bahn werfen, dass weder das Eine noch das Andere da ein echtes Thema sind. Themen sind Aufstiegschancen im Beruf, gleiche Bezahlung für gleiche Leistung, Frauen in Führungspositionen, konkrete Hilfen bei sexueller Belästigung, Unterstützung von Frauenhäusern usw. Auch die Selbsterkenntnis, dass man dafür aktiv was tun muss, ist Standard. In diesen Kreisen befindet sich, ebenfalls für manche hier wohl höchst überraschend, meiner Beobachtung nach keine einzige "übersättigte und gelangweilte" Wohlstandsfrau. Die mag es woanders geben, aber sie als Feministinnen zu bezeichen ist absurd. Wie so oft: Selber informieren macht schlau. Wer sein Wissen über Feminismus einzig aus Kommentaren von Herrn Fischer oder Frau Stokowski bezieht, kennt lediglich die extremen Ränder, nicht die sehr breite reale Mitte. Wobei ich natürlich ein gewisses Eigeninteresse zur Weiterbildung voraussetze, und halt kein bequemes Verharren auf gepflegten Vorurteilen.
/einmisch
Herr Fischer reagiert nur auf die Positionen, welche die Medienlandschaften beherrschen und das sind nun einmal solche (zugegebenermaßen nicht selten sehr wirren) Positionen von Frau Stokowski & Co.
Ist halt Pech für die berechtigten Anliegen des Feminismus wenn sie nicht in der Lage sind sich Gehör zu verschaffen. Frau Stokowski & Co. schaffen es eindrucksvoll die ganze Bewewegung als Ganzes ins lächerliche zu ziehen.

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syracusa 21.06.2019, 15:47
181.

Zitat von willms
Quatsch. Die 3. Person Plural der deutschen Sprache hat kein grammatisches Geschlecht. Man lasse sich nicht vom Gleichklang verwirren.
Sie irren, denn der Gleichklang beweist die historische Wortherkunft. Interessanterweise gibt es hier signifikante Unterschiede zwischen den romanischen und den germanischen Sprachen, die Etymologen auf die spätere Übernahme des Ackerbauern-Patriarchats der nördlicheren Zweige des indogermanischen Sprachvolks zurück führen. Analog wird damit auch der unterschiedliche Gebrauch des Genus für Sonne und Mond erklärt.

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derjoey 21.06.2019, 15:51
182.

Zitat von neurobi
Im Gegenteil. Es ist genau das, was ich auch so erwarten würde. Es geht immer nur um die Sonnenseiten des Lebens und die Stärkung der eigenen Position dabei. Vieles wird dabei sehr einseitig gesehen.
Dann haben Sie aber meinen Beitrag nicht verstanden. Es geht nicht um die "Sonnenseiten des Lebens", es geht bspw. um faire und gleiche Bezahlung. Dass Vieles sehr einseitig gesehen wird: Das liegt daran, dass die eine Seite halt schlechter dasteht. Wieso sollte man jetzt die Seite kräftig unterstützen, die das bessere Ende hat?

Zitat von neurobi
Was das geforderte dann für die Männer bedeutet, wie die das Empfinden könnten, scheißegal.
Wie wäre es, wenn Sie etwas weniger vorurteilsbehaftet an die Diskussion herangehen würden? Ja, es gibt Extreme, auch die Frauen, die ihre Tampons billiger haben wollen, aber der großen Menge der Frauen dürfte herzlich wenig daran gelegen sein, Männer schlechter zu stellen, immerhin müssen die ja mit denen auskommen. Und wie garstig manche Männer werden können, wenn man ihnen was wegnehmen möchte, sieht man ja hier. ;-)

Zitat von neurobi
Und wenn es um Gleichberechtigung gehen würde, wo sind die Themen, wo Männer heute benachteiligt werden? Fehlanzeige und wenn doch, werden Privilegien verteidigt.
Ich empfehle den Film "On the Basis of Sex" über Ruth Bader Ginsburg, die ihren Kampf für die Gleichberechtigung damit begann, juristische Benachteiligungen von Männern (!) anzufechten. Yup, eine Frau kämpfte für Männerrechte.

Zitat von neurobi
Wenn sich diese Art des Feminismus durchsetzen sollte, wird er ein Menge frustrierter junger Männer produzieren, was die Welt nicht besser schöner werden lässt.
Welche "Art des Feminismus" meinen Sie denn? Die "Art", die sich um "Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung aller Menschen jeglichen Geschlechts sowie gegen Sexismus" einsetzt? (Zitat Wikipedia)

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steueragent 21.06.2019, 15:53
183. Also Herr Fischer, der Beitrag ist mal wieder großartig.

Schön, wie Sie absurde Forderungen aufzeigen und kurz und prägnant erklären, warum sie absurd sind. Widerspruch ist da eigentlich zwecklos. Für mich sind Sie im SPON so etwas wie die Stimme der Vernunft. Weiter so!

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Mastermason 21.06.2019, 15:53
184.

Zitat von willms
Man muß sich doch mal klarmachen, daß das grammatische Geschlecht eines Wortes grundsätzlich nichts mit einem biologischen Geschlecht des damit bezeichneten Gegenstandes zu tun hat. Wo sind bei einer Axt oder einer Säge die weiblichen Geschlechtsmerkmale? Hat der Mond in Mitteleuropa einen Pimmel, in romanisch sprechenden Ländern aber einen Busen — dort ist "la lune" schließlich weiblich und die Sonne männlich: "le soleil". Wir sollten eher danach streben, die deutsche Sprache zur Geschlechtsneutralität hin zu entwickeln, mindestens so wie das Niederländische wo es nur zwei bestimmte Artikel gibt: "de" gleichermaßen für "de Mann" und "de Frouw", und "het" für "het Kind" und für Dinge
Sie rennen bei mir offene Türen bzgl. des generischen Maskulinums ein. Wer meint, eines unserer grundlegenden Sprachprinzipien befördere strukturelle Ungerechtigkeiten, hat den Unterschied zwischen Genus und Sexus nicht verstanden. Aus diesem Grund denke ich auch nicht, dass das Deutsche eine Anpassung an andere Sprachen benötigt, um Neutralität zu erlangen. Ich halte grundsätzlich nichts von Eingriffen in die Sprache. Die letzte Reform hat nur Chaos angerichtet, die Bemühungen diverser Städte, das generische Maskulinum durch Gendersterne und die falsche Anwendung von Partizipialkonstruktionen auszurotten, enden regelmäßig mit unsäglichen Idiotien.

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derjoey 21.06.2019, 16:05
185.

Zitat von Thomas Fischer (SPON-Kolumnist)
Ich glaube, Sie basteln sich den Popanz, den sie versenken wollen, selbst. Ich habe nicht "die Kreise" kritisiert, in welche Sie "Einblick" haben [...]
Mein Beitrag war eine Antwort auf einen anderen Foristen, der schrieb: "Der heutige Feminismus ist ein typisches First World Phänomen übersättigter und gelangweilter Gesellschaften der westlichen Wohlstandhalbkugel, der mit immer abstruseren Forderungen um Aufmerksamkeit buhlt."

Zitat von Thomas Fischer (SPON-Kolumnist)
Mein Rat also: Beruhigen Sie sich!
Ach, wissen Sie, Herr Fischer, ich bin ganz ruhig. Ich rege mich halt nicht über Diskussionen zu Tampon-Steuer (davon habe ich tatsächlich erst durch Sie erfahren), Bezahlung im Fußball, Werbeclips, Nassrasierer, Sportschuhe oder Elastan-Hosen auf. Diese Empörung überlasse ich voll und ganz SPON-Kommentatoren. :-)

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felix.milla 21.06.2019, 16:06
186.

Zitat von derjoey
. Ein Kleinst-Thema aufzublasen (und wie ich schon schrieb, weiß ich davon erst dank dieses Kommentars, vielen Dank für dieses nutzlose Wissen) ist einfach nur schädlich, da es ganz offensichtlich den Empörten äußerst gelegen kommt.
Ok, da Sie auf Ihren Einwand , man dürfe/solle bizarre Auswüchse von so etwas Hehrem wie dem Feminismus nicht kritisieren, weil es halt nur Auswüchse wären, de dann das gesamt "Anliegen" diskreditiert würde und man Beifall von der falsche Seite bekäme, wiederholt herumreiten, nenne ich ihn nicht mehr "langweilig", sondern bevormundet und offenbar einem Freund-Feind-Denken behaftet, das idem Erkenntnisgewinn und der Freude am Meinungsaustausch doch sehr abträglich finde.

Wenn Ihnen das Thema zu klein ist und so wenig Freude bereitet, warum befassen Sie sich dann damit?

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mr.room 21.06.2019, 16:14
187. Ach Herr Fischer...

...ich bin wirklich ein Fan von Ihnen und ihren Texten. Ich kenne niemanden der zwischen den schwierigen Passagen so schön schreibt. Und ehrlich von mir, bis gerade eben fand ich das mit der 19% Ust auf die Hygieneartikel auch ungerecht. Ich habe mir weder Gedanken darum gemacht welch finanzieller Nachteil wirklich entsteht, noch das ich für eher männlich geprägte Hygieneartikel auch 19 % Ust zahle. However, wenn ich mir von Ihnen als Jurist was wünschen dürfte, dann wäre das mal Fragestellungen an die große Politik. Zum Beispiel Schadensersatzforderungen wegen nicht eingeführte Ausländerautobahnmaut. Wer haftet wie usw. Oder völkerrechtlich, was spricht dagegen Drohnen einer feindlichen Militärmacht von der anderen Seite der Erde vom Himmel zu holen usw.

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derjoey 21.06.2019, 16:16
188.

Zitat von phg2
Ich gehe mal davon aus, dass die Frauen, die Sie in feministischen Kreisen kennen den Tamponmehrwertsteuersatzstreit(!) für eher lächerlich und ev. sogar kontraproduktiv halten. Aber wer sich ernsthaft um den Mehrwertsteuersatz von Tampons aufregt hat anscheinend sonst nichts (besseres) zu tun. Böswillig übersetzt heißt das so viel wie, denen geht's zu gut.
Ich habe wirklich und wahrhaftig erst hier von dieser Tampon-Diskussion erfahren. Meine bessere Hälfte regt sich zwar manchmal darüber im Privaten auf, dass Frauen-Pflegeprodukte teurer sind als für Männer bei nicht offensichtlich mehr Leistung, aber meine Haltung ist dazu lediglich "kauf Männersachen und lass den Markt das regeln". Das ganze Thema kam nie auf den Tisch, denn den Frauen im arbeitsfähigen Alter, die ich kenne, ist tatsächlich ihr Job und alles drumherum deutlich wichtiger als der Tampon-Preis. Auch ich finde, wer sich über die Besteuerung derselben aufregt, hat nicht viel anderes zu tun, und wenn eine Diskussion darüber überhitzt, dann ist das ein noch größerer Blödsinn, aber eben nicht symbolhaft für den Feminismus an sich.

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derjoey 21.06.2019, 16:24
189.

Zitat von markus_wienken
/einmisch Herr Fischer reagiert nur auf die Positionen, welche die Medienlandschaften beherrschen und das sind nun einmal solche (zugegebenermaßen nicht selten sehr wirren) Positionen von Frau Stokowski & Co. Ist halt Pech für die berechtigten Anliegen des Feminismus wenn sie nicht in der Lage sind sich Gehör zu verschaffen. Frau Stokowski & Co. schaffen es eindrucksvoll die ganze Bewewegung als Ganzes ins lächerliche zu ziehen.
Es ist Pech und für die Gleichberechtigung extrem kontraproduktiv, wenn grundsätzlich Extrembeispiele ohne Ende durchgekaut werden, egal von welcher Seite. Es nützt selbsternannten Feministinnen nichts, absurde Steuerdiskussionen loszutreten, und männlichen Kommentatoren genausowenig, diese halbsatirisch auszuwalzen. Am Ende bleiben nur Vorurteile gegen "Luxus-Feministinnen" und "alten, besserwisserischen Männern".

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