Forum: Panorama
Fischer antwortet Fleischhauer: Deutsche Türken Fremde
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Eine brandneue Theorie über das Gutwillige und das Verrücktwerden: Über kleine Missverständnisse unter Kolumnisten.

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180. Zu Nr. 115 (im_ernst_56)

Zitat von im_ernst_56
Ich bin drei Jahre jünger als der Kolumnist und meine Eltern waren beide Flüchtlinge aus Hinterpommern, die es nach Hannover verschlagen hatte. Natürlich haben die von ihrer Heimat erzählt. Die Fremdheitserfahrung des Kolumnisten habe ich dennoch nicht gemacht. Ich weiß nicht, ob es am Sauerland oder an dem besonders sensiblen Kolumnisten gelegen hat (der ja wohl lieber Rockmusiker geworden wäre). Jedenfalls würde ich mir nicht einbilden, das Festhalten an mitgebrachten Kulturen nachvollziehen zu können. Das ist vielleicht Einstellungssache. Ich habe mal ein paar Monate Zeit in Kanada gearbeitet. Als mir jemand vorschlug, den German-Canadian-Club zu besuchen, habe ich das abgelehnt. Was sollte ich da?
Da haben Sie was missverstanden. Ich habe mich nicht "fremd" gefühlt als Sauerländer. Es war eher etwas anstrengend, zuhause ständig "Fremdheit" serviert zu bekommen.

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zeisig 11.05.2019, 13:08
181.

Wenn Fleischhauer geht - ich gehe mit. Seine Kolumnen waren für mich journalistisch gesehen immer der positive Höhepunkt der Woche.

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182. Zu Nr. 116 (retterdernation)

Zitat von retterdernation
was ist denn das für ein Quatsch. Wer wird denn bitte als Flüchtling erzogen, niemand. Es handelt sich also um eine subjektive Einordnung. Mit dem Ziel eine Parallele abzuleiten, die es überhaupt nicht geben kann. Herr Fischer - auch meine Eltern waren Flüchtlinge. Als Kinder aus Schlesien und Ostpreußen nach Berlin geflüchtet. Die Eltern verloren. Den Überlebenden Teil erst nach fast zehn Jahren wiedergefunden. Die anderen Großeltern bis zum heutigen Tag vermisst. Mein Vater musste mitansehen, wie zuvor Dutzende Soldaten seine Mutter vergewaltigten und meine Großmutter wie ein Stück Vieh in einen Zug ohne Wiederkehr warfen. Mein Großvater wurde von den Nazis inhaftiert, weil er seine Mitarbeiter ordentlich behandelt hat. Um es auf den Punkt zu bringen. Alle saßen am Tisch zusammen. Niemand wurde ausgegrenzt. All dies ist der Backround meiner Eltern. Herr Fischer, niemand wird zum Flüchtling erzogen. Es sei denn er entstammt einer fundamentalistischen Familie. Mich haben meine Eltern, die alles als Kinder verloren haben, nicht mal im Ansatz, den ich als irrwitzig betrachte, zu einem Flüchtlingskind erzogen. Für diese Generation war es wichtig - das Wir gute Demokraten werden. Das wir uns einsetzen, dass es so etwas nie wieder gibt. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass unter den vielen Verwandten irgendjemand seine Kinder diesbezüglich ausgerichtet hat. Mit solch Art von Fundamentalisten wollte eigentlich niemand etwas zutun haben. Ich bin als Flüchtlingskind erzogen worden ... Polemik!
Sie sind möglicherweise auf einer richtigen Spur, suchen die Beute aber in der falschen Richtung. Sie sollten nicht immer so überaus vorhersehbar reflexhaft reagieren, wenn Ihnen meine Beispiele nicht gefallen. Ich bion natürlich nicht "zum" Flüchtling erzogen worden (wie Sie falsch zitieren), sondern "als". Ich selbst bin weder Flüchtling noch wollte ich jemals einer sein noch dachte ich jemals, ich sei einer. Für die Tischgespräche meines Vaters und meiner Großmutter und ihrer Freunde kann ich nichts.

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Die linke Kobra 11.05.2019, 13:17
183. An Herr Fischer

die Aufklärung was Sie unter "als Flüchtling erzogen" meinen, fehlt noch. Bitte ein Stellungnahme und kein feiges Verweigern !

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Dr. Kilad 11.05.2019, 13:22
184. Nett, Ihre Kindheitsgeschichte zu kennen, Herr Fischer.

Aber auch sehr lang alles. Lesen Sie mal Herr Fleischhauers "Unter Linken". Sie werden schnell merken, dass er niemals ein Linker war. Der Titel verkörpert vielmehr einen als Journalist gelernten Trick, um sich gegen Linke zu positionieren. Genauso ist es mit der Wehrdienstverweigerung, wo man ebenfalls merkt: Da war nichts links. Fleischhauers Stärke ist die Propaganda, nicht das Wissen. Dies merkt man immer wieder, sei es in der Ökonomie oder eben auch bei Bateson. Ich hatte bei Fleischhauer immer wieder den Eindruck, dass er sich da was zusammensucht, was zu seiner rechten Ideologie passt und auf die Unkenntnis der Leser hofft, der allerdings merken müsste, dass die Bezeichnung "verrückt" typisch für einen rechten Umgang mit psychischen Erkrankungen ist. Aber warum die Länge der Gegenrede? Ihr Umgang mit der deutschen Geschichte sah schon bei Ihren StGB-Kommentaren teilweise kritisch. Aber das ist eine andere Geschichte....

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ramon 11.05.2019, 13:23
185.

Zitat von rugall70
Die Kolumne liest sich stellenweise wie eine Sachtextanalyse aus der Schule. Der Autor verbeist sich in Details der Vorlage und versucht diese auseinanderzudeklinieren. Schön und gut. Der Gesamtsinn bleibt dabei aber auf der Strecke. Intention und Gedankengang des Fleischhauer-Textes waren völlig klar. Bei Fischer ist das anders. Da verliert sich die Aussageabsicht in vielen kleinen Details, denen auf viel zu vielen Seitenwegen nachgegangen wird. "Man sollte sich als Kolumnist aus den Texten von Kolumnistenkollegen heraushalten", schreibt Fischer gleich zu Beginn. Ja, daran hätte er sich besser gehalten.
Mir war der Gedankengang von Fleischhauer überhaupt nicht klar. Ich hatte z.B. den Eindruck, dass er sich nicht ernsthaft mit Frau Ataman auseinandersetzen wollte, sondern sie am liebsten an den Katzentisch der Kolumnisten setzen würde.

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186. Zu Nr. 103 (foerdeanwohner)

Zitat von fördeanwohner
Sehe ich genauso. Ich lehne Herrn Fleischhauers Ansichten in der Regel ab. Auch sehe ich, dass er in der angeführten Kolumne sehr überspitzt. Jedoch kann ich nicht umhin, ihm recht zu geben, wenn ich an Frau Atamans Kolumnen denke, die es vielen Lesern, die - um bei der Grundthematik ihres Buches zu bleiben - nicht nach der Herkunft fragen würden, irritiert zurücklässt. Einerseits wird betont, man sei irgendwie anders, da man ja einen Migrationshintergrund hätte, indem man genau diese Tatsache immer wieder thematisiert, andererseits verlangt man, dass Menschen ohne Migrationshintergrund genau das ignorieren, was dann an anderer Stelle aber unbedingt berücksichtig werden soll. Vielleicht ist das Wort "schizophren" dafür unglücklich gewählt, paradox ist es aber allemal.
So schwierig ist es doch vielleicht gar nicht. Ataman ist, finde ich, kein wirklich gutes Beispiel für das, was Herrn Fleischhauer stört oder überfordert. Erst recht sollte jemand, der seine eigene Lebensgeschichte und seine höchstpersönlichen Meinungen und Gefühle für jedenfalls so interessant hält, dass er mehrere Bücher und zahlreiche weitere Texte darüber geschrieben hat und auskömmlich davon lebt, sich m.E. nicht herblassend über jemanden äußern, der/die seine/ihre "Sicht der Welt" zum Beruf macht. Die Sachbuch-Bestsellerlisten sind randvoll mit Autoren, die genau dies tun und dafür in höchsten Tönen gelobt werden. Warum auch nicht? -
Dass "Migrantenkommunikation" gelegentlich schwierig ist, ist schon klar. Sie ist aber im Durchschnitt nicht schwieriger als die Kommunikation zwischen einem "Autonomen" aus dem Schanzenviertel und einem Villenbewohner vom Mittelweg. Oder zwischen einer Niedriglohn-Kassiererin und einer Personal-Managerin.

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louisesullivan 11.05.2019, 13:38
187. O mann

war das gut! Lektüre wie eine frische Dusche an einem Hochsommertag. Hirn und Blick werden kurzzeitig klar. Danke

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Schartin Mulz 11.05.2019, 13:39
188. Es ist

aufschlussreich, dei Kommentare zu lesen.
Ein Großteil beschränkt sich einfach darauf, ohne jede weitere Erklärung Herrn Fischer zu danken, dass er es dem Fleischhauer mal so richtig gegeben hat.
Andere bejubeln den Weggang Fleischhauers, oft verbudnen mit wüsten Beschimpfungen.
Andere, die auf Fleischhauers Seite stehen, beschimpfen nun wieder Fischer.
Ok, es hat natürlich damit zu tun, dass beide F der Polemik nicht sehr abgeneigt sind. Das macht ja auch den Reiz aus für die Leser. Ich glaube kaum, dass Fischers Rechtskolumnen so viel gelesen würden, wenn sie wie eine Jura-Vorlesung klängen.
Trotzdem enthalten die Kolumnen dieser beiden ja nun zweifellos auch inhaltliche Komponenten, die man ja auch diskutieren könnte, was ja auch einige hier tun. Da hätte ich mal eine Fragen an SPON.
Bei den Antworten ist ja immer der Beitrag verlinkt, auf den geantwortet wird. Könnte man nicht auch in dem Beitrag die Antwort verlinken? Es ergeben sich ja hier einige durchaus interessante Dialoge, da Herr Fischer ja oft auch auf Kommentare antwortet. Um aber diese Dialoge zu finden, muss man sich immer durch Seiten voller "Fleischhauer ist doof"-Kommentare klicken, was wenig erbaulich ist.

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michiflumm 11.05.2019, 13:44
189. Double Bind

Es lohnt sich hierzu Virginia Satir zu lesen. Systemische Familientherapie.

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