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Fünf Jahre als Laienrichter: Ich war Schöffe. Hat es was gebracht?
DPA

Tausende Laienrichter sind in Deutschland an Prozessen und Urteilen beteiligt - und selbst in kleinen Verfahren mit großen Fragen konfrontiert. Was soll dieser Dienst? Eine persönliche Bilanz.

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competa1 30.12.2018, 11:02
20. Ein Holzhammer..

..auf dem guten alten BGB.Das gabs zuletzt vor 30 Jahren im TV beim "königlich bayrischen Amtsgericht"(übrigens ganz ohne Schöffen):-)

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ekel-alfred 30.12.2018, 11:06
21. Stimmt!

Zitat von gudgeorgi
Ich kenne Jemanden, der hat sich freiwillig beworben als Schöffe und wurde nicht erwählt...Dazu passt ja so gar nicht die hier diskutierte Zwangsverpflichtung!?
Überlegen Sie mal, wer die Kandidaten wählt. Ein Parteibuch (bestenfalls das richtige) in der Tasche, ist da sehr hilfreich.
Ich weiß das aus eigener Erfahrung.

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cobaea 30.12.2018, 11:07
22.

Zitat von angemeldetumzureden
Der Artikel hat mich nachdenklich gestimmt. Ich bin auch der Überzeugung, dass die oft verkürzte Berichterstattung, verbunden mit Aufmerksamkeit heischenden Schlagzeilen die Bürger zu undifferenzierten Urteilen verleitet. Dennoch gibt es diese Betrachtung und Gewichtung von Vorgeschichten auch große Rätsel auf und sorgt für Unmut. Dazu einige Gedanken und Fragen: - Was hat die Familienfehde damit zu tun, dass jemand sich dafür entscheidet seinen Lebensunterhalt als Drogenkurier zu verdienen? - Die Überlastung der Gerichte und die Überbelegung der Gefängnisse zeugen von einer verrohten Gesellschaft, deren Justiz überfordert ist. - Und was ich niemals verstehen werde: warum werden der Konsum von Alkohol und Drogen als strafmildernd gewertet? Das Letztere passt nicht mehr in die heutige aufgeklärte Gesellschaft und ist einer der vielen gerechtfertigten Indikatoren, dass das Gerechtigkeitsempfinden der Gesellschaft erheblich beschädigt ist.
Das mit der Strafmilderung, wenn die Tat unter Alkoholeinfluss begangen wurde, hab ich auch noch nie verstanden. Im Normalfall wird ja niemand zum Saufen gezwungen.(Bei Alkoholikern und Drogenabhängigen sieht das dann aber schon anders aus - ein Kranker hat in solchen Fällen keine freie Entscheidung mehr). Aber wenn sich das ändern sollte, müssten Gesetze angepasst werden - das liegt nicht in der Kompetenz der Gerichte.
Warum oder inwiefern eine Familinfehde dazu führt, dass jemand am Schluss dealt, ist Teil der Arbeit der Gerichte. "Vom Schiff aus" würde ich mir nicht anmassen, das abschliessend werten oder beurteilen zu können.
Und Nein. Die Gesellschaft verroht nicht. Im Vergleich dazu, was in früheren Jahrhunderten passierte, leben wir in relativ friedlichen Zeiten Nehmen wir mal Statistiken aus der als friedlich empfundenen Schweiz und dort nut aus Luzern und Zürich, so wurden allein im 18. Jahrhundert 237 Todesurteile ausgeführt - für Diebstahl, Sexueladelikte, Mord etc. Die Bevölkerungszahl lag für beide zusammen unter 20 000. Vieles, was heute strafbar ist, war es früher nicht (z.B. Gewalt in Familien), dafür wurden Taten bestraft, die heute nicht mehr strafbar sind - Vagantentum, Bettelei z.B.

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cobaea 30.12.2018, 11:14
23.

Zitat von gudgeorgi
Ich kenne Jemanden, der hat sich freiwillig beworben als Schöffe und wurde nicht erwählt...Dazu passt ja so gar nicht die hier diskutierte Zwangsverpflichtung!?
Das muss ja kein Widerspruch sein. Das kann z.B. damit zu tun haben, wieviele Freiwillige sich im entsprechenden Gerichtsbezirk melden. Oder dass Wert auf eine "ausgewogene" Beteiligung unterschiedlicher Kreise aus der Bevölkerung gelegt wird (z.B. Männer/Frauen, Altersverteilung, Selbständige/Angestellte etc).

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scxy² 30.12.2018, 11:25
24. @competa1

Nein, ganz richtig ist Ihre Feststellung nicht. Wenn man ganz genau auf das Bild schaut, erkennt man ein StGB. Genau genommen einen Kommentar, übrigens von dem Fischer, der hier bei SPON hin und wieder kommentiert. Die Bildunterschrift hilft zudem beim Verständnis.

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Dieter Koll 30.12.2018, 11:37
25. sehr interessanter Artikel.....

wobei sich darin auch charakterliche Defizite zeigen:
"Körperverletzung: Ein 20-Jähriger, der nach langer Suche endlich einen Ausbildungsplatz in Aussicht hat, schlägt nach einem schnapsseligen Abend unter Freunden seine Ex-Freundin - im Falle einer Haftstrafe verlöre er wohl die Stelle."
Ich kann mir kaum vorstellen, dass der 20jährige gezwungen wurde, sich zu betrinken und dann auch noch seine Ex-Freundin zu schlagen. Es war sein freier Wille, die schwächere Person zu schlagen, anstatt sich mit einem gleichstarken oder stärkeren zu "messen". Dazu in einer Zeit, wo er endlich eine Ausbildungsstelle bekommen könnte.
Möglicherweise stellt sich hier die Frage, wie man grenzenlose Dummheit bestrafen soll? Hat die Ex-Freundin kein Recht auf Satisfaktion? Der Autor stellt immer die Täter in den Vordergrund und hier wird die größte Schwäche in unserem Rechtssystem sichtbar. Niemand kümmert sich um die Opfer, bzw. um die Wiedergutmachung des angerichteten Schadens. Immer geht es ausschließlich darum, strafmildernde Umstände zugunsten des Täters zu finden. Das unterscheidet den Profi leider nicht vom Laienrichter.

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Besserwissser 30.12.2018, 11:43
26.

Zitat von cm1
Als (freiwilliger) Schöffe bin ich sehr für das System, weil dadurch die Justiz ein wenig stärker in die Gesellschaft integriert ist, wie einst durch die Wehrpflicht auch die Bundeswehr. Partizipation der Bürger in Prozessen finde ich gut...
sehe ich so wie cm1: das ist sozusagen die in anderen Bereichen (z.B. Berufsleben) zur Zeit geforderte "Diversity" mit dem eben nicht nur eine Gruppe von "Experten" aus der selben Denkrichtung gefördert wird, sondern auch Denkanstösse aus anderen Richtungen zugelassen und sogar explizit verlangt werden. Selbst wenn es keine Garantie für etwas ist, beeinflusst sicher die Anwesenheit von anderen/anders Denkenden die Art wie gehandelt wird, weil man eben nicht mehr in der Echokammer ist, in der nur die eigene Denkrichtung "führt".

Ähnlich wäre es bei der Bundeswehr wenn ein Querschnitt der Bevölkerung vertreten wäre, würden sich die Entgleisungen wohl veringern. Ob man es gut findet das man einen Wehrdienst zu leisten hat /geleistet wird ist sicher aber auch ein andere Diskussion.

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wahrsager26 30.12.2018, 11:47
27. Ob das ein gutes Beispiel ist ?

Der Schöffe soll abwägen und an einem 'gerechten' Urteil mitwirken .Bezogen auf diesen traurigen Fall sehe ich eher nur eines ( ohne langes Abwägen ): einsperren ! Dieser Angeklagte ist nicht in der Lage, ein selbstbestimmtes ordentliches Leben zu führen. Wer Aufmerksamkeit benötigt: die Öffentlichkeit! Danke

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Sonnenschein11 30.12.2018, 12:05
28.

Zitat von Leser_01
Die Laienbeteiligung im Strafrecht war eine der großen Forderungen der 1848/49er Revolution, die in der StPO aus dem Jahre 1877 mit der Einführung von Geschworenen erfüllt wurde. 1924 kam dann die sog. "Emminger Reform", mit der die Geschworenen zu Schöffen wurden und zusammen mit den staatlichen Richtern beraten mussten. 1974 kam dann der zweite "reaktionäre Anschlag" auf die Laienbeteiligung im deutschen Strafrecht, die Anzahl der Schöffen wurde von 6 auf 2 reduziert, d.h. die Schöffen sind seither am Landgericht in der Minderheit und haben faktisch nichts mehr zu melden. Anders läuft es immer noch in der kleinen Strafkammer am Amtsgericht, wo die beiden Schöffen den Einzelrichter immer noch überstimmen können. Das ist für die staatliche Justiz jedoch kein wirkliches Problem, denn insoweit steht natürlich der Staatsanwaltschaft die Berufung zum Landgericht offen, wo die Laienrichter, wie bereits erwähnt, keine wirkliche Rolle mehr spielen. Wie man sieht wurden die Laienrichter in Deutschland schrittweise im Abstand von 50 Jahren immer weiter entmachtet. Mit der endgültigen Abschaffung können wir, sofern diese Regel stimmt, im Jahre 2024 rechnen.
Vielen Dank für die geschichtliche Aufarbeitung.
Ich wurde auch aufgefordert, mich als Schöffe bereit zu erklären. Artig habe ich den Zettel ausgefüllt und zurückgeschickt. Vor ein paar Wochen kam dann der Brief, dass man mich nicht gewählt hat. Es war für mich eine Erleichterung, da ich wie in dem Beitrag steht, für 5 Jahre mich verpflichtet hätte. Aber anscheinend war wohl mein Lebenslauf nicht so "sauber", wie man sich das wünscht. Wobei ich die Entscheidungskriterien nicht weiß.
So wie du aber die Aufarbeitung dargelegt hast, ist der Job des Schöffen sehr wichtig. Es mangelt am allgemeinen Verständnis der Notwendigkeit. Mich wie gesagt eingeschlossen. Eigentlich schade. So geben wir immer mehr von der hart erkämpften Demokratie Stück für Stück weiter ab.

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wahrsager26 30.12.2018, 12:14
29. Es werden hier ein paar Fälle genannt,

die zeigen sollen ,wie schwer 'Recht' zu sprechen ist.Dabei fällt mir ein: der Notarzt und der Chirurg sollten sich nicht mit Gefühlsregungen im Ernstfall blockieren.Sonst wird es mit der Hilfe nichts. Übertragen auf die Justiz meine ich nichts anderes, das wohl ein kräftiger 'Schuss vor den Bug ' helfen könnte, auf die rechte Bahn zu kommen.....unabhängig davon, ob sich das Betrunkene Ehepaar schämt......! Und alle hier genannten Fälle 'verlangen' danach! Danke

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