Forum: Panorama
Gaffer bei Suizidversuch: "Uraltes menschliches Verhalten"
imago/ Reichwein

Dutzende Schaulustige versammelten sich, als ein Mann in Baden-Baden drohte, vom Dach zu springen. Es gab sogar Rufe, die ihn zum Suizid aufforderten. Wie lässt sich dieses Verhalten erklären?

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henrikb1 05.08.2017, 18:28
1. Leute, die ...

... einen Suizidgefaehrdeten auch noch ermuntern "Spring doch !" gehoeren meiner Meinung nach sehr hart bestraft ! Sowas ist kein Kavaliersdelikt. MfG

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Osservatore 05.08.2017, 18:36
2. Es stinkt...

Die Verrohung der Menschen wird vom herrschenden Neoliberalismus aktiv vorangetrieben: Jeder gegen jeden, alle gegen einen. Es stinkt mittlerweile gewaltig...

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isar56 05.08.2017, 18:44
3. Als neugieriger Mensch

bleibt mir die Gafferei bei Unfällen oder angekündigtem Suizid ein Rätsel. Wer will Menschen von Dächern oder Brücken springen sehen oder schwerverletzte, blutende Menschen? Idioten.
Da fehlt es an jeglicher Empathie und Sozialkompetenz, bei Jenen die zudem Rettungsmannschaften behindern mag ich nicht mal mehr den Kopf schütteln.

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curiosus_ 05.08.2017, 19:05
4. Das...

Zitat von Wolfersdorf
Zum anderen provoziert er auch Ablehnung beim Publikum. Und das wäre, psychologisch gesehen, natürlich auch eine Erklärung, warum das Publikum ablehnend reagiert: Die Aggression in dieser öffentlichen suizidalen Handlung wird gewissermaßen vom Publikum zurückgegeben.
Ist wohl der Hauptgrund. Der potentielle Selbstmörder will die Öffentlichkeit bestrafen ("seht her zu was ihr mich gebracht habt") - und die Öffentlichkeit lässt das ins Leere laufen indem sie ihm zeigt, dass sie die Strafe nicht annimmt. Was vielleicht sogar bei dem potentiellen Selbstmörder Einsicht in die Nutzlosigkeit seines Tuns fördert. Würden sie versuchen ihn von seinem Tun abzubringen könnte das eventuell sogar noch bestätigend auf ihn wirken ("Ich habe Macht über Sie, kann in ihnen Schuldgefühle hervorrufen").

Wenn er dann doch springt sind die Rufer aber höchstwahrscheinlich doch betroffen.

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quintino 05.08.2017, 19:08
5. Danke für diese Nachbereitung

Hatte nach Erscheinen der Suizidgaffer-Meldung schon im Netz nach Erklärungen für dieses abartige Verhalten - insbesondere das Auffordern - gesucht. Ich wurde nicht fündig und bin dankbar, dass SPON diese Meldung hier nochmals nachbereitet. Leider hat Herr Wolfersdorf hierfür auch nur Mutmaßungen und weniger eine schlüssige Erklärung. Weshalb meint die Polizei eigentlich, dass das Auffordern nicht strafbar wäre? Das ist doch nun tatsächlich extreme Behinderung der Polizeiarbeit, die bestrebt ist, genau das Gegenteil von Springen zu erreichen...

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plutinowski 05.08.2017, 19:11
6.

Zitat von henrikb1
... einen Suizidgefaehrdeten auch noch ermuntern "Spring doch !" gehoeren meiner Meinung nach sehr hart bestraft ! Sowas ist kein Kavaliersdelikt. MfG
Mir tut sie eher leid. Armselige, kranke Seelen. Wer sich an sowas aufgeilt, kann sich doch sonst über nichts richtig freuen.

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Stega 05.08.2017, 19:25
7. bevor man andere als "unmöglich" verurteilt,

...sollte man daran denken, daß unser modernes Leben uns geradezu dazu zwingt, andere Menschen als Nummern und nicht als Person wahrzunehmen. Alle Leute in der S-Bahn als Person ernst nehmen? Empathie aufbringen für alle anderen Verkehrsteilnehmer die an einem vorbeirauschen? All die Figuren in Film und Fernsehen so voll wichtig nehmen? Ganz ehrlich, das geht nicht. Wer das Gegenteil behauptet, ist ein Heuchler. Empathie aufbringen, jemanden als Person voll nehmen kann man nur, wenn man einen Bezug zu diesem Menschen hat.

Also reduziert sich die beobachtete Geschichte auf eine Frage der Haltung. Es gibt Menschen, die können sich selber befehlen, verhalten sich diszipliniert und geben jederzeit nach außen eine freundliche Fassade, selbst wenn sie sich im Moment nicht danach fühlen. Und es gibt eben Menschen, deren Spannkraft reicht nur dazu, sich durch das Leben treiben zu lassen und Teil einer Massendynamik zu sein. Insofern gibt es sehr wohl Rangunterschiede zwischen Menschen, unabhängig von Herkunft, Abstammung, sozialem Status oder Weltanschauung.

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brooklyner 05.08.2017, 19:52
8.

Bei Menschen, die sich so wenig im Griff haben, Ihren animalischsten Instinkten unreflektiert zu folgen wie geschildert, bin ich mir auch sicher, dass die Pornos schauen.

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UnternehmerMitHerz 05.08.2017, 20:21
9. Es stinkt wirklich ...

Die Gesellschaft verroht – zumindest gefühlt – immer mehr. Das ist anscheinend ein unerwünschter Nebeneffekt, der leider durch Individualisierung und antiautoritärer Erziehung befeuert wird. Das führt zwar dazu, dass Menschen z.B. endlich ihre sexuellen Neigungen frei ausleben können. Die Kehrseite ist aber, dass wir keine Grenzen mehr aufgezeigt bekommen. Wer schon als Kind nicht lernt, dass er nicht alleine auf der Welt ist und z.B. den Nachbarn nicht auf dem Kopf herumtrampeln darf, der weiß eben auch später nicht, dass sich manche Dinge nicht gehören… Das hier immer häufiger psychologische Phänomene nüchtern beleuchtet werden, finde ich prima!

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