Forum: Panorama
Gesägt, getan: Zapfen-Streich beim Hobbyschreinern
Benjamin Schulz

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kratzdistel 17.10.2016, 18:36
30.

erstens brauchen sie dazu eine scharfe am besten eine absetzsäge, einen scharfen stechbeiteil , ein streichmaß, eine anreißsptze oder spitzen Bleistift, winkel und holzhammer. dann fängt man mit den zinken an und nicht umgekehrt wie hier. auf das stirnholz werden die zapfen aufgezeichnet, mit dem streichmaß wird die stärke des holzbrettes mit den zapfen angerissen. jetzt werden im rechten winkel bis zum strichmaß die zapfen gesägt.mit dem scharfen Beitel dann das holz ausstemmen. das Brett mit den zinken im rechten winkel auf das Gegenstück und dann
mit der anreißspitze oder Bleistift die zapfen aufzeichenen. jetzt wieder aussägen und ausstemmen. dann passen diese bei entsprechendem Feingefühl wie die faust auf das auge. die hohe Kunst ist verdeckt auf Gehrung zu zinken. beim ausstemmen am besten mit dem Beitel am strichmaß entlang das holz ein wenig einritzen für eine bündigen abschluss. den Beitel ein wenig davor ansetzen und alles erst ausstemmen und dann sauber nacharbeiten.es ist nunmal alles nicht so einfach. das fängt schon an, ob die linke oder rechte seite des holzes nach außen kommen soll.

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L!nk 17.10.2016, 18:52
31.

Das nennt man übrigens Schwalbenschwanz-Zinken, und nicht Zapfen. die sind definitiv gerade. Ich durfte das während meiner Tischlerausbildung drei Jahre lang immer wieder üben, das hat dann zu einer 2 bei der Gesellenprüfung gereicht.
Mein Tipp, wenn die Verbindung wackelt: Furnierstücke beim Verleimen dazwischen stecken, dann hält es trotzdem Jahrhunderte - wurde früher auch schon so gemacht ;-)

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Newspeak 17.10.2016, 18:56
32.

Die Spalte sind eine Sache, aber warum überhaupt so grosse Zapfen? Das ist alles andere. aber nicht gerade ästhetisch. Die perfekte Verbindung sieht man nicht, und wenn doch, dann doch etwas dezenter.

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Paul Panda 17.10.2016, 18:58
33.

Glückwunsch: Auch ich träume seit Jahrzehnten davon, so etwas einmal hin zu bekommen, aber aus Angst, dass es mir genau so (oder noch schlechter) ergeht, habe ich es bisher nicht gewagt und stattdessen in solchen Fällen immer die stabilen Metallwinkel verwendet, die es im Baumarkt (und billiger im Baustoff-Fachhandel) in allen Größen und Stärken gibt. Man muss dann nur genügend passende Holzschrauben verwenden, um die Teile fest zu bekommen. Auch meine Bewunderung gilt den Schreinermeistern aus meiner Jugend, die noch über das erforderliche Know-How für Schwalbenschwänze verfügten.

Stolz bin ich jedoch darauf, dass ich nach Jahrzehnten endlich vernünftige 45-Grad-Gehrungen bei Rahmen aus Holz (6 cm breite Buchenleisten aus dem Baumarkt) erzeugen kann, die ich für die Seitenwände der Gehäuse von Elektronik-Geräten benötige - und zwar seit ich keine Gehrungslehre, sondern eine Gehrungssäge benutze. Doch Vorsicht: Viele dieser Sägen schneiden nicht präzise, sondern verkanten und der Rahmen wird dann schief. Am besten nichts Billiges kaufen und sich vorher beraten lassen oder in Internetforen schlau machen.

Übrigens: Das Sägen auf dem Strich ist auch so ein Problem für Laien: Manchmal säge ich auf der verkehrten Seite des Striches oder auf dem Strich selber, und manchmal wandert meine Säge (beim freihändigen Sägen) wie von selbst von einer Seite des Striches auf die andere. Ich buche das Ganze unter "Lehrgeld" ab und nehme es mit Humor. Je öfter ich säge, desto besser wird's.

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G.Real 17.10.2016, 19:03
34.

Was für liebenswürdige, mitfühlende und unterstützende Beiträge von Fachleuten, die es offenkundig nicht nötig haben über den Autor und einander herzufallen. Wie wundervoll wäre es, wenn auch alle anderen Foristen sich zu diesem Ton durchringen könnten. Ich habe meine Forschungsreisen durch das Internet, insbesondere die übergroße Zahl der amerikanischen Websites und Videos, als ausgesprochen hilfreich empfunden. Paul Sellers scheint der Halbgott der angelsächischen unpluggged Werkstätten zu sein: seine Videos auf Youtube sind bezaubernd und unendlich lehrreich. Lassen Sie sich nicht unterkriegen: Ihr Werkstück ist völlig OK!

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aurichter 17.10.2016, 19:20
35. Wie heisst es so schön,

Übung macht den Meister ! Die jeweils fabrizierten "Meisterstücke" behalten und sich an den gemachten Verbesserungen erfreuen. Komme ursprünglich aus dem Metallbereich, aber das Material Holz und die Bearbeitung zieht in den Bann, da kann man sich wirklich dran erfreuen, wenn Arbeitsstücke auch Dritte gefallen. Sollte ich noch einmal auf die Welt kommen, dann werde ich Möbeltischler ;-)

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ansgar.unkenholz 17.10.2016, 19:21
36. Gleich noch mal, weitermachen!

Vom Hobbyschreiner Zinken in Eiche, 38er, ist schwer.
Bis Bild 6 würde ich der Ausführung 93 Punkte geben, Abzug wegen Aufriss und Anschnitt auf falscher Strichseite (Bild 3).
Bis Bild 8 sind Aussäge- und Ausstemmarbeiten 60 Punkte, Abzug wegen Schwalben zu lang abgesetzt, Bild 8.
Jetzt wird es wirklich schwierig, Zinken schneiden, leider schlecht, falsche Seite und nicht mit Strich, Bild 9, keine Wertung.
Reparatur: Lücken füllen mit Klebstoffen. Das geht gar nicht, 0 Punkte
Meine Empfehlung: machen Sie das Querteil noch mal. Anzeichnen, Sägen, Ausstemmen, das können Sie, siehe Bilder.
Und nach dem Zusammenstecken wird die Bank 200 Jahre Ihren Namen Ehre machen.
Guter Start und würde gern weiteres sehen.

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MatthiasPetersbach 17.10.2016, 19:31
37.

Zitat von G.Real
Was für liebenswürdige, mitfühlende und unterstützende Beiträge von Fachleuten, die es offenkundig nicht nötig haben über den Autor und einander herzufallen…..
Warum sollte man das auch tun?

Erstens hat man Respekt, wenn sich jemand an etwas traut - obwohl er das nicht gelernt hat - und zweitens ist unter wirklichen Fachleuten und Interessierten die weise Einsicht weit verbreitet, daß man selbst manches nicht so toll hinkriegt beim ersten Mal. Drittens gibts gegen das Ergebnis "Hocker/Bank" auch wenig zu sagen und viertens gilt immer noch der Spruch, daß der, der nicht mindestens fünfmal im Leben bereut hat, kein Tischler geworden zu sein, nicht gelebt hat :)

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Hupert 17.10.2016, 19:31
38.

Da habe ich hier was, dass ich keinem mit Interesse am Thema vorenthalten möchte :-)

https://www.youtube.com/watch?v=W1pvUlQgYtk

Wenn die Japaner was machen, dann richtig.

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bishop_mobil 17.10.2016, 19:37
39.

Hauptsache: Erstmal fertig!

Damit es in Zukunft aber besser wird, kommt man ums Üben nicht herum: Mit genauem Anreißen und anfänglich mehr als sensiblem Stecheiseneinsatz bekommt man die perfekte Grundlinie herausgearbeitet - ausreichend Geduld vorausgesetzt.

Wenn der Sägeschnitt zuvor auch schon stimmt - mit der Absetzsäge geht es zwar theoretisch, aber eine Japanische Säge für Längsschnitte handhabt sich dagegen wie ein selbstjustierender Laserstrahl - geht das Ganze mit ein paar langen Schraubzwingen und entsprechender Beilage gegen Quetschungen danach so satt zusammen, dass man bei für Möbelverwendung heruntergetrocknetem Holz wahrscheinlich nie mehr eine Fuge zu sehen bekommen wird.

Mit einem Redaktionstermin im Nacken wackelt die Bank dann eben ein wenig - aber sie hält wahrscheinlich trotzdem locker 200 Jahre...

Trotzdem: Bitte keinen Epoxyd-Leim oder Ähnliches verwenden. Lieber unter Verwendung einer Beilage ein paar fast parallele und an der Spitze bis auf Spaltenbreite gekappte Eichenkeile aus der gleichen Holz-Charge in die Zwischenräume der Schwalbengrundlinie eintreiben. Dann wackelt das Teil schon merklich weniger.

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