Forum: Panorama
Gesägt, getan: Zapfen-Streich beim Hobbyschreinern
Benjamin Schulz

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peterpappnase 18.10.2016, 18:35
60.

Hm, die Anrisse der Schwalbenschwänze und die Einteilung auf Bild 1 sehen aus, als wurde nach einem Lehrbuch vorgangen. Soweit so gut und richtig. In diesem Lehrbuch stand aber ganz gewiss auch, dass eben nicht auf sondern exakt neben dem Anriss gesägt werden muss, was Übung (und eine gute, scharfe Säge!!!) erfordert, aber selbst mit der richtigen Säge klappt das nur ganz selten beim ersten Mal. Im übrigen wurde hier nicht gezapft sondern gezinkt. Zapfen sind (und Schlitze) gehören zwar auch zu den in den klassischen Holzverbindungen, die Tischler anfertigen, sind aber etwas anderes als die hier gezeigten Zinken/Schwalbenschwänze. Ob nun die Zinken oder die Schwalbenschwänze zuerst angefertigt werden, ist eine Glaubensfrage. Man kann diese Verbindung auch maschinell mit der Oberfräse und einer Fräsführung herstellen, wobei die guten (und recht teuren....) Exemplare der Gattung Fräsführung (bspw. Leigh D4, Woodat...) vollkommene Freiheit im Bezug auf die Positionen und Abstände der Zinken/Schwalbenschwänze ermöglichen.

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vomHolt 19.10.2016, 21:25
61.

Selten, oder eigentlich noch gar nicht, habe ich ein Forum gelesen, in dem es so sachlich, friedlich und ohne Fetzerei vor sich ging. Ein lesenswertes Forum, dass mir viele Infos und Anregungen gegeben hat. Den Beitrag als solchen finde ich klasse.

Es wurden schon viele gute Tipps und Verbesserungsvorschläge gegeben, ich will sie nicht wiederholen.
Auf den ersten Blick erscheint mit die Verbindung im Verhältnis zur Dicke/Verzinkung nicht gerade ästhetisch. Die stabverleimte Platte hätte ich auch nicht eingesetzt, stattdessen durchgehende Latten verleimt.
Als Verbindung hätte ich eine verdeckte Schwalbenschwanzverbindung gewählt, mit einer durchgehenden Oberfläche. Die Schwalbenschwanzverbindung ist dann nur noch von der Seite zu sehen. Diese Verbindung ist natürlich noch schwerer zu fertigen und in Eiche bei der Dicke schon Höchststrafe.

Trotzdem, klasse der Artikel, klasse die Kommentare! Vielen Dank.

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peterpappnase 19.10.2016, 23:12
62.

Natürlichich ist richtig, dass die stabverleimte Eichenplatte (wahrscheinlich vom Baumarkt um die Ecke) ziemlicher Murks ist. Aber was soll der Heimwerker mit Ambition denn machen? Er hat weder eine Formatkreissäge zum Besäumen von Bohlenware noch eine Abricht- und Dickenhobelmaschine. Und einen mehr oder weniger kompletten Satz Bankhobel, um das Holz von Hand auszuhobeln hat er auch ebensowenig, wie eine ordentliche Hobelbank, für die er außerdem sowieso keinen Platz hat. Wahrscheinlich hat er noch einmal wirklich scharfe Stecheisen denn kein Stecheisen (auch kein Standard-Markeneisen von Kirschen oder anderen ordentlichen Herstellern), das man neu anschafft, ist wirklich scharf. Jedes neue Stecheisen braucht vor dem ersten ernsthaften Einsatz etwas Zuwendung, um es wirklich scharf zu machen. Scharf bedeutet bei Handwerkzeugen zum Herstellen von Holzverbindungen (bspw. Hobel und Stecheisen) nämlich wirklich rasiermesserscharf. Neue Japansägen direkt aus dem Laden sind scharf und zum Zinken vollkommen in Ordnung, sie lassen sich allerdings im Gegensatz zu Rücken- und Gestellsägen nicht nachschärfen. Ohne ordentliches Werkzeug (der nächste Baumarkt ist nicht unbedingt die richtige Bezugsquelle für gutes Werkzeug) und eine ganze Menge Übung wird das Ergebnis jedes Zinkversuches so aussehen, wie es hier vorgestellt wurden. Macht ja nix, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und ich bin ehrlich genug zuzugeben, dass ich fast immer maschinell mit Oberfräse und Fräsführung zinke, das geht nämlich schneller und passt auch.

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Tom B 22.10.2016, 19:37
63. ... da bist Du nicht allein

Hallo,
da hast Du dir schon etwas durchaus Anspruchsvolles rausgesucht. Zinken per Hand ist nicht einfach - und will oft geübt werden.
Mögliche Fehlerquellen sind z. B. Sägen nicht auf der "Abfallseite", ungenaues Anreissen/Übertragen oder auch ungenaues Stemmen.

Wenn die Spalten da sind, kann man auch ein Restholz in den Spalt stecken (wenn man auf die Faserrichtung achtet fällt's weniger auf) oder auch Sägemehl mit Weißleim vermengen und mit dieser Paste die Lücken auffüllen (dann ergibt sich auch gleich der passende Farbton).

Vielleicht kann Dir meine Fotostrecke helfen:
https://holzwerkstattblog.com/projekte/projekte-aus-dem-jahr-2016/eckregal/4-teil-schublade-bauen-zinken-per-hand/

Herzliche Grüße

Tom

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