Forum: Panorama
Haben Mieter in Deutschland zu viele Rechte?

Mieter und Vermieter: Zwei Parteien, die oft nicht gut miteinander auskommen. Verschiedene Interessenlagen, oft schwierige Gesetze sorgen für Konflikte. Mietnomaden sind ein spezielles Problem für Wohnungsbesitzer. Haben Mieter allgemein zu viele Rechte in Deutschland?

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joe_dalton 29.12.2009, 13:42
90.

Zitat von stormking
Sie haben Herrn Ochmanns Beitrag offensichtlich nicht gelesen oder nicht verstanden.
Herr Ochermanns These ist, dass es für den Mieter um die Existenz geht, für den Vermieter nur um ein bisschen Spielgeld, bei dem es nicht schlimm ist, wenn er es verliert. Diese These ist in vielen Fällen einfach falsch und zeigt ein sehr einfaches Weltbild. Dass er vielleicht auch Vermieter ist (z.B. über den Umweg einer privaten Rentenversicherung, die das Geld in Immobilienfonds investiert...) denkt er nicht. Wenn ihm jemand sagen würde, er könne ja auf die Rente verzichten, weil sie nicht existenziell ist, würde er wohl widersprechen. Und das ein Haus da einfach als Vermögenswert nur da steht und keine Kosten verursacht ist auch falsch genauso wie die Annahme man würde diesen Vermögenswert einfach wieder los, wenn die Einnahmen ausbleiben.
Ich denke, eigentlich ist das Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter eine Symbiose in der Form, dass jeder den anderen braucht. Und diese wird durch einige Vorschritfen und Urteile massiv in Frage gestellt. Natürlich kommt es irgendwann wieder zum Gleichgewicht, nur ob dabei Kleinvermieter noch vorkommen, ist die Frage. Vielleicht hätten wir dann wenigstens das Feindbild des bösen Großkapitalisten und Fabrikbesitzers wieder. Wenn die Welt nicht zum Weltbild passt, passt man eben die Welt an...

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harvest_moon 29.12.2009, 14:14
91.

Zitat von joe_dalton
Wenn ich das hier so lese, denke ich, die meisten sind der irrigen Meinung, so ein Haus stellt man einmal da hin und dann kann man schön abkassieren. Dies ist mitnichten so. Es ist immer was kapput, hier mal ne neue Heizung, da mal neue Fenster, hier mal neue Rohre. Das muss bezahlt werden und dazu müssen die Mieteinnahmen .....
Mir kommen die Tränen.
Neue Fenster werden evtl. nach 20 Jahren fällig.
Beispiel:
Kaltmiete für die Wohnung 400 Euro.
20 Jahre = 240 Monate
240 x 400 = 96.000 Euro.
Kosten für den Ersatz von 4 Fenstern incl. Arbeitslohn
grob und großzügig gerechnet ca. 3.000 Euro.
Die der vermieter nur dann alleine tragen muß, wenn wirklich total marode Fenster ausgetauscht wurden.
Wenn dadurch eine Verbesserung der Wohnung eintritt (Schallschutz durch Doppelverglasung u. Ä.) kann er jährlich 11% des Rechnungsbetrages auf die Mieter umlegen, die also nach ca. 9 Jahren die Fenster komplett bezahlt haben.
Die durch diese Umlage auf die Mieter erhöhte Miete bleibt natürlich weiter so hoch.
Ja, ja, vermieten ist wirklich ein Verlustgeschäft.

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primatologe 29.12.2009, 14:34
92.

Zitat von **Kiki**
.......... Der Normalfall ist aber doch, daß Vermieter und Mieter eigentlich immer froh sind, wenn sie einigermaßen miteinander auskommen. ...........
Vermieter die nur ihr Vermögen in Immobilien angelegt haben, handeln nach dem Motto Leben und leben lassen, im Problemfall finden wir gemeinsam eine Lösung.
Seit ein paar Stinkstiefel in der Wallstreet die Welt mit ihrem Heuschreckendenken angestecktt haben (die erste Heuschrecke hiess Rubenstein) ist das leider nicht mehr so.
Nun wird versucht mit allen Mitteln Geld rauszuziehen.
Jede zweite Abrechnung ist falsch, komischerweise immer zu Ungunsten der Mieter, das ist kein Zufall.

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Ulrich Ochmann 29.12.2009, 14:59
93.

Zitat von joe_dalton
Herr Ochermanns These ist, dass es für den Mieter um die Existenz geht, für den Vermieter nur um ein bisschen Spielgeld, bei dem es nicht schlimm ist, wenn er es verliert. Diese These ist in vielen Fällen einfach falsch und zeigt ein sehr einfaches Weltbild.
Natürlich kann man die Welt nicht so einfach darstellen, und das habe ich auch nicht getan. Ich habe mich auf einen konkreten Beitrag bezogen, in dem von einem Vermieter gesprochen wurde, der seine Investitionsrendite durch einen Kriegsflüchtling mit schlechter Bonität gefährdet sah. Und da habe ich mir den provokanten Hinweis erlaubt, dass die Vermietung an Bedürftige mit dem Risiko verbunden ist, in schlechten Zeiten eine suboptimale Rendite zu erzielen. Natürlich ist das kein Spielgeld, welches für den Vermieter einfach so vom Himmel fällt. Aber welche Alternative haben wir denn? Dass Bedürftige einfach auf die Straße gesetzt werden? Der Mensch ist nunmal auf eine Wohnung angewiesen. Wer sich Wohnraum kauft, um ihn zu vermieten, kennt die Rechtslage in Deutschland, die den Mieter meistens gegenüber dem Vermieter bevorzugt. Dennoch kann sich ein jeder im Land frei entscheiden, ob er lieber zu den Mietern oder zu den Vermietern gehört.

Zitat von
Und das ein Haus da einfach als Vermögenswert nur da steht und keine Kosten verursacht ist auch falsch genauso wie die Annahme man würde diesen Vermögenswert einfach wieder los, wenn die Einnahmen ausbleiben. Ich denke, eigentlich ist das Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter eine Symbiose in der Form, dass jeder den anderen braucht.
Definitiv. Dennoch kann der Vermieter meist für einige Zeit ohne Mieter überleben, der Mieter aber nicht mal eine Woche ohne Wohnung. Die Abhängigkeit des Mieters ist größer.

Zitat von
Vielleicht hätten wir dann wenigstens das Feindbild des bösen Großkapitalisten und Fabrikbesitzers wieder. Wenn die Welt nicht zum Weltbild passt, passt man eben die Welt an...
Ich habe dieses Feindbild nicht, und ich glaube auch nicht, dass Sie es ernsthaft aus irgend einem meiner Beiträge herauslesen können.

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Ulrich Ochmann 29.12.2009, 15:10
94.

Zitat von unterländer
Sie machen in meinen Augen genau den gleichen Fehler wie der Forist Ochmann. Während es bei Ihnen beiden anscheinend nur gierige Vermieter gibt, gibt es andererseits nur wohlmeinende, unverschuldet in Not geratene säumige Mieter.
Das habe ich mit keinem Wort so beschrieben, und es entspricht auch nicht meinem Eindruck von den Verhältnissen in Deutschland. In Summe empfinde ich die Verhältnisse als mehr oder weniger ausgeglichen, wenngleich der Mieter im Zweifel von den Gerichten wesentlich mehr Rückhalt bekommt als der Vermieter.

Wir sollten uns ernsthaft überlegen, ob wir diese Diskussion wirklich auf Basis der schwarzen Schafe führen sollten, denn diese gibt es auf beiden Seiten und sie sind auch auf beiden Seiten nicht angenehm. Dennoch gibt es eine große Überzahl von Mietverhältnissen in Deutschland, die für beide Seiten vorteilhaft und problemlos verlaufen. Da stimmt dann unterm Strich auch die Rendite auf die Altersvorsorge.

Zitat von
Ob ein Mieter nun böswillig oder aus Not seine Miete nicht bezahlt, für den Vermieter macht das keinen Unterschied. Er kriegt den Mieter nicht aus der Wohnung und wenn er es trotzdem versucht, dann hat er dafür alle Kosten zu tragen.
Sollte es denn für den Vermieter einen Unterschied machen, weshalb der Mieter seine Miete nicht zahlt? Die Frage können Sie selbst beantworten. Um es Ihnen leichter zu machen. Meine Antwort lautet ja. Und ich glaube auch, dass viele Vermieter es so sehen und z.B. einem Mieter mit kurzfristigen Finanzproblemen einen fairen Aufschub gewähren. Ich kenne niemanden, der seine Mieter deswegen sofort an die Luft setzen würde.

Zitat von
Und wenn Sie der Meinung sind, dass das Land mehr Menschen mit Ihrer und O.s Meinung braucht, dann müssen Sie eben akzeptieren, dass potentielle Vermieter nicht vermieten, selbst wenn sie könnten. (Nebenbei: Ich bin kein Vermieter und wäre auch nicht in der Lage zu vermieten).
Ich weiss nicht, was genau Sie sich unter "O.s Meinung" vorstellen, aber meine Beschreibung der asymmetrischen Abhängigkeit der beiden Parteien von der Mietsache ist eigentlich nichts weiter als eine Beschreibung der vorherrschenden rechtlichen Situation sowie der Auffassung der Gerichte. Den Fall des vorsätzlichen Rückhalts von Mietzahlungen habe ich mit keinem Wort unterstützt oder sonstwie positiv dargestellt. Und ich teile vollkommen die Auffassung, dass das nachlässige oder gar zerstörerische Behandeln des überlassenen Wohnraums konsequent verfolgt werden sollte. Da zählt dann auch keine Bedürftigkeit mehr.

Ich kann es deshalb nicht nachvollziehen, weshalb Sie mit dieser Beschreibung derart auf Kriegsfuß stehen.

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Ulrich Ochmann 29.12.2009, 15:23
95.

Zitat von KLMO
Es geht doch hier nicht um soziale Belange, sondern um Mietnomaden, die mit VORSATZ hier die Kulanz einer Gesetzgebung bewußt für Ihre Zwecke mißbrauchen und schamlos ausnutzen. Nicht selten bezahlen diese Leute nicht nur ihre Miete, sondern sie ruinieren nicht selten vorsätzlich auch noch die Wohnungseinrichtungen. In der Regel bleibt der Vermieter auf den Schaden selber sitzen. (Der ist ja auch kein Sozialfall, der hat eben Pech) Ich frage mich, ob man solche eklatanten Mißbräuche mit dem Beitrag von Herrn Ochmann rechtfertigen kann.
Kurze und knappe Antwort: Nein, kann man nicht.

Zitat von
Der Herr Ochmann sollte sich auch mal überlegen, dass es viele Wohnungsbesitzer gibt, die sich ihren Besitz in ihrem Leben schwer erarbeitet haben.
"Der Herr Ochmann" weiss das. Es widerspricht aber dem folgenden Absatz aus Ihrem Beitrag:

Zitat von
Nicht selten ist der Vermieter auch von den Mietzahlungen abhängig, um den Immobilienkredit zu tilgen. Oft geraten dann Vermieter selbst in finanzielle Schwierigkeiten.
Ist das Geld nun doch nicht erarbeitet, sondern nur geliehen und soll nun durch die Mietzahlungen getilgt werden?

Zitat von
Nochmals: Mietnomade und Sozialfall sind hier nicht in einen Topf zu werfen. Übernimmt der Staat die Mietzahlungen bei einem Sozialfall, brauche ich mir als Vermieter keine Sorgen zu machen.
An dieser Stelle Zustimmung "vom Herrn Ochmann".

Und in einen Topf werfen sollten wir auch nicht, ob ein Vermieter in seinem abbezahlten und selbst bewohnten Haus eine Wohnung übrig hat und diese vermietet

oder

ob er von vornherein eine Mietwohnung als Investition auf Kredit finanziert und erwartet, dass die Mieter ihm die garantierte und risikofreie Tilgung des Kredits einbringen. Der zweite Fall ist eine Finanzinvestition. Finanzinvestitionen sind nie ohne Risiko, sonst wären es Sparbücher. Ich kaufe doch auch keine Aktien und beschwere mich dann, wenn die erwartete Wertsteigerung nicht eintritt. Wer in Mietsachen investiert, der kauft Güter, die in Deutschland mit sozialen Verpflichtungen verbunden sind. Dies ist nicht meine Privatmeinung, sondern seit vielen Jahren Gesetzeslage. Wem diese sozialen Verpflichtungen zu viel sind, der sollte sich andere Investitionen für sein Geld suchen.

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Ulrich Ochmann 29.12.2009, 15:26
96.

Zitat von unterländer
Solche Menschen wie Sie braucht das Land sicher nicht, damit künftig mehr Wohnraum zur Verfügung gestellt wird. Wäre ich in der Lage zu vermieten .... momentan würde ich es sicher nicht tun. Die Gefahr, mir einen Ochmann ins Nest zu setzen wäre mir zu groß.
Haben Sie etwa Angst, dass ich Ihnen die Hausbesitzerzeitung aus dem Briefkasten klaue? ;-)

Lesen Sie doch einfach die Beiträge anderer mit etwas mehr Außenmaß, dann klappt's auch mit den Ochmanns dieser Welt.

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**Kiki** 29.12.2009, 15:33
97.

Worüber ich im Zusammenhang der Eingangsfrage nachdenke:

Wer HAT eigentlich etwas davon, das Vermieten als so gefährlich und risikobehaftet und dabei wenig lukrativ darzustellen, daß man als privater Geldanleger besser gleich die Finger davon lassen sollte? Sind das nicht genau die gleichen Heuschrecken, die als Vermieter in den letzten Jahren einen so schlechten Ruf gewonnen haben?

Diese Heuschrecken, das sollte einem klar sein, wollen ja ganz andere Renditen als das, womit ein Normalanleger fast immer schon hochzufrieden ist. Trotzdem haben sie im großen Stil Wohnungen aufgekauft, also müssen sie ja damit ordentlich Geld verdienen.

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joe_dalton 29.12.2009, 15:33
98.

Zitat von Ulrich Ochmann
Natürlich kann man die Welt nicht so einfach darstellen, und das habe ich auch nicht getan. Ich habe mich auf einen konkreten Beitrag bezogen, in dem von einem Vermieter gesprochen wurde, der seine Investitionsrendite durch einen Kriegsflüchtling mit schlechter Bonität gefährdet sah. Und da habe....
Nur bestimmt dies, wie durchlässig eine Gesellschaft ist. Eigentlich denke ich, dass Leute wie besagter Handwerksmeister gefördert werden müssten. Wenn sich Leistung nicht lohnt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn niemand was leistet. Abgesehen davon würden ja die Mieter letztendlich profitieren, aufgrund eines größeren Marktes. Wenn sich hier viele dafür entscheiden Mieter zu sein, spricht dies für eine gewisse Schieflage. Und diese Schieflage wird langfristig schaden. Hier in Deutschland will niemand vermieten, niemand selbstständig sein, niemand jemanden einstellen wegen der ungünstigen Rechtslage. Und dann wundert man sich über die Arbeitslosenzahlen, die ja schon einer nicht unerheblichen Schönung unterliegen.
Zitat von
Definitiv. Dennoch kann der Vermieter meist für einige Zeit ohne Mieter überleben, der Mieter aber nicht mal eine Woche ohne Wohnung. Die Abhängigkeit des Mieters ist größer.
Hier muten sie dem Vermieter zu, für die Überbrückung zu sparen, aber dem Mieter nicht, selbiges zu tun, damit er nicht insolvent wird, wenn man eine Notlage eintritt? Der Mieter hat ja schon zwei Monate keine Miete gezahlt, bis er gekündigt werden kann. In zwei Wochen (sogar einer!) kann man eine neue Wohnung haben, wenn man will. Wenn man arbeitslos wird, wird auch die Wohnung vom Sozialamt bezahlt. Was soll denn die Notlage sein, dass man keine Miete zahlen kann? Und außerdem sollte kleinere Barreserven eigentlich jeder haben, wenn man sie nicht hat, selber schuld. Es sollte nicht Sache des Vermieters sein, für den Mieter vorzusorgen. Er ist kein Kind mehr und sollte auch nicht so behandelt werden. Ist das übrigens sozialer, wenn kein Vermieter mehr an Menschen in Not, z.B. Arbeitslose vermietet, weil er fürchten muss, kein Geld zu bekommen? Ist das die soziale Lösung?
Zitat von
Ich habe dieses Feindbild nicht, und ich glaube auch nicht, dass Sie es ernsthaft aus irgend einem meiner Beiträge herauslesen können.
Ich denke, ich habe es überspitzt ausgedrückt und entschuldige mich dafür. Dennoch denke ich, dass der Beitrag sehr einseitig ist und nicht die Gesamtproblematik betrachtet.

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joe_dalton 29.12.2009, 15:42
99.

Zitat von Ulrich Ochmann
Ist das Geld nun doch nicht erarbeitet, sondern nur geliehen und soll nun durch die Mietzahlungen getilgt werden?
Ohne das Gehalt zu bemühen, geht sowas nicht, aber natürlich muss man mit den Mieteinnahmen rechen, und je weniger Miete gezahlt wird, desot mehr muss vom Gehalt genommen werden. Und das kann existenzbedrohend werden. Übrigens, ich denke, dass ist der Normalfall, die wenigsten haben 500 K Euro so eben auf der Bank um sich ein Hauseinfach so zu kaufen.

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