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Hamburger Seeräuber-Prozess: "Ich bin kein Pirat!"

Sie sollen den deutschen Frachter "Taipan" gestürmt haben, um Lösegeld zu erpressen: Im Hamburger Verfahren gegen zehn Somalier hat die Staatsanwaltschaft bis zu elf Jahre Haft gefordert - für die Angeklagten völlig unverständlich. Szenen eines beispiellosen Prozesses.

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Trondesson 26.01.2012, 00:57
50.

Zitat von Wildes Herz
Das kann man natürlich locker-leicht so sagen, mit einem behaglichen Dach überm Kopf, Internetverbindung, gut gefülltem Kühlschrank - und einem funktionierenden Sozialstaat, der selbst im schlimmsten aller denkbaren Fälle für die o.g. Annehmlichkeiten sorgen wird. Wo es all das nicht gibt, und es jeden Tag ums nackte Überleben geht, sieht die Lebensrealität eben u.U. deutlich anders aus. Da ist es absolut richtig, die sozialen Verhältnisse vor Ort in die strafrechtliche Gesamtwürdigung miteinzubeziehen.
Nein, ist es nicht.
Erstens haben die Lebensverhältnisse hier mit der ganzen Sache überhaupt nichts zu tun. Wenn Sie sich schlecht fühlen, dann räumen Sie Ihr Konto leer, fahren nach Somalia und schenken es den Piraten. Wenn Sie Glück haben, werden Sie nur als Geisel genommen, weil die Somalis denken, wo das herkam, da ist auch noch mehr zu holen. Wenn Sie Pech haben, landen Sie mit durchgeschnittener Kehle im Gestrüpp am Wegesrand.
Zweitens sind es genau diese Piraten, deren Anwälte sich jetzt über deren ach so harte Lebensbedingungen auslassen, die das Leben für die anständigen Somalis, die trotz der harten Bedingungen ihre Ziegen hüten oder Hirse anbauen, unerträglich machen. Denn Sie glauben doch hoffentlich nicht im Ernst, daß die mit ihrer Beute in den Dörfern Brunnen oder Schulen bauen.
So. Vielleicht würden viele von uns ebenfalls Piraten werden, d.h. den leichten Weg in die Kriminalität einschlagen, anstatt uns mühsam 16 Stunden am Tag zu quälen, dem kargen Boden dort etwas abzugewinnen. Nichtsdestotrotz bleibt dieser Weg verachtungswürdig, und diese Piraten jetzt auch noch zu unterstützen ist eine Verhöhnung der Menschen in Somalia, die ehrlich geblieben sind.

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Trondesson 26.01.2012, 01:08
51.

Zitat von Hoffentlich_ausgeglichen
Nun, was würden Sie denn als Alternative vorschlagen? Abkehr vom Rechtstaat? Stellen Sie sich einmal vor, unter den Angeklagten ist auch nur einer, der wirklich unschuldig ist. Wie reagierten Sie, wenn Sie in Somalia plötzlich vor einem Gericht stünden und die Richter Sie ohne fairen Prozess für ein Jahrzehnt einsperren würden? Ja, es ist teuer, aber das ist ein guter Preis für diese Form der Freiheit, die wir haben.
Und Sie definieren jetzt einmal zusätzlich zum Schlagwort "Rechtsstaat" den Begriff "Freiheit", bzw. was Sie darunter verstehen. Offensichtlich meinen Sie ja die Freiheit, Verbrechen zu begehen, um sich sein Leben angenehmer gestalten zu können, oder?
Im Übrigen dürften Sie in Somalia vergeblich auf einen Prozeß hoffen, ganz egal ob fair oder nicht.

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Trondesson 26.01.2012, 01:15
52.

Zitat von oups007
4 Jahre Haft für "jugendliche" Piraten als absurd hohe Strafe? In Amerika würde das Strafmaß vermutlich ca. 150 Jahre betragen...Kann man hochkriminelle Aktivitäten wirklich durch die schwierige soziale Lage in Somalia relativieren?
Nein.
Aber in diesem Land scheint so etwas möglich zu sein. Wahrscheinlich wäre auch Osama Bin Laden wegen einer schweren Kindheit mit Milde behandelt worden.
Langsam wird Deutschland peinlich.

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yogtze 26.01.2012, 01:42
53. Aktion gegen den Überschriftenmurks

Zitat von brotzeitholer
2. unfug, die werden abgeschoben, was denn sonst! natürlich auch zurecht, in diesem fall.
Leider irren Sie sich. Da Somalia ein sogenannter "Failed State" mit dauerhaft instabilen Verhältnissen ist, besteht ein dauerhaftes Abschiebehindernis. Die zehn Piraten werden leider für den Überfall mit lebenslangem Hartz IV belohnt.

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yogtze 26.01.2012, 01:46
54. Aktion gegen den Überschriftenmurks

Zitat von sysop
Sie sollen den deutschen Frachter "Taipan" gestürmt haben, um Lösegeld zu erpressen: Im Hamburger Verfahren gegen zehn Somalier hat die Staatsanwaltschaft bis zu elf Jahre Haft gefordert - für die Angeklagten völlig unverständlich. Szenen eines beispiellosen Prozesses.
Es ist wirklich unglaublich. Ich arbeite bei der Reederei, der das Schiff gehört. Es handelt sich um kaltblütige, potentielle Mörder, denen ein Menschenleben nichts bedeutet. Die Schränke in den Kabinen waren mit Kugeln durchlöchert, weil sie die Besatzung in den Schränken vermutet hatten.

Die Piraten haben in Mordabsicht auf die potentiellen Verstecke der Crew- Mitglieder gefeuert. Hätte es den Panikraum nicht gegeben, in der sich die Besatzung verschanzt hatte, wären die Crew-Mitglieder heute nicht mehr am Leben. Das wehleidige Getue der Angeklagten ist vor diesem Hintergrund nicht erträglich.

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Simax 26.01.2012, 02:12
55. Ne Ne

Zitat von review
Sie meinen 99,9% lehnen den Rechtsstaat ab? Sie sollten nicht Ihrer Meinung verallgemeinern.
99% lehnen lediglich diese irrsinnige Argumentation ab. Plötzlich waren fast alle unfreiwillig dabei ? Das glauben doch nur weltfremde Gestalten wie die beiden demonstrierenden Frauen die immer mit dem Plakat auftauchen das uns einreden soll das es sich hier um arme Fischer handelt. Dummerweise war in Somalai die Fischerei noch nie ein relevanter Wirtschaftszweig. Der Transport von Fisch bei 40 Grad ohne Kühlsysteme haut nun mal nicht hin.

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Tsardian 26.01.2012, 02:24
56. ...

Zitat von brotzeitholer
2. unfug, die werden abgeschoben, was denn sonst! natürlich auch zurecht, in diesem fall.
Nein es wird keine Abschiebung geben. Somalia existiert nicht wirklich, hat kein richtig funktionierendes Rechtssystem und gibt auch kein Auslieferungsabkommen. Und selbst wenn würde niemand die Piraten in eine Krisenregion abschieben.
Im Ergebnis ist es egal was passiert, die Piraten haben im Lotto gewonnen.

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vielosof 26.01.2012, 02:44
57.

Zitat von Atomkrafteimer
Ja, richtig erkannt. Der Rechtsstaat kostet Geld. Aber was wäre nun die Alternative? In Somalia gibt es keine "Gerichte" nach unserem Verständnis, da dort faktisch kein Staat existiert. Standrechtliche Erschießung mit anschließender Seebestattung?
Tja wie auch ihre Vorredner weisen Sie - zu Recht - darauf hin, dass in unserem Rechtsstaat es nur diese Lösung geben kann.
Ich weiß auch keine Lösung innerhalb dieses Systems.
Mir fällt an diesem Verfahren nur auf, dass die Muslime es wie so oft - somalische Piraten sind Muslime - schaffen uns die Kosten ihres Verhaltens aufzubürden.
Überfallen muslimische Somalipiraten erfolgreich ein deutsches Schiff entsteht uns Schaden. Werden sie dabi von der Bundeswehr gestoppt und natürlich schön weicheimäßig NICHT versenkt, sondern mit rosa Handschellen ins Flugzeug nach Deutschland verfrachtet, so ist das auch sehr teuer.

Für die zumeist sehr armen Somalis ist es somit ein lohnendes Spiel:

Gewinnen sie, ist es das große Los. Werden sie in Deutschland ein paar Jahre einsitzen, so kann man das auch noch verkraften.
Wenn wir das Piratenspiel so soft spielen, werden die nie damit aufhören.
Die Lösung kann nur sein, jedweden somalischen Piraten vor Ort zu erschießen. Dies ist billig, nicht ungerecht, denn die Piraten entführen und töten auch und hat darüberhinaus eine wohltuende pädagogische Wirkung auf potentielle Nachahmer der Piraten.

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sinasina 26.01.2012, 02:49
58. Koranschulen?

Zitat von chiefclancywiggum
[...] da diese ausser der Koranschule wohl keinerlei Erziehung genossen haben
Woher wissen Sie von den Koranschulen?

Somalia entstand aus dem Zusammenschluss der Kolonialgebiete Britisch- und Italienisch-Somaliland, die 1960 ("Afrikanisches Jahr") gemeinsam unabhängig wurden.

Ist England und Italien nicht eher christlich orientiert?
Was also haben England und Italien dort veranstaltet, wenn heute laut ihrer Aussage Koranschulen die einzige Bildung bieten?
________

Wie mit diesen Piraten umzugehen ist, halte ich für eine sehr schwierige Entscheidung.

Lässt man die Piraten einfach in Somalia, kostet dieses den deutschen Steuerzahler zuerst nichts, ist aber für die Piraten geradezu eine Aufforderung, weiterzumachen.
Bringt man die Piraten nach Deutschland zu einer Gerichtsverhandlung, entstehen dem deutschen Steuerzahler erheblich Kosten. Und ob dieses tatsächlich eine abschreckende Wirkung hat, sei dahingestellt.
Wahrscheinlich wäre eine vernünftige Entwicklungshilfe „Hilfe zur Selbsthilfe“, die auch tatsächlich ankommt, auf Dauer gesehen die sinnvollste Lösung.

Bisher scheint mir aber, Entwicklungshilfe dient hauptsächlich dem Interessen der Geberländer und dem Interesse global agierenden Firmen (siehe Engagement von China in Afrika) und füllt im Entwicklungshilfeland vornehmlich einigen wenigen Menschen die Tasche.

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chang55 26.01.2012, 06:30
59.

Zitat von sysop
Sie sollen den deutschen Frachter "Taipan" gestürmt haben, um Lösegeld zu erpressen: Im Hamburger Verfahren gegen zehn Somalier hat die Staatsanwaltschaft bis zu elf Jahre Haft gefordert - für die Angeklagten völlig unverständlich. Szenen eines beispiellosen Prozesses.
So schnell wird Science Fiction wahr. Die Armen holen sich eben mit Gewalt,was sie sonst nicht bekommen, während die Bewohner des goldenen Käfigs längst jede Emphatie verloren haben.
Wann wird die Spekulation mit Nahrungsmitteln verboten?
Heute?
All die Foristen, die nichts von Hunger wissen, können sich darauf vorbereiten, ihre Heimat bald nicht mehr verlassen zu können, jedenfalls nicht ohne Privatarmee, denn der Rest der Welt wird langsam sehr, sehr böse.
Viel Glück und Wohlstand, und natürlich Wachstum!

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