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Havarie des Frachters "MSC Zoe": Herumtreibende Container werden zur Gefahr für Fisch
REMKO DE WAAL/EPA-EFE/REX

Nach der Havarie des Megafrachters "MSC Zoe" sucht ein Kommando in der Nordsee nach Containern. Die Zeit drängt: Die knapp unter der Wasseroberfläche treibenden Stahlboxen könnten Boote rammen.

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TontonTombi 06.01.2019, 02:37
10. Bedarfslücken

Dieser Fall scheint mir einige Lücken aufuzeigen.
Warum (oder wie) schaffen es die Niederlande, ihre Marine für die Suche und Bergung der Container begeistern zu können, während die Bundesmarine "Wochenende" schiebt ? Fühlt man sich in Deutschland nicht davon angesprochen oder betroffen - oder ist diese gar nicht mehr existent oder einsatzfähig. Zumindest sollte diese ja mit Ordnungsmaterial ausgestattet sein.
Schön finde ich, dass zumindest auf Borkum ca. 200 Freiwillige mit Hand anfassten. Nur leider hat auch hier anscheinend Deutschland eine derartige Rechtssprechungskonstrukt geschaffen, dass diese jetzt allesamt Rechtsbrecher sind wegen Fundunterschlagung (bitte schmeisst Eure Funde dem Bürgermeister oder Bundestagsabgeordneten Eures Wahlkreises in den Garten). Da sollte man sich mal überlegen, warum es soliche Konstrukte eigentlich gibt, und warum diese immer gehäuft in Deutschland vorkommmen müssen.

Versicherungen: mehrere Kommentatoren fragten ja nach Versicherungen - das macht jede Transportversicherung und im Regelfall werden diese von den Empfängern oder Abladern abgeschlossen. Wobei dieses nicht Pflicht ist. Die Reederei lädt die Kosten auf diese ab, das gilt auch für evtl.anfallende Bergungskosten für das Schiff. Ist so üblich in dieser Branche, seit jahrhunderten. Es war aber auch mal üblich in Deutschland (und weltweit), dass Strandgut herrenlos wird. Schade, dass man in Deutschland jetzt schon beim Müllsammeln (um lehr handelt es sich meist nicht mehr) strafbar macht.

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chrismuc2011 06.01.2019, 03:31
11.

Nicht die im Wasser treibenden Container rammen die Fischerboote, sondern die Fischerboote kollidieren mit den Containern, weil diese nicht rechtzeitig zu erkennen sind. Container haben keinen Antrieb, also können sie auch nicht rammen. Journalisten könnten aber besseres Deutsch lernen.

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Siggi_Paschulke 06.01.2019, 07:09
12.

Das Stichwort ist selbst Selbstversicherung: wenn Sie einen Unfall haben mit einem Fahrzeug zB der Bundeswehr, der Bundespolizei und wahrscheinlich auch der Länder- Polizei, sind diese Fahrzeuge auch nicht versichert, der Staat zahlt das dann einfach so. Ist insgesamt günstiger als eine Versicherung für alle Fahrzeuge.

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SkeptischerLeser 06.01.2019, 09:36
13. Versicherung

Glück hat wer seinen Container versichert hat. Da haftet die Versicherung nicht nur für die Ware sondern auch für die Bergung des Containers und evtl. durch den treibenden Container entstandene Schäden. Und natürlich für den Container selber, den der war ja nur gemietet und muss wieder an die Reederei zurück gegeben werden.

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mwroer 06.01.2019, 10:17
14.

Zitat von TontonTombi
Schön finde ich, dass zumindest auf Borkum ca. 200 Freiwillige mit Hand anfassten. Nur leider hat auch hier anscheinend Deutschland eine derartige Rechtssprechungskonstrukt geschaffen, dass diese jetzt allesamt Rechtsbrecher sind wegen Fundunterschlagung (bitte schmeisst Eure Funde dem Bürgermeister oder Es war aber auch mal üblich in Deutschland (und weltweit), dass Strandgut herrenlos wird. Schade, dass man in Deutschland jetzt schon beim Müllsammeln (um lehr handelt es sich meist nicht mehr) strafbar macht.
Als Nachtrag und um mit einem Vorurteil aufzuräumen:

Sie machen sich nicht strafbar wenn Sie auf Borkum mithelfen. Sie machen sich nicht mal strafbar wenn Sie den Müll selbstständig aufheben und nur vom Strand entfernen.

Strafbar machen Sie sich nur wenn Sie den Müll mit nach Hause nehmen und/oder verkaufen.

Ich bin mir auch nicht (!) sicher dass es bei uns in den Niederlanden gestattet ist Reste aus dieser Havarie einfach mitzunehmen (was es normalerweise ist) weil man davon ausgehen kann dass der Besitzer bekannt ist. Spielt aber auch keine große Rolle denke ich, das Zeug vom Strand wegzuschaffen ist auch bei Ihnen keine Straftat. Ganz besonders nicht in diesem Fall.

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jujo 06.01.2019, 10:29
15. ...

Zitat von seamanslife
Ein Schiff wird z.B. bei Lloyds in London versichert und die sichern sich über eine Rückversicherung bei anderen Firmen ab. So wird im Schadensfall wie jetzt auf alle gesplittet die irgendwie Policen auf das Schiff verkauft haben. Das Risiko wird nach Anteil der Policen geteilt.
Es wird auch darauf ankommen ob die Havarie zu einer großen "Haverei" erklärt werden kann. Bei dieser sind alle Beteiligten in der Haftung den Schaden zu begleichen. Der Reeder, der Charterer und alle Ladungsbeteiligten, entsprechend ihrem Anteil an Schiff und Ladung.
Z.B. der Auswanderer der seinen Hausrat im Container verschifft.
Die Haftungshöhe wird entsprechend der finanziellen Beteiligung an Schiff und Ladung aufgeteilt. Die Beteiligung des Auswanderers dürfte wenn überhaupt sehr gering sein, bei dem Umpfang des Wertes der MSC "Zoe"
Wer mit dem Auto eine Fähre benutzt, sollte das kleingedruckte im Beförderungsvertrag lesen ob sein Auto als Fracht oder "Gepäck" deklariert ist. Fracht ist bei einer großen Haverei immer(!) beteiligt.

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jujo 06.01.2019, 11:01
16. ....

Zitat von SkeptischerLeser
Glück hat wer seinen Container versichert hat. Da haftet die Versicherung nicht nur für die Ware sondern auch für die Bergung des Containers und evtl. durch den treibenden Container entstandene Schäden. Und natürlich für den Container selber, den der war ja nur gemietet und muss wieder an die Reederei zurück gegeben werden.
Ich denke, das greift nur wenn der Container zum Beispiel, gemietet wurde und das shipping auf eigene Rechnung erfolgt. Ansonsten reicht eine normal Versicherung welche Transportschäden bis zum Verlust der Inhalts abdeckt.

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retikulator 06.01.2019, 11:08
17. knapp daneben ist auch vorbei

Zitat von Kai Bleker
Deswegen rollen Uboote ja auch bei einer Unterwasserfahrt auf Rädern über den Meeresboden, oder sie schwimmen wie normale Schiffe oben auf der Wasseroberfläche ;-) SCNR
Deswegen sind Container als Uboot-Ersatz auch so beliebt und viel billiger. Aber im Ernst, bei einem UBoot kann man das Gewicht so einstellen, dass es der Wasserverdrängung entspricht. Ansonsten sinkt es auf den Grund oder steigt auf, wenn es nicht in Fahrt ist. Bei einem Container wäre ein solcher Gleichgewichtszustand purer Zufall.

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Zuversicht7 06.01.2019, 12:21
18. Radar kann die Container nicht orten, aber die P 3 Orion kann es!!!

Zitat aus dem Spiegel:
Die im Meer treibenden Container können für Kutter- und Küstenfischer gefährlich werden. Wenn Container knapp unter der Wasseroberfläche treiben, können sie vom Radar der Schiffe nicht geortet werden. "Die Kollisionsgefahr ist sehr hoch", sagte der Sprecher des Deutschen Fischerei-Verbandes, Claus Ubl, der Nachrichtenagentur dpa. Zudem könnten sich Fanggeschirre oder Netze an Containern verhaken, die auf den Meeresboden gesunken sind. "Schlimmstenfalls kann dies zum Kentern des Schiffes führen", warnte Ubl.
Unterzitat:
Wenn Container knapp unter der Wasseroberfläche treiben, können sie vom Radar der Schiffe nicht geortet werden. "Die Kollisionsgefahr ist sehr hoch",

Die P 3 Orion ist ein Aufklärungsflugzeug und in Nordholz beheimatet.
Dieses Flugzeug verfügt über verschiedene Sensoren.
Auch über ein Magnetometer, welches Abweichungen vom normalen Erdmagnetfeld darstellen kann,, z.B. durch einen unter Wasser befindlichen Stahlcontainer.
Diese Position wird festgehalten und kann an das Havariekommando
weitergegeben werden!

Info P 3 Orion:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lockheed_P-3

Sensorik:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lockheed_P-3#Sensorik

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k70-ingo 06.01.2019, 18:10
19.

Zitat von seamanslife
Im Seerecht ist der Begriff "rammen" juristisch immer mit einer vorsätzlichen Handlung einer Person verbunden. Da ein Container keine Person ist kann er nicht "rammen". Desweiteren ist das Entnehmen der Ladung eines Containers Diebstahl. Ein Container ist nach außen verlagerter Laderaum und der Inhalt dieses Laderaums ist durch die Güterhaftpflichtversicherung des Reeders versichert. Die Güterhaftpflicht des Reeders beginnt mit dem Absetzen des Containers auf dem Schiff und endet wenn die Gantry im Löschhafen den Container angehoben, somit vom Schiff gerennt hat. Somit ist im Versicherungsfall der jetzt eingetreten ist der Inhalt des Containers Eigentum der Güterhaftpflichtversicherung. Die Güterhaftpflicht gilt für jeden Container separat vom Ladehafen bis zum Löschhafen. Leute die Container plündern sind nichts weiter als "Strandräuber" oder Diebe.
Nein, die Güter sind nicht durch eine Güterhaftpflichtversicherung versichert. Eine Haftpflichtversicherung -egal, was für eine- deckt Schäden ab, die Dritten zugefügt werden, nicht das Eigentum des Versicherungsnehmers.

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