Forum: Panorama
Heimat statt Arbeit: Die Berufung des Florian Fritsche
Benjamin Maack

Florian Fritsche findet einfach keine Arbeit. Seit mehr als einem Jahr ist der junge Historiker auf Jobsuche. Warum es nicht klappt? Die Antwort ist simpel - und wirft wichtige Fragen auf.

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geirröd 26.05.2016, 12:08
1. Ich vermute...

....dass man auch in sehr sehr vielen anderen Ortschaften nicht unbedingt einen Job als Historiker bekommt. Hätte Herr Fritsche z.B. eine Ausbildung zum KFZ-Mechaniker, Elektriker oder ähnliches absolviert, sähe das mit einem Job in seiner Gemeinde denke ich besser aus. Ausgefallene Studienabschlüsse erfordern demnach den Blick über den Tellerrand . Tipp: Taxifahrer? (Sarkasmus off)

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Le Commissaire 26.05.2016, 12:09
2.

Selbstverständlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn jemand heimatverbunden ist und nicht für einen Job umziehen möchte -- solange er dabei nicht auf Kosten anderer lebt.

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anders_denker 26.05.2016, 12:09
3. Was spricht gegen pendeln

und 1-2 Tage Home Office?

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erlenstein 26.05.2016, 12:12
4. eine kleine historische Stadt

und kein Heimatmuseum? Da gehörte der junge Mann doch hin mit seinem Interesse und Wissen, Stadtführungen und Betreuung der Homepage incl.
Aber wenn das nicht klappt und wenn er partout mit seinem spezialisierten Studium die Stadt nicht verlassen möchte und keine Möglichkeit findet, muss er eben doch hinaus und erste berufliche Erfahrungen woanders schnuppern. Schon von jeher waren junge Menschen dazu gezwungen ihre Region zu verlassen für Ausbildung und Beruf, und es hat den Meisten nicht geschadet. Viele sind auch wieder zurückgekehrt, reicher um neue Erfahrungen.
Also keine Krokodilstränen. Er ist erst 26, herrje!

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helle_birne 26.05.2016, 12:12
5. Es ist eine Schande für ein reiches

Land wie Deutschland, dass ein junger Mensch als studierter Historiker nicht auch in seinem kleinen Heimatort eine entsprechend qualifizierte Tätigkeit findet, sondern allenfalls in einer Groß- oder Universitätsstadt. Wenn wir endlich das bedingungslose Grundeinkommen hätten, wären Menschen wie Herr Fritsche und Millionen andere alle finanziellen Sorgen los und könnten z.B. eine ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechende gemeinnützige Tätigkeit nachgehen, z.B. in der lokalen Geschichtsforschung, "oral history" usw., usw. ...

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_gimli_ 26.05.2016, 12:16
6.

Ich stamme aus der Lausitz und habe mich nach dem Studium 1992 bewusst für ein Leben in Bayern entschieden. Heute habe ich jahrelange internationale Erfahrung, ein Top-Einkommen und blicke recht sorglos in die Zukunft. Würde ich immer wieder so machen. Trotzdem verstehe ich die Beweggründe des jungen Mannes, in seiner Heimat bleiben zu wollen. Ich musste Freunde und Familie in der Lausitz zurücklassen und bin heute froh, dass meine Schwester die immer älter werdenden Eltern vor Ort unterstützen kann. Jeder ist selbst verantwortlich, seine Zukunft zu planen und zu steuern. Und egal, wie man sich entscheidet: Man gewinnt und verliert immer gleichzeitig.

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dianaberlin 26.05.2016, 12:17
7. entweder oder

ich finde es ganz toll, das er zu einem ort steht. was ich überhaupt nicht verstehe: wenn ich weiß, dass ih als tischler schon längst einen job hätte - warum studiere ich sozial pädagogik?
sorry aber: überall kann man seinen kopf halt nicht durchsetzten. ich meine, ich hab mir auch überlegt, was ich will. ich hätte gerne geschichte studiert, aber das braucht kein mensch - also hab ich was ganz anderes studiert und verdiene geld. so ist das nun mal - geld oder leben :)

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karamelltaler 26.05.2016, 12:20
8. kann ich total verstehen

da hilft nur, beruflich weniger fixiert sein. Schön, dass es bei ihm dann doch noch geklappt hat.

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friespeace 26.05.2016, 12:21
9. Was soll mir der Artikel sagen?

So leid es mir tut, komme ich mit dem Artikel nicht so ganz mit. Ist die Botschaft denn tatsächlich, dass jemand nur auf Grund seiner Heimatliebe keinen Job bekommt? Ich denke nicht, obwohl es natürlich ein Problem ist (und dieses weiter wachsen wird), in einer ländlichen Region einen Job zu bekommen.

Nein - wenn er 100 Bewerbungen geschrieben hat, kann man doch eindeutig erkennen, dass es Jobs in der Region gibt! Ich gehe zumindest davon aus, dass er a) nicht ausschließlich Initiativbewerbungen geschrieben hat und b) darauf geachtet hat, dass die angeschriebenen Firmen für ihn auch erreichbar sind.
Das Problem ist doch ein ganz anderes: da hat jemand Geschichte studiert - nicht einmal auf Lehramt, sondern tatsächlich ausschließlich Geschichte, ohne sicherzugehen, dass in seinem Heimatort dafür auch Bedarf ist. Für Historiker ist fast nirgends Bedarf.
Und dann bewirbt der gute Junge sich auf alle möglichen Jobs, die natürlich nicht zu seinem Profil passen, denn er hat ja Geschichte studiert. Vollkommen überraschend also, die Absagen...

Also, lieber Redakteur: schreibt doch lieber über sinnvolle und sinnlose Berufswahlen, aber nicht darüber, dass es offenbar dutzende Jobs in einer Region gibt, der Bewerber aber nicht darüber nachgedacht hat, auch ein passendes Profil zu erlangen.

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