Forum: Panorama
Heimat statt Arbeit: Die Berufung des Florian Fritsche
Benjamin Maack

Florian Fritsche findet einfach keine Arbeit. Seit mehr als einem Jahr ist der junge Historiker auf Jobsuche. Warum es nicht klappt? Die Antwort ist simpel - und wirft wichtige Fragen auf.

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Betrayer 26.05.2016, 13:14
30. Lehramt hätte ihm geholfen

Gerade mit Geisteswissenschaften ist es schwierig, einen Job zu finden. Deswegen wäre es sinnvoll gewesen, Geschichte auf Lehramt zu studieren oder sich jetzt noch weiterzubilden, um an einer Schule unterrichten zu können. Ich studiere Biologie/Sozialwissenschaften für Gym/Ge und mir war von Anfang an klar, dass ich ohne Lehramtsstudium nie in diesen Berufen arbeiten könnte, denn niemand sucht solche Leute.

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warum_nicht? 26.05.2016, 13:14
31.

Zitat von Wayne2000
immer muss der Staat und immer sind die anderen Schuld. Sicher, gern habe ich als Steuerzahler Herrn Fritsche ein Studium seiner Interessenlage aber am Arbeitsmarkt vorbei, finanziert. Jeder macht nur noch wozu er Lust hat, wenn das die Konsequenz aus .....
Geschichte ist sinnfrei wohl nicht, brotlos häufig schon. Ansonsten bin ich da bei Ihnen.

Sicherlich ist's auch schön in seiner Stadt, ich bin in ähnlichen Bedingungen in der Vorderpfalz aufgewachsen.

Aber besteht in seinem Alter nicht die Neugier auf die "Welt da draussen"? Ich bin vielfach berufsbedingt umgezogen und möchte diese Erfahrungen nicht missen, andere Menschen und Orte kennen gelernt zu haben.

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Wunderläufer 26.05.2016, 13:14
32. Unverständlich

Ich kann den Mann nicht verstehen und habe auch kein Mitleid. Ich war selbst in der gleichen Situation als Politologe: die Arbeit kommt nicht zu mir, also gehe ich zur Arbeit. Letztendlich sind rausgekommen mehr als 23 Jahre als Wochenendpendler, bis ich dann doch relativ wohnortnah eine Arbeit finden konnte. Jammern? Nö

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ingbuzzer 26.05.2016, 13:14
33.

Das eigentlich bemerkenswerte ist ja auch, dass ihm keiner eine Chance als Quereinsteiger gibt. Die 100 Bewerbungen waren ja größtenteils auf fachfremde Jobs bezogen. Leider sind viele Unternehmen (und auch Behörden) so gepolt, das sie lieber niemanden einstellen oder bis zum Sankt Nimmerleinstag suchen, als einem Quereinsteiger oder jemandem mit unrundem Lebenslauf eine Chance zu geben.

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Lektorat Berlin 26.05.2016, 13:17
34. Ich

bin ebenfalls Historikerin (Magister im vergangenen Jahrtausend gemacht), und wenn ich die Einstellung Herrn Fritsches teilte/geteilt hätte, wäre ich wahrscheinlich noch heute arbeitslos.
Merke: Wenn ich schon partout ein brotloses (aber eben geliebtes!) Fach studieren will, muss ich dann aber auch ganz besonders "flexibel", motiviert und einfallsreich sein, um mir dann auch meinen Lebensunterhalt verdienen zu können, und dieses Thema stellt sich bereits VOR Studienantritt, nicht erst mit dem Bachelor. Herr Fritsche braucht sich jedenfalls über seine Arbeitslosigkeit bestimmt nicht weiter zu wundern (und schon gleich gar nicht zu klagen!) und darf sich mutmaßlich noch lange an ihr erfreuen.
Schuld daran sind - natürlich - die anderen.
Vielleicht kann er ja ein Praktikum beim ortsansässigen Metzger machen? Wenn das in seinen Tagesablauf passen sollte? Ansonsten zahle ich natürlich gern weiter seinen Lebensunterhalt mit, damit er Mamas Kochtöpfe und die heimische "Stadt" nicht etwa verlassen muss. Pöhserpöhser Raubtierkapitalismus...

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Furchensumpf 26.05.2016, 13:18
35.

Zitat von Le Commissaire
Selbstverständlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn jemand heimatverbunden ist und nicht für einen Job umziehen möchte -- solange er dabei nicht auf Kosten anderer lebt.
Sie gehören dann auch sicherlich zu denen, die sich dann aufregend fragen, warum sich so wenige Erwachsene um ihre Eltern kümmern, wenn diese mal pflegebedürftig sind.

Sie finden sicherlich den Widerspruch...

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fluxus08 26.05.2016, 13:18
36. Vielleicht hätte der Gute

nicht Geschichte studieren sollen, sondern Agrarwirtschaft, wenn er in einem Dorf mit ein paar tausend Einwohnern leben und arbeiten möchte.....

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Affenhirn 26.05.2016, 13:19
37. Wo bleibt die Flexibilität?

Ich versuche mal zusammenzufassen:
Studium - in Weißensee? - Wohl eher nicht. --- Vor Studienbeginn nach Berufsmöglichkeiten in der Zielumgebung informiert? - wohl eher nicht, dabei gibt es beim Arbeitsamt eine Menge Berufsberatungsangebote vor dem Studium ---
Nach dem Studium in über 2 Jahren nur 100 Bewerbungen geschrieben -- das ist nicht mal eine Bewerbung pro Woche. ----
Welchen Umkreis deckt der Bewerber denn ab? Ist er bereit, mehr als eine Stunde Arbeitsweg hinzunehmen? Das ist für viele Berufstätige Realität. ---
Resumé: Wer so unbedarft ins Studium stolpert, ohne seine Bedürfnisse bereits VOR dem Studium zu berücksichtigen, der sollte hinterher nicht so herumheulen.

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chrome_koran 26.05.2016, 13:19
38. Eine Tendenz ist zu erkennen

Der junge Mann will unbedingt in die Politik, und zwar in seinem D… ähem, in seiner Stadt. Okay, nichts dagegen auszusetzen, als Historiker hat er – so jedenfalls zu hoffen – durchaus gute Voraussetzungen dafür. Er engagiert sich sozial –Hut ab, sogar in einem doch nicht ganz ungefährlichen Ehrenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr. Er lebt im Elternhaus, was seine Lange noch einmal etwas entschärft.

Und mal ganz ehrlich, wenn ich es recht verstehe, ist der Kollege erst seit gerade mal einem Jahr ohne feste Anstellung. Das ist bei Akademikern leider nur insofern eine Seltenheit, weil viele noch länger arbeitslos bleiben. Das ist noch kein Grund, sich zu kasteien. Zumal soweit seine sozialen Aktivitäten davon um so erfolgreicher werden.

Ewig bleibt diese Komfortzone zwar nicht bestehen –spätestens wenn es gilt, das Elternhaus zu erben und zu erhalten, wird's ernst. Doch bis dahin ist der Herr schon Bürgermeister seines Do… seiner Stadt. Wer weiß, vielleicht pachtet er die zugehörige Kneipe auch noch.

Was ich ihm vom Herzen wünsche.

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Pega123 26.05.2016, 13:19
39. Sie sprechen mir aus der Seele...

Zitat von friespeace
Also, lieber Redakteur: schreibt doch lieber über sinnvolle und sinnlose Berufswahlen, aber nicht darüber, dass es offenbar dutzende Jobs in einer Region gibt, der Bewerber aber nicht darüber nachgedacht hat, auch ein passendes Profil zu erlangen.
Wenn ich doch schon weiß, dass ich gerne in meinem Heimatdorf bleiben will, sollte ich mir vor der Berufswahl Gedanken machen, wie der Bedarf auf dem lokalen, überschaubar kleinen Arbeitsmarkt ist.
Wenn ich dann also Historiker werde, ist mir doch mit dem ersten Studientag klar, dass ich in dem Dorf, aus dem ich komme keinen Job finden werde.

Jetzt ist der arme Kerl 26. Damit hat er doch noch alle Chancen, etwas anderes ggf. eine andere Ausbildung zu machen. Das ist also alles kein Problem! Jeder macht seine Fehler.

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